aus der Sicht von Deborah

Es ist kaum zu glauben, doch wieder einmal nähern wir uns langsam aber sicher dem Ende eines Reiseabschnittes. Vor circa sieben Wochen haben wir zum ersten Mal einen Fuß auf diese wunderschöne Insel gesetzt und jetzt bleibt uns gerademal eine Woche bis wir erneut ins Flugzeug steigen. Auch wenn sich bezüglich der Abenteurer etwas geändert hat und wir seit dieser Etappe Tobi dabei haben, hat sich eines nicht geändert : Die Tatsache, wie schnell die Zeit vergeht. Doch eine Woche bleibt uns noch und in der gilt es noch einiges zu sehen!

Unser nächster Stopp heißt: Nelson. Die Stadt liegt direkt an der Golden Bay und zeigt uns somit wieder eine komplett andere Seite Neuseelands. Doch bevor wir uns in die wunderschöne Natur stürzen geht es ersteinmal ins Stadtzentrum.
Wie so oft besticht die Stadt mit ihrem einzigartigen Flair und während man so durch die Straßen schlendert kommt es einem eigentlich gar nicht so vor als würde man sich in einer Stadt befinden. Kleine Geschäfte aller Art reihen sich aneinander, schattenspendende Bäume flankieren die Straßen und der ein oder andere genießt seine Tasse Kaffee in einem der zahlreichen Straßencafés. In Mitten dieser einladenden Atmosphäre befindet sich das Atellier von Jens Hansen, dem Goldschmied der „den einen Ring“ geschaffen hat. Ihr habt richtig gehört, neben exklusivem, hochkarätigem Schmuck, findet sich in einer der beleuchteten Vitrinen, ein eins zu eins Replika des goldenen Rings. Kaum haben wir den Verkaufs- und Ausstellungsraum betreten, eilt eine der freundlichen Mitarbeiterinnen herbei und bietet an, uns ein bisschen mehr zu diesem „Goldstück“ zu erzählen. Zum Beispiel, dass Hanson als er von Peter Jackson gefragt wurde diesen Auftrag auszuführen zunächst ablehnte – mit der Begründung: die Anfertigung des Rings nach den Vorstellungen des Regisseurs sei ihm zu simple, sein Schmuck hätte immer eine besondere Extraverganz. Schließlich war es sein Sohn, der ihn umstimmen konnte und so wurden 15 Prototypen angefertigt, aus denen schließlich der endgültige Ring ausgewählt wurde. Doch wer denkt mit einem wäre es getan, der liegt falsch! Eine kleine Version wurde angefertigt für Szenen, in denen der Ring zum Beispiel von Gandalf gehalten wird und eine größere, um sie in den Händen der Hobbits authentisch wirken zu lassen. Ganz so wie mit den Schwertern in den Weta Caves. Für eine Filmszene wurde ein überdimensionales Exemplar geschmiedet mit einem Durchmesser von 18 Zentimetern, denn nur so war es möglich, den Fokus der Kameraeinstellung sowohl auf ihn als auch auf Frodo im Hintergrund zu richten. Den Beweis dafür dürfen wir sogar in eigenen Händen halten. Eine Privatperson ließ sich eine Replika dieses Ringes anfertigen und erlaubte sich zum Spaß einen Helikopterflug über dem Schicksalsberg, um das 8000$ Schmuckstück wortwörtlich „ins Feuer zu werfen“. Trotz all diesem Trubel blieb Hanson mit seiner kleinen Schmiede im Herzen der Stadt bodenständig und neben den Ringen der anderen Charaktere, wie Elben, Menschen und Zauberer, die hier bestaunt werden können gibt es auch richtige Hardcorefans die sich den „einen Ring“ zum Ehering wählen – manche mit dem Originaltext, andere mit einer etwas charmanteren Abwandlung davon 😉

Nach einem mehr als guten Milchshake geht es dann zum Founders Heritage Park. Hier hat die Gemeinde eine Art kleine Stadt erleben lassen, wie sie früher einmal war. Liebevoll ausgestattet zeigen die einzelnen Häuser und Einrichtungen wie die Menschen lebten und informieren über ihre Geschichten. Von Nelson und seiner Bedeutung als Hafenstadt über den Ausbau des Eisenbahnnetzes bis hin zur Landwirtschaft und der Bierbraukunst. Die kleinen Details in jedem Raum erwecken die vier Wände zum Leben und veranschaulichen die längst vergangene Zeit. In einigen der Läden wie z.B der Bäckerei, Druckerei oder auch dem Laden für Segelbedarf wird an bestimmten Tagen sogar noch gearbeitet und man kann den einzelnen Berufsgruppen über die Schulter schauen. Im Außenbereich hat man die Möglichkeit mit einer Eisenbahn zu fahren oder sich ein Transportflugzeug einmal von Innen anzuschauen. Auf der Grünfläche des Parks begegnen uns auch die blauen Pukekos, die eigentlich eher das Nationaltier Neuseelands sein könnten – denn im Gegensatz zu dem scheuen Kiwi, der fast als unmöglich zu sehen gilt – läuft dieser gefiederte Freund uns recht häufig über den Weg.

