aus der Sicht von Deborah

Penang gilt als eine kleine Insel, die jedoch viel zu bieten hat. Also wollen wir es uns nicht entgehen lassen, dieser einen Besuch abzustatten. Bereits die Überfahrt über die Second Penang Bridge , oder wie sie richtig heißt, was sich aber kein Mensch merken kann: „Sultan Abdul Halim Muadzam Shah Bridge“ ist ein absolutes Highlight. Immerhin haben wir bei den über 16 Kilometern, die es abzufahren gilt, den Ozean direkt unter uns und ich persönlich finde der ganzen Brückenkonstruktion kann mindestens genau so eine Beachtung geschenkt werden wie der Golden Gate Bridge. Ebenfalls die Tatsache, dass eine Insel so stark befahren ist, dass sie eine zweite Zubringerbrücke vom Festland braucht bringt mich ganz schön ins Staunen.

Als die Brücke dann schließlich doch noch ein Ende findet haben wir die Insel erreicht. Jetzt gilt es am lokalen Busbahnhof nur noch die richtige Linie zu finden, um ins Stadtzentrum zu gelangen. Ein junger Mann erkennt unsere Not und als wir ihn fragen, welcher Bus der richtige sei, bietet er uns an einfach mit ihm zu fahren, da er den gleichen Bus nehme und nur eine Station vorher aussteigen würde. Also wenn es etwas gibt was ich am asiatischen Kontinent einfach liebe und schätze, dann ist es die Gastfreundschaft der Menschen. So verkürzen wir uns die recht lange Weiterfahrt, indem wir uns mit einer Mischung aus Englisch und Zeichensprache unterhalten.

Schließlich im Hostel angekommen erwartet uns eine Überraschung nach der anderen. Angefangen bei unfreundlichem Personal über dreckiges Bad und Zimmer bis hin zu Fenster in die es reinregnet. Doch als der Regen (der hier schon ein bisschen mehr sein kann, als nur ein paar Tropfen) immer stärker wird und Max versucht das defekte Fenster zu schließen gipfelt das ganze in einer Fast-Katastrophe. Die Angel kann den massiven Holzklappladen nicht mehr halten und mit einem lauten Krachen schlägt die eineinhalb Meter hohe Holzplatte auf dem darunter liegenden Asphalt auf. Zum Glück befand sich weder ein Auto noch ein Fußgänger da unten, doch ich denke wir sind uns einig, dass dieses aus dem zweiten Stock fallende Fenster hätte einen gewaltigen Schaden anrichten können. Wer uns kennt und auch alle, die vorherige Beiträge gelesen haben weiß, dass wir bestimmt nicht pingelig sind, aber was zu viel ist, ist zu viel.

Nachdem wir am nächsten Morgen umgezogen sind, können wir beruhigt unsere geplante Tour durch die Hauptstadt Gorgetown fortsetzen. So führt uns der Weg zu den Clan Jetties im Osten der Stadt. Diese Holzstege mit ihren Stelzenhäusern waren einst der letzte Zufluchtsort der chinesieschen Bevölkerung. So wurde jedes Jettie nach dem entsprechenden Clan benannt und die doch sehr einfachen Häuser der Wasserfrontgemeinde galten als Slums. Anfangs waren die hier lebenden Menschen auf Wasser aus Benzintanks angewiesen und es gab keinen Strom in den Häusern. Heute sind noch sechs der ursprünglich sieben Siedlungen in Takt und das Beste, die Bewohner bezahlen keine Steuern, da sie faktisch nicht auf festem Staatsgebiet wohnen.

Wie so oft auf unserer Reise hier in Asien, ist es auch in Malaysien so, dass die verschiedenen Religionen harmonisch zusammenleben. Daher ist der Name Programm wenn es um die „Street of Harmony“ geht. In der Pitt Street, wie sie auch manchmal genannt wird, befindet sich die St. George´s Church, der taoistische Goddes of Mercy Tempel, der Shri Mahamariamman Tempel der indischen Gläubigen und zu guterletzt die Kapitan Keling Moschee. Hier ist jeder willkommen und wieder einmal bedaure ich es, dass es nicht immer und überall auf der Welt so friedlich und im Einklang hergehen kann.

Während wir so weiter durch die Straßen und kleineren Gassen bummeln, finden wir immer wieder Straßenecken und Mauerwände die mit Streetart verschiedenster Art verschönert sind. Neben klassischem Gemalten findet sich hier in Georgetown jedoch eine Besonderheit. Die metallischen Arbeiten der Künstler von SCULPTUREATWORK erzählen in 52 Werken, die kleinen Geschichten der Stadt. Im comicstyle beschäftigen sich die Werke mit den alltäglichen Dingen und nennen sich daher auch „Stimme des Volkes“. So kann man eine Art kleine Schnitzeljagd unternehmen oder man lässt sich einfach überraschen, was man hinter der nächsten Straßenkreuzung findet, ganz egal wie, die Szenen an den Wänden der Stadt versüßen einem die Wege von A nach B in kreativer und amüsanter Form.

