aus der Sicht von Max

Der Hot Water Beach an der Ostküste des Landes – ein Ziel, das von vielen Reisenden als eines der Must-see Attraktionen eingestuft wird. Nicht so für uns, denn nach einiger Recherche scheint der Strand mit den heißen Quellen ziemlich überlaufen und die Pools können nur bei Ebbe gekraben werden. Da kriegt mich niemand hin, dachte ich zumindest bei der Reiseplanung.
Nun – ein gutes Jahr später – sitzen wir im Auto und steuern genau diesen Strand an. Nicht wegen der heißen Quellen, sondern viel mehr wegen einenes Familienbesuchs. Familie in Neuseeland? Nicht ganz, sondern mein Kleincousin Peter aus dem tiefsten Bayern. Man bekommt es zu Hause das ganze Jahr nicht hin sich zu sehen und so müssen wir wohl zuerst ans Ende der Welt fahren, um den Kontakt zu pflegen. Er ist nahezu zeitgleich mit uns im Juli gestartet und trat auf der Südinsel sein Auslandssemester an. Anschließend bereiste er gemeinsamt mit seiner Freundin Lisa das Land. Ich bin bereits gespannt auf das Wiedersehen und darauf, was die beiden wohl so zu erzählen haben.
Wir erreichen den vereinbarten Treffpunkt, den Hot Water Beach Campground, am frühen Abend und werden zunächst von kühlen Temperaturen und aufziehendem Nieselregen begrüßt. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Schnell erspähen wir den Bus von den beiden und ein breit grinsender Peter kommt uns entgegen. Seit über eineinhalb Jahren haben wir uns nicht mehr gesehen und trotzdem scheint es, als hätte sich nichts geändert. In einer gemütlichen Runde lernen wir ihre beiden Begleiterinen, Peters Cousine und deren Freundin sowie Lisa, besser kennen. Es gibt viel zu erzählen, zu lachen und einiges an kühlem Bier, das es vor dem sicheren Erwärmen zu bewahren gilt. So sitzen wir bis morgens um halb 5 zusammen, spielen Karten und tauschen die wildesten Abenteuer aus.
Auf meine Frage nach dem Hot Water Beach bekomme ich die Antwort: „Des schaugt aus wie im ersten Weltkrieg, überall liegens in ihre Schlammlöcher.“ Womit sich dieser Stopp nun endgültig für mich erledigt hat.
Stattdessen machen wir uns am nächsten Morgen auf dem Weg zur Cathedral Cove, einem vom Meer ausgespühlten Felsgewölbe, das sich ein wenig nördlicher befindet. Der Weg dort hin ist gut ausgebaut und so lassen sich über eine einstündige Wanderung die Kosten für den Shuttlebus sparen. Zudem hat sich das schlechte Wetter von gestern Abend verzogen, sodass der Spaziergang entlang der Küste ein willkommenes Vormittagsprogramm darstellt.
Die kleine Bucht, in der sich das Gewölbe befindet, ist gut besucht, doch es wirkt noch nicht unangenehm überlaufen. Zudem ist der Wasserstand noch sehr niedrig, weswegen wir durch die Cathedral Cove hindurch schreiten können. Bei Einsetzen der Flut wird diese völlig geflutet, was ein Betreten unmöglich macht. Die Wellen dringen langsam aber sicher immer weiter in das Gewölbe vor, sodass das Grollen und Rauschen des Wassers von den Wänden reflektiert wird. Eine beeindruckende und zugleich bedrohliche Akustik. Erstaunlich, wie sich die Wellen über die Jahre durch den massiven Fels gefressen haben. Um dem mittlerweile angesammelten Menschenauflauf zu entgehen, beschließen wir einen Strand etwas südlicher zu besuchen.

Die riesigen hereinbrechenden Wellen reißen nur so an einem und es macht wahnsinnig Spaß, sich mit Anlauf kopfüber in die unruhige See zu werfen. So verbringen wir die letzten Stunden gemeinsam in den wilden Fluten, bevor sich unsere Wege zunächst wieder trennen. Für die vier geht es in großen Schritten weiter in Richtung Auckland und für uns nach Rotorua. Zunächst war angedacht, nach Matamata zu fahren, um Hobbiton – einen der unzähligen Drehorte der Hobbit und Herr der Ringe Triologie anzusteuern. Die Touren dort hin waren jedoch für die kommenden Tage ausgebucht und überhaupt war uns der Preis etwas zu hoch.
Nach einigen Geschichten von Peter und der Information, dass man die Tour eventuell auch last-minute bei der Touristinformation buchen kann, veranlasst uns jedoch dazu die Pläne umzuwerfen und uns auf den Weg nach Hobbiton zu machen.

Am frühen Abend erreichen wir unseren Campingplatz in Mitten einer großen Farm. Von hier aus kann man den Blick über die weiten grünen Täler streifen lassen und den Sonnenuntergang genießen.
Das Higlight stellt die morgendliche Außendusche mit traumhafter Panoramaaussicht dar.

