aus der Sicht von Deborah

Voller Freude auf ein neues Abenteuer und den dritten Teil unserer Reise steigen wir ins Flugzeug. Das Wort Langstreckenflug macht seinem Namen alle Ehre, denn es liegen insgesamt knapp 15 Stunden Flugzeit vor uns. Zuerst geht es mit der Edelfluggesellschaft Quatarairlines nach Buenos Aires. Nicht nur die Innenausstattung überzeugt, sondern auch das breite Filmangebot, das Essen und nicht zu vergessen der WLAN-Zugang … und das alles in einem Flugzeug! Ab Argentinien geht es dann weiter mit Air New Zealand bevor wir nach 12 Stunden unser Ziel erreichen … Auckland!

Uns ist beiden etwas mulmig zu mute, denn wie wir von vielen gehörten hatten sollen die Kontrollen zum Schutz der heimischen Flora und Fauna sehr streng sein. Doch es wird schon gut gehen, wir haben all unser Campingequipment fein säuberlich gereinigt und alles deklariert. Und in der Tat: der Grenzbeambte bittet uns freundlich alles auszupacken, begutachtet Zelt und Schuhe, empfindet es schließlich als sauber genug und lässt uns passieren. Noch ein letztes Mal durch die Gepäckkontrolle und dann haben wir es geschafft. Auckland hier sind wir! Praktischerweise hat Max zwei weitere Reisende gefunden mit denen wir uns den Preis fürs Shuttle teilen können und schon sitzen wir im Bus, der uns ins Centrum bringen soll. Ich wunder mich darüber weshalb die Straßen so voll sind, doch ein Blick auf die Uhr bringt Klarheit. Auch wenn es sich keinesfalls so anfühlt, ist es gerade einmal halb sieben morgens – Berufsverkehr. Unser Busfahrer warnt uns bereits: „Das wird heute ein langer Tag für euch, am besten viel Kaffee trinken und wach bleiben!“ Doch wie lange dieser Tag wirklich wird sollten wir schon bald erfahren. Auf dem Weg ins Hostel sind wir bereits angenehm von der entspannten Stimmung die von den Menschen ausgeht überrascht, der freundlichen Art, der ganzen Stadt ansich.

In der Unterkunft angekommen nutzten wir den Tag um einen Plan zu schmieden, was wir in Auckland und generell in den kommenden Wochen alles sehen wollen.

Plötzlich schlägt er zu, gnadenlos und unverhofft – der Jetlaghammer – jetzt bloß nicht einschlafen! Um wieder in den nornalen Rythmus zu kommen, müssten wir bis abends wach bleiben. Doch 16 Stunden Zeitverschiebung sind einfach zu viel und ich gebe mich geschlagen. Mir fallen die Augen zu und ich brauche einen kurzen Powernap. Ein Blick zu Max bestätigt meine Vermutung, dass auch er mit der Müdigkeit zu kämpfen hat, Arme und Beine wirken immer schwerer, bis mich der Schlaf in seinen Bann zieht.
Natürlich ist es mir nicht gelungen mich so schnell an den neuen Tagesrythmus zu gewöhnen und so bin ich bereits um drei Uhr nachts hell wach. Auch Max dreht sich unruhig hin und her. Wir zwingen uns beide noch eine Weile zu schlafen doch um sechs Uhr ist die Nacht dann endgültig vorbei.

Ich hatte von einem Outletcenter mit kostenlosem Shuttel gelesen und so steht fer heutige Tag unter dem Motto: Shoppen! Die Sohlen meiner Sportschuhe sind mittlerweile durchgelaufen und zugegebenermaßen ist es schön nach sechs Monaten mit den selben fünf T-Shirts mal wieder etwas Neues zu haben. Der Tag in der Shopping Mall ist mehr als erfolgreich, doch wir wollen noch ein bisschen von der schönen Stadt selbst sehen. So kommen wir auf dem Rückweg am Skytower vorbei. 1997 wurde der Aussichts – und Fernmeldeturm eröffnet und gilt mit seinen 328 Metern als der höchste Fernsehturm der südlichen Hemisphere. Neben mehreren Aussichtsplattformen, einem Glasboden und einem Drehrestaurant mit Bar ist auch für den nötigen Nervenkitzel gesorgt. So können sich Adrenalinjunkies beim Skyjump in die Tiefe stürzen oder auf der Kante der Plattformen spazieren gehen. Mir persönlich reicht der Anblick auf festem Boden bei einem Hokey Pokey Eis, einer speziellen Eiscremesorte, die als 100% Kiwi gilt.
Bei Einbruch der Dämmerung machen wir uns auf zu dem am Hafen gelegenen Silopark. Ein schöner Lifestyleplatz mit Bars, Restaurants und Straßenmusik. Im Hafenbecken dahinter liegen die Sportyachten und Katamarane die Auckland den
sinnigen Beinamen „City of Sails“ verschaffte. Nachdem wir die Skyline bei Nacht genießen konnten zwingt uns der frische, aufkommende Wind sowie die nicht mehr überwindbare Müdigkeit zum Heimweg.

