aus der Sicht von Deborah

Kaum zu glauben, aber soeben haben wir unsere Füße auf den asiatischen Kontinent gesetzt. Wir können es noch garnicht so richtig  fassen – Asien, das war immer noch soo weit weg und jetzt sind wir tatsächlich da. Aus dem Flughafen raus schlägt uns die schwüle Luft entgegen, als würde man gegen eine Wand laufen untermalt wird das Ganze von doch sehr eindringlicher, balinesicher Tempelmusik. Nachdem die Passkontrollen doch sehr zäh verlaufen haben wir es dann endlich geschafft. Die Hektik, die von den Taxifahrern ausgeht, die alle wild durcheinander reden und gestikulieren, um einem „Best Price“ und „Really good driver“ anzubieten, überfordert mich erst einmal – immerhin ist es zwei Uhr nachts. Doch nachdem wir dann unser Gepäck organisiert haben, sprich nur das Nötigste für eine Woche in die kleinen Rucksäcke gepackt und die großen Backpacks am Flughafenlocker verstaut, reist es sich doch gleich viel leichter. Da bleibt auch eine weitere Preisdiskussion mit dem Taxifahrer aus, der uns geholfen hatte alles zu finden und einen fairen Preis angeboten hat. Endlich im Hotel angekommen fallen wir müde aber glücklich in ein weiches Bett, im kühlen, ruhigen Zimmer ohne Mosquitos – die schlaflosen Nächte der vergangenen Wochen sind wie weggeblasen.

Ausgeschlafen und bereit für unsere Reiseetappe Asien treten wir am nächsten Morgen auf die Straßen. Zugegebenermaßen, die Hektik die uns alle von indonesischen Straßen vorhergesagt haben bewahrheitet sich. Doch der „Kulturschock“ bleibt aus. Klar es ist natürlich schon ganz anders wie zu Hause … aber gerade das ist doch das was es ausmacht! Die „Einfachheit“ mit der die Menschen hier an die Dinge herrangehen. Und so stürzen wir uns ins Getümmel und passen uns bereits beim Frühstück der Esskultur an. Auf dem Speiseplan stehen gebratene Nudeln und Obstsalat. Nach dieser Stärkung ist der Rollerverleih nur eine Straßenüberquerung weit entfernt. Da hier auf Bali alle Stopps die wir geplant haben so dicht bei einander liegen, haben wir beschlossen den Roller hier in Denpasar für eine ganze Woche zu mieten, was einem beim Preis von 20 Euro wirklich nicht schwer fällt. Helme aufgesetzt und los geht die wilde Fahrt. Selbst für Max, als erfahrener Motorradfahrer ist der Verkehr (so fern man hier irgendeine Art von Regelung erkennen kann) nichts für schwache Nerven. Jeder fährt nach bestem Wissen und Gewissen und überraschender Weise scheint dieses „System“ zu funktionieren, man muss sich einfach nur mit dem Strom treiben lassen. Ich navigiere und Max manövriert uns souverän durch den Verkehrsdschungel in Richtung unseres ersten Zieles : Uluwatu.

