aus der Sicht von Max

Mit dem neu gewonnen Gefährt machen wir uns auf in Richtung Norden. Unser Ziel? Das Cape Reinga, die nördlichste Spitze der Insel. Doch zunächst legen wir einen Stopp an den Waipu Caves ein, einem Tipp, den wir in Auckland erhielten.
Bei der häufig wechselnden Natur um uns herum fällt es mir schwer, die Blicke auf der Straße zu halten, doch diese erfordert die volle Aufmerksamkeit. Denn um ehrlich zu sein verlangt das Fahren auf der „falschen“ Seite so einige Konzentration ab und auch ein bis zwei Tage zum Eingewöhnen.
Der Griff zum Anschnallgurt endet häufig in der Leere, die Hebel für Blinker und Scheibenwischer sind vertauscht und der Schalthebel befindet sich ungewohnterweise links – eine ganz schöne Umstellung und die zweispurigen Kreisel erleichtern diese nicht gerade. Doch wir meistern die erste längere Fahrt und erreichen den kleinen Campingplatz in unmittelbarer Nähe der besagten Höhlen. Dieser ist kostenlos und bereits gut besucht. Immer wieder strömen neue Besucher in Richtung der Höhlen und die letzten Tagesausflügler scheinen noch immer vor Ort zu sein. Wieso also nicht warten, bis weniger Leute in der Höhle sind? Kurzerhand unsere bereits liebgewonnnenen Kochplatten aufgebaut und ein Abendessen gezaubert. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie schön es ist, wieder richtig kochen zu können. Die Messer sind scharf, das Geschirr sauber, die Töpfe und Pfannen in gutem Zustand – bis auf den Wok – und man muss auf niemanden mehr warten oder deren Dreck wegräumen. Alles in Allem einfach ein Traum!

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Am nächsten Morgen geht es früh los. Die Sonne ist noch nicht richtig aufgegangen und die Augen brennen noch, doch der frühe Vogel fängt bekanntlich den Wurm. Es ist noch sehr ruhig auf dem Campingplatz und so machem wir uns als die Ersten auf den Weg zu den Höhlen. Im dichten Grün klafft das tiefe, schwarze Loch im Fels. Ein kleiner Bach fließt aus dem unheimlichen Dunkel heraus. Irgendwie ein sehr gespenstiger Ort, der uns jedoch trotzdem anzieht.
Langsam bahnen wir uns im Schein der Stirnlampen unseren Weg in das Ungewisse. Immer wieder platschen dicke Tropfen auf die Schulter und den Kopf und man bildet sich die wildesten Kreaturen in den huschenden Schatten der Lampen ein. Platsch, einen Schritt nach vorne und ich stehe im Wasser – ein schwarzes Etwas zuckt zurück. Kleine Aale nennen die Höhle ihr zu Hause. Immer tiefer stoßen wir vor, klettern über Felsen und queren immer wieder den Bachlauf, bevor wir ein großes Gewölbe erreichen. Kaum sind die Stirnlampen erloschen, beginnen sich die Augen an die Dunkelheit zu gewöhnen. Zunächst scheint es wie eine Einbildung, doch die grün-blauen Punkte an der Decke und den Wänden fangen immer deutlicher an zu glühen. Die gesamte Höhle scheint übersäht mit den kleinen Glühwürmchen und der Blick nach oben erinnert an einen wunderschönen Sternenhimmel.
Von jetzt auf gleich schwindet die unheimliche, ungemütliche Atmosphäre des Ortes und wandelt sich in ein geborgenes, wohliges und vertrautes Gefühl. Die Schönheit des Momentes ist unbeschreiblich und so verbringen wir fast zwei Stunden in dem Gewölbe und genießen den Anblick, die Stille und die Einsamkeit. Widerwillig entscheiden wir uns für den Rückweg zum Campground, wo sich die ersten Tagesausflügler bereits vorbereiten – das Timing war, wie so oft, perfekt.

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Der Tag ist noch jung und so machen wir uns auf den Weg zu den Whanagarei Falls, die mit einer Höhe von über 26 Meter nicht die Höchsten unseres Trips darstellen, jedoch durchaus sehenswert sind. Ein kleiner Fußweg führt von der oberen Kante der Fälle hinunter, bis ans Becken in dem sich die Gischt sammelt. Wie so oft hier in Neuseeland sind die Parkplätze kostenlos, ebenso der Eintritt und gemütliche Sitzecken laden zum Entspannen und Genießen ein. Das Zwitschern der Vögel und die herumwatschelnde Entenfamilie rundet das Idyll ab. Beim Schwimmen im kühlen Wasser wird man nicht komisch angeschaut und so kommt hier jeder auf seine Kosten. Ein Anblick, den man leider nicht mehr so häufig unterwegs sieht: Natur, frei für jeden zugänglich.
Wir verweilen noch einige Zeit, bis es weiter in Richtung Norden geht.

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In der Ferne bietet sich ein bekannter Anblick. Goldgelb erheben sich die riesigen Sanddünen am Horizont. Wir haben mittlerweile fast die Nordspitze der Insel erreicht. Hinter uns liegen einige Kilometer, in denen die Natur innerhalb kürzester Zeit wechselte. Grüne, saftige Wiesen, die an Irland erinnern werden von zerklüfteten Landschaften, weiten Buchten, dichten Wäldern und traumhaften Stränden abgelöst. Ebenso wechselhaft kann hier auch das Wetter sein. Man sagt, dass man in Neuseeland alle vier Jahreszeiten innerhalb eines Tages erleben kann. Sonne und Wolken bilden zusammen mit dem leichten Wind einen angenehmen Mix, der die Schritte im Sand erleichtert. Innerhalb kürzester Zeit erreichen wir die Spitze der gigantischen Düne. Dunkelblau glitzert das sich zeigende Meer und in der Ferne lässt sich der 90 Miles Beach erkennen, der sich so weit das Auge reicht an der Westküste entlang zieht.

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Seit 1941 geleitet der Leuchtturm am Cape Reinga die Schiffe sicher durch die raue Passage. Hier, am nördlichsten Zipfel, fließen der Pazifische Ozean und die Tasmanische See zusammen, was starke Strömungen verursacht. Der Ort spielte einst eine große Rolle für die einheimischen Maori, die glaubten, dass hier die Seele eines Verstorbenen das Irdische über den Ozean verlässt, um zur Welt der Toten überzufahren.
Ein Wegweiser am Aussichtsplateau des Leuchtturmes zeigt die Himmelsrichtung und Entfernung einiger großer, bekannter Städte an – London 18900km – da wird uns wieder einmal bewusst, wie weit wir uns von zu Hause weg befinden. Vor einer Woche befanden wir uns noch am anderen Ende der Welt.
Die gut ausgebauten Pfade erlauben immer wieder Blicke in die kleinen Buchten, in denen die Wellen über den weißen Strand hinein brechen. Das Wasser schimmert dabei in den schönsten Blautönen und lädt zu einem kurzen Stopp ein.
Kristallklares Wasser, weißer Sand und blauer Himmel – was will man mehr?

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1 Kommentar

FrankW · Februar 14, 2019 um 8:37 am

WOW, Deborah & Max!!!
Wir sind „etwas“ neidisch…. Und wünschen euch weiter viel, viel Spaß!! 🙂

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