aus der Sicht von Deborah

Im letzten Moment setzen wir einen Fuß auf die „Staten Island Ferry“, die uns nach Manhatten bringen soll. Ja ihr habt richtig gehört, wir sind in New York, dem letzten Stopp unseres Weges entlang der Ostküste.
Die Fähre läuft nach einer halbstündigen Fahrt im Herzen der Stadt ein. Die Fahrt ist für sich schon eine Attraktion und so kommen wir an der „Liberty Island“ und der Freiheitsstatue vorbei.
Dieses Mal haben wir jedoch keinen Host. Aufgrund der hohen Nachfrage und des geringen Platzangebotes gestaltet es sich sehr schwer, einen Gastgeber über Couchsurfing zu finden. Wir beschließen auf gut Glück zu dem heutigen, wöchentlichen Treffen zu gehen. Als wir die Treppen der Metro hinaufsteigen, sind wir vom ersten Eindruck positiv überrascht. Zur Abwechslung erwarten uns eine geringe Luftfeuchtigkeit und angenehme Temperaturen. Eine laue Prise weht durch die Straßen, die einen nach der stickigen Metrofahrt aufatmen lässt. Umgeben von riesigen Wolkenkratzern, die wie Felswände in die Luft ragen, müssen wir diesen, für uns neuen Anblick, erst einmal verarbeiten. Auf dem weiteren Weg zum Couchsurfing Treffpunkt bleiben wir immer wieder stehen, schauen uns um und lassen das Geschehen auf uns wirken. Die letzten Sonnenstrahlen spiegeln sich in den Fassaden der Häuser und werfen ein warmes Licht in die tiefen Gassen.
An der vereinbarten Bar angekommen fehlt jedoch jede Spur von der Gruppe. Stattdessen tauchen ganz unverhofft zwei andere bekannte Gesichter aus der Menschenmasse auf. Wir trauen unseren  Augen kaum, als Jonas und Carsten, zwei Freunde aus der Heimat – Saarländer trifft man eben überall – uns zu winken. Es war zwar vereinbart, uns in New York zu treffen, aber wie groß ist die Wahrscheinlichkeit sich ohne Absprache genau in der selben Straße zu befinden? Die Freude ist groß, doch da die beiden auch erst heute in ihrem New York Urlaub angekommen sind und noch einiges zu erledigen haben, wollen wir uns erst am nächsten Tag treffen.
Mittlerweile sind auch die Couchsurfer eingetroffen, die uns direkt in ihren Kreis aufnehmen. Eine bunt-gemischte Gruppe von knapp 30 Personen zwängt sich in die kleine Bar. Nach einer ersten Vorstellungsrunde kommen wir mit Bill ins Gespräch, der hier in der Couchsurferszene sehr aktiv ist. Wie der Zufall es will, hat er noch Platz für Zwei. Die erste Hürde scheint genommen und wir sind mehr als glücklich, als wir ihn am späteren Abend zu seinem Appartment in Brooklyn begleiten dürfen.

Der nächste Morgen beginnt eher trist, denn bereits beim Verlassen des Hauses regnet es stark und durch den heftigen Wind kommt man komplett durchnässt an der U-Bahn Station an. Doch wir lassen uns davon nicht entmutigen und treffen uns erst einmal mit unseren Freunden in einem Café, um den Plan für die kommenden Tage zu schmieden – den New Yorkern scheint der Regen ohnehin nichts auszumachen. Nachdem wir gemeinsam durch die Mall am Columbus Circle schlendern, trennen sich unsere Wege erneut. Die beiden wollen sich Madamme Tussauds anschschauen und wir steuern das „International Museum of American Indians“ an. Die Ausstellung beschäftigt sich mit der Besiedlung Amerikas durch die unterschiedlichen Indianerstämme und zeigt auf beeindruckende Weise, wie viel der heutige Alltag im Bezug auf die Sprache und die Kultur noch immer von diesen beeinflusst wird.
„Wir kommen einfach daher, nehmen ihr Land und töten seine Bewohner wie es einst mit uns getan wurde“, dieses Zitat ist an einer Infotafel zu lesen und stammt von einem indogenen Amerikaner der mit im Vietnamkrieg diente. In meinen Augen fasst er den Konflikt und die ganze Thematik sehr gut zusammen.
„Denn eine Rasse entsteht erst dadurch, dass man anfängt Menschen zu klassifizieren – im Grunde genommen sind wir alle gleich“, mit diesen Worten beendet der Referent, der den Taínos* anghört und bis heute stolz auf seine Identität ist, seinen Vortrag.

 

*Unter Taínos versteht man, den indigenen Bevölkerungsanteil, mit überwiegender Herkunft Zentral- und Südamerikas.

11. September 2001, egal welchen Sender man einschaltet, überall ist nur diese eine Szene zu sehen. Ein Flugzeug, das geradewegs auf das World Trade Center zu steuert und ungebremst in dieses hineinkracht – Genau an dieser Stelle befinden wir uns jetzt, am Ground Zero. Wo die Twin Towers einst in den Himmel ragten, erinnern jetzt zwei Brunnenanlagen aus schwarzem Granit an den Anschlag. In die Handläufe sind die Namen jener graviert, die an diesem tragischen Tag hier ihr Leben verloren. Hin und wieder sieht man weiße Rosen in der Gravur stecken, die zeigen: „Ihr seid nicht vergessen“. Ein großer Wasserfall mündet in ein Becken, von dem ein kleinerer Wasserfall scheinbar ins „Nichts“ fließt. Mich schaudert es bei diesem Anblick und es wirkt, als stehen die Wassermassen für all die Verstorbenen, deren Angehörige wahrscheinlich ebenfalls plötzlich in ein „dunkles Loch“ fielen. Ein Ort der betroffen macht und zeitgleich ein Zeichen setzten soll – die Hoffnung, dass sich solch eine Katastrophe nie wieder ereignet.
Noch lange geht mir dieses Denkmal und die Stimmung an diesem Ort durch den Kopf. Bis plötzlich die Sinne von etwas ganz Anderem komplett überfordert werden.
Wir befinden uns am Times Square und es ist mittlerweile dunkel geworden. Die riesigen Monitore, grelles Licht, unendliche Menschenströme und ein Wirrwarr aus Geräuschen verursachen eine komplette Reizüberflutung. Eine Reklametafel versucht die andere zu überbieten und es ist ein wahres Wetteifern um Aufmerksamkeit, die dieser „ganz normalen Kreuzung“ sicher gewidmet wird. Überall wirbt der weltbekannte Broadway mit den neusten Musicalattraktionen.

Um das Gesehene erst einmal sacken zu lassen, suchen wir einen ruhigeren Ort auf, der einen Kontrast zur erlebten Hektik bildet. Dazu dient ein weiteres „Must-See“ welches jedoch für die anderen Touristen scheinbar gar nicht so von Interesse ist – Eine kleine Aussichtsplattform nahe der Brooklynbridge. Hier treffen wir kaum Menschen an und wenn sind es oft Einheimische die nahe am Wasser sitzen und den romantischen Ausblick genießen. Im Vordergrund die Brücken, die nach New York führen und dahinter das Lichtermeer der imposanten Skyline. Bei dieser Kulisse lacht jedem Photographen das Herz und  auch uns zieht dieser bilderbuchhafte Ausblick in seinen Bann.

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Kategorien: Amerika

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