aus der Sicht von Tobias

Nachdem es fu00fcr Deborah und Max durch Malaysia ging, rundete ich meine letztju00e4hrige Reise durch Indonesien in Sumatra ab. Letztes Jahr reiste ich mit zwei Freunden bereits von Jarkarta bis runter nach Bali. In den zweieinhalb Wochen war fu00fcr den nu00f6rdlichen Teil Indonesiens leider keine Zeit mehr. Ich wollte mir diese Gegend unbedingt ansehen und hatte hier eine wirklich wundervolle Zeit.

12 Tage spu00e4ter ging dann mein Flug von Medan aus nach Phnom Penh in Kambodscha. Ich habe mich sehr gefreut Deborah und Max wiederzusehen und unsere Reise als Trio fortzusetzen. Wir passen als Team wirklich hervorragend zusammen und ergu00e4nzen uns perfekt. Mein Flieger landete knapp 1,5 Stunden vor den beiden. Also konnte ich mich schon am Flughafen mit der u201eVisa on Arrivalu201c-Ausstellung vertraut machen. Zuvor hatte ich gelesen, dass das ganze ein wenig abenteuerlich sei, da die Ausstellung des Visas von sehr vielen Mitarbeitern des Flughafens durchgefu00fchrt wird. Und meine Erwartungen an einen aufregenden Prozess wurden nicht enttu00e4uscht. Erst musste ein kleines Ku00e4rtchen ausgefu00fcllt werden und der Reisepass wurde eingezogen. Dabei ist mir immer ein wenig mulmig zu Mute, da der Reisepass eine der wichtigsten Unterlagen auf Reisen darstellt. Sprich: Den verliert man ungern. Danach wurden 30$ eingesammelt und man wartet mit vielen anderen Anku00f6mmlingen auf die hoffentliche Gewu00e4hrung des Visas. Der Prozess dauerte knapp eine Stunde und war vollkommen unu00fcbersichtlich. Aber es hat am Ende alles funktioniert. Visa erhalten und Reisepass auch zuru00fcck – es fu00fcgt sich immer alles.

Ich bezog auu00dferhalb des Flughafens Position im u201eArrival-Bereichu201c und wartete auf die beiden. Der Flieger landete planmu00e4u00dfig. Also konnte es nur noch knapp eine Stunde dauern bis wir uns wieder in die Arme schlieu00dfen wu00fcrden. Die beiden kamen freudestrahlend aus dem Flughafen heraus. Es tat sehr gut die beiden wiederzusehen und zu wissen, dass wir genau da anschlieu00dfen wu00fcrden, wo wir uns vor ein paar Wochen getrennt hatten.