Hier an der Küste kann man erst einmal so richtig ankommen und schnell ist die anfängliche Hektik vergessen. Homestays sind hier in Indonesien sehr verbreitet und so entschließen auch wir uns ein solches als Unterkunft zu beziehen. Die Idee dahinter: man lebt mit den einheimischen Familien zusammen, die oft neben einem Zimmer auch ortstypische Gerichte anbieten und oft viele interessante Insidertipps parat haben. Unsere Unterkunft liegt gut versteckt in einer abgelegenen Straße in mitten des Urwaldes und ist daher gar nicht so leicht zu finden. Als wir mit dem Roller aufs Hofgering fahren kommen uns schon zwei bellende Hunde entgegen, Katzen tigern umher und dazwischen flitzen ein paar Hühnchen durch die Gegend …Willkommen im „richtigen“ Bali. Nach einem kühlen Begrüßungsorangensaft und einer kurzen Verschnaufpause steuern wir den Uluwatutempel an. Das Besondere an diesem Hindutempel ist, dass er direkt an auf den Klippen gebaut ist und sich somit in unmittelbarer Meeresnähe befindet. Als wir über das Gelände der Anlage schlendern, raschelt es plötzlich im Gebüsch. Neben den Gläubigen nennen auch die grauen Makaken den Tempel und seine Gartenanlage ihr zu Hause. Überall schleichen die Primaten herum und es ist Vorsicht geboten. Denn unmittelbar vor uns bekam ein anderer Besucher seine Brille von der Nase geklaut. Ein präziser Biss am Bügel der Brille – knack – das wars. Was übrig bleibt ist ein hilfloser Tourist und ein scharmloser Affe der höhnisch über die Gläser der zweigeteilten Brille leckt. Nun ja der Bestohlene nimmt es mehr oder weniger mit Humor … was bleibt ihm auch anderes übrig?! Auch wenn der Tempel sich hoher Beliebtheit erfreut und die Menschen in Heerschaaren anlockt ist der Ort trotzdem wunderschön. Und die Abendsonne, die die Tempelmauern, die mich ein bisschen an eine Miniaturversion der chinesischen Mauer erinnern, in ein warmes Licht taucht versprüht eine geheimnisvolle und friedliche Atmosphäre.

Am nächsten Morgen steht uns eine etwas mehr als 50 Kilometer lange Fahrt ins Landesinnere bevor, nach Ubud. Wer jetzt denkt: ach, das ist ja ein Katzensprung hat im Bezug auf die Anzahl der Kilometer definitiv recht. Doch die Realität sieht leider etwas anders aus. Mit zähfließendem Verkehr, der durch die wenigen Autos die es gibt verstopft wird, gilt es, sich bei jeder nur erdenklichen Möglichkeit irgendwie vorbei zu zwängen. Das macht das Fahren teilweise schon etwas nervenzehrend, vor allem für Max, doch andererseits sieht man so auch etwas von Land und Leuten und der kühle Fahrtwind ist uns ebenfalls mehr als willkommen.
Als wir schließlich angekommen sind ist es bereits später Nachmittag, was jedoch für unser Vorhaben kein Problem darstellt. Wir wollen zum Campuhan Ridge Walk, welcher auch im Abendlicht noch eine tolle Aussicht bietet. Unterhalb von einer kleinen Straßenbrücke liegt der Beginn des Spaziergangs. Bereits von hier oben kann man wie in eine Art Kessel mitten im Urwald blicken, in dem eine Tempelanlage liegt, die scheinbar eins mit der Natur zu sein scheint. Die Platten, die den Weg pflastern sind Moos bewachsen und die mächtigen Lianen scheinen das Bauwerk an Ort und Stelle zu halten. Hinter dem Tempel führt der Weg dann weiter auf einen grasbewachsenen Kamm, der sich durch die urwaldähnliche Umgebung schlängelt. Trotz anderer Touristen ist es überraschend ruhig und man kann problemlos die Seele baumeln lassen. Mit Einbruch der Dämmerung sieht man überall zwischen den Blättern kleine Lichter und Lampions aufleuchten, so dass uns erst jetzt klar wird, wie viele der kleinen Bambushütten hier zwischen dem saftigen Astwerk versteckt sind. Als wollten sie einem im Dunkeln den Weg leuchten, treten immer mehr der kleinen Häusschen aus dem schummrigen Abendlicht hervor. Ein Heißluftballon, der mit seinen roten und gelben Farben einen perfekten Kontrast zu unserer Umgebung bildet macht die Kulisse perfekt. Bereits jetzt fühlen wir uns schon pudelwohl auf dem Kontinent, der uns doch eigentlich „schocken“ sollte


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