„Nehmen Sie die sechste Ausfahrt im Kreisverkehr“ – So wurden wir in Washington DC am Dupont Circle in Empfang genommen. Ja es handelt sich wirklich um einen vierspurigen Kreisel mit zwölf Ausfahrten. Ein Kreisverkehr, so groß wie ein Stadtpark, der zudem einen Bahnstation beherbergt. Der dichte, hektische Verkehr sowie die überall kreuzenden Radfahrer und Fußgänger, erleichtern die Navigation nicht gerade. Hupende Autos und fluchende Verkehrsteilnehmer gehören hier zur absoluten Tagesordnung – und wir die Landeier mittendrin. Es ist bereits dunkel und wir befinden uns auf dem Weg zu unserem Host Micah. Als wir am Appartment ankommen und endlich einen Parkplatz finden – was hier vergleichbar mit einem Sechser im Lotto ist, schwören wir uns diesen so schnell nicht mehr herzugeben. Unser Gastgeber ist dort jedoch nicht anzutreffen, sondern wie wir telefonisch erfahren auf einem Couchsurfer Meet-up in einem Vorort, zu dem er uns herzlich einlädt. Der zehn-Meilen Hike des heutigen Tages steckt uns noch etwas in den Knochen, weshalb wir anfangs zögern, uns dann aber doch entschließen seiner Einladung  zu folgen. Wir haben in Kroatien einmal den „Fehler“ begangen eine Chance neue Leute kennen zu lernen nicht zu nutzen – das soll uns nicht ein zweites Mal passieren. An einem kleinen gemütlichen Haus angekommen, hören wir schon von der Straße aus herzhaftes Lachen und Gespräche. Eine bunt gemischte Gruppe von Couchsurfern empfängt uns auf der Veranda und mittendrin Micah unser Host. Er ist überrascht und freut sich gleichermaßen, dass wir den Weg doch gefunden haben. Die Gastgeberin ist ebenfalls froh, dass wir da sind und führt uns in die Küche, wo sie eine Kleinigkeit zu essen und ein kühles Bier bereitstellt. Es gibt wieder einiges zu erzählen jeder hat andere Wurzeln, seine eigene Geschichte und einen Grund warum er heute hier ist. Gegen 24:00 Uhr löst sich die Runde auf. Unser Gastgeber zieht noch weiter doch für Max und mich ist der Tag jetzt wirklich maximal ausgeschöpft und wir eben so sehr erschöpft also ab „Heim“, denn morgen ist ein neuer Tag.

Es ist Sonntag – doch wer davon ausgeht, dass heute nichts los sei in der Stadt, der liegt falsch. Seit 50 Jahren wird der Meridian Hill Park zum Schauplatz des sogenannten Drum Circles. Bei diesem Spektakel ist jeder eingeladen, seine Trommel mitzubringen und los zu legen. Dutzende von Menschen, die sich nicht einmal kennen und mit ihrer Leidenschaft zur Musik doch eines geneinsam haben. Jeder spielt nach seinem besten Können und Empfinden und irgendwie entsteht aus dem Ganzen eine harmonievolle Symphonie. Umrandet wird diese Show von Tänzern, Musikanten, Capoeira- und Yogasportlern. Wir verbringen den ganzen Nachmittag hier und lassen uns einfach vom Geist des Drummcircles mitreißen.

Abends feiern zwei Couchsurfer gemeinsam ihren Geburtstag und unser Host Micah nimmt uns wieder einmal zur Party mit. Schon etwas seltsam auf einen Geburtstag zu gehen, zu dem man eigentlich nicht eingeladen ist. Doch unser Host versichert uns, dass sich die Gastgeber über jeden Besucher freuen, vor allem über andere Couchsurfer. Als wir am besagten Haus ankommen, sieht man einige Gäste auf der Veranda stehen – und vor allem hört man sie – wie so oft hier in Amerika. Hier wird gefeiert und mich erinnert die Szene an jene Highschool House Party, wie man sie aus den „American Pie“ Filmen kennt. Anfangs fällt es etwas schwer sich in die bereits eingeschworene Gruppe zu integrieren, doch nach und nach kommen wir mit den anderen ins Gespräch und jeder zeigt sich begeistert von unseren Plänen. Besonders Clay, halb deutsch halb ägyptisch, studiert in London und ist absolut angetan von Europa – insbesondere von Deutschland. Wir diskutieren über Gott und die Welt, mal Deutsch mal Englisch, wie es das Vokabular gerade zulässt.

Obwohl wir nicht all zu lange bleiben wollten, gehen wir mit den Anderen als letztes – aber was solls, man muss die Feste feiern wie sie kommen.