Ich war ziemlich aufgeregt, denn die beiden hatten fu00fcr unseren mehrtu00e4gigen Aufenthalt in der Hauptstadt Kambodschas einen Couchsurfing-Platz organisiert. Wie man in den vergangenen Blogs auch nachlesen kann, haben die beiden bereits richtig gute Erfahrungen damit gemacht, weil man durch den Aufenthalt bei Locals viel mehr u00fcber das Leben und die Kultur des Landes erfu00e4hrt. So etwas habe ich noch nie gemacht und ich hatte absolut keine Ahnung, was auf mich zukommen wu00fcrde. Die erste Kunst bestand darin die Adresse mitten in Phnom Penh zu finden. Weder der Tuk-Tuk-Fahrer noch einige neben der Strau00dfe sitzende Bewohner des Viertels konnten uns zu 100% beschreiben, wo wir die Wohnung von Wynd finden. Mit vereinten Kru00e4ften schafften wir es dann schlieu00dflich die Haustu00fcr ausfindig zu machen. Wynd war allerdings noch nicht da. Wir kontaktierten ihn per WhatsApp und er erreichte seine Wohnung eine halbe Stunde spu00e4ter, da er noch auf seiner Arbeit war. Er fu00fchrte uns in seine Wohnung und zeigte uns einen Raum in welchem wir u00fcbernachten wu00fcrden. Es nennt sich zwar Couchsurfing, aber eine Couch fu00fcr drei Personen hat wahrscheinlich in den wenigsten Fu00e4llen jemand in Kambodscha zu Hause herumstehen. Doch fu00fcr uns war das kein Problem. Wir sind ja bereits in Sachen Camping erprobt und schlugen unser Lager auf dem Boden auf.
Wynd fackelte nicht lange und fragte uns, ob er uns ein typisches kambodschanisches Restaurant zeigen ku00f6nnte. Wir nahmen das sehr gerne an, denn wie gelangt man sonst an solche Geheimtipps? Wir gingen in ein kleines Restaurant und es gab Banh Cheav (hauchdu00fcnner Pfannkuchen gefu00fcllt mit Hackfleisch und allerlei Gemu00fcse; dazu wird ungefu00e4hr ein Kilo frische Minze gereicht). Nach einer langen Anreise war dies eine Wohltat.
Am nu00e4chsten Morgen bereitete uns Wynd kambodschanisches Fru00fchstu00fcck zu (Reis mit eingelegtem Rindfleisch). Wynd ist mangosu00fcchtig. Ja … mangosu00fcchtig. Er vertilgt die Fru00fcchte rund um die Uhr und hat immer knapp 5 Kilo zu Hause deponiert. Der Geschmack der Frucht hat mich jedesmal aufs Neue fasziniert. Es steckt viel mehr Gehalt und Geschmack darin, als das bei den Mangos in Deutschland der Fall ist.

Im Anschluss an das reichhaltige Fru00fchstu00fcck lieu00dfen wir drei uns ein wenig durch die Stadt treiben, besuchten das Nationalmuseum und au00dfen bei einigen Streetfood-Stu00e4nden. Als wir zuru00fcck kamen, bereitete uns Wynd ein weiteres kambodschanisches Gericht zu. Es gab Suppe mit Hu00e4hnchen und wu00fcrzigen Kru00e4utern. Wir tauschten uns viel u00fcber die Kultur und das Leben aus. Er wollte natu00fcrlich auch sehr viel u00fcber unser Leben in Deutschland erfahren und wir waren sehr froh, dass er uns sehr hilfreiche Tipps fu00fcr unseren Aufenthalt in Kambodscha geben konnte. Er sorgte wirklich dafu00fcr, dass wir uns wie zu Hause fu00fchlen konnten.

Fu00fcr den nu00e4chsten Tag stand wieder Kultur und Geschichte auf dem Plan. Kambodscha hat eine sehr traurige Vergangenheit, die noch nicht lange zuru00fcckliegt. Von 1975-1979 verloren Millionen von Kambodschanern ihr Leben unter der Herrschaft der Roten Khmer. Ein begangener Vu00f6lkermord, der mir jetzt noch kalte Schauer u00fcber den Ru00fccken treibt. Wynd legte uns nahe, einen Film namens u201eFirst they killed my fatheru201c anzusehen, bevor wir uns dem Gefu00e4ngnis S-21 und den Killing-Fields widmen. Das war ein sehr wertvoller Tipp, um die Hintergru00fcnde besser zu verstehen und sich ein erstes Bild von dieser fu00fcr das Land schrecklichen Zeit zu machen.

u00dcber die beiden besuchten Stationen mu00f6chte ich mich hier nicht zu sehr auslassen. Gesagt aber sei: Dass wir drei es als ein Muss gesehen haben und es auch jedem nahelegen sich dieser Geschichte mit Respekt zu widmen, da es dieses Land gepru00e4gt hat. Die Strukturen zu sehen, die die Menschen mittlerweile wieder aufgebaut haben, um ein relativ normales Leben fu00fchren ku00f6nnen, haben uns sehr beeindruckt. Die Informationen u00fcber die Ablu00e4ufe und grundlosen sowie barbarischen Hinrichtungen haben uns sehr getroffen, weshalb ich den Besuch der beiden Stationen aus Respekt der Opfer gegenu00fcber nicht weiter beschreiben mu00f6chte. Das wu00e4re geschmacklos und wu00fcrde sich falsch anfu00fchlen. Dennoch sind wir drei uns bei einer Sache einig: Wenn man Kambodscha besucht, ist ein Besuch dieser beiden Stationen in unseren Augen Pflicht, auch wenn es betroffen macht. Doch so kann man sein Interesse fu00fcr das Land und aufrichtiges Beileid zeigen.

