aus der Sicht von Deborah

In Puno, der Stadt der einztigen Silberminen angekommen, wirkt alles noch sehr verschlafen, was unter anderem daran liegen könnte, dass es gerade mal halb sechs morgens ist. Trotzdem finden wir ein kleines, gemütliches Café, wo wir erst einmal frühstücken und Pläne für die kommenden Tage schmieden. Am Ufer des Titicacasees gelegen bildet Puno den Hauptausgangspunkt für sämtliche Inseltouren und genau darum sind wir hier. Wir machen uns schon früh morgens auf den Weg und noch keine fünf Minuten an Bord, entpuppt sich unsere Sitznachbarin, Vera, als Deutsche und wir verstehen uns direkt gut.

Mit einer Fläche von 8288 Quadratkilometern ist der Titicacasee der größte, kommerziell schiffbare Süßwassersee der Welt. Der flächenmäßig größere Teil liegt dabei in Peru, der kleinere auf bolivianischen Seite. Der See beherbergt eine Vielzahl an Inseln und zwei davon wollen wir uns heute etwas genauer anschauen. Zuerst geht es zu den weltbekannten, schwimmenden Inseln der Uros. Diese Volksgruppe baute die Inseln ursprünglich als Zufluchtsort vor den Inka, wann immer Gefahr drohte, lösten sie die Verankerung und die Schilfinseln trieben vom Ufer auf den See hinaus. Heute leben noch rund 200 Anhänger dieser Volksgruppe auf den Inseln um Touristen einen Einblick in ihr ungewöhnliches zu Hause zu ermöglichen. 

Auf einer Insel leben ca. sechs Familien und insgesamt 25 Perosnen, erklärt uns der Bürgermeister von einer der Urus. Er bietet uns einen Platz auf einem „Schilfsofa“ an, denn die Wasserpflanze wird neben dem Inselbau auch für den Schiffs – und Hausbau verwendet. Schon ein etwas komisches Gefühl, wenn man aus dem Boot aussteigt und einen „nur“ ein paar kreuzweise geschichtete Lagen Totoraschilf vom Wasser trennen. Doch die Lagen werden kontinuierlich erneuert, erklärt man uns, da das Wasser die unteren Schichten nach und nach zersetzt. Woher der See seinen Namen erhielt wird ebenfalls erläuert. Aymara, die Sprache der Inselbwohner, übersetzt das Wort „Titi“ mit Puma und das Wort „Kaka“ bezeichnt die Farbe Grau. Dreht man die geographische Karte des Sees auf den Kopf, ist mit viel Fantasie der Körper eines Pumas zu erkennen, das Grau bezieht sich wahrscheinlich auf die Felsen der Inseln.

Die Fahrt über den See entfernt uns immer weiter vom Ufer und zwischenzeitlich wirkt es eher, als wäre man auf hoher See – Kaum vorstellbar, wie riesig dieser See ist. Wir nehmen Kurs auf Taquile, die „Stadt der webenden Männer“. Sie ist um einiges weniger touristisch und zum einen für ihre farbenfrohe und bedeutungsvolle Tracht bekannt, wie auch für die handwerklich sehr begabten Taquilneos, deren Arbeiten zu den hochwertigsten Perus zählen. Auch wenn der Tourismus eine der Haupteinnahemquellen ist, hat die Gemeinde sich gegen den Bau von Hotelanlagen entschlossen. Stattdessen werden die Besucher in einheimischen Familien untergebracht und auch das Restaurant am Hauptplatz wird in einem rotierenden System von den Familien bewirtet. Es ist ein bisschen, als wäre die Zeit hier stehen geblieben und das ganze Leben läuft ruhiger und entspannter ab. Es herscht eine himmlische Ruhe, da es keine Autos gibt und der Blick von der Terasse über den See ist unbeschreiblich schön.

