aus der Sicht von Deborah

Ein rotes Backsteingebilde mit hohen Schornsteinen, ein leicht süßlich-hopfiger Geruch in der Luft…wir beginnen den heutigen Tag mit einer Besichtung der „Anheuser-Busch Brauerei“ in St. Louis. Hier wird im Familienbetrieb seit 1876 das weltbekannte „Budweiser“ gebraut. Die kostenlos angebotene Tour wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Leider lässt der Tourguide uns den freien Eintritt durch seine Vortragsweise merklich spüren und rattert die Hintergrundinformationen ohne Punkt und Komma einfach nur herunter. Getreu dem Motto „Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul“ machen wir das Beste daraus. Wir sind guter Laune, denn nach langer Zeit ist es über Nacht  etwas abgekühlt, was das Schlafen im Auto doch wesentlich angenehmer gestaltet. Getoppt wird der Morgen von einem All-you-can-eat Frühstück in der „Goldenen Koralle“ – auch wenn wir aufgrund der neuen Zeitzone, in der wir uns unwissentlich befinden, eine Stunde zu früh da waren. Daher braucht es schon etwas mehr als eine schlecht gelaunte Tour Führerin um uns aus der Bahn zu bringen. Die Brauerei besitzt neben den herkömmlichen Utensilien, wie Braukesseln, Maischefässern und einer Tankanlage, in der dem Bier durch Zugabe eines speziellen Holzes Kohlensäure zu geführt wird, auch ein eigenes Gestüht. Hier sind die „Clydesdale“ untergebracht. Dabei handelt es sich um eine Rasse die den Kaltblütlern zugehört und als Zugpferd genutzt wird. In früheren Zeiten machte sich auch die Brauerei diese starken Zugtiere zu Nutzen und etablierte somit den ersten Biervertrieb für den Heimbedarf. So entwickelte sich der Vierhufer zum Werbesymbol und Maskottchen der Marke. Bei der  angebotenen Bierprobe wird über den genauen Brauprozess und die Inhaltsstoffe referiert. In vor uns stehenden Säulen sind Hopfen, Wasser und Gerste zu sehen. Doch die letzte Säule lässt uns Deutsche als Biernationen erstarren. Es macht sich der schreckliche Verdacht breit, dass das Reinheitsgebot hier wohl mehr eine nette Empfehlung ist. Sie verwenden tatsächlich Reis im Brauprozess, um eine klare Farbe zu erhalten – barbarisch. Ein abschließendes Freibier im hauseigenen Biergarten rundet die Tour ab. So kann man morgens um 10 Uhr in den Tag starten.

Weiter geht es zum Science Center, einer interaktiven Ausstellung für Groß und Klein. Von physikalischen Hergängen, über Geograohie, Geschichte bis hin zur Astrologie werden sämtliche Themengebiete abgedeckt und durch simple Versuche spielerisch erklärt. So kann man durch einen Windkanal nachempfinden welche Kräfte im Inneren eines Tornados wirken oder spüren wie sich ein Erdbeben anfühlt und was dabei durch die Plattentektonik passiert. Über die Spaceausstellung, in der man unter anderem einen Raumfahrtroboter programieren kann gelangen wir in den Park, der uns zum St. Louis Zoo führt.

Auch diese Freizeitaktivität steht den Besuchern kostenlos zur Verfügung –  also, nichts wie hin.
Wie könnte es anders sein, führt es uns zuerst ins Affenhaus. Max liebt die Primaten aller Art und außerdem müssen wir passend zum Blog natürlich mit unserem Plüschgorilla auch zu seinen Artgenossen. In einem Tunnel durch das Seelöwenbecken, vorbei an verschieden Pinguinen bis hin zu den wilden Steppenewohnern Afrikas gibt es viel zu sehen. Einige der Gehege sind verlassen, weil die Bewohner die kühlen Innenbehausungen der Hitze hier draußen vorziehen. So suchen auch wir immer wieder einen schattigen Platz auf einer der Parkbänke und gönnen uns kleine Pausen. Der Park mit seinen einzelnen „Lebensräumen“ und den dort heimischen Tieren kann ohne Probleme einen ganzen Tag im Programm ausfüllen. Aber wie immer haben wir viel vor und das nächste Highlight bietet sich besonders in der Abenddämmerung an.

„Tor zum Westen“ wird der St. Louis Gateway Arch im Volksmund genannt. Er ist knapp 190 Meter hoch und damit das höchste Monument, das von Menschenhand im Westen der USA gebaut wurde. Neben seiner Funktion als Symbol für die Stadt St. Louis steht er auf einer anderen Bedeutungsebene auch für die Westexpansion der Staaten und damit für den Pioniersgedanken.
Wie ein goldener Schweif reflektiert der stählerne Bogen die letzten Sonnenstrahlen und leuchtet seinen Besuchern majestätisch entgegen. Nach dem Bau 1965 folgte eine zweite Konstruktionsphase, bei der eine Art Schrägaufzug installiert wurde. Der Wagen mit seinen insgesamt acht Kapseln à fünf Personen ermöglicht es innerhalb von vier Minuten am höchsten Punkt des Bogens anzukommen. Zugegeben, die Wagons sind nicht für Menschen mit Berührungsängsten ausgelegt, denn man muss sich schon sehr zusammen kauern, um einigermaßen in die Kabine zu gelangen. Doch die kuschlige Fahrt wird durch einen atemberaubenden Blick aus der Vogelperspektive über die ganze Stadt belohnt. Ein Meer aus warmen, grellen und farbigen Lichtern liegt uns zu Füße und gerade beginnt im Stadion ein Konzert. Der Himmel färbt sich apricot, mit einigen Violettabstufungen, die letzten Boote gleiten scheinbar lautlos durch den unter uns befindlichen Mississippi.  Besser denn je verstehen wir jetzt die Aufforderung aus Vincente Minnelli’s gleichnamigen Musical „Meet me in St.Louis“.

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Kategorien: Amerika

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