Wie bekommt man jetzt die Kurve?
Wir wollten Wynd etwas nach der kulinarischen Verwu00f6hnung zuru00fcckgeben. Also zogen wir los und besorgten alle erforderlichen Zutaten, um abends die original saarlu00e4ndischen Wasserspatzen fu00fcr ihn zuzubereiten. Die Zutaten zu finden war gar nicht so einfach, weil es eher untypisch ist in Kambodscha westlich zu kochen. Doch wir legten uns ins Zeug und ich wu00fcrde sagen, das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. Wynd war ebenfalls sehr begeistert von der saarlu00e4ndischen Hausmannskost und langte richtig zu. Es war sogar noch Mehl u00fcbrig, um ihm am nu00e4chsten Morgen Pfannkuchen zu servieren. Das war das Mindeste, das wir machen konnten, um uns fu00fcr seine Obhut zu bedanken. Mein Fazit von meiner ersten Couchsurfing-Erfahrung ist durchweg positiv und ich denke, dass ich Couchsurfing auf meiner weiteren Reise definitiv weiter nutzen werde.

Dann war es Zeit fu00fcr uns Richtung Siem Reap aufzubrechen, um uns die Tempelstadt Angkor Wat anzusehen. Wieder mit unseren Rucksu00e4cken auf den Schultern ging es los Richtung Busbahnhof. Dann passierte es: Beim Absteigen eines sehr hohen Bordsteins knickte Deborah sehr unglu00fccklich um. Das Fuu00dfgelenk gab fu00fcr einen kurzen Moment unter der ganzen zu tragenden Last auf dem Ru00fccken nach. An ein Weitergehen zum Busbahnhof war nicht zu denken. Es bildete sich eine grou00dfe Menschentraube um uns herum. Alle waren besorgt und Max organisierte direkt Eis zum ku00fchlen des Knu00f6chels. Ich habe beim Fussballspielen schon einmal gesehen, wie sich jemand die Bu00e4nder abreiu00dft und wie schnell das Ganze anschwillt. Das war bei Deborah glu00fccklicherweise nicht der Fall. Somit konnten wir eine schwere Verletzung ausschlieu00dfen. Trotzdem war die Situation schon schlimm genug, da Deborah nicht mehr auftreten konnte. Fu00fcr viele wu00e4re der Trip an dieser Stelle zu Ende gewesen, doch wir behielten die Ruhe und wu00e4gten unsere Optionen ab. Ein Besuch von Angkor Wat, bei dem wir sehr viel zu Fuu00df und mit dem Fahrrad unterwegs sein wu00fcrden, war undenkbar zu stemmen. Die Insel Koh Rong war eigentlich nach Siem Reap angedacht. Wir entschlossen uns gemeinsam den Besuch der Insel vorzuziehen, um Deborah und ihrem verletzten Knu00f6chel die nu00f6tige Ruhe einzuru00e4umen. Alles andere hu00e4tte in dieser Situation auch nichts gebracht, da die Tempelstadt das Non-Plus-Ultra darstellt. Dieses Erlebnis wollten wir zu dritt teilen. Also lieu00dfen wir uns von einem Tuk-Tuk-Fahrer zu einem nahegelegenen Ticket-Office fahren. Alle Gepu00e4ckstu00fccke in und auf dem Tuk-Tuk unterzubringen erwies sich als echte Kunst. Wu00e4hrend der Fahrt hatte der Fahrer