Der nächste Morgen führt uns mit der Fähre nach Devenport. Der kleine, gemütliche Ort eignet sich perfekt für einen Tagesausflug. Viele kommen hier her um den perfekten Blick auf die Skyline Aucklands zu genießen. Dazu führt ein geschlängelter Weg den Mount Victoria hinauf, einem der Vulkankrater der Gegend. Auf seinem Gipfel befinden sich die Lüftungsschächte der Wasserversorgung, die liebevoll als Fliegenpilze bemalt wurden. Oben angekommen bietet sich uns ein wirklich schöner Anblick der Stadt. Ihre erfrischende Mischung von kleinen Straßen mit Futuristischem wie z.B dem Skytower machen sie zu einer unheimlich lebendigen und herzlichen City.
Neben kleinen Gassen mit Boutiquen und den lokalen Fish & Chips Läden hat Devenport bzw. die Torpedo Bay auch ein kleines Navymuseum zu bieten. Hierher geht es als nächstes um mehr über die Bedeutung der neuseeländischen Marine zu lernen. Beim Betreten der Ausstellungsräume stelle ich fest, dass Neuseeland selten in der Kriegsgeschichte erwähnt wurde, was sehr wahrscheinlich an seiner neutralen politischen Haltung liegt. Dennoch ist die Geschichte dahinter sehr vielschichtig, beinhaltet sie doch die Präsenz der Maori Ureinwohner in diesem nationalen Organ. Von der Unterstützung der Kolonialmacht England bis hin zu aktuell laufenden internationalen Peacekeepingeinsätzen, ist die wahrscheinlich kleinste Marineeinheit der Welt von großer Bedeutung.

Auf dem Rückweg reden wir über die Pläne für die nächsten Tage. Es gibt viel zu sehen doch die schönsten Fleckchen sind leider mit dem Bus nicht oder nur schwer erreichbar. Da Neuseeland mit seinen hilfsbereiten Einwohner als ein sehr Tramperfreundliches Land gilt, wäre auch das eine Option. Doch die preisgünstige Reisevariante beinhaltet auch immer eine sehr ungenaue Planung und das Eingehen von Kompromissen. Obwohl unsere Erfahrungen in den USA bezüglich eines Autokaufes sehr positiv waren, haben wir eigentlich für Neuseeland davon abgesehen. Unter anderem sind wir voraussichtlich „nur“ für sechs Wochen da und die zahlreichen Backpacker, die das Land schon fast erobert haben verkaufen leider Fahrzeuge in allen erdenklichen Zuständen … noch keine zwölf Stunden später halten wir den Schlüssel zur unbegrenzten Freiheit in den Händen – das nennt man dann wohl konsequentes Handeln.

Jedes Wochenende findet in Auckland ein sogenannter „Carfaire“ statt. Dabei werden auf einem städtischen Parkplatz Gebrauchtwagen in allen Formaten angeboten. Eigentlich wollten  wir nur mal schauen, was es so gibt. Doch vor Ort kommen wir mit der Französin Severine ins Gespräch. Sie ist selbst über ein Jahr im Land gereist und bietet zu ihrem Auto eine ganze Menge an Campingzubehör an. Perfekt, besser könnte es für uns nicht sein und so macht ein weißer Subaru Legacy mit dem ein oder anderen Schönheitsmarkel, aber allem was man braucht das Rennen. Gut ausgestattet begeben wir uns zusammen mit Severine auf den Weg zur Post. Moment –  warum denn jetzt die Post denkt ihr euch? Nun ja, die Kiwis sind einfach auf ganzer Linie das wohl unkomplizierteste Völkchen der Erde und daher braucht es lediglich ein ausgefülltes Formular, welches man für ganze 9 Dollar auf der Post erhält, eine Verlängerung des TÜV´s und wir sind ready to go. Ebenso einfach eine Verischerung abgeschlossen, welche hier übrigens auf freiwilliger Basis ist und so schnell wechseln wir wieder zum fahrenden Volk. Den letzten Abend verbringen wir noch mit Severine auf einem Campingplatz nahe Auckland, sodass sie sich von ihrem Wegbegleiter verabschieden kann und wir alles was wir brauchen im Auto einrichten können. Am nächsten Morgen starten dann unser doppeltes Abenteuer Roadtrip Neuseeland und Fahren im Linksverkehr! Wird schon schief gehen!


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