aus der Sicht von Deborah

Schaut man sich die Westküste der Südinsel einmal von oben an, so wirken die vielen kleinen Zerfurchungen wie ein feines Aderwerk. Beeindruckend was die Natur im Laufe der Jahre hier geschaffen hat. Um uns einen dieser Fjorde genauer anzuschauen machen wir uns früh morgens auf den Weg in das kleine Dorf Milford Sound. Weil das Straßennetz hier unten auf der Südinsel auf ein absolutes Minimum begrenzt ist, führt nur ein Weg dort hin. Eine Fahrzeit von einer Stunde, die mit jedermenge Abenteuern gespickt ist. Seien es die engen Straßen, ein einspuriger Tunnel der notdürftig beleuchtet ist, oder Serpentinen, die so steil sind, dass am Fuße des Berges der Geruch von heißgelaufenen Bremsen ganz unverkennbar zu riechen ist. Doch wie immer meistert Max auch diesen Weg souverän und wir erreichen unser Ziel. Als er meinte, dass es nur ein kleines Dörfchen sei, hat er wirklich nicht übertrieben, denn außer einer Tankstelle, ein paar Häusern und einer riesigen Parkfläche scheint dieser Ort wirklich nicht viel zu bieten. Obwohl es erst halb neun ist, herrscht reges Treiben. Touristen aus aller Welt packen sich warm ein für die Schiffsfahrt und Einweiser fuchteln wild umher, um die ankommenden PKWs, Campervans und Wohnmobile in ihre Parklücken zu lotsen

Ebenfalls die Empfangshalle der einzelnen Reedereien scheint aus allen Nähten zu platzen und als wir uns für unser Boot in die Schlange reihen, steht genau hinter uns ein deutsch-ungarisches Pärchen, das wir bereits beim Keplertrack kennengelernt hatten – so klein ist die Welt.
Durch den Lautsprecher ertönt die Stimme unseres Kapitäns, der uns einen guten Morgen wünscht und immer wieder kleine Erläuterungen zu dem Gesehenen liefern wird. Das Schiff setzt sich in Bewegung und fast geräuschlos gleiten wir durchs Wasser. Aufgrund der starken Regenfälle der letzten Tage sind neben den bekannten Wasserfällen auch immer wieder kleinere zu entdecken, die im wahrsten Sinne des Wortes über Nacht entstanden sind.

Um uns herum erheben sich die gigantischen Felsen aus dem Wasser die in ihrer Form eine Art Tal bilden. Es weht ein frischer, kalter Wind und die ersten Sonnenstrahlen bahnen sich langsam aber sichtlich ihren Weg über die massive Felsfront. Obwohl man denkt, wir würden im Fjord etwas geschützt vom offenenen Meer fahren sind die Wellen ganz schön heftig und bringen den ein oder anderen, der sich versucht für das perfekte Bild zu positionieren, ganz schön ins Schwanken. Immer mehr füllt sich der Fjord mit dem warmen Licht bis die Sonne schließlich das ganze Kar flutet und so in Zusammenarbeit mit der Gischt der Wasserfälle, farbenprächtige Regenbögen entstehen lässt. Auch die Tierwelt wacht langsam aus ihrem Schlaf und so setzten sich die Robben auf den zerklüfteten Felsen in Bewegung. Gar nicht so einfach sie zu entdecken denn mit ihrem geschickten Fell sind sie auf den Steinen optimal getarnt.

Immer weiter folgen wir dem Verlauf des Fjordes in Richtung offenes Meer. Der Wellengang nimmt zu und Stück für Stück reißen die grünbesetzten Bergketten, die unseren Weg flankierten, ab und öffnen so das Tor zur Tasmanischen See. Schnell merken wir, dass wir aus dem Schutz des buchtartigen Kanals raus sind und man kann sich gut vorstellen unter welchen Bedingungen James Cook oder Abel Tasman damals gesegelt sind. Cook hatte zu seiner Zeit den Eingang zum Milford Sound Fjord aufgrund des dichten Nebels nicht gesehen und so blieb er zunächst unentdeckt.

