aus der Sicht von Deborah

Wie wir auf unserer Reise schon mehrfach festgestellt haben, ist ein gewisses Maß an Planung gut. Doch man sollte immer noch etwas Platz für ein wenig Spontanität lassen! So auch dieses Mal, als wir am Ijen den Geheimtipp von einer Holländerin erhalten nach Pangandaran zu fahren. „Wenn ihr nach Jakarta wollt, liegt das quasi eh auf dem Weg und die Tour mit Dindin ist ein echter Insidertipp, er kennt sich bestens aus und bereist mit euch nicht die klassischen Standardtouristenrouten. Ganz zu schweigen von der wahnsinns Natur des Green Cannyons und des Green Valleys. Also für mich war das mein absolutes Highlight!“ Hört sich ganz schön verlockend an – also lass ich mir die Adresse des Homestays geben, welches die Tour organisiert hat. Auch Max scheint nicht abgeneigt, als ich ihm von der Idee erzähle und so startet meine Recherche.
Kaum habe ich die Anfrage per E-Mail gesendet, habe ich schon eine Rückmeldung im Postfach. Alle Infos die ich brauche plus private Nummer des Guides – wenn das mal kein Service ist!
Als ich dann noch eine positive Antwort bezüglich Kosten und genauem Programm bekomme steht es fest – Pangandaran wir kommen!

Als wir in dem Städchen ankommen, versprüht dieses direkt seinen ganz eigenen Charme. Kleine Gassen führen immer wieder von der Hauptstraße weg und bringen uns direkt zum Strand. Auch unsere Unterkunft liegt in solch einem Gässchen. Die ganze Aufmachung vermittelt einem den Eindruck einer Strandhütte direkt am Meer. Kleine hölzerne Bungalows bilden die Zimmer und eine Sitzecke aus Naturstein lädt unter Palmen, in einer Hängematte liegend zum träumen ein. Schon jetzt sind wir uns einig, dass es eine gute Entscheidung war, den kleinen „Umweg“ zu machen.

Am nächsten Morgen wartet schon ein leckeres Frühstück auf uns, bevor es gestärkt in den Tag geht. Unser Guide begrüßt uns mit einem Lächeln und teilt uns mit, dass außer uns noch eine Holländerin und ein französisches Pärchen sich dem Abenteuer anschließen. Noch schnell einen kurzen Crashkurs bezüglich des Rollers für Clement und schon geht es los. Bereits nach kurzer Zeit verlassen wir die geteerten Straßen und es geht über kleine Trampelpfade durch den grünen, üppigen Palmenwald.

An einem kleinen Haus angekommen, das sich kaum von den anderen unterscheidet, bedeutet uns Dindin mit einer stoppenden Handbewegung anzuhalten. Er kennt die Menschen hier und so auch diesen Mann, der ein ganz besonderes Handwerk beherrscht. Auf einem Stuhl sitzend arbeitet er mit größter Sorgfalt und Präzision an einem Puppenkopf. Er ist der Schöpfer, der die Puppen für das traditionelle Wayang Theater entwirft. Vom planken Stück Holz bis zu den fertig bemalten Charakteren nimmt er jeden Arbeitsschritt selbst vor und ist so an einer Puppe um die 48 Stunden beschäftigt. Die umgerechnet 60 Euro, die er pro Puppe bekommt dienen jedoch eher als nettes Zubrot und so ist auch die Schnitzerei für ihn eher eine Art Hobby, die er zum Beruf gemacht hat. Für einen Moment legt er seine Arbeit nieder und lässt die Figuren für uns zum Leben erwecken. Faszinierend wie gekonnt er die Bewegungen koordiniert, denn als wir selbst einmal probieren dürfen mit den Puppen zu spielen merken wir, dass der Mechanismus ganz schön ausgeklügelt ist und das, was eben noch kinderleicht aussah garnicht so einfach ist. Doch leider gibt es nur noch wenige Puppenschnitzer, weil der Nachwuchs  sich eher weniger für die traditionelle Kultur interessiert. Wir freuen uns dennoch riesig, dem „Meister“ bei der Arbeit zu gesehen haben zu dürfen und hoffen, dass sein Handwerk so schnell nicht ausstirbt.

Eine weitere Tradition die uns Dindin zeigt ist eher sportlicher Natur – das jawanesische Taubenrennen. Richtig gehört, hier verbringen erwachsene Männer wochenlang damit ihre Tiere für die Landesmeisterschaften vorzubereiten und so im besten Falle hohe Preisgelder und Prämien abstauben zu können. Das Prinzip ist simpel. Die männlichen Vögel werden in Käfigen mit dem Moped einige hundert Meter vom Ziel wegtransportiert. Dieses besteht aus einer Art kleinem Tisch auf dem das Weibchen wartet. Sobald das Männchen sich in Sichtweite befindet wedeln die Besitzer wild mit den weiblichen Tauben herum. Im Sturzflug fallen die Verehrer auf die Holzplatten herab. Doch eine kleine Finesse gilt es vorher zu meistern. So müssen die gegeneinander fliegenden Tauben den Zielbereich von oben durch eine Art mit Wimpeln makiertes Viereck ansteuern. Die schnellste Taube gewinnt. Ein bizarres und zu gleich unterhaltsames Event bei dem so mancher Familienvater das Gefühl für Raum und Zeit verliert, um sich vollends dem „Sport“ zu widmen.

Vorbei an Reisfeldern die gerade neu bestellt werden und durch eine wunderschöne Landschaft geht es zum „eigentlichen Highlight“ des Tages: dem Green Valley. Mit dem Wetter haben wir mal wieder absolutes Glück. Die Sonne scheint und der Wechsel von einigen Wolken sowie dem Fahrtwind lassen es nicht zu heiß werden.

