aus der Sicht von Deborah

Unser Weg führt uns weiter an der Küste vorbei in Richtung Norden. Wer hier lebt, der ist schon sehr von der Zivilisation abgeschieden. Lange endlose Geraden werden nur selten von zwei, drei Häusern unterbrochen und die Wiesen und Wälder erinnern mich an zu Hause. Lediglich der wilde, tobende Ozean bringt mich zurück auf den Boden der Tatsachen und erinnert mich daran, dass wir knapp 18350 Kilometer von zu Hause entfernt sind. Wie schon einige Male bei unserer Rundreise finden sich hier an der Westküste skurille Steinformationen, die vom Wasser geschaffen wurden. Mit dem liebevollen Namen „Pancakerocks“ wurden die Felsen, die in der Tat flach wie Pfannkuchen übereinandergeschichtet liegen, betitelt. Die kleinen gewölbeartigen Hallen die das Wasser aus dem Stein gespült hat dienen als Spaßparadies für die hier lebenden Tiere. Die Ablagerungen von Kalksedimenten und Tonmineralien kamen bei einer Landhebung zum Vorschein und werden seither stetig durch Wind, Wellen und Regen geformt und verändert. Ähnlich wie bei einer Meeresorgel ertönt durch die zahlreichen Röhren die das Wasser geschaffen hat ein mystischer Klang wenn der raue Wind der tasmanischen See hindurch pfeift.

Westport ist eigentlich ein kleines überschaubares Örtchen, das wir ursprünglich gar nicht bei unserer Reiseplanung beachtet hatten. Doch auf die Empfehlung eines anderen Backpackers nehmen wir es in die Routenplanung auf und sollten es, wie wir später feststellten nicht bereuen. Ein besonderes Highlight, welches zur Zeit Touristen in Schaaren anlockt sind die Seehundkolonien, die im Moment Nachwuchs haben. In einer Art Naturschutzgebiet führt ein schmaler Wanderweg direkt über den Kamm der felsigen Klippen. So wird es uns ermöglicht die Babys aus nächster Nähe zu sehen ohne sie dabei zu stören. Überall wimmelt es nur so vor Bewegung und es wirkt als würden sich die vermeintlichen „Steine“ bewegen. Die Jungtiere robben von Stein zu Stein, tollen in einer Art kleinem Meerespool umher oder lassen sich, wie die Eltern, auf den aufgewärmten Steinen sonnen. Die raue See scheint den Tieren jedenfalls nicht das Geringste auszumachen, wie so viel der Tierarten hier haben auch sie sich an die Begebenheiten angepasst. Beeindruckend, dass wir dieses Familientreiben so beobachten können und das alle ohne Zoo und nicht hinter verschmierten Glasscheiben.

Weiter geht es Richtung Karamea, einem kleinen Ort der direkt am Rande des Kahurangi Nationalparks liegt. Hier befindet sich noch einer der „Geheimtipps“ der Südinsel – das Opara Basin mit seinen märchenhaften Steinbögen. Um den nächsten Tag für eine Erkundung des Parkes zu nutzen, entscheiden wir uns für einen gemütlichen Campingplatz im Ortskern. Die Jungs spielen Billard und ich genieße die Zeit bei einem guten Buch. Eine kurze Erfrischung im eiskalten Hausbach macht den Tag perfekt.

Eines der wohl prägendsten Ereignisse während unserer Zeit in Neuseeland war für mich ganz klar der Besuch der  Glühwürmchenhöhlen. Immernoch fällt es mir schwer diesen magischen Anblick überhaupt in Worte zu fassen, doch was ich mit Sicherheit sagen kann ist: sowas muss man gesehen haben. Und so wollen wir dieses Erlebnis Tobi nicht vorenthalten und begeben uns in den Kahurangipark wo wir ein zweites Mal die Möglichkeit bekommen eine solche Höhle zu besuchen. Dort angenommen ist das kalte, dunkle Gewölbe nicht mit dem auf der Nordinsel gesehenen zu vergleichen. Eine Holztreppe führt zum Boden der Höhle hinunter und die Wände sind unfassbar hoch. Im Inneren angekommen bleibt das erwartete Spektakel zunächst aus. Doch nach einiger Zeit, in der sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnen können erscheinen immer mehr der leuchtenden Punkte an dem Felsen der sich wie eine Kuppel über uns spannt und ich denke für Tobi war es das gleiche fantastische Erlebnis wie damals für uns.

Doch das ist noch nicht alles was das Parkgelände zu bieten hat. Über einen ca 90-minütigen Rundweg kommen wir am Moria Arch vorbei, der die Vorderseite vieler Postkarten ziert. Durch einen schmalen Abstieg kommt man ins innere der Höhle, die dann plötzlich in dem beeindruckenden Bogen endet. Man fühlt sich hier unten wie in einer anderen, phantastischen und friedlichen Welt. Es herrscht eine märchenhafte und zugleich mystische Stille die lediglich durch den Gesang der Vögel von Zeit zu Zeit unterbrochen wird. Die Reflektion im Wasser lässt einen den Bezug zur Realität für einen Moment verlieren und entführt uns in eine Traumwelt. Zu unserer Überraschung ist dieser wunderschöne Ort gut im Herzen des Waldes versteckt und es verirren sich nur wenige Touristen hier her. So kann man für einen Moment die Ruhe genießen, Inne halten und sich vom Zauber des Augenblicks überwältigen lassen.

Da die Straßenführung uns zwingt den gleichen Weg zurück zu nehmen wie auf dem Hinweg, wollen wir diese Gelegenheit nutzen und einen zweiten Minihike, auf den Spuren der Kohleindustrie gehen. Der Charming Creek Walkway startet in der ehemaligen Mienensiedlung Seddonville und und führt an einer ehemals privaten Eisenbahnstrecke, die zum Transport von Kohle und Holz genutzt wurde, vorbei. Immer wieder stehen am Wegesrand alte Wagons, Überbleibsel des Schienennetzes und kleine Hütten. Durch alte Tunnel und über Hängeseilbrücken ist man immer gespannt, was wohl hinter der nächsten Kurve auf einen wartet. Der Mangatiniwasserfall sowie kleinere Ströme, die wir bei der Wanderung entdecken zeigen, dass die Natur sich langsam aber sicher zurücknimmt, was der Mensch sich einst genommen hat.


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