Ich erhoffe mir nicht zu viel von den Chancen ein Ticket an der Touristeninformation zu ergattern. Wieso sollte es sonst online Tage im Voraus ausgebucht sein? Dort angekommen erwartet uns ein kleines, liebevoll gestaltetes Häusschen im Herr der Ringe Stil. Auf die Frage nach einem Ticket für heute wird zu meiner Überraschung mit: „Klar, wir haben noch zwei Plätze für die nächste Tour in zwanzig Minuten.“ entgegnet. Was ein Geheimtipp von Peter! Und so begeben wir uns auf die eigentlich ungeplante Reise …
 Ich bin bereits ganz aufgeregt, als wir mit unseren Eintrittskarten in der Hand in der Warteschlange für den Bus stehen. In wenigen Minuten geht es endlich los – ich werde einen Fuß in die Heimat von Bilbo Beutlin setzen!

Der Bus bringt uns über eine gut asphaltierte Straße zum Set, das sich noch heute auf der Farm von Familie Alexander befindet. Diese erstreckt sich über 1250 Hektar und der Drehort, den die Locationscouts damals aus dem Helikopter entdeckt hatten war nicht immer so gut zugänglich, wie dies heute der Fall ist. In Kooperation mit dem Neuseeländischen Militär wurde die wichtige Zufahrtstraße angelegt und im Gegenzug für die harte Arbeit ließ Regisseur Peter Jackson die Pioniere im Film auftreten. Welche Rolle würde sich besser eignen, als die der Urukais? Um es mit den Worten unseres Guides zusammen zu fassen: „Wir bekamen die Straße und die Pioniere ihren Auftritt – drei von ihnen landeten während der Dreharbeiten im Krankenhaus, sie hatten also jede Menge Spaß!“
Zu Höchstzeiten befuhren bis zu 7000 Fahrzeuge täglich die Straße und der Abschnitt der Farm wurde zu einer kleinen Stadt. Immer wieder laufen auf dem Fernseher im Bus Szenen aus der Herr der Ringe und der Hobbit Triologie bei denen sich die Drehorte bei einem Blick aus dem Fenster identifizieren lassen. Mit der ohnehin epischen Filmmusik untermalt bekomme ich richtig Gänsehaut.
Dann endlich steigen wir aus dem Bus und schreiten durch jene Gasse, durch die auch Bilbo bei der Rückkehr nach Beutelsend ging – was ein Gefühl. Kaum den engen Pfad hinter uns gelassen, befinden wir uns in Mitten der Hobbitsiedlung. Liebevoll angelegte Gärten, verspielte Details und die bekannten Erdhöhlen so weit das Auge reicht. Eine ganze Kompanie von Gärtnern kümmert sich um den ehemligen Drehort, um ihn für Touristen in Schuss zu halten.
Jedes Hobbithaus strahlt seinen eigenen Charakter aus und gibt Auskunft über die Hobbies oder Berufe der Bewohner. So sind kleine Schachbretter, Angeln, Holzäxte oder Bienenstöcke zu erkennen. Ein idyllisches Dörfchen, in Mitten der Farm.
Wir treffen erneut einige Beispiele des Filmtricks „Forced Perspective“ an, die es erlaubt Gegenstände oder Personen größer bzw. kleiner erscheinen zu lassen, wie damals in Los Angeles. So gibt es beispielsweise unterschiedlich große Höhleneingänge – vor den Kleinen spielen die Schauspieler, die groß erscheinen sollen und umgekehrt.

Hoch oben über den restlichen Häusern thront die Behausung von Bilbo Beutlin, der wohl bekanntesten Hobbithöhle der Welt. Schon aus weiter Ferne lässt sich der für sie bekannte Baum erspähen. Doch dieser ist kein normaler Baum wie es auf den ersten Blick zu sein scheint. Es handelt sich um eine täuschend echte Immitation, bestehend aus Stahl und Silikonmasse, die zusammen mit über 20.000 Seidenblättern, eigens aus Taiwan importiert, die perfekte Illusion schaffen. Als sich die Dreharbeiten wegen Krankheit des Regisseurs um drei Wochen verschoben, mussten sie beim erneuten Aufnehmen der Arbeiten feststellen, dass die Blätter von der Sonne ausgeblichen wurden und alle 20.000 erneut abgehangen und neu von Hand gesprüht werden mussten. Ein Arbeitsaufwand, den man sich kaum vorstellen kann. All dies für eine Szene von wenigen Sekunden. Ebenso wenn es um die Maske einiger Schauspieler geht, bei denen die Make-Up-Künstler bis zu vierzehn Stunden beschäftigt sind.
Der Weg führt uns an weiteren Höhlen und Gärten sowie dem Haus von Sam vorüber, wo seine „Tochter“ ihn bei der Rückkehr im dritten Teil erwartet. Dabei handelte es sich tatsächlich um seine leibliche Tochter, die der Regisseur nach 9 Monaten zu einem Überraschungsbesuch einlud, um die Emotionen so realistisch wie irgend möglich eizufangen.
Über die bekannte Doppelbogen-Brücke geht es abschließen auf ein hausgebrautes Bier in den Grünen Drachen, die legendäre Hobbitbar am Rande des Dorfes. 

Noch immer bekomme ich Gänsehaut, sobald ich an die Tour denke – ein wahres must-see für jeden Fan! Ich kann es kaum erwarten, die unzähligen weiteren Drehorte zu erkunden.


0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.