Im großen Kreis wendet unser Captain das Schiff und setzt zur Umkehr an. Die ganze Szenerie zeigt sich uns noch einmal aus anderer Perspektive und trotz Wind und Regenjacken peitscht der kalte Wind ganz schön ordentlich.
Wieder zurück an Land, liegt – welch Überraschung – wieder genau die gleiche Straße vor uns wie auf dem Hinweg. Doch die zahlreichen Wasserfälle, Seen und Wandermöglichkeiten laden dazu ein, das eine oder andere Mal zu stoppen. Wir beginnen mit den Chasm Falls, die über einen 15-minütigen Fußmarsch sehr gut zu erreichen sind. Das Besondere an ihnen sind die skurillen Formen die der Strom über die Jahre im Stein geformt hat. Wie ein Tunnelsystem hat das Wasser die Rundungen ausgewaschen. Da würde man am liebsten hineinspringen und das rutschenähnliche System hinunter schlittern. Die Humboldfalls, unser nächster Wasserfall, können mit einer anderen Besonderheit auftrumpfen. Sie stürzen sich einige hundert Meter in die Tiefe und sind gut im grünen, Dickicht versteckt.

Am Beginn des Weges, der zu den Wasserfällen führt gibt es einen kleinen Unterstand mit Tisch und Sitzgelegenheit, optimal für die heutige Mittagspause, die ein Essen der ganz besonderen Art darstellt. Nach sieben Monaten kann man schon mal Sehnsucht nach der heimischen Küche haben. Als wir uns überlegten, was so typisch saarländisch ist, gab es eigentlich nur eine eindeutige Antwor t…“Wasserspatzen mit Brotkrumpan un Salat“. Das einzige Problem jeder liebt sie aber keiner von uns weiß wie genau das Mischungsverhältnis lautet. Also kopfüber ins Abenteuer gestürzt und ausprobiert – denn Oma hat das ganze auch immer einfach „iwwer Häd“ abgemischt, wird schon schief gehen. Zu meiner Überraschung gelingt alles sehr gut und das wohl einfachste Essen der Welt macht drei Freunde auf Reisen zu den wahrscheinlich glücklichsten Menschen der Welt.

Unser nächstes Ziel lautet Queenstown, die Adrenalinhauptstadt Neuseelands. Wie in einem Kessel liegt die Stadt umrandet von der Gebirgskette der Remarkables. Im Abendlicht schippert die Earnslaw über den See, ein historisches Dampfschiff das die Idylle perfekt macht. Unser Campingplatz für die heutige Nacht liegt etwas vom Zentrum entfernt und ist über eine Schotterpiste, die Mitten durch das Revier einer Schafherde führt, zu erreichen. Der Tag neigt sich langsam dem Ende und am Abendhimmel zeichnet sich schon ab, dass es trotz der Nähe zur Stadt wieder ein atemberaubender Sternenhimmel auf uns wartet.

Am nächsten Morgen werden wir von einer Horde Kinder geweckt, die scheinbar im Rahmen einer Ferienfreizeit hier sind und im Gegensatz zu uns schon um halb acht morgens topfit sind. Nach dem Frühstück starten wir ins Stadtzentrum, doch nach einem Besuch der Touristeninformation wird schnell klar, dass es in Queenstown zwar jede Menge Action – und Spaßaktivitäten gibt jedoch braucht man auch den entsprechenden Geldbeutel dafür, was bei uns als Backpackern nicht zwingend der Fall ist. Hinzu kommt, dass so ein Bungeesprung doch ein sehr kurzweiliges Unterfangen ist für einen ziemlich stolzen Preis, sodass wir uns entscheiden an einer der Sprungstellen lediglich als Zuschauer an dem Spektakel teilzunehmen. Nachdem also die Kategorie Adrenalin gestrichen ist, fällt die Bandbreite der übrigen Aktivitäten eher übersichtlich aus. Was uns jedoch empfohlen wird, ist eine kleine Wanderung auf den Gipfel des Queenstown Hills. Von hier aus hat man eine schöne Sicht über die Stadt und die sie umgebende Landschaft.

