aus der Sicht von Max

„Wow, wie ihr das immer alles hinbekommt.“ „Bei euch ist immer alles so strukturiert.“ „Ihr zieht das ganz schön durch.“
Ja, das haben wir im Laufe der Reise öfter zu hören bekommen. Doch bei uns läuft es auch nicht immer wie am Schnürchen. Ein Flug von Bali nach Surabaya, um sich die lange Anreise auf dem See- und Landweg zu sparen? Klingt im ersten Moment schlau, denn von dort kann man Touren zu den Vulkanen „Bromo“ und „Ijen“ buchen. Touren! Will man das Ganze auf eigene Faust machen, muss man sich von Surabaya mit Bus und Bahn in Richtung Osten durchkämpfen – wo wir gerade hergekommen sind, Fehlplanung! Hätte man sich vielleicht besser im Voraus genauer angesehen. Aber im Nachhinein ist man wohl immer schlauer.
Nun sitzen wir im Bus von Surabaya nach Probolinggo, von wo es anschließend mit dem „Bemo“, einer Art Colectivo weiter nach Cemoro Lawang geht. Die Anreise auf eigene Faust und die damit verbundenen Recherchen erinneren mich immer wieder an unseren Weg nach Machu Picchu, fernab der viel getretenen Pfade – dem Abenteur.
Dass unser „Abenteuer“ schon bald vorbei sein würde konnte ich zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht wissen …

Am Busterminal in Probolinggo angekommen bestätigt mir der Busfahrer auf wiederholte Nachfrage, dass er anschließend am Bahnhof halten würde. Schnell wird jedoch klar: wir fahren die falsche Richtung! Als der Ticketverkäufer uns mit fragendem Blick „Was macht ihr denn immer noch hier im Bus?“ anschaut, bestätigt sich der bittere Verdacht: wir hätten am Bustermimal aussteigen müssen.

Kurzerhand an einer Straßenkreuzung angehalten und schon stehen wir samt vollem Gepäck irgendwo in Probolinggo. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung wo wir sind, doch eins ist gewiss: der Busterminal ist bereits in weiter Ferne und der Bahnhof sogar noch weiter. Aus einem kleinen gelben Bus, schaut ein betagteres Männchen heraus, das uns bedeutet her zu kommen. Auf meine Frage nach dem Bahnhof nickt er nur, „Yes, yes“ und zeigt mit einem breiten Grinsen die klaffenden Löcher, wo einst Zähne standen. Als ich nach dem Preis frage, erwidert er nur erneut „Yes, yes“ gefolgt von einem noch breiteren Grinsen. Er hat vermutlich kein Wort verstanden, doch was haben wir für eine Wahl?

Umso größer ist meine Überraschung, als wir tatsächlich den angepeilten Zielort erreichen – es scheint zu laufen!

Doch Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall. Es stellt sich heraus, dass die gesuchten Bemos am Busterminal und nicht hier am Bahnhof abfahren. Es ist bereits vier Uhr am Nachmittag und neben den nichtigen Mehrkosten für eine weitere Fahrt zurück spricht der Zeitaufwand gegen die Idee. Die kleinen Minibusse fahren nicht nach einem bestimmten Zeitplan, sondern erst sobald alle Sitze besetzt wurden oder in Summe ein Betrag von etwa 500.000 indonesischen Rupien bezahlt wurde. Sollten sich also nicht genug Mitfahrer finden, so kann man tief in die Tasche greifen, oder die Abfahrt verschiebt sich gegebenenfalls um weitere 24 Stunden.

Die Mitarbeiterin am Infostand verweist uns an einen Tourveranstalter, genau das was wir nicht wollten. Doch wir haben die Unterkunft in Cemoro Lawang bereits gebucht und so beschließen wir, dem Angebot des Veranstalters eine Chance zu geben.

Nach reichlich Verhandlung und Diskussion schneidert er uns schließlich ein optimales Angebot auf unsere Bedürfnisse zusammen. Wir erhalten noch am selben Tag einen Fahrer nach Cemoro Lawang und werden am nächsten Morgen, nachdem wir den Vulkan Bromo auf eigene Faust erkundet haben, für die geführte Tour zum Ijen abgeholt.

Zwar nicht völlig ohne Tour, jedoch bezüglich Preis und Zeitersparnis durchaus in unserem Interesse. Es läuft eben meistens anders als geplant!

Im kleinen Ort am Bromo angekommen zahlen wir zunächst den meiner Meinung nach „Touristen-Eintritt“ von 21.500IR, statt regulärer 10.000, weswegen wir jedoch keine Diskussion vom Zaun brechen wollen. Der Originalpreis auf dem Ticket wurde stümperhaft mit Permanentmarker übermalt und ein neuer, doppelt so hoher Preis aufgestempelt. Hinzu kommen die 1.500IR für eine Versicherung? Falls der Vulkan ausbricht deckt diese wohl sämtliche Schäden ab? Mit anderen Worten: ein unfreiwilliges Trinkgeld für den Mann an der Schranke.

