aus der Sicht von Deborah

Nachdem unser erster Aufenthalt in Lima aufgrund der recht abgelegen Lage nicht besonders ereignisreich war und das Viertel Callao auch nicht gerade zu den schönsten gehört, haben wir uns jetzt für eine zentralere Lage entschieden. Hinzu kommt, dass wir um Iquitos zu verlassen nur das Boot oder Flugzeug nehmen und nach unseren gemachten  Erfahrungen, die wir auch keineswegs bereuen, ist das Fliegen doch die etwas schnellere Variante.
So geht es mal wieder um fünf Uhr morgens mit dem Mototaxi zum internationalen Flughafen von Iquitos. Auf dem sehr übersichtlichen Flughafengelände läuft alles etwas anders, so sind wir bereits vor dem Personal vor Ort und es ist auch kein Problem das eigene Wasser mit an Bord zu nehmen. Und schon befinden wir uns im Flugzeug zurück in die „Zivilisation“. Der zweistündige Flug vergeht im Nu und gefühlt kaum in der Luft landen wir schon wieder.
In Lima angekommen erkundigt sich Max bei einer einheimischen Reisenden nach dem Weg, denn zum ersten Mal seit wir in Südamerika sind, nutzen wir Couchsurfing und haben einen Host gefunden der englisch und sogar ein bisschen deutsch spricht. Die Peruanerin ist sehr freundlich und kurzerhand hat sie schon eins der zahlreichen Taxis gestoppt. Sie fährt mehr oder weniger in die gleiche Richtung und zu unserer Überraschung besteht sie darauf, das Taxi bis zu unserer Busstation zu bezahlen, was uns natürlich sehr freut, denn so eine Hilfsbereitschaft erlebt man auch nicht oft.

Unser Gastgeber wohnt im Bankenviertel „San Isidro“ und bereits auf dem Weg zu seiner Wohnung wird schnell klar, dass wir uns in einem scheinbar ganz anderen Lima befinden, als wir es bei unserem ersten Besuch erlebt hatten. Die Straßen sind sauber und gepflegt, mit einigen schön angelegten Grünflächen und die hohen Bankengebäude und Appartements sind nicht zu vergleichen mit den sehr ärmlich wirkenden, oft verkommenen Häusern, die wir sahen. Bei unserem Host angekommen, stellt sich dieser und die drei weiteren Couchsurfer, die er zusätzlich hostet, direkt bei uns vor. Eine sehr lustige und herzliche Gruppe in deren Mitte wir uns direkt wohlfühlen. Am Vorabend hatte wohl eine mehr als gute Party stattgefunden, weshalb die Vier noch etwas in den Seilen hängen und unser Gastgeber Christian um Verständnis bittet, dass er uns morgen erst die Stadt zeigt. Wir haben vollstes Mitgefühl und ziehen an diesem Nachmittag alleine los. Lima ist unter anderem bekannt für den „Circuito Mágico del Agua“, der Wasserpark im Bezirk „Lince“ lockt Groß und Klein. Auf einer riesigen Fläche sind dreizehn verschiedene Springbrunnen installiert in unterschiedlichen Größen, Formen und zu unterschiedlichen Themen.

Sobald es dunkel wird erstrahlen die Wasserfontänen in allen Farben des Regenbogens und dreimal am Abend findet eine Wassershow statt, bei der das Farbenspektakel durch stimmungsvolle Musik untermalt wird. Nicht nur Touristen sondern auch Einheimische verbringen hier gerne ihre Freizeit und wäre es für uns, die aus dem Dschungel kommen nicht so verhältnismäßig kalt gewesen, wären wir sicher noch eine ganze Weile am Wasser sitzen geblieben.

Am nächsten Tag bietet uns Christian an, den Tag zusammen zu verbringen, wofür er sogar extra seinen freien Tag opfert. Mit Ronald, einem weiteren Couchsurfer aus Ecuador, machen wir uns zu viert auf den Weg. Es geht ans Meer in das Stadtviertel „Miraflores“. Die Promenade ist sehr belebt und viele Touristen sind unterwegs. Von einem Punkt aus sieht man alle Viertel, die an der Küste liegen und da wird einem erst einmal klar, wie groß Lima eigentlich ist.

„Baranco“ das, wie Christian es nennt „Hipster und Lifestyle“ Distrikt, ist unser nächstes Ziel. Dort angekommen führt uns die „Bridge of Sighs“ in eine Art Fußgängerzone mit einem kleinen Park in deren Mitte. Christian erklärt uns, dass man bevor man die Brücke betritt tief einatmen und sich etwas wünschen muss – auf der anderen Seite angekommen soll man tief ausatmen, um den Wunsch in Erfüllung gehen zu lassen. Wir schlendern vorbei an einem kleinen Flohmarkt und überall tragen Straßenkünstler mit ihrer Musik zur ausgelassenen Stimmung bei.

Es ist Zeit fürs Mittagessen und wir wollen die Gelegenheit nutzen, einmal ortstypische Küche zu probieren. Am Ende des Platzes sind mehrere Imbisse unter Zelten aufgebauten und man findet so viele unterschiedliche Gerichte, dass die Auswahl schwer fällt. Daher entscheiden wir uns einfach mehrere Teller zu bestellen, sodass jeder von allem etwas probieren kann. Von Yuka mit Käse gefüllt, frittierten Teigtaschen, gefüllter Tomate über frittierte Bananen und verschiedenste Fleischsorten ist alles dabei und so genießen wir den sonnigen Tag und lassen es uns schmecken. Im Anschluss führt uns Christian in eine seiner Lieblingsbars und mit eine der ältesten der Stadt, um das National Getränk „Pisco“ zu kosten. Der Weinbrand wird aus Trauben gewonnen und mit Verschiedenem gemischt, oder für die ganz Mutigen auch pur getrunken.
Pünktlich zum Sonnenuntergang geht es eine kleine Gasse hinunter zum Meer, die von Handwerksständen gesäumt ist. Auf einer Plattform angekommen sieht man über einen großen Teil der Küste und das Meer, welches in den warmen Farben der letzten Sonnenstrahlen angestrahlt wird.

Zum Abschluss unseres Limaaufenhaltes mit Christian, besuchen wir eine kleine Bar, die verschiedene lokale Biersorten anbietet. Die Kellnerin erklärt uns, dass sich sonntags jeder Besucher ein Lied wünschen darf. Und so stoßen wir mit internationaler, gemischter Musik auf „gute Freunde“* an.

* Die Anführungszeichen beziehen sich nicht auf eine ironische Aussage, sondern vielmehr auf das gleichnamige Lied von den Toten Hosen. 😉

Kategorien: Südamerika

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