aus der Sicht von Deborah

Neben dem „Yellowstone“ gehört der „Yosemite National Park“ zu den wohl bekanntesten der USA und ist somit natürlich auch ein Muss auf unserer To-do-Liste. Trotz des großen Angebotes an Campingplätzen und anderen Schlafmöglichkeiten sind die meisten Unterkünfte schon Monate im Voraus ausgebucht. Marcos weiß jedoch von einer Bekannten, dass es eine Art „letztes Auffanglager“ gibt, für Reisende wie uns, die Last-Minute anreisen. Doch als wir das sogenannte „Camp 4“ in der Dunkelheit erreichen, verheißt ein Schild mit der Aufschrift „Campground Full“ nichts Gutes. Erst für den nächsten Tag werden 35 Plätze frei und somit bleibt uns nichts anderes übrig, als die Nacht zu fünft im Auto zu verbringen – was eigentlich nicht erlaubt ist – um hoffentlich einen der rahen Plätze zu ergattern. Als wir das Auto für die wohl weniger erholsame Nacht vorbereiten wollen, stellen wir fest, dass um uns herum verdächtig viele Camper und andere Autos stehen, die den Anschein erwecken, als würden darin weitere Anwärter für den nächsten Tag warten. Wir erfahren, dass dieser Campingplatz traditionell von vielen Kletterern aufgesucht wird, die ganz gezielt hier ihre Zelte aufschlagen. Einige von ihnen liegen bereits in ihre Schlafsäcken eingepackt, in der klirrenden Kälte, vor dem Kassenhäuschen, um nur ja nicht ihre Chance zu verpassen. Kurz entschlossen entscheiden Max und ich uns dazu, ebenfalls die Nacht unter dem Sternenhimmel zu verbringen, denn schließlich ist dieser Campingplatz unsere letzte Chance. Als ich am nächsten Morgen aufwache und mich umschaue, erinnert mich die Szenerie an Menschen, die an der Grenze darauf warten, Einlass gewährt zu bekommen. Dicht an dicht liegen weitere Camper, in ihre Schlafsäcke eingepackt, hinter uns. Die Schlange zählt bereits morgens um sechs Uhr fast 30 Personen. Mit einer halben Stunde Verspätung trifft der Ranger ein, der uns freundlich mitteilt, dass wir für die nächsten zwei Nächte einen Zeltplatz sicher haben. Da wir allerdings erst um zwölf Uhr aufbauen können, entschließen wir uns zu frühstücken und mit dem für heute geplanten Hike zu starten. Eines der Highlights ist der sogenannte „Mirror Lake“. Früh morgens, wenn es noch windstill ist und seine Oberfläche damit ganz ruhig, spiegelt sich die Felsformation des „Half Domes“ in voller Größe und Perfektion darin. Saisonbedingt befindet sich jedoch zur Zeit leider kein Wasser in diesem See, wodurch der malerische Anblick ausbleibt. Ebenfalls die „Yosemite Falls“, an denen unser Weg vorbei führt, sind ausgetrocknet. Doch auch wenn die sonst wasserreichen Ströme im Moment nicht mit ihren Naturgewalten beeindrucken können, bietet die Wanderung durch das „Yosemite-Tal“ märchenhafte und verzauberte Eindrücke. Monströse, moosbewachsene Steinbrocken, die sich einst vom Bergmassiv abspalteten, schatten-spendende  Bäume aller Art und die ausgetrockneten Flussbetten mit den über die Jahre vom Wasser abgerundeten Steinen. Die Stille wird durch ein nahendes und geheimnisvolles Rauschen untebrochen. Der Anstieg des Weges beginnt und wie ein Band schlängelt sich dieser immer höher und steiler am Berg entlang, der befestigte Weg endet und es geht über Stock und Stein weiter. Wir erreichen mein persönliches Herzstück des Parkes – Die „Vernal Falls“. Auch wenn das Wasser, das sich den glatten Fels hinunterstürzt, verhältnismäßig einem Rinnsal ähnelt, wirkt es majestätischer denn je. An den hervorstehenden Kanten bricht das Wasser und wird hauchfein zerstäubt, bevor es in den kristallklaren, türkis-blauen See mündet. Die darauf scheinende Sonne tut ihren Teil und ein Regenbogen in kräftigen Farben wird sichtbar. Dieses Spektakel lädt dazu ein, einfach eine Weile auf den großen Steinen zu verweilen und dem Wasser- und Farbenspiel zu zuschauen. Als die Sonne hinter den Bergen verschwindet lässt auch ihre wärmende Kraft nach und wir treten den Rückweg an. Am Nachtquartier angekommen, sitzen wir noch lange beim gemütlichen Lagerfeuer zusammen.

