aus der Sicht von Max

Nach nun etwas mehr als zwei Monaten heißt es: „Zeit auf Wiedersehen zu sagen“. Nein, wir werden nicht die USA verlassen, sondern trennen uns von einem treuen Wegbegleiter – unserem Minivan „Juhp“. Ihr fragt euch vielleicht, warum der Name? Den aufmerksamen Lesern wird es eventuell aufgefallen sein. Er entstammt dem Kennzeichen, das uns in Florida zugewiesen wurde: JUHP79.

Der nachfolgende Beitrag befasst sich mit dem Autokauf in den USA und den von uns gemachten Erfahrungen. Der Artikel kann Spuren von  technischen Daten enthalten. Wen das Ganze nicht interessiert, ist an dieser Stelle herzlich zum Schließen der Seite eingeladen.
Nach vorangehender reichlicher Überlegungen entschieden wir uns für den Autokauf in den USA, der vermeintlich günstigeren Lösung gegenüber dem Mieten. Doch hat sich das Ganze für uns gelohnt?

Welche Vorbereitungen sollten von zu Hause aus getroffen werden?

Zunächst ist ein internationaler Führerschein für die USA erforderlich. Dieser ist mit etwa 15€ verhältnismäßig günstig und bringt nur geringen bürokratischen Aufwand mit sich.
Mehr Aufwand stellt hingegen die Suche nach einer Versicherung dar. Diese ist für die Anmeldung zwingend erforderlich. Um das Ganze vor Ort zu erleichtern, können bereits aus Deutschaland sogenannte „Quotes“ erfragt werden. Dazu ist jedoch die Marke, sowie das Modell und bestenfalls die VIN des Fahrzeuges erforderlich. Die Versicherungssumme errechnet sich über das Auto direkt, den Versicherungsnehmer und den abzudeckenden Leistungen (je nach Staat werden unterschiedlich hohe Deckungssummen gefordert). Ein Auszug aus dem Verkehrsregister in Flensburg sowie eine Bestätigung der heimischen Versicherung über die Schadensfreiheitsklasse können sich positiv auf den Monatsbeitrag auswirken.
Es ist von Vorteil, direkt die lokalen Agenturen bzw. Vertreter der Versicherungen zu kontaktieren, anstatt in den großen Callcenter anzurufen. Wer also den besten Tarif ergattern möchte, hat in etwa zehn große Versicherer mit jeweils vier lokalen Vertretern anzurufen. Der Zeitaufwand beläuft sich auf zehn bis dreißig Minuten pro Telefonat. Eine Absage eines lokalen Vertreters bedeutet nicht zwangsläufig eine erneute Ablehnung bei einem zweiten Agent der gleichen Versicherung. Der Aufwand schreckt viele Reisende ab, wer diese Hürde jedoch gemeistert hat, dem steht nicht mehr viel im Wege.

Welcher Fahrzeugtyp empfielt sich?

Für ein Cross-Country Road-Trip hat sich für uns der Minivan mehr als praktisch erwiesen. Die Modelle Chrysler Town and Country und der Dodge Grand Caravan sind nahezu baugleich. Mit 7 Sitzen und Stow’n’Go System eignet er sich perfekt zum Schlafen und Leben im Auto. Die hinteren Sitze lassen sich vollständig im Boden versenken, sodass eine Liegefläche von 2,30 Metern Länge entsteht. Durch den geräumigen Innenraum lassen sich auch mal regnerische Tage überbrücken. Ein weiterer Pluspunkt der oben genannten Modelle ist die weite Verbreitung innerhalb den USA, was den Verkauf gegenüber eines Exoten deutlich erleichtert.

Wer über etwas mehr Budget verfügt, für den lohnt eventuell der Gedanke an einen Camper, womit wir auch schon auf eine der Urfragen kommen:

Günstig oder teuer kaufen?

Ein günstiges und zwangsläufig älteres Fahrzeug birgt immer ein höheres Risiko von Pannen und Verschleiß. Das teurere, neuere Gefährt hingegen bringt einen vermutlich eher ans Ziel, jedoch mit gegebebenfalls imensem Wertverlust.
Es gilt das finanzielle Risiko eines Total- bzw. Motorschadens gegen den möglichen Wertverlust abzuwägen. Für uns empfahl sich der Kauf eines günstigeren Autos, da der Verlust überschaubar sein sollte. Gegenüber einem Händler können wesentlich niedriger Preise bei Privatpersonen erzielt werden.  
Als beste Plattform zum Gebrauchtwagenkauf hat sich craigslist.com behauptet.
Es empfielt sich jedoch gewisse Grundkentnisse bezüglich der Bewertung des Zustandes zu besitzen.