Endlich im Hostel angekommen heißt es: Abendessen suchen und ab ins Bett, denn die Nacht geht es früh los. Ersteres stellt sich als gar nicht so einfach heraus, denn im Ort gibt es kaum Möglichkeiten etwas zu essen und der Minimarkt hat, wie so oft hier in Asien, außer Wasser und Keksen nichts im Sortimemt. Wovon leben die Leute hier? Gleiches gilt auch für die große Kette „Indomart“, in der man ebenfalls außer Süßkram nichts zu essen bekommt.

02:43: wie immer bei Wanderungen, die in der Dunkelheit starten, bin ich bereits vor dem Wecker wach. Es sind wohl noch zwei Minuten im kuscheligen Bett, doch auf diese Falle lasse ich mich nicht ein. Nur zwei Minuten und man fühlt sich danach wie überfahren. Also angezogen, den Rucksack geschnappt und pünktlich verlassen wir wie geplant das Hostel um Punkt drei Uhr.

Es ist noch kühl und ein klarer Sternenhimmel erhellt die sonst finstere Nacht. Das Dörfchen ist bereist jetzt zum Leben erwacht. Jeeps werden für die Touren zum Vulkan vorbereitet, Pferde gesattelt und die Generatoren in einigen Verkaufsständen gestartet.

Uns stehen circa eineinhalb Stunden Auftieg bevor, zum „King Kong Hill“, dem angeblich besten Aussichtspunkt auf den Bromo – man kann gespannt sein.

Wir kommen gut auf der steiler werdende Straße voran und erreichen wie geplant gegen vier Uhr den etwas unterhalb gelegenen Parkplatz mit Aussichtsplattform. Von hier aus geht es im Schein der Taschenlampen den lehmigen, fast senkrechten Steilhang hinauf zum „besten Aussichtspunkt“. Obwohl der rutschige und nicht ganz ungefährliche Aufstieg dort hinauf viele Besucher abschreckt, wagen sich dennoch einige weiter vor. Eine Karawane von Stirnlampen und Handylichtern zieht sich im Zickzack vor uns den Berg hinauf. So schön diese Prozession auch anzusehen ist, so bitter der Beigeschmack beim Gedanken an den damit verbundenen Geräuschpegel am Aussichtspunkt.

Wir beschließen unser Lage circa 150 Meter unterhalb des King Kong Hills aufzuschalgen und geduldig auf den Sonnenaufgang zu warten.

Ganz langsam lassen sich erste Konturen in dem schwarzen, vor uns liegenden Loch erkennen. Am Horizont zeichnet sich ein riesiger Vulkankegel ab, vor dem ein weiterer, kleinerer nach und nach erkennbar wird. Die den Bromo umgebene Sand- und Aschewüste wird von noch dichten Nebelschwaden verdeckt. Ein mystischer Anblick!

Von Zeit zu Zeit passieren andere Schaulustige „unseren“ Aussichtspunkt, scheinen sich jedoch nur wenig dafür zu interessieren und schreiten weiter den Hang hinauf. Zum Glück denke ich mir, als wir den Moment und die Stille völlig für uns alleine haben. Am Horizont kündigt ein tiefedunkles Rot die im Rücken aufgehende Sonne an. Die ersten Strahlen wandern den Vulkankegel hinab und erfüllen das ihn umgebende Tal mit warmem Licht. Was ein atemberaubender Anblick! Der Stress und die Probleme vom Vortag sind längst vergessen und wir genießen unseren Moment, lassen die Kamera heiß laufen und begrüßen die ersten Sonnenstrahlen des Tages. Es ist noch sehr früh und so gönnen wir uns noch einige Zeit den Anblick, bevor wir uns wieder an den Abstieg begeben.

Die Wiesen und Felder leuchten in saftigem Grün, Männer und Frauen arbeiten bereits auf den Feldern und die Touristenströme, die mit den Jeeps zum Aussichtspunkt hinauf fuhren sind längst weiter gezogen. Was eine Idylle, die von dem noch diffusen Licht untermalt wird.

Leider bleibt die Wanderung zum Kraterrand des Vulkans aus. Dieser ist für jegliche Besucher wegen verstärkter Aktivitäten gesperrt. Die letzte Eruption liegt keine drei Monate zurück und so sind wir verwundert, dass man dennoch so nah an die tickende Zeitbombe heran kommt. In Deutschland? – undenkbar! Willkommen in Indonesien!

So bleibt uns mehr Zeit für die Taschen zu packen, denn in nur wenigen Stunden startet bereits der zweite Teil unseres Trips zu den weltberühmten „Blue Fire“ …


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