aus der Sicht von Deborah

In Iquitos angekommen, dient unsere kleine Unterkunft erst einmal als „Krankenstation“. Sowohl Max als auch ich haben das Gefühl, dass uns die Schiffstour und das damit verbundene Essen etwas „auf den Magen geschlagen ist“ und so nutzen wir den ersten Tag im klimatisierten Zimmer zum auskurieren. Das Hostel ist schön eingerichtet und wird von einer herzlichen, kleineren Dame im besten Alter geführt, die stets um das Wohlbefinden ihrer Gäste bemüht ist und sich ihrer Belangen gerne annimmt. So bereitet sie extra zu Max’s Genesung einen Anis-Limonen Tee zu und schenkt mir bei unserer Abreise ein Armbändchen als Reisebegleiter.

Neben dem Erkunden der Stadt, haben wir hier noch eine besondere Mission – aber dazu später mehr.
Erst einmal führt uns der Weg vorbei am Plaza de Armas, an dessen Ecke ein auffälliges Gebäude direkt heraussticht. Das „Casa de Fierro“, ist wie der Name schon sagt eine Konstruktion, die komplett aus Eisen erichtet ist. Aber wie kommt dieses kuriose Gebäude hier her, wo es doch so gar nicht zu den restlichen, meist einfach gemauerten Häusern passt? Der einztige Besitzer „Anselmo de Aguila“, kam wie so Viele, Ende des 20ten Jahrhunderts durch den „Gummiboom“ nach Iquitos. Der Reichtum den das „klebrige Gold“ den Gummibaronen einbrachte war für damalige Verhältnisse immens. Und so hat der Franzose das Haus, welches in Europa gebaut wurde kurzer Hand per Dampfschiff über den Amazonas bis hier her nach Iquitos geschifft. Um noch mehr über diese zweiseitige Era zu erfahren, besuchen wir das „Ayapua museo de los barcos historicos“. Die Ayapua ist eines der ersten Dampfschiffe, die den Amazonas befuhren und dient heute als Ausstellungsräumlichkeit für das Museum. Sie wurde 1906 in Hamburg konstruiert und diente als Transportmittel für die Gummibälle aus Peru. Erst durch die „Entdeckung“ des Kautschukbaumes, aus dem der Gummi gewonnen wird, durch die Europäer und dank dieser Schiffe wurde der Boom des Rohstoffes ermöglicht. Doch die horrenden Summen von oft nicht weniger als 2.000.000 $, die bei einer Ladung umgesetzt wurden, hatten auch ihre Schattenseiten. Viele der hier lebenden Einheimischen wurden zum Abbau und zur Verarbeitung des Gummis ausgebeutet, versklavt und fanden wenn sie sich weigerten zu kooperieren oft den Tod. Besonders „Julio Arana“ und seine Brüder galten als skrupellose und gewaltbereite „Geschäftsmänner“ und oft ist von der „Hölle im Amazonas die Rede“. 1876 gipfelte die Ausbeutung und Ausrottung der indigenen Völker schließlich im Vorhaben des Engländers „Henry Wickham“. Dieser exportierte illegalerweise über 70.000 Samen des Baumes, um die in Europa kultivierten Pflanzen schließlich in Asien anzubauen. Die Plantagen dort sowie günstigere Arbeitsbedingungen endeten darin, dass das Amazonasgebiet seinen einstigen Status als Hauptproduzent auf gerade einmal drei Prozent reduzierte. Das Imperium des Gummis kollabierte und zurück blieb eine ausgebeutete und erschütterte Bevölkerung.