Am 27.07.2018  haben wir nach dreitägiger Suche ein Fahrzeug gefunden.
Mit 3,8L V6 Motor fehlt es dem Minivan nicht an Beschleunigung und mit einem Verbrauch von knapp 9 l/100km sind die laufenden Kosten gut zu stämmen.

Vorsicht:

Wenn im Fahrzeugschein „Rebuilt Title“ oder „Salvaged Title“ steht, handelt es sich um ein repariertes Unfallfahrzeug. Die Vorgeschichte des Fahrzeuges schmälert dem entsprechend den Wiederverkaufswert.

Nach dem Kauf und dem Abschluss der Versicherung ist, je nach Bundesstaat, ein Abgastest erforderlich. Dieser kostet etwa 20$ und ist in wenigen Minuten erledigt.

Tipp:

Wem die Suche nach einer Versicherung und die Anmeldung des Fahrzeuges zu viel Papierkram ist, der kann sich vor Ort eine Vermittlungs-Agentur suchen, die auf solche Fälle spezialisiert ist. Für knappe 120$ erledigt diese die Suche nach der Versicherung und die gesamte Anmeldung inklusive Beschaffung der Kennzeichen und Übertragen des Fahrzeugbriefs auf den neuen Besitzer. Nicht selten kann man durch diese Investition Nerven und Geld sparen, denn die Agenturen erhalten meist günstigere Versicherungstarife, als Privatpersonen.

Die Übertragung des Titels geschieht innerhalb von ein bis zwei Wochen, weshalb eine US Adresse erforderlich ist. Zu dieser können ebenfalls die Versicherungsunterlagen gesendet werden. Es empfielt sich also Bekannte / Verwandte vor Ort zu haben. In manchen Fällen kann auch die Hoteladresse oder die eines Briefkastens angegeben werden, womit wir jedoch keine Erfahrung haben.

Welche Kosten entstehen in Summe?

Für die Anmeldung des Fahrzeuges inklusive Kauf der Kennzeichen und Kosten der Agentur, die sich um die Papierarbeit kümmerte bezahlten wir 450$. Die Versicherung, die lediglich die Mindestanforderungen abdeckt, kostet einmalig 190$ plus einem monatlichen Beitrag von knapp 120$. Hinzu kommen Ölwechsel in Intervallen von 3500 Meilen (empfohlen) bis 6000 Meilen. Diese fallen jedoch mit 25-30$ verhältnismäßig günstig aus. Spritkosten und eventueller Verschleiß sollten ebenfalls einkalkuliert werden. Die Distanzen in den Vereinigten Staaten sind leicht zu unterschätzen.
Sollte trotz aller guten Gebete dennoch ein Teil versagen, so empfielt es sich die Preise der Werkstätten und Teilehändler zu vergleichen. Ersatzteile sind in jeder großen Stadt erhältlich bei Ketten wie „AutoZone“ oder „AutoParts“. Diese bestellen jedoch häufig die Teile beim Hersteller, sodass uns das beschädigte Radlager vier- bis achtmal so viel gekostet hätte, verglichen mit dem Online-Preis. Die Kosteneinsparung ist jedoch mit einem Zeitverlust von mehreren Tagen zu bezahlen.
Die Preise der Werkstätten lagen ebenfalls zwischen 90-350€ für den Austausch. Vergleichen lohnt sich hier richtig!

Über die genauen Kosten, die bei der Anmeldung entstehen, kann man sich auf der offiziellen Webseite der Zulassungsstellen (DMVs) der jeweiligen Bundesstaaten informieren.

Doch warum jetzt schon verkaufen? Wolltet ihr ihn nicht bis Los Angelos behalten?

Für den Verkauf des Autos in Los Angeles war eigentlich die letzte Woche unseres USA-Aufenthaltes angestrebt. Dadurch setzt man sich jedoch enorm unter Zeitdruck. Sobald der potentielle Käufer von diesem Zeitfenster erfährt, ist der Verkaufspreis im Keller. Hinzu kommt, dass die Abgasnormen und Richtlinien in Kalifornien wesentlich strenger ausfallen, wie in Nevada. Zusätzlich ist der Gebrauchtwagen-Markt in Las Vegas sehr stark ausgeprägt.

Durch die Inserierung des Fahrzeuges zu dem früheren Zeitpunkt kann somit eventuell ein besserer Preis erzielt werden.

Würde ich es wieder so machen? Ein Auto in den USA kaufen?

Gegenüber eines Mietwagens kann durch den Autokauf bares Geld gespart werden. Das Risiko eines kapitalen Schadens oder anfallenden Reparaturen sitzt einem jedoch immer im Nacken.
Die zwei Monate und fast 15000 gefahrenen Kilometer kosteten uns in Summe knapp 1000€ plus Benzinkosten, was pro Person und Monat Ausgaben von 250€ bedeutete.

Kategorien: Amerika

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