Trotz des Ausgangs am Vorabend ziehen wir heute zeitig los, denn es steht so Einiges auf dem Programm. Praktischerweise hat unser Host frei und kann uns so auf eine Tour durch die City begleiten. Wir beginnen unseren Weg am Lincoln Memorial. Wie aus dem Geschichtsbuch bekannt thront der  Präsident der die Sklaverei mitbeendete in der riesigen Marmorhalle, die in griechischem Baustil errichtet wurde. An den Wänden links und rechts stehen zwei seiner zahlreichen Reden, für immer in Stein gemeißelt. Sein bestimmter Gesichtsausdruck lenkt unseren Blick bereits zum nächsten „Must-See“, dem „World War II Memorial“. In Form einer von Steinsäulen umringten Springbrunnenanlage, die die einzelnen Staaten symbolisieren sollen, gedenkt man hier den verheerenden Folgen dieses Krieges. Wir gelangen dort hin, indem wir durch eine Parkanlage schlendern, in der mehrere Gedenkstätten zum Vietnam Krieg errichtet wurden. Ähnlich wie bereits im Infantry Museum, sind die Namen der Gefallenen in schwarzen Stein gehauen. Am Anfang des Weges liegt ein Buch für Angehörige aus, um die Tafel auf welcher sich ihr Verstorbener befindet lokalisieren zu können. Knöchelhoch beginnend ragen die Steinwände immer höher über die Passanten hinaus, sodass es sich anfühlt als würde man nach und nach unter der Masse der Gefallenen begraben. Diese beiden Denkmäler gehören wohl zu dem dramatischsten Teil der US Geschichte.

Der weitere Weg führt uns am Washington Monument vorbei, einem knapp 170 Meter hohen Obelisk, der zu Ehren des ersten Präsidenten der Vereinigten Staaten, George Washington, erbaut wurde. Schließlich erreichen wir das Natural History Museum, welches durch dem Spielfilm „Nachts im Museum II“ TV-Berühmtheit erlangte. Das prunkvolle Gebäude ist ebenfalls griechisch angehaucht und bereits aus der Ferne zu erkennen. Auf zwei Etagen mit mehreren Räumen beleuchtet es Fachgebiete wie, die Entstehung der Welt, die Entwicklung der Menschheit, die Dinosaurier, das alte Ägypten und vieles mehr. Die Sonderausstellung „Outbreak“ thematisiert das Aufkommen von Epidemien, deren Entwicklung sowie Eliminierung und entpuppt sich ebenfalls als sehr interessant.

Am „Weißen Haus“ endet unser heutiger Rundgang. Dort findet an diesem Abend zum 22ten Mal eine Demonstration gegen Donald Trump statt. Bis November, zu den Midtermelecctions, wollen die Aktivisten diesen Protest weiterführen. Mit Pappplakaten, Kostümen, Trillerpfeifen und Trommeln sammelt sich die Menschentraube vor den Toren des Regierungssitzes.

Der letzte Tag führt uns ins „Air and Space Museum“. Hier wird auf zwei Etagen Wissenswertes zur Flug – und Raumfahrt in Experimenten, Ausstellungsstücken und Infotafeln präsentiert. Von den Wright Brüdern und dem ersten Flugzeug, bis zur hochpräzisen Aufklärungsdrohne, sind sämtliche Flugreplikate und Originale zu bestaunen. Neben den gigantischen Ausstellungsstücken wirken die Besucher wie Ameisen. Auch der erste Mann auf dem Mond, die wissenschaftliche Arbeit der NASA und der Aufbau unseres Sonnensystems werden genauer unter die Lupe genommen. Besonders durch die interaktiven Möglichkeiten ist das Museum für Jung und jung geblieben interessant. So kann man sich beispielsweise daran versuchen die Morsenachrichten der ersten Luftpost zu entziffern, oder testen, in wie fern die Wärmeleitfähigkeit und das Gewicht von Materialien eine Rolle bei der Entwickelung der Luft- und Raumfahrt spielen. Ohne Probleme kann man hier einen ganzen Tag verbringen, an dem es sicherlich nicht langweilig wird.

Doch dann heißt es weiter Richtung Capitol und Jefferson Monument, die sich bei Abendsonne und nachts von ihrer schönsten Seite zeigen. Prunkvoll erinnert das Capitolgebäude an den Petersdom und man kann es gar nicht so richtig fassen, dass man gerade vor „DEM“ Capitol steht, welches man sonst nur aus dem Fernsehen kennt. Im Licht der Abendsonne scheint die Kuppel eher golden und hebt sich später vom Nachthimmel in einem strahlenden Perlweiß ab. Die Lichter der Straßenlaternen, die wie eine Allee die Straße säumen und zum Kapitol hinführen, machen das Postkartenmotiv perfekt. Doch auch ein Blick in Richtung Lincoln Memorial, das wir zuvor schon besuchten, lohnt sich. Heroisch finden sich alle Denkmäler in einer Achse wieder und der Obelisk des Washington Monument spiegelt sich in der Abenddämmerung im Wasser des vor uns liegenden Brunnenbeckens.

Zum Tagesabschluss steuern wir das „Jefferson Memorial“ an, welches wie auf einer kleinen Insel gelegen ist. Es wurde zu Ehren des dritten amerikanischen Präsidenten Thomas Jefferson erbaut. Er gilt als Autor der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung und erlangte Bekanntheit durch seine Freiheitsideale. In Washington DC wurden besonders viele Monumente errichtet, da die Hauptstadt der Vereinigten Staaten, zum internationalen Prunkobjekt werden sollte.

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Kategorien: Amerika

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