Wie in einer mediteranen Kleinstadt führen kleine Trampelpfade die Insel hinauf, welche von aufgetesselten Steinmauern begrenzt werden. Oft befinden sich dahinter Schafherden oder kleine Wälder mit Eucalyptusbäumen. Auf der obersten Ebene der Insel angekommen, finden sich noch Teile von Ruinen, von denen man vermutet, dass sie aus der Zeit der Tiwanakukultur stammen. Schon müssen wir zurück zum Schiff und es heißt „Alle Mann an Bord“.

Wie bereits erwähnt liegt der See zur Hälfte in Bolivien und auf dieser Seite auch die „Isla del Sol“, also auf nach Copacabana! Im Bus herrscht allgemeine Aufregung – es werden Einreiseformulare ausgefüllt und Reisepässen bereit gehalten. Dann erreichen wir Khasani, wo wir die Grenze überqueren. Die Aus- und Einreise verläuft ohne Komplikationen und wir erhalten einen neuen Stempel in unserem Pass. Planmäßig setzten wir die Fahrt nach zwanzig Minuten fort, bis der Bus plötzlich stoppt. Die Gemeinde von Copacabana befindet sich zur Zeit im Streik, was für bolivianische Verhältnisse bedeutet, dass die Straße in voller Breite mit Erdreich zugeschüttet wurde und es dem Straßenverkehr somit unmöglich macht zu passieren. Ohne zu zögern springen wir aus dem Bus und schnallen unsere Rucksäcke auf, denn schließlich wollen wir nichts unversucht lassen, das letzte Boot für heute zu bekommen. Eine Karawane aus Backpackern wandert die Straße hinunter in den Ort und wird immer wieder von Einheimischen etwas spöttisch angegrinst. In letzter Minute konnten wir noch alle nötigen Vorkehrungen für unseren Ausflug treffen und sitzen schließlich abgehetzt aber glücklich darüber, dass wir es geschafft haben auf dem Schiff.

Die Sonneninsel macht ihrem Namen alle Ehre und begrüßt uns mit einer weiteren Ruinenstätte, unmittelbar über dem kleinen Hafen. Um die Insel und ihre Schönheit in vollen Zügen genießen zu können haben wir uns entschieden, nach langer Zeit mal wieder das Zelt aufzustellen und wo bietet sich dazu ein besserer Ort als hier. Dem entprechend ziehen wir mit unseren großen Backpacks los, was sich zugegebenermaßen bereits nach den ersten paar Treppenstufen bemerkbar macht. Terassenartig geht es bergauf und der trockene Boden mit seinen dürren Sträuchern wirkt wie eine Szenerie aus Griechenland.

Eine ebene Fläche genau auf dem Grad der Insel stellt sich für uns als perfekter Platz heraus, um das Zelt aufzuschlagen, denn von hier können wir sowohl den Sonnenuntergang als auch den Sonnenaufgang sehen. Es herrscht eine beruhigende Stille und nur der kalte Wind pfeift uns um die Ohren. Mit dem Blick auf „das kleine Meer“, das uns umgibt und die schneebedeckten Gipfel der Anden kann man die Seele baumeln lassen und das Erlebte der letztzen Tage einmal sacken lassen. Bis auf drei Reisende, die auf dem Weg zu einem kleinen Aussichtspunkt sind, haben wir die Insel scheinbar für uns alleine und es wirkt als wäre man irgendwo am Mittelmeer. 

Der nächste Tag beginnt schon früh, denn bereits gegen fünf Uhr weckt uns das erste warme Licht, welches durch die dünnen Zeltwände fällt. Nach dem Frühstück machen wir uns gestärkt auf den Weg, um den höchsten Gipfel der Insel zu erklimmen. Auf dem Weg dorthin begegnen uns die Einheimischen, die auf dem Weg ins Dorf Yumani sind, welches wir als nächstes ansteuern. Und wieder einmal heißt es Abschied nehmen von der „Insel der Sonnenkinder“.


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