4:00 Uhr nachts – ein scherrendes, kratzendes Geräusch weckt mich auf. Im schumrigen Licht erkenne ich Max, der unbeeindruckt neben mir liegt – erneut ein Zerren und Reißen an der Zeltwand. Im Halbschlaf kommen mir die Warnschilder bezüglich der Bären in den Sinn und panisch versuche ich Max aus dem Schlaf zu rütteln. Doch noch während ich ihn mit rasendem Herzen wecke, besinne ich mich, dass wir alle Lebensmittel vorschriftsgemäß in eine bärensichere Box geschlossen haben und das Rascheln und Knacken zu einem wesentlich kleineren Tier gehören muss. Max beruhigt mich und meint: „Wahrscheinlich nur ein Waschbär.“ Dann hört man einen Reißverschluss der sich öffnet, wie von Menschenhand und ein Knacken von Plastik. Als wir vorsichtig die Zeltwand öffnen und mit der Stirnlampe in Richtung der Geräusche leuchten, kann ich aufatmen. Unschuldig sitzt der kleine Räuber mit schwarzer Augenbinde vor einem Baum und macht sich genüsslich über meine Vanillekekse her. Diese hatte ich nach unserer Wanderung vergessen weg zu packen und im Rucksack vor unserem Zelt gelassen. Der gesamte Inhalt meiner Tasche ist über dem Waldboden verstreut und eine deformierte Plastikbox in unmittelbarer Nähe des Waschbäres lassen keine Zweifel mehr offen, was der Grund für den spontanen Besuch war. Völlig unbeeindruckt von unserem Lärmen und Versuchen den Nager zu verjagen, isst er in aller Ruhe den letzten Keks und erst dann huscht er wieder ins Unterholz. Auch wenn er mir einen gehörigen Schrecken einjagte, sind es schon ulkige Tierchen.

An diesem Morgen trennen wir uns als Gruppe, Max und die Mädels brechen schon früher auf, da sie den für heute angestrebten Aussichtspunkt über einen steilen und herausfordernden Hangtrail erreichen wollen. Marcos und ich entscheiden uns für eine eher knie- freundlichere Variante, die am „Sentinal Dome“ vorbei führt. Bereits von hier aus hat man einen beeindruckenden Ausblick ins „Yosemite-Tal“. Der Weg führt immer weiter durch die Wälder, im Wechsel mit Lichtungen und terassenartigen Steinplatten. Nach ca. eineinhalb Stunden erreichen wir den „Glacier Point“. Von dieser Anhöhe kann man ein Viertel des gesamten National Parkes einsehen, inklusive des „Half Dome“, des „North Dome“ und des „Mirror Lakes“ – oder zumindest sein leeres Becken. Auch wenn es hier auf dem Gipfel noch recht kühl ist, entfaltet sich die Kraft der Sonne langsam aber spürbar. Auch die Anderen erreichen den Gipfel schon früher als erwartet. Bei einem selbst gemachten Sandwich genießen wir die sich uns bietende atemberaubende Aussicht.

Da die Beine nach den Hikes doch etwas schwer sind, haben Marcos und ich das Auto an einem nahegelegenen Parkplatz abgestellt, der über eine einstündige, moderate Wanderung zu erreichen ist. Auf unserem Rückweg zeigt sich uns ein weiterer Steinriese, der ebenfalls viele der angereisten Kletterer herausfordert. „El Capitan“ ragt mit einer Höhe von 2307 Metern aus dem Tal heraus und ist vom Aussichtspunkt „Tunelview“, an dem wir unseren heutigen letzten Stopp einlegen, zu sehen.
Wir verabschieden uns, doch nicht nur von unserem vorerst letzten National Park, sondern auch bis auf weiteres von der Natur, denn das nächste Ziel heißt San Francisco.

Folge uns auf Instagram, um auf dem Laufenden zu bleiben!

Jetzt auch auf Youtube!

Kategorien: Amerika

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.