aus der Sicht von Max

Im Süden Boliviens, liegt die kleine Wüstenstadt Uyuni, die Touristen aus aller Welt anlockt. Die Hauptattraktion stellen dabei die mehrtägigen Jeep-Touren durch die nähere Umgebung, bis hin zur chilenischen Grenze, dar. Überall lauern die Touranbieter auf den Straßen, Jeeps reihen sich dicht aneinander und auch unser Gefährt steht zum Beladen bereit. Azad, der mich am Huayna Potosí begleitete, ist bei diesem Abenteuer ebenfalls dabei. Zusätzlich leisten uns eine Bolivianerin, eine Peruanerin sowie eine Bulgarierin Gesellschaft. Alles in allem eine sehr internationale Gruppe, in der wir uns mittlerweile jedoch gut verständigen können.
Das wohl bekannteste Ziel der Reise, den Salar de Uyuni steuern wir gleich zu Beginn an, mit einem kurzen Zwischenstopp am „Friedhof der Lokomotiven“. Hier verrosten die Überreste der einst stolzen Kraftprotze, die für den Transport von Edelmetallen zu den Küstenstädten gedacht waren. Mitte des Zwanzigsten Jahrhunderts kolabierte dieses Geschäft und viele der Mienen wurden geschlossen. Statt das Altmetall erneut zu verwerten, wurden sie einfach zurückgelassen und bilden nun eine abstrakte Szenerie, auf dem Weg in die Wüste. Insgesamt besteht die „Sammlung“ aus fast 100 Zugmaschinen und Wagons, die in der trockenen Luft langsam zerfallen. Eine Art Spielplatz für Groß und Klein und ein fester Stopp in den geführten Touren. So füllt sich der Parkplatz und immer mehr Menschen strömen auf den „Friedhof“ und zwangsläufig auf die Fotomotive – ich kann die Einsamkeit und Ruhe der Salzwüste kaum erwarten.

Davon gibt es hier mehr als genug, denn die schier endlose Salzwüste erstreckt sich über eine Fläche von über 10.000 Quadratkilometern und so findet jeder Jeep sein kleines Fleckchen Erde, wo man ungestört die Stille genießen kann. Lediglich das leise Knacken, der Salzkruste unter den Füßen und das Säuseln des Windes sind zu hören. Salzplatten so weit das Auge reicht, sie erstrecken sich bis an den tief blauen Horizont in weiter Ferne. Ein Gefühl, das nur schwer zu beschreiben ist, doch mit den Worten eines Fahrradfahrers, den wir unterwegs kennenlernten, vielleicht vorstellbar: „Stell dir das Gefühl vor, wenn du eine Minute lang, freihändig und mit geschlossenen Augen fahren kannst.“

Am Horizont lassen sich die Umrisse der „Insel“ Incahuasi erkennen, auf die wir im Anschluss Kurs nehmen. Sie besteht aus vulkanischem Gestein und bietet auf dem unwirtlich wirkenden, schroffen Gestein den Nährboden für die dort wachsenden jahrhunderte alten, gigantischen Kakteen. Über einen kleinen steinigen Pfad gelangen wir zum höchsten Punkt der Gesteinsformation. Von hier wirkt das Salz, das die „Insel“ umgibt, wie raue, aufgeschäumte See, sodass die Bezeichnung „Insel“ wohl mehr als zutrifft.

Als sich die Sonne dem Horizont neigt, heißt es: zurück zum Auto und in Richtung des ersten Nachtquartiers.
Bei einem letzten Stopp für den heutigen Tag, genießen wir den Sonnenuntergang in dieser surealen Umgebung, bevor wir den Abend bei Kerzenschein und Wein ausklingen lassen. Hört sich vielleicht sehr romantisch, wäre aber trotzdem schön gewesen, wenn der Strom noch funktoniert hätte.

Noch in der Morgendämmerung starten wir bereits zu einer der unzähligen, vor Farbe strahlenden Lagunen der Region. Ähnlich wie auf dem Weg zum Huayna Potosí, schimmern die Seen in tiefen Rottönen, kräftigem Blau über grellem türkis bis hin zu weiß. Die bekannte „grüne Lagune“ bleibt uns dabei leider verwehrt, da diese ihre Farbenpracht erst bei stärkerem Wind entfalten kann. Das enthaltenen Plankton wird durch die Bewegung des Wassers aufgewirbelt, sodass es im Licht in einem starken Grün schimmert – ohne Wind bleibt die erhoffte Färbung jedoch aus. Dafür können die in großen Zahlen anzutreffenden Bewohner entschädigen. Flamingos tummeln sich in unmittelbarer Ufernähe und so können wir bis auf wenige Meter an sie heran.
Neben den farbenfrohen Lagunen ist die Region ebenfalls für ihre vulkanische Aktivität bekannt. So sind unzählige ausgebrannte, inaktive aber auch noch der ein oder andere aktive Vulkan anzutreffen. Wie beispielsweise der „Lincancabur“ und der „Ollague“, an der chilenischen Grenze, aus dem in weiter Ferne, weiße Rauchsäulen aufsteigen.

Überall hinterlässt die aufsteigende Erdwärme ihre Spuren. Noch früh morgens kann so die entweichende heiße Luft, in der klirrenden Kälte beobachtet werden. Die Luftfeuchtigkeit kondensiert und es bilden sich dichte Nebelschwaden, die mit mal mehr, mal weniger Druck in die Höhe schießen.
Ein mystischer Anblick mit dem Morgenrot des bevorstehenden Sonnenaufgangs. Kochend heiß blubbert und brodelt die graue Schlacke aus den Erdlöchern heraus, schießt Fontänenartig in die Höhe und hüllt die umliegende Luft in einem schwefligen Geruch ein.
Sicherheitsabsperrungen werden hier vergeblich gesucht und so kann man sich zu Fuß den Weg durch die kraterhafte Mondlandschaft bahnen.

Ein abschließendes kleines Highlight der Tour stellen die Thermalbäder dar. Bei Außentemperaturen um den Gefrierpunkt und einer Wassertemperatur von ca. 35°C sind diese mehr als einladend. Zu unserem Glück sind wir die erste Gruppe die dort eintrifft, sodass wir den kleinen Pool für eine halbe Stunde ganz für uns alleine haben, bevor wir zur chilenischen Grenze aufbrechen.


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