aus der Sicht von Deborah

Nach unserem heutigen grandiosen Bergaufstieg befinden wir uns wieder „am Boden“. Wobei das in Colorado nichts zu sagen hat, denn schließlich liegt der Bundesstaat im Schnitt immer noch 2070 Meter über dem Meeresspiegel. Obwohl es 27°C sind, sitzen Max und ich in unseren Bergexpeditionsausrüstungen im geheizten Auto. Beine und Hände sind wie starr gefrohren und es scheint, als würde die eisige Kälte des Gipfels tief und fest in jedem Kleidungsstück sitzen. Erst nach einer kleinen Mahlzeit und ein paar wärmenden Sonnenstrahlen, die sich jetzt ihren Weg durch die Wolken bahnen, fühle ich mich bereit Thermostrumpfhose und Fleecepulli abzulegen.
„The Colorfull State“, so wirbt Colorado auf seinem Willkommensschild und bestätigt dies, als wir die Straßen passieren. Die  dunkelgrünen Tannenwälder werden immer wieder von gelb-goldenen Laubbäumen unterbrochen, die den bald einziehenden Herbst ankündigen. Kleine Flüsse mit hellen Kieselstränden, ein in der Ferne ratternder Zug und hölzerne Überbleibsel des Goldrausches bilden das perfekte Idyll. Diese  Modelleisenbahnszenerie mischt sich mit dem alpinen Flair, das durch die Skilifte und Wintersportresorts entsteht. In den noch grünen Hängen sieht man Schneisen, die im Winter die Pisten bilden. Dieser Anblick begleitet uns auf unserem Weg zum „Hanging Lake“, unserem nächsten Stopp.Nach der etwas umständlichen Anfahrt kommen wir am Parkplatz an, doch da wartet die nächste Überraschung auf uns. Vor der Schranke befinden sich mehrere Autos in einer Schlange, ein Parkranger steht kopfschüttelnd davor und bedeutet den wartenden Fahrern zu wenden. Als wir das Fenster öffnen, teilt er uns mit, dass alle Parklücken belegt sind und wir es später oder morgen nochmal versuchen sollen. Etwas geknickt müssen wir die Zeit wohl oder übel überbrücken, da der „Haning Lake“ als sehr sehenswert gilt und wir ihn nur ungern auslassen würden. Gesagt getan – ein kleiner Park am Coloradoriver scheint uns ideal für eine Mittagspause.
Wir versuchen unser Glück erneut. Beim zweiten Anlauf hat sich der Andrang etwas beruhigt, trotzdem müssen wir noch eine halbe Stunde warten bis ein Platz frei wird. Nach einigen Startschwierigkeiten steht unserer Tour jetzt nichts mehr im Wege. Ein Asphaltweg beginnt den Trail, doch nur für kurze Zeit. Es geht über Stock und Stein eine steile Felsschlucht hinauf. Nach unserem Morgenprogramm am „Mt. Evans“ scheinen die Beine jetzt warm zu sein und Max lässt Einen nach dem Anderen hinter sich. So erklimmen wir heute den zweiten Berg und werden oben angekommem definitv für die Anstrengung belohnt. Der Hanging Lake macht seinem Namen alle Ehre. Bevor sich die Schlucht steil in die Tiefe stürzt, „hängt“ der See auf einem hervorstehenden Felsplateau. Ein kleiner Wasserfall ergibt sich in das türkis-klare Gewässer. Die bleichen, abgestorbenen Bäume, die aus dem Wasser ragen, wirken unheimlich und märchenhaft zugleich. Ein hölzerner Steg führt Besucher im Halbkreis um den See und so versuchen Touristen aus aller Welt den Zauber des Moments festzuhalten. Der Tag neigt sich langsam dem Ende und  nach ein paar Minuten der Ruhe begeben wir uns an den Abstieg, der sich langsam aber sicher doch in der Oberschenkelmuskulatur bemerkbar macht.

 

Der nächste Morgen vervollständigt unseren Temperaturschock. Wir befinden uns im „Black Canyon of the Gunnison“. Kaum sind die ersten Sonnenstrahlen da, entwickelt sich der sandige Boden zu einer Herdplatte. Ocker-farbene Steinformationen, Kakteen und dürre Nadelbäume kennzeichnen die Landschaft. Wir entschließen uns einen kürzeren Trail bis zum Hauptaussichtspunkt zu wandern. Der Weg dort hin führt über eine Art Bergrücken, der sich dabei ergebende Talblick könnte unterschiedlicher nicht sein. Links von uns sieht man die saftig grünen Weiden der Ranchen und in unmittelbarer Nähe ein Gebiet mit hellerem Stein, das von oben wie ein riesiger Sandkasten wirkt. Rechts geht es senkrecht zum Fuß des Canyons, wo sich der Gunnison River seinen Weg bahnt.

Der Abstieg ist nur mit einer Genehmigung möglich, da viele Wanderer das Flussbett und den anschließenden Aufstieg unterschätzen.  Extreme Hitzebildung im Sommer sowie Sturzfluten in den regenreichen Jahreszeiten gestalten das Innere des Canyons zu einem Kampf zwischen Mensch und Natur, der leider nicht immer von Ersterem gewonnen wurde. Wir setzen unseren Weg durch die flimmernde Hitze fort und erreichen den äußersten Punkt des Trails. Es bietet sich uns ein gigantischer Panoramablick über das zerklüftete Land. Eine ungewöhnliche Stille herrscht und lediglich das Kreischen der Greifvögel ist hin und wieder zu hören. Schwer vorzustellen, dass das Land welches jetzt durch eine 345 Meter breite Schlucht getrennt wird einmal eins war. Doch so wie diese unvergleichbare Landschaft einmal entstanden ist, bleibt sie auch weiter in Bewegung und wird durch Wind und Wetter geformt – wer weiß was sich in 1000 Jahren an der gleichen Stelle befinden wird?

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Kategorien: Amerika

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