Angst, dass das du00fcnn folierte Dach unter der Last durchreiu00dft, weswegen wir mit unseren Armen Gegendruck ausu00fcbten, um das zu verhindern. Am Ticket-Office angekommen, buchten wir kurzerhand einen Bus in die Hafenstadt Sihanoukville. Von hier verlassen die Boote den Hafen in Richtung der Inseln. Der Bus sollte um 17:30 Uhr, nach 4 Stunden Fahrt, dort ankommen. Also noch genu00fcgend Zeit sich vor Ort eine Unterkunft und etwas zu essen zu suchen. Denkste! Der Bus benu00f6tigte bei dem stu00e4ndig stockenden Verkehr 2 Stunden lu00e4nger als geplant. Somit war es stockdunkel als wir in Sihanoukville aus dem Bus stiegen. Nicht gerade die besten Bedingungen, um sich dann mit vollem Gepu00e4ck eine Unterkunft zu suchen. Die fehlende Internetverbindung machte das ganze nicht einfacher. Max ku00fcmmerte sich um Deborah und ich lief bereits ein paar Meter vor, um nahegelegene Unterku00fcnfte zu inspizieren. Der Weg war fu00fcr Deborah sehr beschwerlich, denn es ist wirklich schwierig sich ohne Hilfsmittel wie Kru00fccken fortzubewegen. Das erste Hotel war keine Option, weil die Inhaber unglaubliche 40$ pro Nacht und pro Bett verlangten. Ein Zimmer im Hotel nebenan war dann fu00fcr 40$ zu haben. Obwohl dieser Betrag unser Reisebudget ganz schu00f6n strapaziert hat, entschlossen wir uns das Zimmer zu beziehen, da wir keine andere Wahl hatten. Ausgehungert gingen Max und ich los, um Essen zu organisieren. Wir hatten in der Nu00e4he einige Streetfood-Stu00e4nde gesehen und wollten hier unser Essen kaufen. Auf einmal fing es an in Stru00f6men zu regnen und die Strau00dfen standen innerhalb von einer Minute knu00f6cheltief unter Wasser. Und was dann passierte, war nicht zu glauben. Wir standen direkt vor den Ku00f6chinnen…und ich meine wirklich direkt davor – beide bereits komplett nass und wollten Essen bestellen. Wir wurden komplett ignoriert. Beide Frauen behandelten uns wie Luft und waren nicht gewillt mit uns zu sprechen. Schlieu00dflich wurden wir von einem Mann bemerkt, der zu uns kam und fragte, was wir wollen. Normal kann man ja mit Hu00e4nden und Fu00fcu00dfen erklu00e4ren was man will. Doch da gehu00f6ren immer Zwei dazu. Lange Rede kurzer Sinn: Wir erhielten dann doch nach langem Lamentieren ein wenig Essen, rannten durch die Sturzbu00e4che zuru00fcck, kauften fu00fcr jeden noch ein Bier und waren letztendlich froh ein Dach u00fcber dem Kopf zu haben. Am nu00e4chsten Morgen brachen wir dann Richtung Hafen auf … beziehungsweise: wir wollten gerne aufbrechen. Die ersten 5 angesprochenen Tuk-Tuk-Fahrer wollten uns per tu nicht mitnehmen. Sie zogen es vor, lieber Leerfahrten zu machen oder zu schlafen. Da wussten wir, dass mit dieser Stadt irgendetwas nicht stimmt.

