aus der Sicht von Max

So sitzen wir nun am Flughafen in Los Angeles. Die letzten Stunden in den USA sind bereits angebrochen und jetzt heißt es: Die verbleibenden fünf Stunden bis zum Boarding zu überbrücken. Wie hätte es anders kommen sollen … die Woche in San Diego, die der Planung der weiteten Schritte dienen sollte, verging wie im Flug und somit ist die genaue Route noch etwas löchrig. Fest steht nur, dass es Richtung Süden geht, über Bolivien nach Chile bis hin zur Südspitze Feuerland, und wir dem Amazonas den Rücken kehren.
Doch wieso eigentlich? Die Ausrede, dass wir keine Zeit haben gilt für uns wirklich nicht. So nahe kommen wir dem südamerikanischen Regenwald wohl so bald nicht mehr. Man könnte sich ja zumindest mal informieren, was es im Norden zu sehen gibt.
Gesagt, getan! Und so verwerfen wir kurzer Hand die Reiseplanung und buchen noch in Los Angeles am Flughafen den Bus, der uns in den fremden Norden bringen soll.
Die Ausreise aus den Vereinigten Staaten sowie der Zwischenstopp in Mexiko City verlaufen ohne besondere Zwischenfälle. Einzig der aufgezogene Regen durchnässte die Backpacks völlig – besser Mal die Regenhaube übergezogen! Naja, beim nächsten Mal ist man immer schlauer.

Bereits kurz nach Ankunft fühle ich mich ehrlich gesagt ein wenig verloren in der von spanisch dominierten Stadt. Nur Bruchstücke des Schul-Spanisch gemischt mit urplötzlichen Geistesblitzen in französisch (?) und dem mittlerweile zur Gewohnheit gewordenem Englisch. Zum Glück ist Deborah noch etwas fitter was das Vokabular betrifft und so bahnen wir uns mit Händen und Füßen den Weg aus dem Flughafen heraus, in das nächste Taxi.
Es scheint, als würde hier jeder nach bestem Wissen und Gewissen fahren. Wo Platz ist wird sich hinein gequetscht, wo keiner ist, da kracht es. Fußgängerüberwege sind eher nette Dekorationen, Einbahnstraßen können missachtet werden, sofern der entgegen kommenden Verkehr mit laut starkem Hupen gewarnt wird. Ein heilloses Durcheinander und wieder einmal bin ich froh, hier kein Auto fahren zu müssen.
Halbfertige Häuser, streunende ungepflegte Hunde, überall Müll, meterhohe Sicherheitszäune und Mauern sowie vergitterte Fenster verheißen nichts Gutes. War wohl wieder einmal eine super Idee die günstigste Unterkunft und noch dazu in Flughafennähe zu buchen? Eine kurze Recherche bestätigt meine Vermutung. Wir sind in Callao, einem der schlechteren, wenn man Berichten Glauben schenken darf: DEM schlechtesten Viertel der Stadt.
Eine junge Frau öffnet uns die Tür und zeigt uns unser Nachtquartier für die folgenden beiden Nächte. Ein kleines Zelt auf Kunstrasenmatten, umringt von künstlichen Pflanzen und Campingstühlchen, die das Feeling komplettieren. Kein Luxushotel aber irgendwie gemütlich auf seine eigene Art und Weise.

Auf meine Frage, ob es eine gute Idee sei, bei Einbruch der Dunkelheit noch den Supermarkt aufzusuchen, kann oder will sie mir nicht so recht eine befriedigende Antwort geben. Doch wir müssen etwas essen, also Rucksäcke geschnappt und auf geht’s! Die Straßen wirken weit weniger beängstigend, als sie in den Horrorberichten beschrieben wurden. Das Leben pulsiert auf der Straße, Kinder spielen Fußball, kleine Garküchen am Straßenrand und von Zeit zu Zeit ewas Straßenmusik. Dennoch lasse ich die Kamera hier lieber im Rucksack, denn wer nicht auffällt, der begibt sich meiner Meinung nach auch nicht übermäßig in Gefahr.

Am Supermarkt angekommen müssen wir staunen, denn es handelt sich um ein doch recht großes Geschäft in dem man so ziemlich alles Nötige bekommt. Bis auf einige Früchte und Milch aus der Tüte (?), nein kein Tetrapack, sondern eine Tüte wie die, in der zu Hause Mozarella verpackt wird, wirkt das Angebot recht vertraut. Die Menschen hier strahlen viel mehr Ruhe aus und mir fällt es als typischer Deutscher und nach drei Monaten USA schwer, in den langsameren Rythmus zu gelangen.

Die vermeintlich „günstige“ Lage des Hostels entpuppt sich bei der genaueren Ausarbeitung des Plans für den nächsten Tag, als denkbar schlecht. Alle Atraktionen und Sehenswürdigkeiten befinden sich im Zentrum der Stadt, was mit fast 20km nicht hätte weiter entfernt sein können. Die öffentlichen Verkehrsmittel scheinen noch etwas undurchsichtig, da selbst „Google Maps“ keine Route dorthin anbieten kann. Und somit investieren wir die Zeit in die Planung der nächsten Wochen im Norden des Landes.

Nach Abschluss der geplanten „Nordschleife“ werden wir ohnehin hierher zurück kehren, dieses Mal jedoch mit einer etwas zentraler gelegenen Unterkunft.
Was man dem derzeitigen Hostel jedoch zugute halten muss: im „Garagenzelt“ schläft es sich erstaunlich gut! Lediglich einige spontane Musikspektakel reißen uns von Zeit zu Zeit aus dem Schlaf. Die Trompeten und Trommler werden von dem Bellen der streunenden Hunde untermalt, hin und wieder übergibt sich jemand auf der Straße vor dem Haus und das Laternenlicht scheint durch die verzierten Milchglasfenster in unser Idyll.

Und so vergehen die beiden Tage, wie so oft, im Flug und es heißt auf ein Neues: Koffer, oder besser gesagt Backpack packen! Der Bus und somit ein neues Abenteuer warten bereits.

Um die neun Stunden Fahrt nicht völlig sinnlos zu verlieren, entschieden wir uns einen Nachtbus zu buchen. Dadurch sparen wir ganz nebenbei natürlich zusätzlich die Kosten für eine Unterkunft.
Den Langstrecken-Bussen in Südamerika eilt ein sehr guter Ruf voraus, den ich zu meiner Überraschung nur bestätigen kann. Ähnlich wie an einem Flughafen betreten wir den Terminal mit Check-In und Gepäckaufgabe. Das gesamte Areal ist eingezäunt, bewacht und äußerst sauber, sodass man sich im Gegensatz zu der ein oder anderen Busstation, die wir zuvor sahen, richtig wohl fühlt. Eine gute, günstige Kantine mit ordentlichen Portionen und der Ausblick aus dem zweiten Stock des Gebäudes auf den hecktischen Verkehr, verkürzen die Wartezeit.
Bei Betreten des Buses kann ich meinen Augen kaum glauben. Riesige Sessel, drei an der Zahl pro Reihe, erwarten uns. Diese sind natürlich verstellbar, mit einer ausfahrbaren Stütze für die Beine, Decken, Kopfkissen und regelmäßigen Snacks und Getränken. Das Personal, ähnlich wie Flugbegleiter und Piloten gekleidet sowie das edle Blau der Sitze und der Vorhänge strahlen ein luxuriöses Flair aus. Und so starten wir in der oberen Etage, in erster Reihe in das mehr als 400km nördlich gelegne Huaraz, dem „Trekking-Mekka“ Perus.

Kategorien: Südamerika

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