aus der Sicht von Deborah

7 Uhr – es ist schon hell. Die Autoscheiben sind beschlagen, der Sauerstoffgehalt bis aufs Letzte verbraucht. Ich öffne eine Tür, um mich zu strecken und auch auf den vorderen Sitzen kommt langsam Leben auf. Wegen dem nicht enden wollenden Regen, der uns nun schon seit einiger Zeit begleitet, haben wir eine weitere Nacht im Auto verbracht. Wir wollen wirklich nicht nörgeln aber ein erholsamer Schlaf sieht irgendwie anders aus und uns allen steckt die Müdigkeit in den Knochen. Aber gut vielleicht wird das Wetter heute endlich wieder besser.
Von mehreren Reisenden hatten wir gesagt bekommen, dass der Mission Beach einen Abstecher wert ist. Und in der Tat, der kleine Strand mit seinen hohen Palmen lädt wirklich zu einem morgendlichen Bad ein, auch wenn die Warnschilder, welche doch nicht gerade unerheblich sind, einen eher dazu bringen nur eine kurze Schwimmphase einzulegen;) In weiser Voraussicht präparieren wir unser Frühstück auf dem Rastplatz auf einem der überdachten Tische – kaum haben wir den ersten Schluck Kaffee getrunken startet erneut ein Platzregen und eine innere Stimme sagt mir: Dies ist einer dieser Schauer der heute nicht mehr aufhört. Nach einiger Überlegung kommen wir zu dem Entschluss trotz der saftigen Hostelpreise die kommende Nacht in solchem zu schlafen. Wir sind uns einig – wir brauchen mal wieder „richtigen Schlaf“.

In Townsville finden wir ein Hostel welches sich perfekt zum Regenerieren eignet. Ein ziemlich großes Haus im Kolonialstil mit Pool und RICHTIGEN BETTEN in klimatisierten Räumen – der Himmel auf Erden. Auch wenn es immer noch ununterbrochen regnet können wir hier wenigstens unsere morgendlichen Rummy-Runden im Trockenen und mit mehr Platz spielen.
Der nächste Tag beginnt – wir trauen unseren Augen kaum – mit einigen Sonnenstrahlen. Jetzt gilt es diese im hauseigenen Pool wenigsten ein bisschen auszunutzen.
Doch bereits gegen Nachmittag zieht es wieder zu und einige Zeit später, ihr könnt es euch denken, startet das Prasseln erneut. Nun ja es ist ANZAC Day der Nationalfeiertag hier, was bedeutet, dass die meisten Geschäfte und Sightseeingmöglihkeiten ohnehin geschlossen sind. Also nutzen wir den restlichen Tag zur weiteren Reiseplanung im Wechsel mit Postkarten schreiben und Kartenspielen. Da trotzdem noch reichlich Zeit ist fällt auch das Essen etwas aufwändiger aus indem wir beschließen den Barbecuegrill zu testen – natürlich kein Vergleich zu unserem „Schwenker“, aber trotzdem irgendwie ein Stück Heimat!

Erholt und wieder motiviert starten wir an diesem Morgen zu den Wallaman Falls. Das Motto lautet: es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung! Wir sagen dem Regen den Kampf an und machen uns auf den Weg, auf die Gefahr hin, dass es nass wird! 51 Kilometer süwestlich von Ingham liegt der Girringung Nationalpark und in dessen Areal befindet sich der Wallerman-Wasserfall. Mit einer Höhe von 278 Metern ist er der höchste, einstufige Wasserfall Austrliens. Das feuchttropische Gebiet, das diese Attraktion umgiebt zählt zu den ältesten tropischen Regenwäldern der Welt und ist besonders für das Aborinal Volk der Warrgamaygan, die hier ansässig sind, wichtig und gleichermaßen heilig. Nach ihren Erzählungen war es die große Regenbogenschlange, die auf die Erde kam und so den Flusslauf samt seines Wasserfalles geschaffen hat. Bereits von der oberen Plattform hat man einen atemberaubenden 360 Grad Ausblick über den Wasserfall. Doch auch wenn sich überall die Warnschilder wegen der Kasuare, großer flugunfähiger Laufvögel, zu finden sind und der Weg ziemlich steil zum Becken des Wasserfalls führt, wollen wir es uns trotzdem nicht nehmen lassen, diesen zu gehen. ehrlich gesagt hätte ich den Regenwald und Australien jetzt nicht direkt miteinander in Verbindung gebracht. Doch der Weg, der sich durch dichtes Grün, Lianen und andere Schlingpflanzen schlägt, macht einem bewusst, wo wir gerade sind. Nach einer guten halben Stunde sind wir unten angekommen und der abenteuerliche Weg war es auf jeden Fall wert!

Nach der gestrigen Ausnahme (über die wir uns wirklich sehr gefreut haben) hat der Regen das Steuer wieder übernommen. Somit fällt das geplante Programm für Cairns flach und bei unserem letzten Stopp hier in Australien sind wir wieder ans Hostel gebunden.

Wie am Ende eines jeden Reiseabschnittes, wollen wir natürlich auch hier ein Fazit abgeben – doch zum ersten Mal seit neun Monaten fällt und das wirklich schwer. Zu sagen, dass es uns nicht gefallen hätte wäre falsch, doch unsere Erwartungen und die Realität stimmten nicht immer über ein. In den vergangenen vier Wochen haben wir eine unglaublich aktive Tierwelt erlebt und schöne Strände entdeckt. Wir hatten die Möglichkeit Zeit mit vertrauten Gesichtern zu verbringen und das Leben dreier großer Städte auf uns wirken zu lassen. Doch das Abenteuer, nach dem wir immer auf der Suche sind, blieb leider etwas aus. Statt der endlosen roten Sandstraßen und ihren Roadtrains sind wir eher dem typischen „Work and Travel“ Weg gefolgt und seinen zu 90% deutschsprachigen Reisenden. Hatten wir falsche Erwartungen? Wären wir besser an der wilden, weniger bereisten Westküste aufgehoben gewesen? Wir wissen es nicht genau. Doch das Ziel unserer Reise ist es, etwas von der Welt zu sehen. Und ganz dem Sprichwort: „Man muss nicht alles mögen, aber man sollte alles einmal probiert haben“ sind wir dankbar für unsere Erfahrung Down Under!


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