Wir fanden dann doch noch einen Fahrer, welcher uns zum Hafen brachte und orderten dort die Tickets nach Koh Rong. Unsere Unterkunft konnten wir dann vorab buchen. Das gab ein wenig Sicherheit und etwas, an dem man sich nach diesen Erlebnissen festhalten konnte. Wir waren wirklich froh jetzt ein paar Tage entspannen zu ku00f6nnen. Wir bezogen unser Zimmer im Dachgeschoss und ein Blick ins Bad lieu00df uns fast aufstou00dfen. Das ganze Bad…also wirklich jede Armatur war von einer Katze komplett verschissen. Das Hostel ku00fcmmerte sich jedoch direkt darum. Wir dachten schon, dass uns Kambodscha anfu00e4ngt bu00f6se Streiche zu spielen. Als der Mitarbeiter des Hostels sich immer wieder nach Deborahu2019s Fuu00df erkundete, warf er ein, dass er im letzten Jahr selbst Kru00fccken benu00f6tigt hu00e4tte und dass irgendwo auf der Insel noch welche zu finden seien. Und 2 Stunden spu00e4ter hatte er die Kru00fccken fu00fcr Deborah organisiert. Das war wirklich ein feiner Zug. Auf Koh Rong vertrieben wir uns dann die Zeit mit sehr sehr gutem Essen (die beste Steinofenpizza, die ich seit langem gegessen habe), baden im Meer und einigen Beachvolleyballmatches mit den unterschiedlichsten Nationen (Frankreich, Lybien, usw.). An Bewegung war fu00fcr Deborah leider nicht zu denken, aber durch stu00e4ndiges Ku00fchlen und Ruhighaltenu00a0 des Fuu00dfes, konnte man langsam erkennen, dass die Schwellung zuru00fcckgeht.

Dann war es Zeit, die Insel zu verlassen, wenn wir noch Angkor Wat besichtigen wollten. Wir buchten einen Nachtbus von Sihanoukville nach Siem Reap. Der Bus sollte um 20:00 Uhr abfahren. Die letzte Fu00e4hre von Koh Rong nach Sihanoukville sollte um 16:00 Uhr ablegen. Mit einer Fahrtdauer von 50 Minuten hu00e4tten wir also genug Zeit gehabt, um noch gemu00fctlich etwas zu essen und Geld abzuheben (wir hatten noch 4$ in unserer Tasche). Es war 16:00 Uhr und es war keine Fu00e4hre in Sicht. Wir wurden auf 17:00 Uhr vertru00f6stet. Um 17:00 Uhr war immer noch keine Fu00e4hre zu sehen. Um 18:00 Uhr kam die Fu00e4hre schlieu00dflich an. Mit Ausladen des Materials, welches auf der Insel benu00f6tigt wurde, dauerte es bis 18:30 Uhr bis wir ablegten. Wir wurden langsam nervu00f6s und waren auch sichtlich angefressen, da die Zeit dru00e4ngte. Uns wurde versichert, dass der auf uns im Hafen wartende Transportbus uns direkt bei unserem Nachtbus absetzen wu00fcrde. Wir waren erleichtert, dass wir das so regeln konnten. Aber wir hatten die Rechnung ohne Sihanoukville mit all seinen Eigenheiten gemacht. Der Fahrer wollte uns nicht zum Nachtbus fahren. Erst als wir laut wurden, willigte der Fahrer ein. Doch er sollte sein Versprechen nicht halten. Ich kam mir vor wie bei einem Kriegsgefangenentransport. Der versprochene Bus blieb aus und stattdessen wartete ein Transportlaster, dessen Pritsche mit einem Ku00e4fig ausgestattet und mit allen Touristen an Bord mau00dflos u00fcberfu00fcllt war. Mir blieb nur der Platz auf dem Trittbrett, wo ich mich verkrampft festhalten musste, um nicht wu00e4hrend der Fahrt auf dem Asphalt zu landen. Deborah (die im Fahrerhaus sau00df) fand mittels Standorterkennung heraus, dass der Fahrer bewusst an unserem Nachtbus vorbeifuhr. Deborah stoppte den LKW und der Fahrer gab zu, dass er nicht vorhabe, uns zu unserem Bus zu fahren. Wir verlieu00dfen wutschnaubend diese Szenerie und investierten unsere letzten 4$ in ein Tuk-Tuk zum Nachtbus. Wir kamen 10 Minuten vor Abfahrt des Nachtbusses an. Ich konnte noch schnell zum nahegelegenen Geldautomat rennen und Geld abholen. Der Automat spuckte allerdings nur 100$-Noten aus. Das war wirklich nicht unser Glu00fcckstag. Denn in Kambodscha gibt es nur wenige Stellen, die 100$ in kleinere Scheine wechseln ku00f6nnen. Somit ging es ohne etwas zu Trinken oder zu Essen in den Nachtbus. An der ersten Pausenstation schenkte mir ein Amerikaner 2$, damit wir uns wenigstens etwas kaufen konnten.

