aus der Sicht von Deborah

Diese bunten Schriftzüge ragen überall aus dem Grün der weltberühmten Tegalalangreisterassen heraus. Ebenso wie geflochtene Herzkonstruktionen, riesen Schaukeln und anderen instagramverdächtigen Fotomöglichkeiten. Wir steigen nur kurz vom Roller ab um die Reisterassen, die noch menschenleer sind und im warmen Licht der Morgensonne intensiv grün leuchten, fotographisch festzuhalten. Denn bevor wir uns hier niederlassen wollen wir erst noch zu zwei Tempeln, die es aufgrund der Temperaturen am besten vor Mittag zu besichtigen gilt.

Der Pura Tirta Empul, auch beakannt als Holy Spring Water Tempel, ist ein hinduistischer Tempel in der Nähe der Stadt Tampaksiring. Er wurde 962 nach Christus erbaut und dient bis heute den Gläubigen als Ort ritueller Reinigungen. Auch Touristen können an dieser Zeremonie teilnehmen, eine Chance, die wir uns nicht entgehen lassen. Gegen eine kleine Spende bekommen wir einen Guide zur Seite gestellt, der uns den genauen Ablauf der Reinigung und die Bedeutung der einzelnen Schritte erklärt. Nach einer kleinen Meditation und dem Platzieren der Opferkörbchen auf einer Art Steinaltar geht es in den Sarong gehüllt ins erste der insgesamt drei Becken. Beginnend bei dem ersten Wasserspeier muss man den Kopf dreimal ins Wasser tauchen, anschließend das Wasser dreimal gurgeln und den letzten Schluck im Mund behalten. Die Zahl drei ist hierbei nicht willkürlich gewählt sondern steht zum einen für die Hauptgottheiten (Brahma, Vishnu und Shiva) und für die Balance zwischen den Menschen untereinander, dem Mensch mit der Natur und dem Mensch mit Gott. Während der Zeremonie werden die Hände so gefaltet, dass sich eine Herzform ergibt. Bis auf einige besondere Quellzuläufe, die ausschließlich den Gläubigen für besondere Anlässe vorbehalten sind, wandern wir so die insgesamt 13 Wasserspeier ab.

Leider hat soeben eine Reisegruppe von über 20 Teilnehmern die Becken eingenommen und bei deren Verhalten würde ich mir wünschen, dass ein Guide verpflichtend für alle wäre. Es wird laut gelacht sich über mehrere Becken hinweg unterhalten und fleißig Selfies geschossen. Das ganze erinnert eher an einen Junggesellenabschied aber mit Besichtigung einer für andere Menschen heiligen Stätte hat das ganze wirklich gar nichts mehr zu tun. Ich muss mich wirklich zurückhalten keinen der Reisenden anzufahren, doch da auch die Tempelaufseher keine Anstalten machen die Besucher zurecht zuweisen, denke ich mir, dass es wohl auch nicht an mir liegt etwas zu sagen. So versuche ich einfach alles um mich herum auszublenden und mich darüber zu freuen, dass wir überhaupt eine solche Möglichkeit geboten bekommen. Fast eine Stunde dauert unsere Zeremonie, doch danach kann man wirklich sagen, dass Geist und Körper erfrischt sind – trotz der Partymeute, eine tolle Erfahrung. Als wir uns später noch weiter auf dem Gelände des Tempels umsehen, entdecken wir auch das Quellbecken, indem das „heilige Wasser“ aus dem Boden sprudelt.

Neben Reis ist Bali wohl vor allem bekannt für seinen Kaffee. Und so führt uns unser Weg weiter zu einer kleinen Kaffeeplantage. Kaum vom Roller abgestiegen, kommt uns einer der Mitarbeiter schon entgegen und begrüßt uns freundlich. Ohne zu zögern bietet er an uns etwas herumzuführen und uns einiges zum Anbau der Pflanzen und dem gesamten Herstellungsprozess zu erklären, ein kleines Tasteing gehört zu der Tour dazu. Das ist Bali, die Menschen hier sind einfach freundlich und so gastfreundlich und das (meistens) ohne eine Gegenleistung zu verlangen, schön dass es sowas noch gibt. Neben Kaffeebohnen verschiedenster Art, werden auch Kakao, Zimt und verschiede Tee- sowie Obstsorten angebaut. Eine Besonderheit die es nur hier auf Bali gibt und ein richtiger Goldesel ist, liegt direkt vor uns im Käfig und schläft. Die Rede ist vom Luwak, ein kleines Tierchen, dass zur Familie der Katzen gehört und auch ungefähr die selbe Größe hat. Er spielt bei der Kaffeegewinnung in sofern eine tragende Rolle, da die Bohnen als Hauptnahrungsmittel dienen. Durch den Verdauungsprozess werden die Kaffeebohnen fermentiert und verlassen anschließend den Körper. Der Kaffee, der aus der Weiterverarbeitung dieses „Abfalls“ entsteht, gilt als einer der Besten und Teuersten der Welt.

