aus der Sicht von Max

Kaum den Rucksack gepackt, geht es schon wieder weiter. Der Fahrer steht bereits vor der Tür und so machen wir uns zusammen mit einem Pärchen aus Kanada und einem aus den Niederlanden auf den Weg zum Ijen. Wo wir genau hinfahren? Gute Frage, ich habe keine Ahnung. Was ich jedoch weiß: es wird eine lange, holprige Fahrt.

Sieben Stunden und unzählige halsbrecherische Fahrmanöver später erreichen wir ein winzig kleines Dörfchen, umgeben von Bergen. Unser vom Veranstalter angepriesenes Hotel stellt sich als Homestay heraus, das lediglich an ein Hotel angeschlossen ist. Das Bad ist dreckig, die gesamte Anlage verfallen und die Decken mit schwarzem Schimmel überzogen. Nicht was ich erwartet habe. Aber es ist nur für eine Nacht und das Essen gar nicht mal schlecht. Anschließend geht es bereits um acht Uhr ins Bett. Denn um viertel vor eins klingelt der Wecker schon wieder – kurze Nächte.

00:45: ich fühle mich wie von einem Zug überfahren. Der Hals ist belegt und die Augen brennen. Der Körper ist was Schlaf angeht scheinbar nicht mehr belastbar.

Nach kurzen Startschwierigkeiten geht es jedoch wieder top motiviert ins Auto. Nach 30 Minuten Fahrt erreichen wir den Parkplatz, von dem der Hike oder besser gesagt die Wanderung los geht. Zwei Guides, einer vorne, der andere als Schlusslicht führen die Gruppe von fast 20 Personen den steilen Fußweg hinauf. Am Wegrand stehen Einheimische die immer wieder ein „Taxi“ nach oben anbieten. Diese Taxis erinnern ein wenig an einen Rollstuhl, in dem man liegt. Einer schiebt und zwei bis drei Leute ziehen vorne an einem Seil. Diese Möglichkeit scheint doch recht häufig in Anspruch genommen zu werden, denn von diesen „Taxis“ sind unzählige auf dem gesamten Pfad anzutreffen. Der Weg zum Kraterrand ist weder besonders lang noch technisch anspruchsvoll. Zugegeben er ist stellenweise etwas steil und rutschig aber wer hier aus eigener Kraft nicht hoch kommt, der hat hier nichts verloren!

Lieber würde ich auf der Stelle sterben, als einen solchen Dienst in Anspruch zu nehmen. Umso peinlicher ist es mir, andere Reisende zu sehen, die sich dort hoch ziehen lassen. Stellenweise zerren die Einheimischen zu viert die bequemen Reisenden den steilen Hang hinauf. Was ein Job für einen Hungerlohn.

Oben angekommen deutet nur wenig auf einen Vulkan hin. Es ist noch tief dunkle Nacht und eine Karawane von Taschenlampen markiert den schmalen, rutschigen Pfad in den Krater hinein. Hier muss man sich noch einmal richtig konzentrieren, denn Handläufe oder Sicherungen sucht man vergeblich.

In der Ferne schimmert ein blaues Licht, um das sich eine Traube von Taschenlampen ringt. Das Blue Fire, man kann es tatsächlich sehen! Dieses Phänomen zu Gesicht zu bekommen erfordert ein wenig Glück, denn die Erscheinung ist von mehreren Faktoren abhängig, wie Wind und Konzentration der Gase. Es ist der Grund für die kurze Nacht, denn man kann es nur bei Dunkelheit sehen und es ist nur hier und in Island anzutreffen.

Unten angekommen können wir unseren Augen kaum glauben. Glühend blau lodern die Flammen aus dem Gestein heraus. Umspielt von dichten Rauchschwaden. Jetzt wäre wohl der richtige Moment die Gasmasken aufzusetzen. Der Qualm brennt in den Augen und der beißende Geruch kriecht in die Nase. Dennoch konnten wir einige gute Bilder schießen.

Hier hinunter steigen die Schwefelarbeiter jede Nacht ab. Sie starten genau wie wir um 01:00Uhr, steigen zum Kraterrand auf, in den Krater hinab und bauen dort von Hand den begehrten Schwefel ab. In geflochtenen Körben tragen sie zwischen 60 und 100kg des Materials den rutschigen Weg hinauf, aus dem Krater heraus. Ein echter Knochenjob! Arbeitssicherheit? Weit gefehlt! Die Arbeiter tragen Flip Flops, Gummistiefel oder gar keine Schuhe und tragen auch keine Gasmasken, die die giftigen Dämpfe filtern könnten. Für einen Kilo Schwefel erhalten sie umgerechnet 20 Cent.

Dennoch machen die Arbeiter keinen unglücklichen Eindruck auf mich. Es wirkt viel mehr wie eine stolze, eingeschworene Gemeinschaft, die diese Arbeit seit Generationen ausübt. Und zuhause? Zuhause wird sich über alles und jeden beschwert. Wir sollten uns von Zeit zu Zeit wieder darauf besinnen, was wir für einen hohen Lebensstandard besitzen und wie gut es uns überhaupt geht.

Dies hier ist eine unglaubliche Leistung, die von den Arbeitern vollbracht wird.

Pünktlich zum Sonnenaufgang erreichen wir erneut den Kraterrand. Nun sind die Konturen des Vulkanes deutlich zu erkennen. Aus dem Krater steigen dichte, gelbe Rauchschwaden in die Luft und mischen sich mit den Wolken, die langsam herein ziehen und die Sicht auf den Kratersee versperren.

Auch hier kann man wieder bis unmittelbar an den mehrere hundert Meter tiefen Abgrund herantreten. Die einzige Sicherung? Menschlicher Verstand. In Deutschland undenkbar!

Wie so oft auf Gipfeln oder Touristenhotspots werden Andenken in Form von Aufklebern hinterlassen. So auch hier an einem Metallpfosten. Zu meinen Favoriten zählen definitv: „Ganz nett hier“, das Krümelmonster oder Aufkleber wie: „Scheißverein“.

Wir genießen noch einige Zeit den Anblick, bevor wir uns auf den Rückweg und die lange Fahrt zurück nach Probolinggo begeben.

Am Schluss bleibt nur noch zu sagen: „Die Tour wars auf jeden Fall wert!“