aus der Sicht von Deborah

Dass in Los Angeles Nichts unmöglich ist, haben wir bereits gelernt. Doch wie verrückt es in der Stadt der Filmindustrie zu gehen kann, lernen wir heute auf einer unserer Studio Tours. 1923 wurden die Warner Brothers Studios von den vier Brüdern: Harry, Albert, Jack und Sam Warner gegründet und gehören bis heute zu den sechs größten Entertainmentfirmen Amerikas. Über mehrere Blocks erhebt sich das Studiogelände, wie eine eigene kleine Stadt, aus dem restlichen Häusermeer. Einen eigenen Supermarkt und eine eigene Feuerwehrwache, diese gehören zu den wenigen Dingen, die hier „echt“ sind. Da das Gebiet so gigantisch ist, fahren wir mit einer kleinen Bahn durch die Straßen und kommen direkt zum sogenannten „Backlot“. Die hier aufgebauten Straßenfassaden, sechs an der Zahl, haben bereits für einige berühmte Filme der Geschichte gedient. Es handelt sich meist um Fassaden, die aus einem speziellen Kunststoff hergestellt werden. Das erlaubt eine schnelle und unkomplizierte Ummodellierung für das jeweils gewünschte Set und trotzdem wirken die Steine täuschend echt. So entsteht hier zum Beispiel durch das Anbringen von Ladenschildern und den  passenden Straßenlaternen eine mögliche Straße in Paris, New York oder Washington DC. Filmproduktionen können die Fake – Häuser in alles verwandeln, was ihnen vorschwebt – wollen sie eine Aktionszene drehen und dabei eines der Gebäude explodieren lassen, ist dies das geringste Problem, einzige Voraussetzung: der entstehende finanzielle Schaden muss zurück erstattet werden.
Die Straßen enden immer in einer Kurve, so entsteht die Illusion einer ewig langen Avenue und um auch den kritischen Zuschauer nicht zu enttäuschen, kümmern sich eigens angestellte Mitarbeiter ausschließlich darum, Kaugummi auf dem Bürgersteig zu verschmieren und ihn somit authentisch und belebt wirken zu lassen. Die in den unteren Etagen befindlichen Fenster fallen etwas größer aus als die darüber liegenden. Dadurch wird dem Betrachter eine nicht vorhandene Tiefe vorgegaukelt, die die Gebäude vor der Kamera höher erscheinen lassen.
Weiter geht es in das so genannte „Archive“. Hier befindet sich eine kleine Ausstellung zu Kostümen und Kulissen der Studios. Zur Zeit beherbergt sie einige der bekanntesten Harry Potter Utensilien, wie etwa den sprechenden Hut, ein Quidditschspielset, oder die Zaubermäntel der jungen Magier. Eine Etage tiefer befinden sich die Kostüme der DC Universe Superhelden wie z.B „Superman“ oder „Flash“. Weiter geht es, vorbei an riesigen Studios mit ihren „Elephantdoors“ durch die ermöglicht wird, auch große Kulissen in die Studios zu transportieren. Dies ist zum Beispiel wichtig für das Aufbauen der temporären Sets, wie wir beim nächsten Stopp, den „Soundstages“ sehen. Hier werden hauptsächlich Sitcoms produziert, wie etwa „The Big Bang Theorie“, „Two and a half men“ oder die Serie US-Fernsehserie „Friends“. Dicht aneinander sind die einzelnen Sets gereiht, die durch die passende Ausstattung das Gefühl vermitteln, als würde man sich in jener Studenten – WG oder in Charlies Strandhaus in Malibu befinden. Die davor liegende freie erste Reihe,  bietet genügend Platz für die Kameramänner und sämtliche Soundtechniker, um mit ihren Schwenkstativen immer am Ort des Geschehens dabei sein zu können. Dahinter befindet sich der Bereich des Auditoriums, dort wo wir gerade sitzen. Hier nehmen Produzenten, aber auch Gasthörer ihre Plätze ein, werfen Verbesserungsvorschläge ein und das bekannte Lachen, das man in den Serien hört, ist jenes, welches den Hörern hier durch die Jokes der Schauspieler entlockt wird. Ist die Produktion zu Ende, bleibt lediglich der Blankoraum zurück, der bereits für die nächste Inszenierung bereit steht. Bei all den kleinen Details, die wir in diesen Studios gesehen haben fragt man sich natürlich auch: Wo kommen die Möbel, Lampen, selbst Sheldons Mathematikertafel eigentlich her?! Auf der Antwort danach suchend führt uns der Weg zunächst zur „Mill“. Wie in den Hallen einer Fabrik arbeiten hier Schreiner, Elektriker, Metaller, Maler und andere Handwerker daran, die gewünschten Umgebungen für Film und Fernsehen zusammen zu zimmern. Doch eine Küche ohne jegliche Kochutensilien, oder einer Schale Obst auf dem Tisch, würde dem Zuschauer direkt das Gefühl vermitteln, er befände sich in einem Ausstellungshaus. Daher gibt es hier bei den Warner Brothers einen scheinbar unendlichen Fundus mit Requisiten aller Art. Was für den ungeschulten Betrachter wie ein schlecht geführtes Antiquariat wirkt, ist in Wirklichkeit ein bis ins Kleinste, durchdachte Konzept. So hat jedes Einzelstück einen Barcode, um im Handumdrehen einen Kronleuchter im Look des 16. Jahrhunderts oder den Schreibtisch des Präsidenten aus einer der insgesamt sechs riesigen Hallen zu finden. Für den Produzenten muss das schon ein Paradies sein, die kreative Idee in seinem Kopf durch das passende Stück eins zu eins in die Realität umzusetzen.

