aus der Sicht von Max

Völlig ausgelaugt erreichen wir nach der siebenstündigen Fahrt den Sequoia Nationalpark. Der frühe Start aus dem Tal des Todes und die enge Rückbank stecken uns noch in den Knochen. Nach einem kurzen Stopp am Visitor Center wird schnell klar, der Rest des Tages verläuft wohl eher ruhiger.
Zelte aufbauen und los zum „Moro Rock“, einem Aussichtspunkt, dem der Ruf eines hervorragenden Sonnenuntergangs-Spot voraus eilt.
Völlig unerwartet kommt der Verkehr hinter einer unübersichtlichen Kurve zum Stillstand. Wie wir bereits mehrfach erlebt haben, kann dies in einem Nationalpark nur einen Grund haben: die Sichtung exotischer Tiere.
Jetzt heißt es schnell sein! Fenster auf, mit gezückter Kamera herausklettern und die besten Aufnahmen ergattern. Eine Bärenmutter mit ihren beiden Jungen trottet, vom Verkehr völlig unbeeindruckt, die Straße entlang, bis sie schließlich unmittelbar vor uns den Asphalt überqueren. Wilde Bären, nicht wie diese im Zoo hinter der dicken Glasscheibe, sondern zum Greifen nahe – unheimlich und wunderschön zugleich.

Ein schmaler Fußweg führt auf dessen Spitze – zur Rechten ein bedrohlicher Felsüberhang, der mich dazu zwingt, den Oberkörper nach links zu neigen. Dort wartet jedoch der metertiefe Abgrund, vor dem lediglich ein kniehoher Wall schützt. In großen Schritten geht es den schroffen Fels hinauf. Hin und wieder erlauben Furchen im Gestein einen Blick ins Tal, hinter dem die Sonne langsam verschwindet.
Oben angekommen eröffnet sich ein atemberaubender 360- Grad Rundumblick über den uns umgebenden Nationalpark.
Das Nachtlager, ein gemütlicher, kleiner Campingplatz liegt zwischen den ihn umgebenden Felsen verborgen. Große Bäume spenden ausreichend Schatten und der in der Ferne zu vernehmende Fluss ist über einen kleinen Trampelpfad zu erreichen. Das kristallklare Wasser verlockt förmlich dazu, hinein zu springen, doch die vor Kälte schmerzende Haut lässt uns bereits beim vorsichtigen Fühlen der Temperatur zurückschrecken. So nötig ist die Dusche für heute dann doch noch nicht.
Überall auf dem Campingplatz mahnen Schilder zum ordnungsgemäßen Verstauen der Lebensmittel in sogenannten „Foodboxes“, wegen vermehrter Aktivität von Bären in der Umgebung. Diese sind fest installierte Metallboxen, die über einen für den Bären nicht erreichbaren Öffnungsmechanismus verfügen. Sie stehen jedoch unmittelbar neben dem Zelt, sodass man sich die Tiere mehr oder weniger ins „Haus“ lockt. Ob das so eine gute Idee ist?

Der nächtliche Bärenbesuch bleibt glücklicherweise aus und so starten wir früh am Morgen zum „General Sherman Tree“, dem größten Baum der Welt. Die Sequoia Mammutbäume sind nicht die höchsten der Welt, sie wachsen jedoch nahezu endlos in die Breite. Dieses Riesenexemplar weist einen Durchmesser von 11,1 Metern an der Stammbasis auf. Die Rinde ist mit einer Art „Fell“ überzogen, ähnlich wie die Schale einer Kokusnuss und schützt den Baum vor Feuer und anderen Schädlingen. Das Feuer ist für die Fortplanzung der Riesenbäume essentiell, denn die winzigen Samen haben nur schlechte Überlebens-Chancen auf dem dichten Waldboden. Die hohen Äste bieten dem Feuer wenig Angriffsfläche und durch die entstehende Hitze öffnen sich die Tannenzapfen und geben die Samen auf den „gereinigten“ Untergrund frei.
Zu Beginn des Schutzes durch den Parkservice wurden auftretende Waldbrände schnell unter Kontrolle gebracht und zeitgleich ein Ausbleiben der Fortpflanzung der Bäume vermerkt. Nach Gewinnung der oben genannten Erkentniss werden nun in regelmäßigen Abständen kontrollierte Feuer gelegt, um die Vermehrung zu erleichtern.
Ein einziger Zapfen dieser Bäume entspricht in etwa der Länge meines Unterarmes. Neben diesen Giganten fühlt man sich erneut winzig klein. Der Rundweg führt an ganzen Gruppen dieser Mammutbäume vorbei, ausgebrannten, umgestürzten und Sprösslingen. Hält man kurz Inne, so kann man die Natur mit jeglichen Sinnen erfahren. Man sieht die uralten Riesen, riecht die Blumen und das Gras und hört die Vögel zwitschern und das Knacken der Äste im Gestrüpp … das Knacken der Äste?! Ein schneller Blick zur Linken und ein Schwarzbär erscheint aus dem Gebüsch. Er bewegt sich ganz behäbig aber zielstrebig auf uns zu. Weiter mit der Kamera drauf halten, oder versuchen ihn zu verscheuchen?
Wir entscheiden uns den Kopf einzuziehen und ihn möglichst unauffällig vor die Linse zu bekommen.
Kaum ist er wieder verschwunden kennt die Euphorie keinerlei Grenzen mehr. So nahe kommt man einem Wildtier nicht alle Tage.

Letzter Halt, bevor es weiter in den nächsten Nationalpark geht, ist der „Kings Canyon“. Dieser liegt nördlich der gigantischen Mammutbäume und im Gegensatz zu den sonst gesehenen Canyons fährt man bei diesem direkt hindurch. Die Straße führt am Fluss entlang und in regelmäßigen Abständen führen Wanderwege in die Wildnis hinein. So auch der „Roaring River Waterfall Trail“, der zum gleichnamigen Wasserfall führt. Der Begriff „Hike“ ist hier wohl etwas fehl am Platz, denn nach einem zehn-minütigen Spaziergang erreichen wir bereits den anvisierten Wasserfall. Das glitzernd blau-grüne Wasser lädt erneut zum Baden ein, doch wer hat schon gerne schwimmende Touristen auf seinen Bildern? Niemand – weswegen wir uns für ein Bad etwas weiter flussabwärts entscheiden.
Der unmittelbar an der Straße liegende Parkplatz verfügt über einen direkten Zugang zum darunter liegenden Fluss. Ein Wohnwagen hat sich bereits den besten Platz gesichert, von dem Zugfahrzeug fehlt jedoch jede Spur.
Gerade als wir das Auto verlassen wollen, entdecken wir erneut einen Bären, dieses Mal jedoch einen ausgewachsenen. Das Tier schleicht auf der Suche nach Lebensmittel um den Wohnwagen herum. Als es uns entdeckt, zieht es sich gemütlich ins Grün zurück. Vielleicht doch nicht die beste Stelle um ein Bad zu nehmen.

Verschwitzt und leider ungewaschen quetschen wir uns in Auto und treten die Fahrt in Richtung des „Yosemite-Nationalpark“ an.
Der Sequoia Nationalpark im Herzen Kaliforniens ist mit seinem ausgeprägtem Wildlife und den riesigen Bäumen definitiv einen Besuch wert!

Folge uns auf Instagram, um auf dem Laufenden zu bleiben!

Jetzt auch auf Youtube!

Kategorien: Amerika

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.