aus der Sicht von Deborah

Jakarta ist unser letzter Stopp, bevor wir Indonesien verlassen werden. Da die meisten uns sagten, es handle sich einfach nur um eine große Stadt, die nicht viel zu bieten hat, schrauben wir die Erwartungen auch nicht sonderlich hoch. Eigentlich haben wir auch nur noch zwei Tage und sind mehr oder weniger in der Stadt, weil unser Flug nunmal von hier aus geht. Doch ich als grundoptimistischer Mensch kann mich mit dieser Haltung nicht zufrieden geben und will der Stadt eine Chance geben, denn das Motto lautet, es gibt immer etwas zu entdecken, man muss nur danach suchen.
Und in der Tat, in Jakarta befindet dich die größte Moschee im südostasiatischen Raum und die viertgrößte der Welt und als wäre das nicht schon beeindruckend genug, liegt direkt gegenüber eine katholische Kathedrale.

Auf der Suche nach einer Unterkunft kommt die Frage auf: „Warum nicht mal wieder couchsurfen?“ In Neuseeland und Australien hatte sich das irgendwie nicht mehr so ergeben, aber eigentlich haben wir das Ganze lieben und schätzen gelernt und so versuchen wir unser Glück. Es dauert noch keinen Tag und wir erhalten eine Zusage – typisch indonesiche Gastfreundschaft!
Wienda wohnt in einer ruhigen Gegend und hat ein kleines Zimmer, welches aber liebevoll und mit allem was man braucht ausgestattet ist. Trotzdem bin ich begeistert, dass sie den doch begrenzten Raum dennoch mit Surfern teilt! Wir fühlen uns direkt wohl wie auch die drei Katzen, die sie liebevoll umsorgt und von der Straße gerettet hat. Wir verstehen uns auf Anhieb super und erfahren mehr über den jeweils anderen bevor wir schließlich müde ins Bett fallen.

Am nächsten Tag wollen wir uns dann eigentlich auf den Weg in die Stadt machen, doch wieder einmal kommt alles anders als geplant. Die angeregte Unterhaltung von gestern über Gott und die Welt geht weiter und so vergeht die Zeit wie im Flug. Wir reden über Reiseerfahrungen, Religion, Sprachen und machen uns einen Spaß daraus unseren Chillergorilla mit den Katzen vertraut zu machen und ihn neu einzukleiden.

Ehe wir uns versehen ist es bereits Abend und wird schon langsam wieder dunkel. Doch da wir eh noch einmal losziehen müssen, um ein letztes mal Geld abzuheben, entscheiden wir uns die Moschee und das katholische Pendant doch noch wenigstens von außen anzuschauen. Als wir unseren Grabfahrer bitten kurz an einem Geldautomat anzuhalten stimmt dieser bereitwillig zu. Doch nach verschiedenen Automaten und mehreren Versuchen muss ich feststellen, dass meine Kreditkarte nicht funktioniert. Oh nein – soll sie etwa gesperrt sein? Es hilft alles nichts, darum muss ich mich später kümmern, erst einmal brauchen wir Geld. Zum Glück funktioniert Max‘ Karte und wir kommen nach einer gefühlten Ewigkeit im indonesischen Straßenverkehr endlich an.
Bereits von Weitem hebt sich die angeleuchtete Kuppel der Gebetsstätte vom dunklen Nachthimmel ab. Jetzt schon bin ich mehr als beeindruckt und der Meinung, dass alleine das es bereits wert war! Raus aus dem Auto geht es über eine Art Basar (der anlässlich des Ramadanfastens jeden Abend stattfindet) zum Eingang der Istiqlal Moschee. Dort angekommen weist uns der Sicherheitsbeamte darauf hin, dass im Moment gebetet wird und wir daher nicht hinein können. Schade, aber für uns in Ordnung, denn wie bereits gesagt ist auch die Außenfassade der absolute Wahnsinn.