Die nächste Ausstellung, ein dunkler Raum mit jenem Strahler, der das Symbol einer Fledermaus an die dahinterliegenden Wand projiziert. Hier sind sämtliche Gefährte aus den einzelnen Batmanfilmen zu bestaunen. Vom Batmobil mit seinen geschwungenen Flügeln, bis hin zu motorradähnlichen Fahrzeugen. Das Verrückte daran: jedes der Ausstellungsstücke ist straßentauglich, zumindest in den USA, und einige besitzen sogar Fahrsicherheitssysteme, wie etwa ein ABS. In wie fern ein spektakuläres Bühnenbild beeinflussen kann und in welche Umgebung wir uns hinein versetzt fühlen, haben wir ja schon gesehen. Doch wie kann es eigentlich möglich sein, dass der menschengroße Magier Gandalf aus dem Herr der Ringe in die kleinen Häuser der Hobbits hineinpasst? Damit beschäftigt sich das abschließende Museum.
Durch einen zweigeteilten Tisch können die beiden Protagonisten aus diesem Film sich gegenüber sitzen und durch den richtigen Winkel der Kameraeinstellung entsteht der Eindruck zweier extrem unterschiedlich großen Figuren. Die Objekte auf dem Tisch noch im richtigen Größenverhältnis angepasst und schon können die beiden mit ihren Krügen anstoßen, auch wenn einer von beiden Puppengeschirr benutzt. Natürlich muss der Magier Harry bei seinem Quwidditchspiel auch nicht wirklich jene waghalsige Flugmanöver durchführen. Auf einem mechanisch gesteuerten Besen muss der Schauspieler die passenden Bewegungen und seine Körperhaltung wirklich anpassen, doch das ganze passiert in der Greenbox. Wie der Name schon sagt: ein grüner Hintergrund, der das Einspielen von jedem gewünschten Background ermöglicht. Ähnlich funktioniert auch das System hinter den sogenannten „Motioncaps“.  Dabei werden am Körper des Schauspielers spezielle Marker platziert. Diese Übrrmitteln die menschliche Gestik und Mimik eins zu eins an den Computer. Dessen Aufgabe besteht im Anschluss darin, die gewünschte Figur zur Bewegung zu animieren. Ob den zwiespältigen Gollum oder den hilfsbereiten Hauself Dobby, ihre menschenähnliche Bewegung wird durch diese Technik ermöglicht. Wie viel Arbeit hinter den Filmen steht, deren Premieren wir alle in den Kinos sehnsüchtig erwarten, kann man sich nicht vorstellen. Ein Papierstapel in der Raumecke steht symbolisch dafür, wie viele der eingereichten Ideen gar nicht in Produktion gehen. Auch die Bedeutung der Musik unterschätzt man leicht. Stellen wir uns einmal eine Strandpromenade vor – man hört das Rauschen der Wellen, Möwen kreischen, lachende Kinder, die Musik aus den Läden und und und. Was das menschliche Gehör ganz automatisch verarbeiten und zuordnen kann, wird für den Film in verschiedenen Tonspuren erarbeitet. In einem kleinen Studio wird eine Szene aus dem Film „Gravity“ gezeigt, der sich mit der Mondlandung auseinandersetzt. Zuerst sieht man den Film nur mit dem gesprochenen Text, dann wird dieser an die Akustik des Weltraumes angepasst, hinzu kommen die Nebengeräusche und dramatische Musik. Erst durch das Zutun der Geräusche entsteht ein schlüssiges Gesamtbild.

