aus der Sicht von Deborah

Zugegebenermaßen würde mich jemand fragen, was mir als erstes in den Sinn kommt, wenn ich Las Vegas höre, so wären es wohl: Junggesellenabschiede, Parties und der Film „Hangover“. Doch unseren Gasteltern liegt es am Herzen, dass ihre Besucher eben mehr als nur diese Seite der sagenumwobenen Wüstenstadt sehen. So machen wir uns auf zum Mount Charleston. Wir verlassen die Stadt und bald werden die mediteran ausgestatteten Häuser von karger Wüstenlandschaft mit vereinzelten Kakteen und anderen Sukkulenten abgelöst. Ein Blick auf das Thermometer lässt einen nicht unerheblichen Temperaturabfall erkennen und in weiter Ferne sind erste Bergketten zu erahnen, die mehr und mehr von grünen Nadelbäumen bewachsen sind. Immer höher führt die schmale Straße und das Klima wird durch den aufkommenden Wind und die alpine Umgebung zunehmend angenehmer. An einem kleinen Café angekommen parken wir das Auto und wollen den sogenannten „Cathedral Rock“, in einer Höhe von 2438 Metern erklimmen. Nach einer guten halben Stunde erreichen wir schließlich den Gipfel des „Charleston Rock“. Von hier oben wirkt es mehr als irreal, in ein Wüstental zu schauen, während man auf einem Berggipfel steht, wie er sich auch in Österreich befinden könnte. So nah liegen hier die bedrohliche Hitze und die Szenerie eines Alpenpanoramas nebeneinander.

Szenenwechsel: Ein Stadion, zwei entschlossene Mannschaften, Cheerleadergruppen, die sich formatieren. Unsere Gastgeber ermöglichen uns ein Footballspiel der hier ansässigen Collegemanschaft „UNLV“ anschauen zu können. Bei ihrem heutigen ersten Heimspiel treten sie gegen die „Miners“ der University Texas El Paso an. Bereits als die Kontrahenten ins Stadion einlaufen ist die Stimmung am toben, die von einer Musikkapelle mit einstudierter Choreographie zusätzliche angeheizt wird.
Erster Touchdown, dieser reißt die Fans der Las Vegas Rebells von ihren Sitzen. Hinter der Punktetafel wird ein Feuerwerk laut knallend ein gezündet. Bis zur letzten Minute fiebern die Massen mit und wir genießen, wie es sich gehört, mit einem Hotdog und gesalzenen Erdnüssen das Mannschaftsspiel Amerikas schlechthin.

6:30 Uhr es heißt: Wasserflaschen auffüllen und los gehts, denn heute wollen wir ins „Valley of Fire“ und wie der Name schon sagt, wird es heiß, weshalb sich ein Start in den frühen Morgenstunden empfiehlt. Als wir in den Park einfahren, zeigt sich in den weichen Felsen ein für uns komplett neues Farbenspiel. Außen ist der typisch rote Stein der Wüstenlandschaft erkennbar, doch wo immer ein Stück abgebrochen ist, zeigen sich dunkle Bereiche im Wechsel mit rosanen und weißen Linien. Eines der Naturphänomene, dass sich im Inneren eine solche Schönheit verbirgt.
Wir sind wohl nicht die einzigen Frühaufsteher, denn am Rand des Parkplatzes, von dem aus wir unseren heutigen Trail starten, hat sich eine Herde von Steinböcken zum Frühstück einfinden. Majestätisch schreiten die Tiere durch den feinen Sand bevor sie sich wieder in die Felswände und Vorsprünge zurückziehen. Auch wir setzten unseren Weg durch die dünenartige Landschaft fort und es wird schon deutlicher wärmer in der Sonne. Bei unserem nächsten Stopp handelt es sich beim ersten Blick scheinbar um eine weitere der roten Wände. Doch bei genauerem Hinsehen lassen sich schwarze Bereiche im Stein erkennen mit hin eingemeißelten Malereien. Vor 4000 Jahren dienten diese der ersten Form der Kommunikation. Auch wenn die Analysen bezüglich ihrer Bedeutung nur wage Vermutungen sind, wurden so zum Beispiel Wasserquellen oder Tierherden lokalisiert. Fasziniert stehen wir vor den riesigen Beschriftungen in luftigen Höhen und man fragt sich, warum und vor allem wie konnten diese Zeichnungen geschaffen werden. Das Geheimnis bleibt wohl für immer im Stein bewahrt und lässt jedem Einzelnen seine Interpretation offen. Auf dem Rückweg entdecken wir Steinformationen die aufgrund ihrer abgerundeten und aufeinander aufbauenden Sektionen wie große Bienenstöcke wirken und wieder einmal versetzt uns die Kreativität der Natur ins Staunen.

So nehmen wir aus der Stadt der Sünde mehr mit, als „nur“ den glamourösen Strip und sahen Las Vegas mal anders. Doch leider ist es somit auch schon wieder Zeit Tschüss zu sagen. Wir haben viel geboten bekommen und erlebt in der vergangenen Woche und das mit den besten Gasteltern der Welt. Da wir ab jetzt ohne Auto unterwegs sind, mussten wir uns überlegen wie es weiter geht. Wie der Zufall es will, fanden wir über eine Bagpackergruppe bei Facebook zwei Mädels, die exakt unsere Route in Richtung San Francisco fahren. Ein letztes Mal die Gasteltern in den Arm schließen, dann kommen uns Nelin, Mara und ein weiterer Mitfahrer, Markus abholen – unsere Travelbuddys für die kommenden Wochen.

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Kategorien: Amerika

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