aus der Sicht von Deborah

Eigentlich jeder, dem wir von unserem Vorhaben erzählt haben, Rio de Janeiro zu  besuchen, hat uns für verrückt erklärt und dringlichst davon abgeraten – Viel zu gefährlich! Doch irgendwie hat mich der Gedanke, Rio einmal live zu sehen – vielleicht weil wir schon mal so nah dran sind – nicht losgelassen. So nahmen wir  27-Stunden Busfahrt in Kauf und machten uns auf zu einer der wahrscheinlich gefährlichsten, aber wie wir später auch erfahren sollten, schönsten Städte der Welt. Aus dem Bus heraus, erschlägt uns die schwüle Hitze. 37 Grad und das bei 90% Luftfeuchtigkeit treiben einem ganz schön den Schweiß auf die Stirn. Auch im Hotelzimmer mit Ventilator angekommen ändert sich an diesen Umständen nicht wirklich viel, denn selbst ohne mich zu bewegen läuft mir der Schweiß nur so den Körper herunter.

Heute führt uns der weg ins „Museu do Amanhã“, was übersetzt so viel bedeutet wie: Museum von Morgen. Direkt am Hafen gelegen, in Pia Maua, macht das Wissensinstitut bereits durch seine futuristische Architektur auf sich aufmerksam. Hinzu kommt, dass es sich nicht um ein Museum im klassischen Sinn handelt, sondern vielmehr um eine Art Lernzentrum für Groß und Klein. Statt langweiliger Infotafeln warten Multimediainstalation auf die Besucher bei denen sich alles rund um die Frage dreht: Wer sind wir, wo kommen wir her und wie könnte unser Morgen aussehen? Vom Urknall über Meilensteine der Menschheit bis hin zu künstlicher Intelligenz kann das Phänomen Mensch genaustens unter die Lupe genommen werden. Oft geht es auch weniger darum dem Besucher eine fixe Information zu liefern, sondern viel mehr zielen die gegeben Fakten darauf ab, mit unschönen Wahrheiten zu konfrontieren, welche jeden Einzelnen zum Nachdenken anregen sollen. Besonders der Teil, der sich mit der Zukunft befasst gibt eine teils sehr trübe Aussicht für die kommenden Jahre, aber andererseits wird der Anreiz geschaffen gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Ohne Probleme kann man hier einen ganzen Tag verbringen, was wir unbewusst auch tun. Meiner Meinung nach war dies das beste Museum, dass ich je besucht habe und viele Fragen und Gedankenanstöße haben mich noch den ganzen Tag, wenn nicht sogar darüber hinaus, beschäftigt. Nach so einem lehrreichen Tag sind wir ganz schön hungrig und als wir den Burgerladen „Le Max“ entdecken, denken wir uns, dass das kann kein Zufall sein kann 😉

Unser erstes Ziel für den nächsten Tag lautet „La Lappa“, ein Viertel, das neben unzähligen coolen Grafittis und einem alten Aquädukt auch eine der Hauptsehenswürdigkeiten schlecht hin beherbergt. Die Rede ist von der Escadaria Selaron einer 125 Meter langen Treppe mit 250 Stufen.Das besondere: Der chilenische Künstler Jorge Selaron machte sich die Verschönerung des einstigen Aufgangs zu seinem Lebenswerk. Um dies zu verwirklichen verarbeitete er über 2000 Kacheln darunter 300 die er selbst bemalte. Sammelte er die Fliesen anfangs noch von irgendwelchen Baustellen, so bekam er im Laufe der Jahre Kacheln aus über 60 Ländern rund um die Welt zugesandt. So wurde aus dem betonierten, unspektakulären Treppenaufgang die wahrscheinlich bunteste Verbindung zwischen La Lappa und dem Viertel Santa Teresa.

Weiter geht es zur „Catedral Metropolitana de São Sebastio“, die eher einer Art Mayatempel gleicht. Und in der Tat haben sich die Architekte von mexikanischen Mayatempeln inspirieren lassen. Ein riesiges Mauerwerk mit vielen winzig kleinen Fenstern, die kaum Licht hindurch lassen. Ein bizarres Gefühl im Inneren des Gotteshauses zu sein und den hohen Konus, aus dem eigentlich die ganze Kirche besteht, hoch zu blicken. Das Besondere dabei ist: der Anblick wird durch nicht eine  tragende Säule gestört und erdrückende Verzierungen sowie Prunk sucht man hier vergebens.

Ein absolutes Muss bei einem Besuch Rio de Janeiros ist natürlich ganz klar der Zuckerhut. Seine Spitze ist über eine Seilbahn mit Zwischenstopp auf dem „Morro da Urca“ erreichbar. Bereits diese Fahrt bietet schon wunderschöne Aussichten. Doch erst einmal oben angekommen ist der Ausblick atemberaubend. Die Stadt mit ihren grünen, Urwald bewachsenen Hügeln, liegt uns zu Füßen und direkt daran angrenzend die fast weißen Sandstrände der Metropole. Von hier oben realisiert man erst, wie dicht der urbane Großstsdtdschungel und der des tropischen Regenwaldes hier nebeneinander liegen. .

Ein weiteres Must See ist natürlich die Statue des „Cristo Redentor“, gilt sie doch neben dem Pão de Açúcar als das Wahrzeichen der Stadt. Die 30 Meter hohe steinerne Statue auf dem Berg Corcovado war ursprünglich zum Anlass der hundertjährigen Unabhängigkeit geplant, konnte aber aufgrund des Finanzmangels nicht fristgerecht fertiggestellt werden. Trotzdem wurde sie danach zum Vorbild für andere Statuen dieses Stils und steht sinnbildblich dafür, dass sie alle Besucher Rios mit offenen Armen empfängt. Im Sockel befindet sich eine kleine Kapelle und 2007 wurde sie zu einem der „Neuen sieben Weltwunder erklärt“.

Natürlich können wir die Metropole Rio de Janeiro nicht verlassen ohne ihrer schönsten Strandmeile einen Besuch abzustatten. Die Rede ist von der Copacabana. Hier lassen sich nicht nur die Cariocas, wie sich die Einwohner Rios nennen, die Sonne auf den Bauch scheinen, sondern auch Touristen aus aller Welt. Sehen und gesehen werden, lautet das Motto und immer in der Luft ein Hauch von Sambamusik und das brasilianische Lebensgefühl „Viva la vida“. So lassen wir bei einem kühlen Bier unseren Aufenthalt in der Stadt, die doch viel besser ist als ihr Ruf, ausklingen – wir sind froh, dass wir uns getraut haben!

Wer die Stadt besuchen möchte, sich jedoch mit Sicherheitsbedenken quält, dem sei gesagt, dass wir uns immer sicher fühlten. Es gilt sich lediglich an die Regeln zu halten und bei Einbruch der Dunkelheit die Unterkunft aufzusuchen.


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