aus der Sicht von Max

Die Erwartungen sind hoch, denn alle bisher angetroffenen Reisenden schwärmten von Yogyakarta, dem „viel schöneren Jakarta“. Nur all zu oft hörten wir unterwegs von Orten, von denen man „so schnell wie möglich weg“ sollte oder solchen, die „stinkig und dreckig“ sind und dennoch hatte es uns gut gefallen und umgekehrt genau so. Man darf also gespannt sein.

Die siebenstündige Zugfahrt von Malang nach Yogyakarta vergeht wie im Flug und bei Ankunft wird schnell klar: das hier ist eine andere Hausnummer! Von dem ländlichen „Dorf-Flair“ ist in der 388.000 Einwohner Stadt nichts mehr zu spüren. Die Hektik, der Verkehr und die Menschenmassen aber auch das Wetter erschlagen mich regelrecht. Gefühlt sind es einige Grad wärmer als noch heute Morgen in Malang und die extrem hohe Luftfeuchtigkeit lassen uns ganz schön schwitzen.

Dennoch entscheiden wir uns für etwas Bewegung und nehmen die fünf Kilometer zum Hostel bei 32°C und über 90% Luftfeuchtigkeit zu Fuß in Angriff. An der Unterkunft angekommen hätte man mein T-Shirt samt Hose auswringen können.

Am nächsten Morgen starten wir in aller Gemütlichkeit. Es empfielt zwar jeder die Touren zu den beiden Tempeln „Borobudur“ und „Prambanan“ bei Sonnenaufgang zu buchen, um den Touristenmassen zu entfliehen, doch der nicht ganz unerhebliche Preis lässt uns diese Option verwerfen. Ganz nebenbei tut es auch mal gut morgens keinen Wecker zu stellen.

Ich bin nach meiner letzten Erfahrng am Pura Besakih noch etwas skeptisch bezüglich der Tempel. Der Preis für ein Kombiticket beläuft sich immerhin auf stolze 40$. Ob hier erneut der Kommerz herrscht?

Am Tempel angekommen werde ich positiv überrascht. Dank unserer Studentenausweise erhalten wir fast 40% Preisnachlass und im Preis ist je ein Begrüßungsgetränk enthalten. Mag sich nicht besonders anhören, doch alles in allem eine nette Geste, die wir in der prallen Mittagshitze gerne annehmen.

Kaum den Eingang passiert, liegt der größte buddhistische Tempel der Welt vor uns. Und das Beste: keine Leute! Niemand. Wir sind quasi völlig alleine hier. Ob es an der Saison liegt, Ramadan oder der Mittagshitze? Ich weiß es nicht und es ist mir auch egal! In aller Gemütlichkeit können wir die imposante Anlage erkunden, Leinwandmotive schießen und einfach die Stille genießen. Diese Erfahrung ist vermutlich nur wenigen vergönnt.

Erbaut im achten Jahrhundert ragen noch heute die neun Etagen des Tempels dem Himmel entgegen. Doch dies war nicht immer so. Kurz nach seiner Fertigstellung im Jahre 1006 wurde der Tempel urplötzlich verlassen. Experten führen es auf eine Eruption des nahe gelegenen Vulkanes „Merapi“ zurück, der die gesamte Anlage für die folgenden 808 Jahre unter einer dicken Ascheschicht und zunehmend dichter werdender Vegetation begrub. Knapp 100 Jahre nach seiner erneuten Entdeckung wurde die Anlage 1991 von der UNESCO als Weltkulturerbe erklärt.
In den meisten der sich auf der obersten Ebene befindenden Stupas sitzen noch heute Buddha Statuen. Viele sind beschädigt, haben Arme oder den Kopf verloren. Doch einige sind noch intakt und nach der Legende bringt das Berühren der Hände des Buddhas Glück. Dieses gilt es sich jedoch zunächst zu verdienen, denn nur mit einem schlanken und vorallem langen Arm ist das Erreichen der Statue durch die Öffnungen möglich. Kurz gewachsen? Pech gehabt!

