aus der Sicht von Deborah

Wer denkt, dass wenn er einen Canyon gesehen hat, habe er alle gesehen, der liegt vollkommen falsch. Wie unterschiedlich sie sein können, lernen wir im Laufe des heutigen Tages.

Mit einer Fläche von 145km² und mehr als 2 Millionen Besuchern jährlich ist der „Bryce Canyon National Park“ nicht mit dem Volumen des Grand Canyon zu vergleichen, er ist jedoch mindestens genau so beeindruckend. Im Gegensatz zu den bisher gesehenen Parks besteht dieser aus sogenannten Hoodoos. Dabei handelt es sich um Steinsäulen, die von der Größe eines erwachsenen Menschen bis hin zu 60 Metern Höhe reichen können. Manchmal werden diese Formationen auch „Märchenfelsen“ genannt, was bei den verspielten und einzigartigen Formen gut nachvollziehbar ist. Wie ein Amphitheater bilden die fragil wirkenden Felsen einen Halbkreis – eine von der Natur erschaffene Symmetrie. Diese wird von der exakt abgegrenzten Farbgebung untermalt, die von rötlichen bis hin zu weißen Gesteinsschichten reicht. Schon alleine dieser Anblick unterscheidet sich von allem bisher Gesehen, zudem bietet der heutige Trail die Möglichkeit, ins Innere des Canyons abzusteigen.

abzusteigen.

Über kleine, terassenartig angelegte Pfade führt der Weg serpentinenartig hinunter. Mit jedem Schritt scheinen die in die Höhe ragenden Spitzen zu wachsen und mehr und mehr wird man sich ihrer Gewalt bewusst. Schließlich ist dieser Park immer in Bewegung. Durch den Frost im Winter entstehen riesige Risse im Felsen,  die im darauf folgenden Sommer zu Abbrüchen größerer Stücke führen. Die in der Schlucht entstandenen Gänge werden zunehmend schmaler und als wir um die nächste Ecke biegen, stellen wir eine überraschende Tatsache fest. Von oben wirkt es, als stünden die Tannen, die wir zuvor sahen, auf einer weiter entfernten Plattform, dabei befinden sie sich jedoch hier, im Inneren des Canyons und ragen unnatürlich hoch hinaus. Direkt vor uns entdecken wir einen Baum in dessen scheinbar einst abgestorbener Verzweigung, ein neuer Spross Wurzeln schlägt.

Das zunehmende Grün lässt darauf schließen, dass sich hier wohl einst, in einer regenreichen Periode, ein Fluss seinen Weg bahnte. Doch uns entgegenkommende Wanderer erzählen, dass noch am selben Morgen der Canyon von einer Sturzflut heimgesucht wurde und den an dieser Stelle befindlichen Touristen das Wasser wortwörtlich bis zum Hals stand.
Dies ist wohl das Paradoxe der Natur – so schön und friedlich sie in einem Moment wirkt, so unheimlich und zerstörerisch ist sie im nächsten.

Arizona ist der nächste Bundesstaat, den wir passieren. Doch natürlich nicht ohne einen Stopp am weniger bekannten „Horseshoe Bend“ einzulegen. Der Mäander erhielt seinen Namen durch die Form eines Hufeisens – uns persönlich erinnert er jedoch eher an die Saarschleife, im schönsten Bundesland der Welt.  Aus einer Höhe von 1300 Meter über dem Meeresspiegel können wir die 300 Meter unter uns liegende Schleife des Colorado Rivers bewundern. Sie ist so einzigartig durch den Kontrast zwischen türkisem Wasser und rotem Stein wie der Tatsache, dass verborgen in einem Canyon, mitten in der Wüste, Wasser in diesem Ausmaße zu finden ist. Von hier oben scheint das Wasser fast still zu stehen und es ist nur schwer zu sagen, wie Tief der Fluss wirklich sein mag. Erst als eines der weißen Sportboote darüber gleitet wird klar, dass das Wasser wohl doch etwas tiefer sein muss.
Bevor die gnadenlose Mittagshitze ihre volle Kraft entfalten kann, setzen wir unseren Weg in Richtung Westen fort.

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Kategorien: Amerika

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