Nun schwenken wir aber wieder in die positive Richtung…
In Siem Reap kamen wir morgens um 6:00 Uhr an. Den Check-In konnten wir noch nicht vollziehen. Dieser war erst ab 15:00 Uhr mu00f6glich. Erstmal hieu00df es Geld wechseln, die weitere Vorgehensweise planen und natu00fcrlich Fru00fchstu00fcck besorgen. Ein kleines franzu00f6sisches Cafu00e9 um die Ecke bot guten Kaffee und stabiles WLAN. Ebenso gab es neben dem Cafu00e9 einen kleinen Stand mit belegten Baguettes fu00fcr kleines Geld. Da Deborah sich noch Ruhe gu00f6nnen musste, fuhren Max und ich mit geliehenen Fahrru00e4dern los, Richtung Angkor Wat. Am nu00e4chsten Tag wu00fcrden wir gemeinsam mit Deborah einen Tagestrip dorthin zum Sonnenaufgang unternehmen. Hierzu buchten wir einen Tuk-Tuk-Fahrer, der uns am Baguettestand in flieu00dfendem Englisch ansprach und auch die Geschichte der gesamten Tempelstadt auswendig wusste.

Max und ich spulten an diesem Tag knappe 40km in praller Sonne auf dem Rad ab. Und wir waren von dem Anblick der Tempelstadt schlichtweg u00fcberwu00e4ltigt. Man kann es nicht anders sagen – es war u00fcberwu00e4ltigend. Im 10. Jahrhundert wurde begonnen, diese Anlage mit knapp 400 Tempeln verschiedenster Gru00f6u00dfen und Formen aufzubauen. Auf meinen Reisen durch Asien habe ich bereits viele Tempel zu Gesicht bekommen (buddhistische, burmesische und hinduistische), doch so etwas hu00e4tte ich mir im Leben nicht tru00e4umen lassen. So viele Details und Verzierungen – einfach unglaublich. Man fu00e4hrt wie durch eine ja…regelrechte Stadt. Uns beiden fiel ein relativ u201ekleineru201c Tempel ins Auge, der ein wenig zuru00fcckgelagert war. Von Neugier (und der Sehnsucht nach einem schattigen Plu00e4tzchen) getrieben, ging es vorbei an einigen Affen, die Wache hielten. Auf einmal standen wir vor einem sehr steilen Aufstieg. Und wir wurden wie damals beim Aufstieg zum Roys Peak nicht enttu00e4uscht. Der Tempel hatte, obwohl er nicht der Gru00f6u00dfte auf dem Gelu00e4nde war durch seine Lage und seinen speziellen Aufstieg etwas Magisches.

Als wir unsere Fahrradtour fortsetzten und uns daru00fcber austauschten, ob die relativ fu00fclligen Affen nun wirklich dick oder tru00e4chtig seien, bemerkten wir ein Pu00e4rchen am Strau00dfenrand, die sich gerade berieten, wohin sie als nu00e4chstes radeln sollten. Als ich genauer hinsah, erkannte ich Susanne und Philipp, die ich in Sumatra kennengelernt habe. Ich wusste, dass die beiden in Siem Reap unterwegs sind und dass man sich hu00f6chstwahrscheinlich zum Abendessen treffen wu00fcrde. Ich habe mich schon sehr darauf gefreut, diese beiden Frohnaturen Max und Deborah vorzustellen. Dass man sich dann direkt und unabgesprochen in dieser riesigen Tempelstadt trifft, war jedoch sehr sehr unwahrscheinlich. So spielt das Leben jedoch manchmal. Wir taten uns direkt zusammen und besichtigten einige Tempel gemeinsam und erzu00e4hlten von unseren Erlebnissen seit wir uns in Sumatra getrennt hatten.