Am Nachmittag sitzen wir erneut auf dem Roller, Richtung Kek Lok Si Tempel. Der „Tempel des höchsten Glücks“ vereint chinesischen und buddhistischen Glauben und gilt in einer Art als der Größte Malaysiens. Auch wenn die ganze Anlage detailreich und kunstvoll gestaltet ist, sind es besonders die siebenstöckige Pagode der 10.000 Buddhas und die 30 Meter hohe Bronzestatue der Gottheit Kuan Yin, die ihren Blick über den Tempel und das Tal schweifen lässt. Der Blick der sich einem hier bietet hat etwas friedliches und besonders Max kann sich gut vorstellen, wie hier zu früheren Zeiten die Mönche ihre Gebete praktizierten und damals wahrscheinlich in ein Tal schauten, das noch vollkommen „naturbelassen war“. Heute stehen die Tempeltore Besuchern aus aller Welt offen, aber durch die immense Größe verläuft sich alles ein wenig, sodass jeder sein Plätzchen zum Inne halten findet.

Nach so viel Kulturprogramm heißt es jetzt mal wieder ab in die Natur. Der Penang National Park ist zwar ein sehr kleines Naturreservart, aber wie sagt man so schön: „klein aber fein“ und da wir ein bisschen wandern immer als eine schöne Abwechslung zum „Stadtprogramm“ sehen, wollen wir dem Ganzen wenigstens eine Chance geben. Die Meinungen bei diversen Reiseblogs gehen zwar stark auseinander von „schöner Park mit tollen Wegen“ bis zu „ist es nicht wert, da leider überall Müll liegt“. Doch ich will mich nicht zu viel beeinflussen lassen und mir einfach selbst meine Meinung dazu bilden, damit ist auch Max einverstanden und so ziehen wir los. Am Park angekommen müssen wir leider feststellen, dass drei der fünf Wege nicht nutzbar sind und das schon seit mehreren Jahren. Scheinbar liegt die Instandhaltung dem Park nicht so sonderlich am Herzen oder was wir uns auch gut vorstellen können, dass es ihnen sogar ganz recht ist die Wege zu sperren, um so mit den doch nicht ganz günstigen Booten ein bisschen zusätzliches Geld eintreiben zu können. Wir lassen uns jedoch nicht darauf ein und gehen den geplanten Weg zum sogenannten Schildkrötenstrand. Dieser hat seinen Namen von den kleinen Meeresbewohnern die hier als Eier eingesammelt werden und später unter Hilfestellung wieder ins Wasser gebracht werden. Ich hatte bereits gelesen, dass man wegen Quallen und angeblichen „plötzlichen Meeresabgründen“ zwar nicht an diesem Strandabschnitt schwimmen kann, aber in erster Linie geht es uns ja um das Wandern.

Bereits nach einigen Metern entdecken wir einen der Komodowarane,die hier Land und Wasser unsicher machen. In aller Ruhe verschlingt die Riesenechse gerade ihre Beute und lässt sich auch wenig von vorbeihuschenden Besuchern wie uns dabei stören. Es geht ein bisschen am Strand vorbei bevor der Weg schließlich im dichten Grün des Waldes zu verschwinden scheint. Es müssen immer wieder kleine Bachläufe und auf dem Weg liegende Baumstämme überwunden werden und auch die teils sehr rutschigen Passagen im lehmigen Untergrund verlangen einem ein bisschen Geschick ab. Besonders körperlich oder technisch anstrengend ist der Weg jedoch nicht, was aber angesichts der schwülen Temperaturen auch vollkommen in Ordnung ist. Am besagten Strand angekommen macht das grau-trübe Wasser einen eher tristen Eindruck auf uns. Ebenfalls müssen wir mit Enttäuschung feststellen, dass das Schildkrötenrescuecenter aufgrund des baldigen Fastenbrechens bereits nicht mehr besetzt ist.
Alles in allem war heute der Weg das Ziel und trotz der etwas lieblosen Parkführung eine schöne Miniwanderung.

Wer schon einmal in Asien gewesen ist und ein Liebhaber von frischem Obst und Gemüse ist, der wird höchst wahrscheinlich zum Widerholungstäter. Das Sprichwort, dass das Gras anderswo grüner ist, stimmt manchmal eben doch, denn eine Mango, Ananas oder Bananen schmecken einfach nirgendwo in der Welt so gut wie hier. So wäre es wahrscheinlich ein großes Versäumnis die hier befindliche Tropical Fruit Farm nicht besucht zu haben. Auf einem Hang in Mitten der ländlichen Gegend findet sich das Paradies für „freche Früchtchen“. Auf einer Fläche von 25 Hektar werden über 250 verschiedene, essbare Früchte kultiviert. Zum einen direkt aus dem unmittelbaren asiatischen Raum, aber auch aus Südamerika, Afrika und anderen Ecken der Welt.1993 wurde das ganze ins Leben gerufen aus drei elementaren Gründen: Zum einen, um die oft seltenen exotischen Früchte zu schützen, zweitens um das Wissen um sie und ihre oft positiven Auswirkungen auf Körper und Geist an die Generation von morgen weiterzugeben und zu guterletzt, um etwas zur positiven Entwicklung der Landwirtschaft und des Ekotourismus beizutragen. Ein Projekt, dass vielerlei Zuspruch findet und das nicht nur bei Touristen.
So bekommen wir einen Guide zu Seite gestellt der mit uns über die Plantage schlendert und uns einige wissenswerte Infos zu den Pflanzen, die aktuell blühen oder Früchte tragen erzählt. Habt ihr euch zum Beispiel einmal Gedanken darüber gemacht wie bzw. wo eine Ananas wächst? Oder wusstet ihr, dass die Muskatnuss die wir in Deutschland zum Würzen benutzen lediglich der Kern einer essbaren Frucht ist?
Also wir waren begeistert, wo sonst wird Wissensdurst und Früchteheißhunger in einem gestillt?;)


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