aus der Sicht von Deborah

Zurück an Land und wieder mit festem Boden unter den Füßen, bleiben wir noch eine Weile am Pier. „Fisherman’s Wharf“ erinnert mit seiner hippen und dennoch urigen Atmosphäre ein bisschen an die Landungsbrücken in Hamburg. Auch wenn der „Pier 39“ komplett aus Holz besteht, finden sich hier kleine Souvenirläden und Restaurants mit Fischspezialitäten wieder. Das Kreischen der Möwen und Klackern der Fahnen an den Masten vermitteln ein authentisches Hafenfeeling. Auch wenn an diesem Nachmittag die Sonne scheint, grabe ich mein Gesicht immer wieder tief in den Windschutz der Jacke, denn der Wind bläst, trotz der dichten Bebauung, kalt über unsere Köpfe hinweg.

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Wir setzen unseren Spaziergang in Richtung Stadtmitte fort, wo sich wie so oft, in großen Städten, das Viertel Chinatown befindet. Doch anfangs sind es weniger die asiatischen Häuserfassaden, die das Viertel ankündigen, sondern viel mehr die hektisch – feilschenden Menschenmassen, die wie in einem Ameisenhaufen herum wuseln. Der Markt ist in vollem Gange und überall werden Gemüse und Obst, Gewürze und Fisch, Meeresfrüchte aller Art sowie Kleidung angepriesen. Bei all den, teils auch sehr fremden Gerüchen, bekommen wir Hunger und finden einen kleinen Imbiss der eine Art Nudelpfanne anbietet. So wirklich sicher sind wir uns beim Kauf aber nicht, denn die teilweise angebrachten Preisschilder lassen aufgrund ihrer Beschriftung in Mandarin weder erkennen was wir da bestellen, noch wie viel es überhaupt kostet. Bilder der Speisen sucht man ebenfalls vergeblich. Wer sich auf englisch verlässt, der wird hier schnell an seine Grenzen stoßen. Die Kommunikation verläuft mit Händen und Füßen aber der verlangte Preis kommt uns fair vor und schließlich bekommen wir neben den sehr exotisch wirkenden Speisen die gewollte Nudelpfanne, die selbst kalt ziemlich gut schmeckt. Wie wir bald sehen, hätte man sie wohl auch warm servieren lassen können, doch wir sind froh uns überhaupt ein wenig verständigen zu können.
Immer tiefer stoßen wir in den Distrikt vor, bis die kunstvoll verzierten Dächer und Wimpel sowie kleine Papierlampions mit goldenen Bommeln keinen Zweifel mehr daran lassen, dass wir uns in Chinatown befinden.

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„Lombard Street“ der Straßenname verheißt zunächst einmal nichts Spektakuläres. Doch die Einbahnstraße stellt eine solche Attraktion dar, dass sich Touristen aus aller Welt dafür sogar mitten auf eine voll befahrene Straße stürzen, nur um den besten Schnappschuss zu bekommen. In die umliegenden Häuser etwas unliebsam hinein gepresst, wirkt die gewundene Straße schon fast kurios. Mit einem ursprünglichen Gefälle von 27 % sah man die Notwendigkeit, die Straße durch insgesamt zehn Kurven besser passierbar zu machen. In engen Serpentinen verbindet sie die obige Straße mit der Leavenworthstreet und zwischen jeder Kurve ist ein schön arrangiertes Blumenbeet angelegt. Wann immer ein Auto, Fahrrad oder Motorrad die enge Gasse hinunter fährt, wirkt es als würde sich das Gefährt durch ein Meer aus Blumen fortbewegen.

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Lombard Street

Am oberen Ende angekommen stoßen wir direkt auf eine der insgesamt drei Cable Car Linien, die es in der Stadt noch gibt. Die urigen Cablecars sind charakteristisch für das Stadtbild San Franciscos. 1873 wude das System erstmals von Andrew Smith Hallidie getestet und San Francisco besitzt die einzigen noch in Betrieb genommenen Kabelstraßenbahnlinien weltweit. Durch das steile, terrassenartig angelegte Straßennetz erhält man einen weitläufigen Blick über die Stadt. Auch wenn diese Bebauung der Hügel die Fußwege anstrengender gestaltet und die Autos, aufgrund des imensen Gefälles dazu zwingt, quer zur Straße zu parken, verleiht es der Stadt einen unverwechselbaren Charme und Wiedererkennungswert. Oben auf einer Straßenkuppe angelangt, sehen wir das in der Ferne liegende Alcatraz, das im goldenen Abendlicht gar nicht mehr so unheimlich wirkt, wie wir die Insel noch heute Morgen erlebten.

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Dann geht es zurück zu unserem Nachtlager, wobei Lager es wohl ziemlich genau trifft. Als wir bei Couchsurfing einen Host gefunden hatten, der zwar keine Couch anbietet, aber die Möglichkeit ein Zelt aufzustellen, waren wir schon etwas gespannt. Wo sollte in Mitten der bebauten Fläche ein Garten bzw. eine Wiese sein auf der man ein Zelt aufspannen kann? An der Adresse angekommen, gelangen wir über ein codegesichertes Eingangstor in einen kleinen betonierten Innenhof, gerade so groß, dass unser Zelt hineinpasst mit einer improvisierten Toilette und einem kleinen Waschbecken. Verrückt – doch eigentlich alles was man braucht und wir sind mehr als dankbar, diese Möglichkeit von Chris geboten bekommen zu haben. Als wir an diesem Abend in „unsere“ Straße abbiegen, schlagen auch die Obdachlosen ihre Zelte auf den Bürgersteigen auf und bereiten die Matratzen und andere sporadische Schlafplätze für die Nacht vor. Ist es nicht paradox, dass wir eigentlich genau so leben, nur auf der „anderen Seite“ der Mauer?

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Zelt

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Kategorien: Amerika

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