Die weitere Route führt uns in südöstlicher Richtung  zurück an die Atlantikküste. Das Ziel ist Charleston in South Carolina. Wir brechen gegen 7:00 Uhr auf um den Tag möglichst gut nutzen zu können. Durch die schier endlosen Geraden auf dem Highway, ist die fünf-stündige Fahrt dort hin sehr ermüdent. Um nicht aufzufallen, halten wir uns weitgehend an die Geschwindigkeitsbegrenzung, wobei wir damit offensichtlich die Einzigen sind. Die LKWs fliegen nur so rechts und links an uns vorbei und es scheint als würden wir auf der Stelle stehen. Doch die Belohnung für die strapazierende Fahrt lässt nicht lange auf sich warten.
Eine gigantische Hängebrücke führt uns direkt zum Ziel hin, dem Patriots Point. Dabei handelt es sich um eine Art Freilichtmuseum, bestehend aus einem Flugzeugträger, einem Zerstörer, einem U- Boot sowie einer Ausstellung über den Vietnamkrieg. Der Träger, die USS Yorktown, der von 1943 – 1970 diente, ist bereits aus der Ferne zu erkennen. Schnell wird klar, dass zur Erkundung des gesamten Areals ein ganzer Tag erforderlich ist.
Durch den Flugzeugträger verlaufen fünf „geführte“ Touren, die jeweils durch Bodenmarkierungen gekennzeichnet sind. Diese umfassen diverse Themengebiete, beginnend mit Schlafsälen und der Kombüse, gefolgt von Maschinen- und Spezialräumen bis hin zur Brücke un dem Flugdeck.
Jegliche Bereiche sind aufwändig rekonstruiert und liebevoll gestaltet. Überall finden sich kleine Details wieder. Abgerundet wird der geschichtliche Hintergrund durch Zeitzeugenberichte und Videodokumentationen.
Im Hanger des Stahlkolosses sind Flugzeuge jeglicher Generationen zu finden. Von historischen Modellen bis hin zu aktuellen Kampfjets. Die USS Yorktown überwältigt mit ihrer Größe (265,8m x 45m) und wir tun uns schwer, uns in ihrem Bauch zurecht zu finden. Als besonderes Schmankerl stehen Simulatoren und interaktive Angebote zur Verfügung. Bei Betreten des Maschinenraumes kann man sich die damaligen, sehr rauen Bedingungen nur ausmalen. Eine beklemmende Enge gepaart mit den extrem hohen Temperaturen der riesigen Motoren erschwert die Arbeit. Hinzu kommen unzählige kleiner Stellrädchen die für uns unübersichtlich angeordnet wirken.

Auf dem Flugdeck angekommen blenden einen die grellen Sonnenstrahlen. Eine laue Prise weht über das Deck, auf dem sich ebenfalls Exponate aller Art wiederfinden.
 

Doch für wen der dargebotene Maschinenraum bereits zu eng ist, der sollte das zweite Exemplar der Ausstellung lieber meiden. Eine schmale Treppe führt ins Innere der USS Clamagore , das bis vor 45 Jahren im Einsatz war. Der Gesamtzustand wirkt wenig vertrauenserweckend. Große Teile der Außenverkleidung sind stark verrosteten oder sogar löchrig. Umso mulmiger ist das Gefühl beim Betreten der engen Räume. Die schwül-heiße Luft raubt einem den Atem. Nicht vorzustellen, unter welchen Bedingungen die Besatzung arbeiten musste. Winzige Schotten verbinden die schmalen Gänge miteinander. Beim Durchschreiten der Kommandozentrale ist das leise Piepsen der Sonarortung zu hören, wodurch eine sehr authentische Stimmung entsteht. Die saunaähnlichen Bedingungen treiben einem den Schweiß auf die Stirn. Bald überziehen die glitzernden Tropfen auch den restlichen Körper – umso angenehmer, die Prise die uns beim Verlassen des U- Bootes erwartet.

Im Nachhinein erfahren wir, dass die USS Clamagore noch in diesem Jahr versenkt werden soll, um sie als künstliches Riff vor der Küste nutzen zu können.

Das letzte Expornat der Schiffsausstellung, ein 75 Jahre alter Zerstörer, die USS Laffey, die mit ihrer detailgeträuen interaktiven Kommandozentrale lockt. Diese ist komplett in rotes Licht getaucht, aus dem sich die grün beleuchteten Radargeräte gut abheben. Aus allen Richtungen ertönen Stimmen und Signalgeräusche, die das Erlebnis noch realistischer erscheinen lassen.

Den Abschluss unseres Besuches stellt die Vietnamaustellung dar. In dieser finden sich zeitgenössische Ausstellungsstücke wieder. Dazu zählen Fahrzeuge und Hubschrauber sowie Nachbauten der damaligen Unterkünfte und ein Patrouillenboot. Die Geschichte des Vietnamkrieges wird durch die aufgestellten Informationstafeln spannend erzählt. Die Berichte werden von anwesenden Zeitzeugen gestützt. Die gezeigten Archivaufnahmen visualisieren auf dramatische Weise die Geschichten der Soldaten. Diese wurden bei ihrer Rückkehr, bedingt durch den Umschwung in der Gesellschaft, nicht als Kriegshelden gefeiert, sondern als Verbrecher verpönt. Umso ergreifender ist der Anblick, der sich beim Verlassen der Ausstellung darbietet. In alphabetischer Reihenfolge hängen die Hundemarken der, aus South Carolina stammenden, gefallenen Soldaten an einer Gedenktafel. 
Die USS Yorktown präsentiert sich ein letztes Mal im Rückspiegel, als wir den Patriots Point hinter uns lassen.
Das Museum ist auf jeden Fall einen Besuch wert! Auch für diejenigen, die sich weniger für Kriegsgeschichte interessieren.
 

In den kommenden Tagen führt uns unser Weg weiter nach Norden, fernab der Küste.

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Kategorien: Amerika

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