Plötzlich endet die Straße und ein schmaler Weg mit Kieselsteinen führt in den Dschungel hinein. Um zum „Urwaldfluss“ zu gelangen müssen wir circa eine halbe Stunde durch dichtes Grün – die Ruhe um uns herum ist perfekt zum Einstimmen, denn wir sind die einzigen hier. Dann sind wir schließlich da und nachdem Hab und Gut verstaut sind heißt es rein ins kühle Nass. Doch das Wasser des Flusses ist angenehm kühl und erfrischt. Von hier aus geht es den Fluss stromabwärts. Mit kleinen (und großen) Klippensprüngen, Wasserfällen, Stromschnellen und Swings ist für jeden etwas dabei. So ist Spaß  angesagt und das umgeben vom endlosem Grün des Green Valleys.

Immer wieder schwimmt Dindin vor, erklärt uns was wir machen sollen und wir hinterher. Außerdem erfahren wir einiges über die Gegend und die Menschen die hier leben. So arbeiten wir uns immer weiter den Fluss entlang bis wir schließlich an einem Wasserfall ankommen der schwimmend nicht zu passieren ist. So geht es für ein kurzes Stück aus dem Wasser heraus und wir laufen barfuß über den klitschigen beigefarbenen Lehmboden. Das hätte man sich am Anfang unserer Reise auch nicht denken können. Durch den Dschungel? Barfuß? Viel zu gefährlich! Wenn man da in irgendetwas rein tritt oder von etwas gebissen wird – für die Menschen hier das normalste auf der Welt. Dann haben wir die Gelegenheit ein Stück weit in eine Höhle zu schwimmen durch die auch der Wasserfall geht. Insgesamt 30 Meter reicht die Höhle in den Fels hinein, wir schwimmen nur so lange „das Licht an ist“, was jedoch auch schon ein ziemlich verrücktes Gefühl ist. Bei einer Strickleiter, die bestimmt 10 Meter in über den Boden reicht, hält Dindin erneut an, doch auf die Frage ob wir von dort springen wollen folgt eher entschlossene Zurückhaltung. Doch er lässt sich den Spaß nicht nehmen. Wie Mogli aus Dschungelbuch klettert er im Handumdrehen gekonnt die wacklige Konstruktion hinauf. In der Baumkrone angekommen stürzt er sich ohne zu Zögern in die Tiefe – man merkt eben, dass er das nicht zum ersten Mal macht und mit seinen 49 Jahren noch ganz schön fit ist.

Nach dem ganzen gegen den Strom schwimmen ist man ganz schön ausgepowert. Also noch schnell eine Portion Fried Noodels bevor es zum Green Canyon geht. Dindin verlässt uns an dieser Stelle doch weist schon darauf hin, dass wir gespannt sein dürfen und das Workout jetzt erst anfängt. MIt unserem „neuen“ Guide geht es auf dem Roller circa 45 Minuten die Straße entlang. Ich kann mir garnicht vostellen, dass der Canyon sich so viel von dem bereits Gesehenen unterscheidet, die Spannung steigt.

Dann geht es in die Kufenboote, deren Konstruktion mich bereits bei der ersten Sichtung begeistert hat. Das Wasser ist glatt und ruhig, so dass von dem geplanten „Canyoning“ noch jede Spur fehlt. Doch die Natur die uns umgibt ist wunderschön und nach einiger Zeit ragen die Lehmwände an den Seiten des Flusses immer höher und bilden so in der Tat eine Art Canyon. Schnell geht das Erdreich in massiven Stein über und auch der Fluss an sich wird immer schmaler und seichter – verblüffend wie unser Kapitän das Schiff harscharf an den Felsen vorbei manövriert. Schließlich kann man das Rauschen eines kleineren Wasserfalles immer stärker vernehmen und bald sieht man ihn auch. Hier heißt es aussteigen, unser Boot wird unmittelbar vor dem Absatz an einem Felsen befestigt und wir folgen unserem Guide im Entenmarsch den rutschigen Stein hinauf. Hier auf dem ersten Plateau angekommen trauen wir unseren Augen kaum. Wie eine fantastische Welt von Avatar befinden wir uns in einer Art offenem Dom geformt aus Stein und Pflanzen. Die Felsen des Canyons sind mit hängenden Pflanzen bewachsen an denen sich kleine Perlen aud Wasser wie an einer Kette auffädeln. Mit dem darauf fallenden Sonnenlicht wirken die Lianen wie goldene Fäden. Wir sind die einzigsten Touristen hier und außer dem Rauschen des Flusses und dem Tropfen der Steine hört man nichts.

Dindin hat nicht zu viel versprochen es handelt sich wirklich um ein Ganzkörpertraining. Wir müssen klettern, uns um Steinvorsprünge hangeln und ganz schön mit den Armen Rudern, um gegen die Wassermassen anzukommen. Schwimmwesten oder Helme? Fehlanzeige – das gibt es so auch nur hier. Immer wieder halten wir an, um von kleineren und größeren Klippen zu springen und helfen uns gegenseitig voran zu kommen. Wir haben Spaß ohne Ende und wann immer ich mich umschaue, fühlt es sich so an, als hätten wir dieses wunderschöne Fleckchen Erde gerade erst entdeckt

Müde aber zufrieden und glücklich, sitzen wir an diesem Abend noch auf der hauseigenen Terasse zusammen und genießen das typische indonesiche Garküchenessen.
Wir sind froh, dass wir die Chance „Pangandaran“ genutzt haben, denn nur tote Fische schwimmen mit dem Strom;)


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