Also begeben wir uns auf die andere Straßenseite, um dort unser Glück in der Kathedrale zu versuchen. Noch gerade einen Schluck trinken … verdammt das äußerste Gefach meines Rucksacks steht offen – Geldbeutel, check – Handy, negativ! Hastig ziehe ich den Rucksack aus, um beide Fächer gründlich zu dursuchen – nichts! Heute scheint einfach nicht mein Tag zu sein. Hatte ich es geklaut bekommen, oder einfach nur verloren? Schwer zu sagen. Also begeben wir uns auf die andere Straßenseite, um dort unser Glück in der Kathedrale zu versuchen. Als ein junger Indonesier auf uns zukommt und fragt, ob wir an einer Besichtigung der Moschee interessiert seien, habe ich garkeinen Nerv für sein Angebot und weise ihn gedankenversunken ab. Scheinbar steht mir die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben, denn er fragt was los sei und bietet ohne zu zögern seine Hilfe an. Doch trotz seiner Bemühungen, mehrfachem Durchsuchen des Autos (er hat den Fahrer kontaktiert, der extra noch einmal zurück gekommen ist) und abgehen des Weges, fehlt vom  Handy jede Spur. Sowas kann auch nur mir passieren und das auf den letzten Abend, so ein Mist! Wut mischt sich mit Ärger und ein bisschen Trauer über die verlorengegangenen Bilder. Max schaut beschwichtigend zu mir rüber und hebt die Schultern „Ist blöd gelaufen aber es hätte schlimmer sein können! Stell dir mal vor, es wäre der Reisepass gewesen, dann hätten wir garnicht weiter reisen können, die meisten Bilder hatte ich ja auch also ärger dich nicht, du kannst es ja doch nicht ändern! Wollen wir trotz allem in die Moschee? Dann sind wir nicht ganz umsonst gefahren und es gibt noch etwas Positives.“ Nach kurzer Besinnung komme ich zu der Feststellung, dass er recht hat. Auch wenn es mir schwer fällt und ich mich zu Tode ärgern könnte, macht es das nicht ungeschehen. Die Zeit, die ich jetzt mit Trübsal blasen verschwende, könnte ich auch besser nutzen und glücklich sein. Also ein Herz gefasst und dem jungen Mann, der uns bei der Handysuche geholfen hatte, Bescheid gegeben, dass wir doch an seiner Tour interessiert wären. So fühle ich mich auch wesentlich besser, weil ich ihm in gewisser Form etwas für seine Mithilfe zurückgeben kann. Als wir ihn auf dem Weg fragen, wie dass überhaupt gehe, dass wir doch in die Moschee können, da man uns eigentlich den Eintritt verwehrt hatte, meint er, dass er das schon kläre.

Einige Minuten später befinden wir uns an einem der unzähligen Eingänge und geben unsere Schuhe ab. Das Gebetshaus hat mehrere Stockwerke und bietet somit Platz für bis zu 120.000 Gläubige. Der große Vorplatz der Moschee hat rechteckige Markierungen auf dem Boden, die an großen Feiertagen dazu dienen, dass jeder genau weiß wie viel Platz er zum Gebet beanspruchen kann. Die Stimme des Vorbeters, die über das Gelände hallt lässt eine andächtige und zugleich mystische Stimmung entstehen, die einen einfach nur überwältigt. In einem der Seitengänge findet sich eine große hölzerne Trommel, die verschiedene Verzierungen aus allen Glaubensrichtungen aufweist – ein Zeichen des Respekts, wie unser Guide uns erklärt. Früher diente die „Bedug“ dazu die Muslime zum Gebet zu rufen.
Dann betreten wir das Innere der Istiqlalmoschee. Hier beten streng nach Frauen und Männer getrennt die Muslime. Zwölf monumentale Säulen stützen eine Kuppel an deren unterem Rand sich Kaligrafien aus dem Koran befinden.
Istiqlal bedeutet „Unabhängigkeit“ und wurde der Name des Gebetshauses, da Indonesien 1945 seine Unabhängigkeit erlangte und dies mit dem Bau dieser Moschee besiegelte. Seit 1978 erinnert dieses göttliche Bauwerk mit seiner schlichten, jedoch eleganten Architektur an die Einigung des indonesischen Volkes und dem Erlangen der Eigenständigkeit.
Beim Verlassen der Moschee leuchtet in der Ferne die steinerne Flamme des Unabhängigkeitsdenkmals, deren Feuer wohl niemals erlischt und die ebenfalls an die Ereignisse 1945 erinnert.

Natürlich will ich mir auch noch die Kathedrale auf der anderen Seite anschauen, immerhin ist sie ja ein Teil unserer Religion. Doch leider, wie so oft auf unserer Reise sind die Türen bereits verschlossen. Doch auch von außen betrachtet wirkt das christliche Gebäude ziemlich imposant und mächtig. Irgendwie schön zu sehen, dass es scheinbar auch so geht und unterschiedliche Religionen so nah beieinander friedlich existieren können.

Auch wenn mir die Sache mit dem Handy noch ein paar Tage nachhängen wird, ist es eigentlich eine Unwichtigkeit über die man sich nicht so viel aufregen sollte. Seit dem Beginn unserer Reise haben wir von Tag zu Tag mehr gelernt worauf es wirklich im Leben ankommt und wie dankbar man sein sollte, für das was man hat.
So steigen wir heute schon wieder in den Flieger und verlassen Indonesien. Unser Fazit ist klar und eindeutig. Wir sind von Land und Leuten angetan und hatten einen super Auftakt unserer Asienzeit. Das Land hat so viel zu bieten und seine Menschen begegnem einen mit so viel Gastfreundschaft und Menschlichkeit, dass man es manchmal kaum glauben kann. Wir sagen danke Indonesien und auch wenn es an diesem Abend „kein Happy End“ gab bezüglich der Handysuche gabst du uns doch eins im Hinblick auf einen wunderschönen Reiseabschnitt!


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