Nach dem ersten Tag in Angkor Wat hatten Max und ich uns einen ersten u00dcberblick verschafft. Und wir berichteten Deborah voller Enthusiasmus auf was sie sich freuen ku00f6nne. Abends trafen wir uns dann mit Susanne und Philipp wie geplant zum Abendessen und sau00dfen bei dem ein oder anderen hopfenhaltigen Kaltgetru00e4nk zusammen.

Wir wurden am nu00e4chsten Morgen um 4:30 Uhr von unserem Fahrer abgeholt und er organisierte sogar, dass wir an die Ostseite des Haupttempels fahren konnten, damit Deborah so nah wie mu00f6glich an den Tempel heran konnte. Das war denke ich der Punkt an dem die positiven Erfahrungen und Erinnerungen an Kambodscha wieder u00fcberwiegen. Unser Fahrer fuhr uns fu00fcr knapp 8 Stunden durch die Tempelstadt, hielt immer wieder an und erzu00e4hlte uns die Geschichten zu den einzelnen Tempeln. Der Haupttempel wird von einem riesigen Wassergraben umschlossen. Als wir unseren Fahrer fragten, ob dies zur Verteidigung sei, schu00fcttelte er den Kopf und erzu00e4hlte uns, dass das Wasser genutzt wird, um den sandigen Boden, auf welchem der Tempel steht, zu festigen. So kann der Tempel nicht absinken. Auu00dferdem erfuhren wir, dass es nur 37 Jahre brauchte, um dieses gewaltige Bauwerk zu errichten. Man beeilte sich, um dem Ku00f6nig, der den Tempel in Auftrag gegeben hat, noch die Chance zu geben, die Fertigstellung mit zu erleben.

Ein weiterer Tempel sah noch recht neu und gerade fertiggestellt aus, weshalb wir nach dem Grund fragten, denn auu00dfer Reparaturen und ein wenig Restauration, um die Stabilitu00e4t zu gewu00e4hrleisten, wird an den Tempeln nichts veru00e4ndert. Die Antwort lieu00df uns alle drei schmunzeln. Kurz vor Fertigstellung des prachtvollen Tempels, schlug ein Blitz in die Spitze des Turmes ein. Der Ku00f6nig sah das als ein Zeichen von bevorstehendem Unglu00fcck und befahl seinen Arbeitern einen neuen Tempel zu errichten. Somit wurde der u201eBlitz-Tempelu201c nie genutzt und sieht deshalb noch so frisch aus.

Da Deborah noch nicht auftreten konnte, nahmen Max und ich sie abwechselnd Huckepack, damit sie auch die Tempel von innen sehen konnte, denn wenn man schon mal die Gelegenheit hat, sollte man diese auch wahrnehmen ku00f6nnen. Ich denke fu00fcr Deborah waren die Tempel ebenfalls ein besonderer Ort. Zwar war der Sonnenaufgang nicht so spektakulu00e4r wie erwartet, doch das musste er auch nicht sein, da die Tempel fu00fcr sich selber sprechen und einem den Atem rauben. Der teilweise von Bu00e4umen verschlungene Tempel Ta Phrom wird bis heute als u201eTomb Raider Tempelu201c bezeichnet. Der in 2001 gedrehte Film u201eLara Croft: Tomb Raideru201c mit Angelina Jolie in der Hauptrolle sorgte in gewissem Mau00dfe dafu00fcr, dass der kambodschanische Tourismus und die Aufmerksamkeit fu00fcr Angkor Wat, seit der Schreckensherrschaft der Roten Khmer, wieder Fahrt aufnahm. Aber genug erzu00e4hlt, wir lassen die Bilder fu00fcr sich sprechen 🙂