An den Tempel ist eine riesige Parkanlage angeschlossen, die neben unzähliger Grünflächen und Sitzecken ein kleines Museum einschließt. In diesem werden einige der Verzierungen des Tempels im  Detail erklärt und die Einzelteile, deren ursprüngliche Position noch nicht festgestellt werden konnte, gelagert.

Vom Buddhismus zum – ja was eigentlich? – zur Kirche des Hühnchens. Klingt komisch, ist es auch. Nichtmals zehn Minuten vom Borobudur entfernt liegt die „Giant Chicken Church“. Was uns da erwartet? Keine Ahnung! Finden wir es heraus.

Eine Kirche, die tatsächlich wie ein überdimensionales Huhn aussieht erwartet uns an dem im GPS markierten Ort. Den Schnabel gackernd, weit aufgerissen, eine Krone auf dem Kopf und im Schwanzteil eine zweistöckige Terrasse mit Café. Was es damit wohl auf sich hat? Beim Betreten der Kirche wird schnell klar: es handelt sich nicht nur von außen um ein Anbetungshaus der besonderen Art, sondern auch von Innen. Hier sind Kapellen, große und kleine Gebetsräume, private Zimmerchen und so ziemlich alle nur erdenklichen Gottheiten jeglicher Religionen anzutreffen. Es ist ein Gebetshaus, das jedem, egal welcher Glaubensrichtung er oder sie angehört, offensteht und so die Religionen ein wenig vereint. Ein schöner Gedanke und ein Ort, den ich so noch nie zuvor gesehen habe.

Die Krone auf dem Kopf des Hühnchens ist nicht nur super stylisch, sondern dient auch als Aussichtspunkt, von der man einen atemberaubenden 360° Blick über das umliegende Land erhält.

Die Kirche ist ein Projekt, das sich noch immer in der Bauphase befindet. So skurill es auch scheint, die Giant Chicken Church ist definitiv einen Besuch wert.

Am nächsten Morgen machen wir uns in gewohnt gemütlicher Manier auf den Weg zum zweiten Tempel auf unserer Liste in Yogyakarta, dem „Prambanan Temepl“. Ein hinduistischer Tempel, der wie sein buddhistisches Pendant im neunten Jahrhundert erbaut wurde. Um ihn wieder mehr oder weniger für uns zu haben, starten wir in der unerbittlichen Mittagssonne. Doch dir Hitze und der Schweiß zahlen sich mal wieder aus. Es scheint, als seinen wir die einzigen, die die gigantische Anlage besuchen. Der Prambanan ist der größte hinduistische Tempel in Indonesien und gibt einen kleinen Vorgeschmack auf Angkor Wat (oder wie ich es mir zumindest vorstellen würde). Die gesamte Anlage setzt sich aus 250 kleineren Tempeln zusammen, die wir nach und nach erkunden. Doch die Mittagshitze fordert ein wenig ihren Tribut. So finden wir uns immer wieder unter schattigen Bäumen oder in kühlen Tempelecken wieder, um der Hitze zu entfliehen. Es fehlt ein wenig der Antrieb, doch lieber das Gesehene genießen und in aller Ruhe in sich aufnehmen, als versuchen alles zu sehen und doch nichts richtig zu erleben.

Leider wurden große Teile der Anlage bei einem starken Erdbeben im Jahr 2006 beschädigt, sodass einige Abschnitte doch eher nur noch Ruinen oder Trümmerhaufen sind. Den Anblick, den man hier vor noch einigen Jahrzehnten hätte antreffen können, lässt sich gut vorstellen. Zum Glück sind die großen Hauptempel nach wie vor intakt.

Den letzten Abend hier in Yogyakarta lassen wir gemütlich über den Dächern der Stadt ausklingen. Deborah hat extra einen ihrer Geheimtipps heraus gesucht und so bahnen wir uns mit unserem Rollerchen den steilen Weg aus der Stadt hinaus, bis wir schließlich einige kleiner Restaurants und Garküchen erreichen, die mit einem gigantischen Ausblick über der Stadt thronen – ein würdiger Abschluss.
Mein Fazit? Die Stadt mit den zwei Tempeln sollte man definitiv erlebt und gesehen haben!


0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.