Der Weg führt durch dichten Wald den Berg hinauf. An einem der dicken Stämme hat jemand kleine bunte Türchen angebracht, die den Eindruck vermitteln als wären die Bäume bewohnt – vielleicht von den hier umherirrenden Hobbits?! Der Spaziergang tut gut und immer wieder schildern aufgestellte Infotafeln wie sich Queenstown zu dem „Place to be“ entwickelt hat, der er heute ist. Dann passieren wir einen Abschnitt, in dem die Bäume grau und tot wirken. Wie wir später erfahren sind es die nicht heimischen Pflanzen, die einst durch die Siedler hier her gebracht wurden und der hier vorhandenen Flora und Fauna die Lebensgrundlage wegnehmen.

Der Weg schlängelt sich weiter den Berg hinauf, bis zur ersten Aussichtsplattform, auf der sich auch der sogenannte „Basket of Dreams“ befindet. Vom höchsten Punkt aus haben wir dann eine Wahnsinnsaussicht über Queenstown und den See. Wir bleiben noch einige Zeit am Gipfel sitzen, philosophieren über Gott und die Welt und begeben uns schließlich wieder hinunter in die Stadt.

 Schon mehrmals wurde uns empfohlen, wenn wir in Queenstown sind unbedingt den berühmt berüchtigten Fergeburger zu probieren. Das trifft sich gerade gut, da wir ohnehin noch auf der Suche nach etwas zu Essen sind. Als wir in der Straße des Burgerladens ankommen kommt es uns vor als wären wir auf einem ausverkauften Konzert gelandet. Vor den Toren des Restaurants hat sich eine lange Schlange gebildet, die fast den kompletten Gehweg blockiert. Bedienungen halten die hungrige Meute bei Laune indem sie Kakao verteilen sowie Menükarten, um sich bereits einen Überblick über das Sortiment zu verschaffen. Als wir schließlich unsere Bestellung aufgeben bekommen wir eine Quittung und ab jetzt heißt es warten, dass unsere Nummer auf dem Anzeigedisplay erscheint, was circa 20 Minuten dauert. Voller Neugier und Erwartungen starren die Jungs auf die braune Papiertüte, die ich durch die immer noch bestehende Menschenmenge trage. Dann ist der große Moment  gekommen. Unser Fazit lautet : wir waren überrascht über den „normalen“ Preis, der unserer Meinung nach im Bezug auf die Portion völlig in Ordnung ist. Geschmacklich war der Burger zwar gut allerdings nicht der weltbeste – das ganze wird doch etwas gehypt. Trotzdem sind wir froh, dass wir „den“ Burger Neuseelands probiert haben.

Nicht weit von Queenstown entfernt liegt der kleine Ort Arrowtown. Zur Zeit des Goldrausches war der Ort, wie viele andere eine bekannte Mienenstadt. Eine Straßenpassage wurde so gestaltet, wie die Fassaden zur damaligen Zeit aussahen und erinnern ein wenig an eine Stadt im Wilden Westen. Im ortsansässigen Museum kann man sich sogar eine Goldpfanne leihen und sein Glück am Fluss hinter dem Museum probieren. Die Mitarbeiterin, ermuntert uns und meint, dass trotz der immensen Goldschürfungen heute noch kleinere Flakes im Bett des Stromes gefunden werden können. Max bekommt ein entschlossenes Leuchten in die Augen und so probieren wir unser Glück. Nach einer Stunde müssen wir das Equipment leider schon wieder zurück bringen, da das Museum schließt. Einen kostbaren Fund haben wir nicht gemacht, aber den Spaß war es auf jeden Fall wert und man konnte so nachempfinden, wie sich die Glücksritter aus aller Welt damals gefühlt haben müssen. Viele haben Haus und Hof sowie ihre Familien zurückgelassen nur, um ihr Glück in Form eines möglichst großen Nuggets zu finden. Wir sind da etwas einfacher gestrickt und geben uns schon mit einem guten Hokey Pokey Eis im Stadtpark zufrieden.


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