Wir trafen uns die nu00e4chsten zwei Tage wieder mit Susanne & Philipp und besuchten auch die beru00fcchtigte Pub Street in Siem Reap, um nach der ganzen Kultur auch mal das Nachtleben ausgekostet zu haben. Die Bars lockten mit gu00fcnstigem, gezapftem Bier (0,50 $ pro Glas) und guter Musik. In einigen Bars waren Frauen engagiert, um die westlichen Touristen zu bezirzen. Wie auch immer…wir hatten eine gute Zeit im Nachtleben von Siem Reap. Und dann traf ich einen Kambodschaner, der aus Sihanoukville kommt, nach Kalifornien auswanderte, Millionu00e4r wurde und dann nach Siem Reap zog. Ich ergriff die Gelegenheit beim Schopf und fragte ihn: u201eKannst du mir erklu00e4ren, was in Sihanoukville los ist? Warum sind die Menschen da so ignorant? Wenn ich etwas falsch verstanden habe, mu00f6chte ich es verstehen.u201c Er berichtete mir, dass Sihanoukville von den Chinesen nahezu aufgekauft wurde und das dazu fu00fchrt, dass die Inhaber von Geschu00e4ften und Strau00dfenstu00e4nden dazu angehalten sind, sich ausschlieu00dflich chinesischen Touristen zu widmen. Er sagte, dass ich mir folgendes vorstellen mu00fcsse: u201eWenn sich dir die Mu00f6glichkeit bietet zwischen einem Rucksackreisenden und einem chinesischen Touristen zu wu00e4hlen, werden die Menschen in Sihanoukville immer den chinesischen Touristen wu00e4hlen. Der chinesische Tourist gibt 10mal mehr Geld aus als der Rucksackreisende. Mit Rucksackreisenden kann man kein Geld verdienen. Es tut mir leid dir das so zu sagen, aber so ist da hinten das Gesetz. Aus diesem Grund bin ich auch nicht mehr dorthin zuru00fcckgekehrt, da ich diese Einstellung nicht guten Gewissens teilen kann.u201c.

Wir sprachen noch lange Zeit und ich habe es vom Ablauf her verstanden. Ich heiu00dfe es nicht gut, aber es ist verstu00e4ndlicher geworden. Trotzdem hat das zur Konsequenz, dass die westlichen Touristen zu Hause schlecht u00fcber Sihanoukville sprechen werden und gerade im Saarland wissen denke ich alle, wie Mund-zu-Mund-Propaganda funktioniert. So lange aber Chinesen reisen werden (also immer), wird sich diese den Menschen aufgezwungene Verhaltensweise nicht u00e4ndern. Am Ende zu00e4hlt in dieser Region von Kambodscha nur der Profit und das Erlangen von Profit wird in westlichen Touristen nicht gesehen. Wir finden es sehr traurig, dass wir diese Erfahrung machen mussten und dies unser Bild von Kambodscha ein wenig negativ beeinflusst hat, doch auch das gehu00f6rt auf Reisen dazu.

Dafu00fcr haben wir auf unseren anderen Stationen durch das Land sehr viele herzliche und freundliche Menschen kennengelernt, die uns gezeigt haben, dass es auch eine andere Seite von Kambodscha gibt und diese u00fcberwiegt. Ein grou00dfes Dankeschu00f6n nochmal dafu00fcr 🙂
Nun steigen wir in den nu00e4chsten Nachtbus von Siem Reap Richtung Ho-Chi-Minh (Saigon). Es geht also nach Vietnam. Mein letzter Besuch liegt knapp 4 Jahre zuru00fcck und war meine erste Su00fcdost-Asien-Erfahrung. Ich habe alles in guter Erinnerung und bin sehr gespannt, was Max und Deborah von Vietnam halten werden.

Man darf also auf die nu00e4chsten Blogs gespannt sein 😉


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