Wie tief der Schock der damaligen Ereignisse heute noch sitzt und welche Antipathie er in den Köpfen der Menschen hinterlassen hat, wird uns im nächsten Museum vor Augen geführt. Das „Museo amazónico“ beschäftigt sich mit den einzelnen indigenen Gruppen, die man im Amazonasgebiet findet. Über ihre Kultur, Bräuche, Zeremonien, Kleidung und das Alltagsleben finden sich zahlreiche Informationstafeln und Ausstellungsstücke. Bis heute gibt es so genannte „Índios isolados“, das sind Gruppen, die ganz bewusst keinen Kontakt zur Außenwelt haben wollen. Die Angst vor dem Fremden, wie auch Krankheiten, die oft für die Ureinwohner zum Tod führen und die schlechten Erfahrungen der Vergangenheit veranlassen diese Menschen zu einem zurückgezogenen Leben, in den Tiefen des Dschungels.

So ein Leben treten wir in Kürze auch an, jedoch nur für fünf Tage. Wir haben uns entschieden, das Tapiche Reserve, welches 440 Kilometer von Iquitos entfernt, mitten im peruanischen Regenwald liegt, zu besuchen. Und so machen wir uns auf, die letzten Besorgungen für unser Abenteuer zu treffen, wie zum Beispiel langarmige Kleidung. Nun ja, obwohl unzählige Dschungelexpedition ihren Anfang in Iquitos nehmen, stellt es sich als nahezu unmöglich heraus, die passende Ausrüstung zu finden. Max findet schließlich ein luftiges Hemd auf dem sogenannten „Mercado Belén“. Anders als die Straßenmärkte, die wir bis jetzt besucht haben, gibt es hier wirklich die kuriosesten Dinge. Neben exotischem Essen, Kleidung und einer eigenen Gewürz und Kräuterabteilung werden leider auch viele Tiere angeboten, die man hier eigentlich nicht finden sollte. So zum Beispiel Gürteltiere, Schildkröten, Kaimanhäute, Affen und vieles mehr. Doch trauriger Weise wird dem Tierschutz in Peru größtenteils keine besondere Bedeutung zugemessen. Francia, die Rezeptionistin des Hostels, die uns begleitet, erklärt uns viel über die Einstellung der Menschen hier und wie es zu dem Handel mit bedrohten Tierarten kommt. Außerdem zeigt sie uns das gleichnamige Viertel Belén, welches direkt am Fluss liegt. Dem entsprechend sind die Häuser hier alle auf Stelzen gebaut, um in der Regenzeit vor dem ansteigenden Wasser geschützt zu sein. Doch als wir über den Steg laufen und uns die maroden und sehr instabilwirkenden „Flusshäuser“ betrachten, fällt es schwer sich vorzustellen, dass hier Menschen leben. Die Armut die wir hier sehen macht uns beide betroffen und die Bewohner, die einen misstrauische beäugen rufen ein für mich beklemmendes Gefühl hervor. Wieder einmal weiß man nochmals mehr zu schätzen, was man zu Hause eigentlich alles hat.

Bevor wir unser Abenteuer „Dschungel“ endlich starten, beschließen wir, als kleine Vorbereitung das „Amazon Rescue Center“ zu besuchen. Die Organisation arbeitet mit dem „Dallas Aquarium“ der vereinigten Staaten zusammen und hat sich die   Rehabilitation und die anschließende Freilassung von kranken Tieren zur Aufgabe gemacht. Neben Affen, Schildkröten, Keimanen und anderen Tieren liegt ein besonderes Augenmerk auf den „Manatis“ die im Amazonas heimig sind. Die Erforschung und Bewahrung dieser Tiere ist die Hauptaufgabe des Rescuecenters. Doch auch wenn es den Tieren hier vermutlich schon viel besser geht, als auf den Märkten, sind sie immer noch hinter Gittern und der Prozess, den sie bis zu ihrer Freilassung durchlaufen, ist unserer Meinung nach doch sehr langwierig. Daher freuen wir uns auf den morgigen Beginn des Dschungelaufenthalts, bei dem wir Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum sehen können, ganz nach dem Motto des Reserves „Where animals are wild as they schould be!“

Kategorien: Südamerika

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