aus der Sicht von Deborah

Anders als in den meisten Ländern gäb es in Australien gleich mehrere Tiere die als Nationaltier in Frage kommem würden. Das liegt wohl auch daran, dass es hier so viele verschieden Tiere gibt, die es eben nur hier gibt. Da wären zum Beispiel Kängurus, Wombats, Emus oder der Strauß. Doch ein kleiner flauschiger Freund, der direkt mit dem roten Kontinent in Verbindung gebracht wird ist ganz klar der Koala.

Bei unserer letzten Wanderung hatten wir bereits in den Baumkronen nach ihm Ausschau gehalten – doch vergeblich. Denn leider ist es nicht so einfach diese Spezies in freier Natur zu sehen, die Gründe dafür sollten wir noch erfahren. Also machten wir uns auf nach Port Macquerie, wo sich das einzige Koalakrankenhaus Australiens und – wer hätte das gedacht – der Welt, befindet.

Von einem der ehrenamtlichen Mitarbeiter wird eine kostenlose Tour durch das Krankenhaus angeboten. Und ich denke eine Menschenschaar von circa 40 Personen spricht für sich. Wir bekommen generelle Informationen über die Arbeit des Institutes und die oft tragischen Geschichten der einzelnen Patienten. Die Meisten der Tiere, die wir heute hier sehen, können trotz guter gesundheitlicher Fortschritte leider nicht wieder alleine in freier Wildbahn überleben. Doch sechs süße, kleine Joeys, wie die Koalababys genannt werden, bilden einen Hoffnungsschimmer am Firmament. Nach einer intensiven Aufzucht bei Zieheltern werden sie wieder hier her gebracht, um für eine Auswilderung vorbereitet zu werden – schön zu sehen dass es noch eine Zukunft für die Tiere gibt. Nach der Führung, die sehr viele mir unbekannte Fakten hervorgebracht hat, bietet ein kleiner Museumsraum die Möglichkeit noch mehr zu lernen. Zum Beispiel, dass Koalas im Schnitt 19 Stunden am Tag schlafen, ein halbes Kilo Eukalyptus pro Tag verschlingen und ähnlich wie wir Menschen einen individuellen Fingerabdruck haben. Dass sie nicht zu den Bären gehören und sie bei den 900 verschiedenen Eukalyptuspflanzen, die es in Australien gibt, wählerisch sind und lediglich 60 davon als potentielle Nahrung in Frage kommen.

Järhlich sind 250 Tiere hier zu Gast von denen die meisten irgendwann wieder entlassen werden können. Doch aufgrund von Urbanisierung, Abholzung und den im Gegensatz zur Vergangenheit immer häufiger auftretenden Waldbränden geht ihre Population zurück. Doch es ist ein gutes Gefühl hier zu sein und die oft von Erfolg gekrönte Arbeit des Koalahospitals zu sehen. Ich denke: wie so oft zeigt dieses Projekt wie es um unseren (noch) blauen Planeten und seine einzigartige Artenvielfalt steht und hoffe, dass das Geld meines Souvenirkaufs einen kleinen Teil zur Erhaltung dieser faszinierenden Tiere beitragen kann.

Der nächste Tag führt uns weiter die Küste hinauf in das kleine Küstenstädtchen Nambucca. Der Meereszugang zu diesem Ort gilt als besonders gefährlich und schwer navigierbar, was in der Vergangenheit zu einer ganzen Reihe von Schiffsbrüchen führte. Doch neben mehreren anderen Maßnahmen wurden auch viele Wellenbrecher installiert und so entstand die sogenannte V-Wall die heute Besucher aus aller Welt in den kleinen Ort lockt. Bewohner Nambuccas wie gleichermaßen Besucher sind dazu eingeladen die riesigen Steine des Schutzwalles nach Herzenslust zu verschönern. So entstand im Laufe der Jahre ein zusammengewürfelter Mix aus bunten Felsen. Backpacker die sich im Laufe eines Roadtrips hier verewigt haben, Familien der Stadt, Nachrufe für Verstorbene aber auch bizarre und lustige Motive haben hier einen Platz. So wird aus einer öden Schutzmaßnahme in geschichtsträchtigen Gewässern ein phantasievolles Kunstwerk mit Meerblick.

Das die Aussies Humor haben beweist wohl unser nächster Stopp.  Ein Funpark der eine überdimensionale Banane als Logo hat. Wer jetzt denkt wir wären verrückt, dem sei gesagt, dass auf die tropische Monsterfrucht sogar mit einem dieser braunen Straßenschilder aufmerksam gemacht wird, die normalerweise Sightseeing Highlights, Lookouts oder historische Denkmäler kennzeichnen. Doch wie dem auch sei, uns kann der außergewöhnliche Stopp ein herzhaftes Lachen entlocken und er bietet natürlich einen super Fotospot für unseren Chillergorilla.

