aus der Sicht von Max

Die letzte „große“ Wanderung unseres Neuseeland Abenteuers steht bereits bevor. Es fühlt sich an wie gestern als Tobi hier ankam, wir die Route in Christchurch planten und alle Hikes zusammen suchten. Jetzt bricht bereits die letzte Woche in diesem wunderschönen Land an.
Aber das Beste kommt ja bekanntlich zum Schluss und so haben wir uns einen landschaftlichen Leckerbissen aufgehoben, den Nelson Lakes Nationalpark.
Der Weg startet zunächst in einer steilen Traverse den Hang hinauf, von der wir immer wieder beeindruckende Blicke auf den See Rotoiti bekommen, bevor es über den Gebirgskamm zur Angelus Hut geht. Ich freue mich auf den Weg, der für seine schönen Panoramaaussichten bekannt ist. Ein vielversprechendes Höhenprofil und einige knifflige Steinpassagen werden uns erwarten.
Die Szenerie erinnert mit den gold-gelben Gräsern und den tiefen Tälern ein wenig an den Kepler-Treck, der mir ebenfalls gut gefiel. Zu allem Glück scheint der Wetterbericht uns gut gesonnen zu sein mit geringer Regenwahrscheinlichkeit.
Glück? Nun ja, es blieb trocken …
… eine dichte Wolkendecke beginnt den Horizont zu verhängen, sobald wir das Ende der Traverse erreichen. Die weiße Wand nähert sich schnell und schon bald hüllt sie den gesamten Gebirgszug ein und hällt ihn fest im Griff. Die Sicht schrumpft auf wenige Meter und die Panoramen bleiben leider aus. Dennoch ist der Weg selbst sehr ansprechend. Immer wieder müssen wir steinige Passagen durchqueren, bei denen Konzentration und Gleichgewichtssinn gefragt sind. Es ist im dichten Nebel nur schwer abzuschätzen, doch der Abgrund zur Rechten verheißt nichts Gutes. Langsam setzen wir einen Schritt vor den anderen, immer auf der Suche nach dem nächsten Leitposten, der den Weg markiert.
Was soll ich sagen? Eine tolle Wanderung, zu sehen gibt es jedoch nicht so wahnsinnig viel.

Erst als wir die Hütte am späten Nachmittag erreichen scheint die dichte Wolkendecke aufzureißen und gibt das Nachtlager im vor uns liegenden Kessel preis. Die Angelushut befindet sich unmittelbar am  Lake Angelus, wo wir für die Nacht das Zelt aufschlagen werden. Wie wie später im Rangertalk erfahren scheint es ein übliches Phänomen zu sein, dass gegen Vormittag der Himmel stark zu zieht, morgens jedoch die Sonne sich von ihrer schönsten Seite zeigt.
Wir beschließen dem Hike eine zweite Chance zu geben und für den morgigen Tag die selbe Route zurück einzuschalgen – diesmal jedoch hoffentlich mit besserer Aussicht.
Am Abend sitzen wir noch einige Zeit mit Colin aus den USA und Bronda aus Irland in der Hütte zusammen, spielen Karten bei Kerzenlicht und tauschen uns über die Erlebnisse der Reise aus. Der Campinglatz ist etwas abseits gelegen, sodass eine kurze Wanderung durch das hohe, rutschige Gras bevor steht. Im Schein des Mondes wirken die mittlerweile aufgezogenen Nebelschwaden noch unheimlicher.

Es ist noch früh, als der Wecker klingelt. Die Augen drücken, Zelt und Schlafsäcke sind klamm und Deborah und Tobi wirken auch nicht gerade als wollten sie jetzt schon los. „Noch fünf Minuten“, denke ich mir – nicht heute! Der frühe Vogel fängt den Wurm und so wollen wir das hoffentlich gute Wetter ausnutzen. Vorsichtig schiebe ich den Reisverschluss des Außenzeltes ein wenig auf. Der Himmel ist strahlend blau, die Sonne noch nicht hinter dem Gebirge aufgegangen und eine angenehme kühle Luft strömt ins Zelt. Ich bin direkt hell wach.
Das Wasser der Seen ist noch spiegelglatt und so sorgen die Reflektionen der Berge für magische Illusionen. Ein unglaublich beeindruckender Anblick, den man nur schwer beschreiben kann. Seht selbst:

Nach dem Frühstück und einer Tasse Kaffee begeben wir uns bereits auf den Rückweg, denn die Worte des Rangers sitzen uns noch alle in den Köpfen. Und er sollte recht behalten. Als wir den Kessel, in dem die Hütte liegt, hinter uns lassen und wieder auf den Kamm aufsteigen bietet sich uns ein spektakulärer Anblick. Wir befinden uns über den Wolken, die scheinbar die restliche Welt verhängen. In der Ferne ragen einige Gipfel, wie Wellen aus dem Wolkenmeer.
Nun zeigt sich die wahre Schönheit des Trecks. Wir laufen an tiefen Tälern, majestätischen Gebirgszügen und Seen, von denen wir gestern noch nicht einmal wussten, dass es sie gibt, vorbei. Wir sind alle ein wenig sprachlos von den Anblicken die sich uns heute bieten.


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