aus der Sicht von Deborah

Nach einer wunderschönen Zeit in El Chaltén und drei Tagen Hiking machen wir uns ausgepowert aber glücklich auf den Weg zum Busterminal, denn die Reise geht weiter. Siegessicher schreiten wir zum ersten Schalter einer Busagentur und fragen nach Tickets nach der 24-stündigen Fahrt nach Bariloche. Doch unsere Euphorie wird schnell gedämpft, als wir erfahren, dass der Bus nur alle zwei Tage fährt und die nächste Tour bereits ausgebucht ist. Kein Problem es gibt ja noch andere Anbieter, denken wir. Eine weitere Agentur bietet die Fahrt an, doch auch dort stehen für den heutigen Tag keine Plätze mehr zur Verfügung. Wir hatten uns beide darauf eingestellt, dass es an diesem Abend weiter gehen sollte und so eben hat sich das Blatt für uns drastisch gewendet.
Die Stimmung ist etwas geknickt, den El Chaltén ist zwar ein sehr schönes Dörfchen, aber außer zahlreichen Wanderwegen gibt es leider nicht viel Freizeitangebote und mit dem Wandern wollten wir uns eigentlich eine kleine Pause gönnen. Alles deutet darauf hin, dass wir für eine weitere Nacht hier gestrandet sind. Doch Max hat die Hoffnung noch nicht aufgeben und will es bei dem Hostel versuchen, indem wir unser Gepäck abgestellt hatten, ob vielleicht dort noch eine Möglichkeit auf zwei Plätze im dort angebotenen Bus besteht. Er zieht guter Dinge los und ich warte am Terminal bei unseren Rucksäcken. Es ist ein gutes Stück zu gehen bis zum Hostel und bangend sitze ich vor dem Fenster der Agentur, die für den morgigen Tag noch sechs Plätze frei hat und hoffe, dass in nächster Zeit niemand Interesse daran hat. Doch kaum hat Max das Gebäude verlassen kommt gerade ein Bus an und mit ihm eine Schar Reisender und das erste Ticket geht bereits über den Tisch. Ich zitter vor Aufregung und bete, dass Max Erfolg hat oder zumindest zeitig zurück ist, um noch die letzten Plätze zu ergattern. Zack – weg sind sie, ein junger Mann kauft die letzten verfügbaren Sitze und somit ist die Chance auf diesen Bus auch dahin. Ohne dass ich etwas dagegen tun kann, sackt meine Stimmung in den Keller, doch kurze Zeit später tritt Max mit einem Lächeln auf den Lippen durch die Tür und winkt mir mit zwei blauen Papierzetteln entgegen – Gott sei dank wir haben sie! Wir fahren noch heute Abend bis nach Los Antiguos, haben dort einen Tag Zwischenstopp und am nächsten Morgen setzen wir unsere Fahrt nach Bariloche fort. Den zusätichen Tag können wir nutzen um eine Tour zu den „Marble Caves“ zu unternehmen. Diese wollte ich mir eigentlich gerne anschauen, doch wir hatten sie von unserer Liste gestrichen, weil sie zu weit weg waren, was sich mit unserem neuen Plan geändert hat. Alles in allem hat unsere Weiterreise also doch noch eine gute Wendung genommen.Was heute morgen noch als ein Ding der Unmöglichkeit wirkte, ist doch gelungen und wir sitzen im Bus nach Antiguos. Kaum am frühen Morgen angekommen, stellen wir auf unserem Campingplatz schnell das Zelt auf und schon geht es wieder an den Busterminal, denn um die Höhlen zu besichtigen, die auf chilenischer Seite liegen, müssen wir noch einmal die Grenze überqueeren. Gesagt getan – erneut finden wir uns an der Grenzkontrolle wieder und lassen die bereits wohl bekannte Prozedur über uns ergehen. Alles verläuft ohne Probleme und zehn Minuten später sind wir auch schon in „Chile Chico“. Laut unserer Recherchen fahren von hier die Boote nach „Puerto Tranquilo“ ab, vor dem die Höhlen liegen. Doch das kleine Städtchen wirkt mehr als verlassen und auch als wir am Hafen vorbei gehen, fehlt von Menschen und erst recht von Reiseagenturen jede Spur. Hatten wir das Schiff bereits verpasst? Oder sollten wegen dem Wochenende vielleicht sogar keine Boote fahren? Nachdem wir an einer Tankstelle nachfragen, verweist uns die Angestellte auf den Busterminal, wo wir schließlich auch fündig werden. Ein kleines Büro bietet die Touren an, doch anders als erwartet, geht es mit dem Bus circa drei Stunden zum Hafen und von dort aus starten die Bootstouren zu den „Marble Caves“. Die Fahrt dorthin gestaltet sich sehr holprig und ich kann nur staunen, wie unser Fahrer über die vom Rollsplitt bedeckten Pisten brettert, an Bremsen ist nicht zu denken. Doch er fährt dieses Strecke fast täglich und so bin ich mir sicher, dass er weiß was er tut. Wie bei einer Berg- und Talfahrt geht es immer wieder auf und ab, wobei jeder Blick aus dem Fenster mit wunderschöner Landschaft belohnt. Die Berge und das türkis klare Wasser erinnern mich an Österreich.