Bereits in der ersten Abenddämmerung erreichen wir den Ort Woolgoolga. Dass wir hier erst so „spät“ ankommen liegt zum einen an den nicht gerade unbedeutenden Strecken die es zurück zu legen gilt und der Tatsache, dass die Uhr hier bereits auf Winterzeit umgestellt wurde, was bedeutet dass es gegen Sechs Uhr schon stockdunkel ist. Doch gerade beim Anblick, der sich uns hier bietet könnte das Licht nicht besser sein. Da Woolgoolga im 18. Jahrhundert von den ersten indischen Migranten besiedelt wurde findet sich auch heute noch eine große indische Gemeinde unter den Bewohnern. Zwei große Tempel, einer komplett weiß der andere weiß mit goldenen Spitzkuppeln kündigen dies an. Im ersten Moment verwirrend – sich in Australien zu befinden und zu fühlen als hätte man soeben den asiatischen Kontinent betreten, das passt nicht und doch ist es auf seine bizarre, unwirkliche Art und Weise wunderschön.

Nach anfänglichem Zögern ob und wie man diese Anbetungsstätte betreten soll fassen wir uns ein Herz und fragen eine junge indische Familie, die soeben eintrifft um Rat. Freundlich und mit einem Lächeln auf den Lippen geben sie uns das Gefühl willkommen zu sein und erklären uns dass wir bitte ein Tuch als Kopfbedeckung umbinden sollen und unsere Schuhe ausziehen und so gerne den Tempel betreten dürfen. Es handelt sich bei dieser Religionsgruppe um die sogenannten Sikh.

Kurz nachdem wir den Tempel betreten erfahren wir von ihrem Priester, dass die Einweihung erst letztes Wochenende war – ein großes Fest zudem Weiße, Farbige und Inder zusammenfanden und sich religiös austauschen können. Er bietet uns eine Tasse Tee an und erzählt uns noch viele weitere Informationen zum Beispiel wie groß die Gemeinde ist, wo her aus Indien er stammt und wie eine Messe bei ihm abläuft. Dann verabschiedet er sich von uns und begibt sich zu seinem Abendgebet. Wir beschließen uns auch den zweiten Tempel anzuschauen und können dort live bei einem Gottesdienst dabei sein. Hier scheint alles so viel einfacher zu sein, als „bei uns“. Kinder laufen umher und sind am Spielen, Freiwillige bereiten das Langar vor (ein gemeinsames vegetarisches Essen zu dem jeder eingeladen ist) und andere sitzen im Gebetsraum in den von Zeit zu Zeit Kinder rein und raus gehen. Ich freue mich darüber, hier sein zu dürfen und sich willkommen zu fühlen-egal woher man kommt.

Am nächsten Tag kehren wir dann wieder zu „unserer“ Kirche zurück und besichtigen die Christchurch Cathedral in Grafton.

Und schon geht es wieder raus ins Grüne. Die verhältnismäßig zwar sehr kleinen Wasserfälle der Killen Falls liegen einen 10 minütigen Fußmarsch vom Parkplatz entfernt. Als hätte das Wasser den Felsen über die Jahre perfekt abgerundet bildet die Steinwand eine Art natürliches Becken in dem sich  die Fälle wie in einen kleinen Pool stürzen. Das dunkle, drübe Wasser wirkt düster und schön zugleich – wie in einem Märchen. Einige wagen sich in das kalte Wasser während wir uns einfach auf den großen Steinen niederlassen und den Moment genießen.

Außer den kleinen Markierungen auf unserer Mapsme-Karte lässt uns auch das Wetter spüren, dass wir uns immer weiter in Richtung Norden bewegen. Auch heute bringt das warme, teils schwüle Wetter einen ganz schön zum Schwitzen. Daher kommt uns der nächste Stopp bei den Blue und Green Pools gerade recht. Wie eine kleine Oase liegt der natürliche Pool umgeben von schattenspendenden Bäumen und dahinter hören wir das Meeresrauschen und können uns von den hohen Wellen die monströs an den Felsen zerschellen begeistern lassen. Die flachen, stumpf abgerundeten Felsen liegen terassenartig vor uns und bieten einen Logenplatz, um den Blick über die tobende See schweifen zu lassen.
Dann heißt es allen Mut zusammen nehmen den wir haben. Nahe des „Pool“ bildet ein Fels eine Art Cliffjump, so kann man aus circa vier Metern Höhe den Sprung ins kühle Nass wagen. Eine Familie oder Ferienfreizeit mit einem dutzend Kinder genießt den Nachmittag ebenfalls hier und jeder der kleinen Strolche wagt sich zu springen. „So hoch ist es ja gar nicht und wenn sogar die Kleinen springen…“ das ist natürlich eine unausgesprochene Kampfansage, die wir nicht auf uns sitzen lassen können. Also nichts wie den rutschigen Hang hinauf geklettert. Wenn man dann so hier oben steht ist es doch schon eine nicht unverkennbare Höhe. Aber was solls – kurz Maß nehmen wie weit man abspringen muss – Tief durchatmen und auf drei – eins, zwei, drei! Wir nehmen Anlauf und lassen uns einfach in die Tiefe fallen, ein freier Fall der doch länger anhält als ich erwartet hatte. Nun ja die Landung war bei keinem von uns sonderlich grazil und das Wasser platsche in alle Richtungen. Aber wir hatten Spaß ohne Ende und es war schön sich mit dieser Leichtigkeit, wie ein Kind einfach kopfüber ins Abenteuer zu stürzen – (fast) ganz ohne Angst 😉


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