„The entertainment capital oft LA“, mit diesem Slogan werben die Universal Studios um ihre Universal City, in der neben einem riesigen Themenpark auch 70% der Studios liegen. Es ist gerade mal neun Uhr morgens und die Besucher reihen sich vor den Eingängen auf, wie bei einem ausverkauften Starkonzert. Kaum öffnen sich die Gittertore, stürzen vor uns zwei Menschen im kompletten Harry Potter Outfit in den Park hinein. Kein Wunder, denn in unmittelbarer Nähe befindet sich „Die Winkelgasse“ mit dem dahinter liegenden „Hogwarts“. Hier können Harrypotterfans ihren auf sie abgestimmten Zauberstab erwerben, einen Flug auf dem Hippogreif starten oder eine verbotene Reise durch die Schlossmauern erleben. Bei Letzterem sitzen die Besucher in kleinen Wagons und werden passend zu den vor ihn befindlichen 3D Animationen durch die Lüfte gewirbelt. Man kann kaum unterscheiden ob man sich selbst dreht, oder lediglich das, was einen umgibt, ob die Dementoren wirklich nach einem greifen oder sie doch nur Illusion sind?!
Nebenann in einem verlassenen Krankenhaus haben es die „Patienten“ wirklich auf dich abgesehen. Das Harrison Memorial Hospital wird zu jenem Schauplatz der Staffel „The walking dead“ und die Schauspieler die hinter jeder Ecke lauern lassen es einem eiskalt den Rücken hinunterlaufen. Doch Max und ich bahnen uns unseren Weg durch die blutverschmierten Korridore, ohne von den Halbtoten infiziert zu werden.
Nach diesem Horror wartet der nächste Wahnsinn in Springfield. Matt Groenings gelbe Zeichentrickhelden haben hier die Führung übernommen. Ob ein Bier bei Moe’s oder einen Krusty Burger genießen, alles kein Problem die Simpsonscharaktäre sind alle vertreten, manche sogar zum Greifen nah!

Habt ihr euch schon mal gefragt wie ein Schauspieler brennen kann, oder womit eigentlich sämtliche Hintergrundgeräusche im Film erzeugt werden? Diesem Rätsel gehen wir in einer zwanzig minütigen Show auf den Grund. Hier werden die „Special Effects“ Hollywoods genauer unter die Lupe genommen. Das Zerknautschen einer Plastikflasche ergibt das authentischste Geräusch, um einen Knochenbruch zu simulieren, zum Beispiel bei einer Schlägerei. Dabei werden die Stars natürlich durch extra ausgebildete Stuntmänner ersetzt, was aber nicht heißt dass diese zimperlich sind. Geht es noch etwas härter zu und ein Feuer bedroht das Leben der Actionhelden, haben diese spezielle Schutzkleidung an und können so einige Sekunden in Flammen stehen ohne dabei verletzt zu werden. Auch wer hoch hinaus will, kann diesen Wunsch ermöglicht bekommen. Auf dem Greenscreen wird eine Mondlandschaft erschaffen und ein Schauspieler in Astronautenausrüstung kann an Seilen befestigt scheinbar schwerelos durchs All treiben. Dies waren nur einige der Tricks und Kniffe, die nicht nur Max und mich, sondern das gesamte Publikum ins Staunen versetzen.