Dann haben wir schließlich das kleine Dörfchen „Puerto Tranquilo“ erreicht und biegen in eine kleine Straße ab, die schließlich im „Hafen“ endet. Doch die Tourenanbieter sitzen unbeeindruckt vor ihren kleinen Holzhütten, sind sich am unterhalten, am essen und scheinbar am warten – doch worauf? Eine weiße Fahne mit blauem Kreuz verbirgt die Antwort, denn aufgrund des starken Windes ist der Hafen zumindest vorübergehend gesperrt. Mich trifft der Schlag! Ich hatte mich so darauf gefreut und wir haben einen nicht gerade kurz Weg, welcher noch dazu nicht gerade ein Schnäppchen war, auf uns genommen um jetzt zu erfahren, dass eine Fahrt nicht möglich ist. Unser Fahrer versucht Max und mich zu ermuntern und vertröstet uns darauf abzuwarten. Es fällt mir sichtlich schwer meine Enttäuschung zu verbergen. Eine dreiviertel Stunde später, ich habe die Hoffnung schon aufgegeben, wird plötzlich die Fahne eingezogen und wie von der Tarantel gestochen, laufen die Touranbieter zu ihren Booten und machen diese startklar. Ich könnte platzen vor Freude und schnell hüpfen wir in den Bus, um an den Anleger zu gelangen. Noch die Schwimmwesten angezogen und schon kann es los gehen.

Nach kurzer Zeit wird auch klar, warum wir diese besser anziehen, denn beim „Carrerasee“ bzw. „Buenos Aires See“, wie er auf der argentinischen Seite genannt wird, handelt es sich um den zweitgrößten See Südamerikas und der Wellengang erinnert eher an ein kleines Meer. Gemischt mit dem eisig kalten Wind, peitschen uns die Wassertropfen immer wieder ins Gesicht.

Wir erreichen die ersten Höhlen, die hier im Laufe der Jahren durch das Ausspülen des Wassers entstanden sind. Bei dem Felsmaterial handelt es sich um weißliches Calciumcarbonat, welches das starke Blau des Wassers besonders an sonnigen Tagen reflektiert. Die Bewegungen der Wellen spiegeln sich an den natürlichen Gewölben und so funkeln und glitzern die Decken der Höhlen scheinbar. Doch so extrem, wie es die Bilder der Googlesuchergebnisse zeigen, ist das Farbenspiel dann doch wieder nicht. Wir wollten nicht schummeln und zeigen euch die Bilder in unbearbeiteter Form, so wie es wirklich war 😉 Teilweise ist es möglich mit den Booten ein Stück weit in den Eingang der Höhle zu fahren, sodass man extrem nahe an die Felsen heran kommt. Dabei fallen immer wieder die wellenförmigen, farbigen Einschlüsse im Stein auf.  

Ein besonderes Highlight ist die sogenannte „Cathedral de Mármol“. Bei dieser alleinstehenden Steinformation wirken die ausgeschwemmten Wölbungen wie die exakt ausgearbeiteten Decken einer Kathedrale. Ein echtes Naturspektakel, für das sich der lange Weg auf jeden Fall gelohnt hat. Doch leider geht es schon wieder zurück, weil der aufkommende Wind das Navigieren mit dem verhältnismäßig doch kleinen Boot zunehmend erschwert. Bei der Rückfahrt prallen wir immer wieder frontal gegen die brechenden Wellen, was dem Boot so wie der ganzen Mannschaft einen heftigen Schlag versetzt. Ähnlich wie bei einer Wildwasserer Rafting Tour kämpfen wir uns den Weg zurück zum Ufer. Doch auch wenn es eisig kalt ist und es ziemlich rau zugeht, macht es Spaß ohne Ende und immer wieder jutzt das ganze Boot, wenn es mal wieder hinter einer Welle in die Tiefe stürzt.

Jetzt heißt es beeilen, denn um acht Uhr fährt unser Bus zurück über die Grenze und es ist bereits kurz nach fünf… Also eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit bei drei Stunden Fahrzeit. Doch unser Fahrer meint, wir sollen uns keine Sorgen machen und in der Tat: um Punkt acht sind wir am Bus. Somit haben wir den Tag mit diesem Ausflug optimal genutzt, bevor es morgen früh weiter zum eigentlichen Ziel geht – Bariloche.


0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.