Natürlich lassen wir es uns nicht nehmen, im anschließenden Tasteing den „Edelkaffee“ zu probieren. Unser Fazit: den süßlichen Karamellgeschmack konnten wir nicht wahrnehmen, eher waren wir der Meinung eine sehr starke Tasse Kaffee getrunken zu haben … aber wir können jetzt mitreden. So sind es eher die anderen exotischen Mischungen, die einen mit auf ein geschmackliches Abenteuer nehmen. Von Avocado und Ginsengkaffee über Mangosteantee bis hin zu Kokoskakao ist für jeden etwas dabei. Und das Beste daran … wir dürfen unsere Probiergläschen im „Garten“ der Plantage und so mit Blick in den Dschungel genießen.

Nach einer guten Tasse Kaffee kann es dann gestärkt weitergehen, nächster Stopp: Gunung Kawi – Die Königsgräber. In unmittelbarer Nähe zum Holy Spring Water Tempel findet sich hier wieder eine komplett andere Tempelanlage. Man geht davon aus, dass der Komplex im 11 Jhd. zu Ehren des Königs Anak Wungsu errichtet wurden. Der Tempel ist jeweils in eine West– und Ostseite unterteilt, wobei sich auf jeder Seite fünf Schreine befinden, die in sieben Meter hohe Nischen gemeißelt wurden.

Auch wenn in den Gräbern keine sterblichen Überreste gefunden wurden und sie somit eher als Gedenksteine dienen, geht man davon aus, dass die Ostseite zu Ehren des Königs, seiner Königin und deren Kindern errichtet wurde. Die Westgräber hingegen den Konkubinen und „Zweitköniginnen“. Der Legende nach soll der Riese Kebo Iwo die riesigen Monolithe aus dem Stein gekratzt haben. Die nahe gelegene Mönchsklause ist ebenfalls komplett aus dem Stein gehauen und zeigt wie einfach die Geistlichen hier lebten. Der Ort mit seinen „monströsen Särgen“, die scheinbar auf einen herabblicken haben etwas mystisches und der Platz ist eines Königs wirklich würdig.

Nach so viel Kulturprogramm und beeindruckender Architektur, wollen wir den Tag gemütlich ausklingen lassen. Wie bereits am Anfang des Beitrages erwähnt laden die Tegalalangterassen zum gemütlichen Verweilen definitiv ein! Auch wenn jetzt wesentlich mehr los ist als in den frühen Morgenstunden zeigen sich die grünen Terrassen jetzt wieder in einem ganz anderen Licht und abendlicher Stimmung. Die Bauweise der Terrassen wurde schon früh entwickelt und da sie sich bewährt hat bis heute weitergeführt. Dämme und Mauern stützen die künstlich errichteten „Treppen“ die auch in regenarmen Monaten eine selbstständige Bewässerung ermöglichen. Aufgrund der Anordnung werden die Felder von den Einheimischen auch „ Himmelstreppe zu den Göttern genannt“. Auch wenn der Anbau (besonders in den maschinell nicht zugänglichen Terrassen) ein echter Knochenjob ist, sind die Bauern hier stolz auf ihr „weißes Gold“, denn neben dem finanziellen Aspekt ist Reis hier absolutes Lebenselexir. Ein Essen ohne Reis gilt nicht als vollwertige Mahlzeit und auch die Tatsache, dass zu Ehren der Reisgöttin Dewi Sri immer ein paar Reiskörner in die Opferkörbchen gelegt werden zeigt die Wichtigkeit des kleinen Kornes für die Balinesen.

Wir sind wohl nicht die einzigen die vom Reis(e)fieber gepackt wurden


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