aus der Sicht von Deborah

Dieser Beitrag ist besonders meinem Schwesterherz Judith gewidmet, da sie mich bei unserer Reiseplanung inspiriert hat, diesen wunderschönen Ort mit auf unsere Liste zu nehmen, danke dafür!

 

Wo wir uns gerade schon mal an das frühe Aufstehen gewöhnt haben, dachten wir uns, einer weiteren „Frühaufstehertour“ steht nichts mehr im Wege. So taumeln wir nach vier kurzen Stunden Schlaf zur Rezeption unseres Hostels, um auf unseren Guide für den heutigen Tag zu warten. Kurze Zeit später klopft es schon an der Tür und ein junger Peruaner begrüßt uns freundlich und bedeutet uns, ihm zu folgen. Die Müdigkeit steckt uns noch in den Knochen und so wirken die morgendlichen Temperaturen noch kälter, als sie ohnehin schon sind. Unser Guide, Carlos scheint Gedanken lesen zu können, denn kaum sizten wir im Bus, reicht er uns eine kleine, kuschlige Decke an, sodass wir auf der Busfahrt ohne Probleme noch einige Stunden Schlaf nachholen können. „Vamos, vamos amigos“, weckt mich die Stimme von Carlos. Wir haben ein kleines Restaurant erreicht, welches eingeplant ist, um dort zu frühstücken und später Mittag zu essen. Es erwartet uns ein liebevoll angerichtetes Frühstücksbuffet und im Gegensatz zu sonst gibt es neben Brötchen und Marmelade auch Obst und Herzhaftes. Zusammen mit einem Cocatee, der uns hoffentlich heute helfen wird, lässt es sich so doch mehr als gut in den Tag starten. Wir setzen unsere Busfahrt fort und es geht immer höher in die Berge. Unser Ziel?! – Der „Cierro de siete colores“, oder auch besser bekannt als „Rainbowmountain“. Der Berg ist südöstlich von Cusco gelegen und wirkt aufgrund seiner vielen Farben wie ein Regenbogen.Die besondere Farbgebung entstand durch Überlagerung von Mineralien. Das Gelb wurde zum Beispiel durch den Schwefel hervorgerufen, Eisenoxid führte zu einem intensiven Rot und die Reaktion von Kupfer, Wasser und Sauerstoff hatte grünliche Abschnitte zur Folge. Durch die Arbeit der Plattentektonik wurden die einst waagerechten Sedimentschichten so verschoben, dass sie jetzt fast ganz senkrecht sind.

Allerdings will der farbenfrohe Ausblick verdient sein, denn es geht wieder einmal auf 5200 Meter Höhe. Sowohl Max als auch mir ist dabei etwas mulmig zumute, denn das letzte Mal, als wir uns für einen Hike in solchen Höhen entschieden haben, endete der Tag eher unschön mit unangenehmen und hartnäckigen Kopfschmerzen, aufgrund der dünnen Luft. Aber wer nichts wagt, der nichts gewinnt und wir hoffen, dass der längere Aufenhalt in Cusco bereits zur Aklimatisierung beigetragen hat. Dann kommt unser Bus in einer zunächst sehr kargen Landschaft zum Stehen, doch das Ziel des bunten Berges lässt sich bereits schemenhaft zwischen den noch dichten und tiefhängenden Wolken erkennen. Carlos erklärt uns kurz, was es zu beachten gilt und was zu tun ist, sollte jemand trotzdem mit der Höhenluft Schwierigkeiten haben. Dann gibt es für jeden ein paar Tropfen „Agua Florida“ in die Handflächen und nach Anweisung unseres Guides inhaliert die ganze Gruppe das „Zauberwasser“. Der hochprozentige Alkohol in Kombination mit den darin gelösten Kräutern, wie zum Beispiel Minze und Eukalyptus sollen die Atemwege befreien und so das atmen erleichtern – und in der Tat das tun sie! Nach kräftigem Husten und ein paar Tränen in den Augen ist die Gruppe startklar und wir beginnen den Aufstieg. Zu unserer Überraschung stecken wir die dünne Luft und die damit einhergehende Anstrengung viel besser weg als beim letzen Mal und können so den Weg, der sich vorbei an Lamaherden schlägelt und den Blick auf die schneebedeckten Gipfel in vollen Zügen genießen. Lediglich die dicke Wolkendecke bereitet uns ein bisschen Sorgen, doch nach einiger Zeit beginnt sich auch diese langsam aber sicher zu lichten.

Dann wartet der letzte steile Stich auf uns bevor wir den Gipfel erreichen. Noch einmal motiviert uns Carlos und siegessicher arbeiten wir uns auf dem losen, rutschigen Untergrund nach oben vor. Obwohl es noch sehr früh ist, sind bereits viele Touristen hier und jeder versucht, das beste Bild zu schießen. Jetzt, wo die Wolken sich aufgelöst haben und sogar hin und wieder die Sonne hervorkommt, strahlen die Farbsequenzen der Berge noch intensiver. Ganz wie im Lied „Somewhere over the rainbow“ fühlt es sich so an, als hätte man den Regenbogen unter seinen Füßen. Wieder einmal bin ich begeistert, was die Natur erschaffen hat. Ich könnte stundenlang hier oben bleiben und diesen Ausblick genießen – doch es geht noch weiter.

Etwas weniger bekannt aber keinesfalls weniger beeindruckend ist das „Rote Tal“, „El valle rojo“. Wie der Name schon sagt, ist das ganze Tal durch den roten Stein gefärbt aus dem es entstanden ist. Zusammen mit dem saftigen Grün der Grasbüschel, die hin und wieder einen Farbtupfer kreieren, entsteht ein wunderschöner Kontrast. Leider ist unsere Zeit nur begrenzt und so müssen wir uns langsam wieder an den Abstieg begeben. Zu unserer Freude bleiben die Kopfschmerzen dieses Mal aus, somit hat uns die Höhe scheinbar nichts ausgemacht. Auch alle Anderen aus der Gruppe „Calors“ sind wohl auf und so fahren wir mit unserem kleinen Bus wieder zurück nach Cusco. Aus lauter Freude über unser Wohlbefinden runden wir den Tag mit einem hausgemachten Eis ab, in einer der vielen kleinen Bars in „unserer Straße“.

Es war ein wunderschönes Erlebnis und dank unseres wunderbaren Guides Carlos, der perfekt ausgesattet war und eine Sauerstoffmaske dabei hatte, geht es auch unserem Chillergorilla nach der fachmännischen Behandlung wieder besser 😉


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