Waterworld, der Klassiker mit Kevin Costner ist nicht nur ein schöner Film, sonder beinhaltet auch ein großes Repertoir an Actionstunts und Pyrotechnik. Was dahinter steckt wird in einer mitreißenden Wassershow gezeigt, bei der kein Auge trocken bleibt. Von Jetskis, die den ersten Besucherreihen eine Dusche verpassen, bis hin zu explodierenden Fässern und der Bruchlandung eines Wasserflugzeuges ist alles dabei. Und am Ende siegen natürlich die „Guten“.
Die Universal Studio Tour bringt uns durch ein Shuttel an populäre Drehsets und lässt die Besucher durch Special Effects an der Szene wahrlich teilnehmen. So wird die Tour von den Dinosauriern aus Jurassic Park heimgesucht, oder fällt einer Haiattacke zum Opfer. In diesem Moment noch in einer idyllischen Kleinstadt befinden wir uns kurz darauf in einer mexikanischen Stadt mit Saloons. Gerade hier angekommen wird ein starker Regenschauer imitiert, der schon kurze Zeit später in einer Sturzflut endet. Ebenfalls als der Zug in der nächsten Metro Station anhält und gezeigt wird, wie die Erschütterungen eines Erdbebens erzeugt werden, packt einen kurz die Angst, als diese Naturgewalten ganze Sturzbäche in den U-Bahn Schacht spülen.
Im nächsten Außenstudio befinden wir uns unmittelbar nach der Katastrophe eines Flugzeugabsturzes, welcher die umliegenden Häuser in Schutt und Asche gelegt hat. Da die Wege zwischen den einzelnen Drehorten mit reichlich californischer Vegetation bepflanzt sind, werden sie auch des öfteren als Fundorte der Mordopfer der amerikanischen Kriminalserien verwendet, wie zum Beispiel „CSI New York“. Das Ende der Tour ist noch einmal zu 100% mit Action geladen, als wir uns in den Garagen von „The Fast and the Furious“ befinden und in eine brenzlige Flucht verwickelt werden.
Hier in den Universal Studios kommt definitiv jeder auf seine Kosten und man könnte problemlos einen ganzen Tag hier verbringen.

Doch Los Angeles hat noch viel mehr zu bieten, als nur den Glanz und Glamour der Studios.
Wir befinden uns auf einem der zahlreichen Expeditionsschiffe, die hier am Pazifik Touren zur Walbeobachtung anbieten. Einige Walarten wie zum Beispiel Orcas sind in diesen Gewässern heimisch. Andere ziehen auf ihrer Wanderung aus dem kalten Alaska an der Westküste vorbei. Zwei Mitarbeiter des Los Angeles Aquarium befinden sich heute an Bord und erzählen uns auf unserem Weg heraus aus dem Hafen aufs offene Meer hinaus, einige wissenswerte Fakten rund um die Riesen der See. Gespannt halten wir die Augen offen, um die möglichen Indikatoren für einen Walsichtung zu entdecken. Dazu zählen zum einen auffällige Wellen gegen die Strömung, Nebel der durch die Wasserfontänen, die die Tiere ausstoßen, entsteht sowie Ansammlungen von Meeresvögeln, die unter anderem die gleichen Nahrungsquellen aufsuchen. Nach einiger Zeit entdecken wir ein auffällig großes Aufkommen von Möwen und Komodoranen. Doch die Finnen, die wir entdecken gehören zu anderen Säugetieren. Ein Rudel von Delphinen kreist um das Schiff und springt durch die Lüfte. Auf verspielte Art und Weise schwimmen sie im Strudel der Schiffsturbinen und genießen die spontane Vergnügungsmöglichkeit. Um die 150 Tiere, einige sogar mit ihrem Nachwuchs, toben durch das kühle Nass. Majestätisch und akrobatisch zugleich eskortieren sie das Schiff, ohne wesentlich an Geschwindigkeit zu verlieren. Noch eine ganze Weile halten sie das Tempo der Motoren mit, bis sie sich schließlich abdrehen. So wie sie aus dem Nichts aufgetaucht sind, so schnell ziehen sie auch wieder weiter. Ein wahres Naturspektakel! Kurz darauf entdecken wir weitere Bewohner: eine Gruppe von Seehunden streckt neugierig die Köpfe aus dem Wasser. Doch leider waren sie so flink, dass wir kein Bild von ihnen erhaschen konnten. Doch die größten Säugetiere der Welt konnten wir leider nicht sehen – so ist das nun einmal – die Natur ist eben live, da kann man nicht wie am Set noch mehrere Versuche starten. Doch nichts desto trotz  war es unglaublich diese Meereswelt aus direkter Nähe beobachten zu können und wer weiß, wie viel Leben sich in den Gewässern noch befindet, von dem wir garnichts wissen?!

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Kategorien: Amerika

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