Das Nelson Provincial Museum beherbergt zur Zeit eine temporäre Ausstellung über das erste Leben auf der Welt. Interessanterweise geht es dabei aber nicht um das Zeitalter der Dinosaurier sonder die Zeit vor dieser Spezies. Von den ersten Amphibien und großen Insekten, die die Erde zu dieser Zeit besiedelten bis hin zur wahrscheinlich folgenreichsten Eiszeit der Geschichte, die 90% alles Lebens auslöschte. Fossilien, Infotafeln und besonders die Nachbauten der Megaechsen, die sich sogar bewegen stellen die Thematik authentisch dar. Wie der Körperbau dieser Tiere an ihre Umwelt angepasst war und welche Vorteile die „Überlebenden“ der Eiszeit gegenüber den anderen hatten, all das findet man hier heraus. Über die Dinosaurier hat man im Laufe seines Lebens schon so einiges erfahren, doch noch weiter zurück zu gehen bringt für mich persönlich völlig neue und spannende Erkenntnisse. Und am Ende der Ausstellung frage ich mich wie wohl der Mensch irgendwann zu Grunde geht – gibt es vielleicht irgendwann ein Museum über uns, oder gehören wir zu den „Survivern“?
Wir beenden den Tag mit einem richtig guten Burger und einem Schönen Sonnenuntergang, wie er uns hier in Neuseeland so oft geschenkt wird.

Was wäre eine Neuseelandreise ohne einen Besuch des Abel Tasman Nationalparks? Obwohl er flächenmäßig der kleinste Park der beiden Inseln ist, wollen viele ihn wegen seiner tropischen Strände nicht missen. Der Park wurde 1942 gegründet und zu Ehren des niederländischen Seefahrers Abel Tasman, nach ihm benannt. Der sogenannte Coastaltrack zieht sich über 60 Kilometer an der Küste entlang. Das war uns für einen mehrtägigen Hike ehrlich gesagt etwas wenig Abwechslung. Doch trotzdem wollten wir es uns nicht entgehen lassen einen Tag ausgiebig hier zu verbringen.
Immer wieder lässt der Weg, der wirklich sehr gut zu gehen ist, Blicke auf die wunderschöne Bucht zu. Diese erinnern uns drei an Kroatien mit seinem türkis-blauen Wasser und den felsigen Stränden. Die mediterane Pflanzenwelt macht das Feeling perfekt so mischen sich die schon bekannten riesen Farne mit olivenbaumähnlichen Gewächsen, der verwurzelte Weg wird von einer Wiese abgelöst und wieder ein paar Meter weiter wirkt es, als wäre man in einem Lianen behangenen Dschungel. Difuses Licht fällt auf den Weg und anders als in einem „normalen Wald“ ist es ein warmes, helles Grün das trotzdem angenehmen Schatten spendet. Die erste Abzweigung führt uns an einen wunderschönen, kleinen Strand. Einige Wanderer rasten hier bereits und die ersten Kanus, welche gerne genutzt werden um den Park vom Wasser aus zu erkunden, erreichen das Festland. Das Wasser ist klar und recht kalt, doch erst einmal in den Fluten erfrischt es und die kühle Morgenluft mischt sich mit den bereits intensiven Sonnenstrahlen. Man kommt sich wirklich vor wie im Paradies und zum beruhigenden Wellenrauschen kann man problemlos die Seele baumeln lassen.

Die knorrigen Äste der Baumkronen wachsen wie eine Art Tunnel zusammen und bilden so ein schützendes Blätterdach vor der Mittagshitze. Immer wieder laden kleine Trampelpfade zu den zahlreichen Traumbuchten des Parkes ein, garnicht so einfach da überhaupt noch zu wandern. Trotz Schweiß auf der Stirn trocknet allmählich das Wasser auf der Haut und bildet eine weiße Salzkruste. Nachdem wir immer wieder kleine Stopps an den Stränden eingelegt haben begeben wir uns wieder in Richtung Auto und als wir über den hölzernen Steg wandern, der Anfang und Ende des Weges markiert ist wieder einmal Ebbe, die hier übrigens einen rekordverdächtigen Tidenhub von fast 5 Metern ausmacht.

Das Verschwinden des Meeres kommt uns gerade recht, denn nur so kann man sich das Schiffswrack der Janie Seddon, welches im Örtchen Motueka auf Grund liegt aus nächster Nähe anschauen. Doch der Weg macht es einem nicht leicht. Was zunächst wie Sand wirkt entpuppt sich als eine schlammige, klitschige Masse die einem das Vorankommen doch sehr erschwert. Immer wieder bleibt man mit dem Fuß stecken, rutsch weg und versinkt bis zum Knöchel im Watt – da kann auch ein provisorischer Weg aus Steinen nicht wirklich helfen. Doch schließlich an dem rostigen Skelett angekommen hat sich der Weg gelohnt und bietet eine piratenverdächtige Filmkulisse.


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