aus der Sicht von Deborah

Wir steuern den Westen der Nordinsel an, wo auch der sagenumwobene Vulkan Taranaki liegt und die gleichnamige Region. Der Weg dorthin führt über den sogenannten „Forgotten World Highway“ und in der Tat vermittelt die enge, oft ungeteerte und kurvige Straße den Eindruck einer längst vergangenen Zeit. Die tief zerfurchte Landschaft erinnert mich an die grünen, zerklüfteten Hügel Irlands, nur mit dem Unterschied, dass die letzten Sonnenstrahlen ihre Spitzen illuminieren, was auf der  „Regeninsel“ nicht so oft vorkommt.  Die Sonne steht schon tief und Max hat große Mühe die Straße zu sehen, hinzu kommen Schlaglöcher und große Holztransporter, die gerne mal die Kurven schneiden. Also entschließen wir uns eine Übernachtung auf einem kleinen, abgelegenen Campingplatz in der Nähe des Highways einzulegen. Gut versteckt liegt die Farm mit einigen Hütten, einer schönen gemütlichen Küche mit Terrasse, jeder Menge Grünfläche und einer warmen Dusche, was nach den letzten vier Tagen Hiking mehr als willkommen ist. Schafe und Kühe kreuzen von Zeit zu Zeit die Schotterpiste und auch einige herumhoppelnde Kaninchen verstecken sich im Gras. Der Besitzer der Farm kommt uns freundlich entgegen und zeigt uns wo wir unser Nachtlager aufschlagen können. Eine Idylle wie aus dem Bilderbuch und die Ruhe und Abgeschiedenheit eigneen sich hervorragend um die Eindrücke und Erlebnisse der letzten Tage zu verarbeiten und den Knien etwas Ruhe zu gönnen.

Am nächsten Morgen entdecken wir eine Art Miniaustellung in einer der Scheunen. Die Infotafeln berichten über eine „Ghosttown“ an der Stelle, an der sich heute die Farm befindet. Von einem richtigen Dorf welches sich aufgrund von Kohlevorkommen entwickelt hatte ist heute nur noch der Canyon übrig mit seinen 10-20 Bewohnern. Schwer vorstellbar wie es hier einmal ausgesehen haben muss. Einen kleinen Fußweg entfernt  liegt eine Art Lichtung zu einer Seite vom Fluss und zur anderen wird sie von einer Felswand begrenzt. Hier zeugen noch die Wildpferde die einst in menschlichem Besitz waren von der Blütezeit dieser Gegend.
Weiter führen uns die Serpentinen nach Whangamomona. Der kleine Ort würde wohl kaum besondere Aufmerksamkeit erregen, wäre da nicht das Ortsschild welches mit der Aufschrift :“ Willkommen in der Republik“ begrüßt. Richtig gehört das 40-Seelen Dorf hat sich aus Protest gegen eine Regierungsreform 1989 selbst als Republik ausgerufen. So erhält man als Reisender (auf Wunsch) auch einen Stempel in seinen Reisepass und es ist auch nichts Ungewöhnliches, dass hier ein Hund das Amt des Präsidenten Inne hatte.

Nach diesem doch etwas amüsanten Stopp steuern wir den Mount Taranaki an. Er gilt als einer der gefährlichsten Berge Neuseelands an dem bereits über 70 Wanderer den Tod fanden. Nun ja nach einiger Rechere unsererseits stellt sich heraus, dass es sich bei den tragischen Unfällen leider um leichtsinniges Verhalten und schlechte Vorbereitung handelte. Wir sind beide begeistert von dem stolzen Gipfel und nach dem erfolgreichen Alpine Crossing am Tongariro fühlen wir uns zu allem bereit. An der Touristeninformation angekommen, um die letzten fehlenden Informationen einzuholen, wird unserer Euphorie jedoch schnell der Wind aus den Segeln genommen. Um die brilliante Sicht über beide Inseln genießen zu können, müssen die Wetterbedingungen perfekt sein, was für die kommenden Tage schwer zu sagen ist. Insgesamt verlangt der Aufstieg mit seinem Höhenprofil und besonders mit einem steilen Stück über Vulkansteingeröll den Wanderern so einiges ab. Max hat nur seine Sneakers und um auf die sich schnell ändernde Witterung vorbereitet zu sein müssten wir unsere großen Backpacks mitnehmen. Alles in allem nicht die optimalen Voraussetzungen. Wir wollen bis zum nächsten morgen abwarten und in aller Früh entscheiden ob wir es wagen oder nicht.
An diesem morgen haben wir uns aus Gründen der Vernunft endgültig gegen den Aufstieg entschieden. Schade drum, würde so mancher sagen – ein guter Grund um wieder zu kommen sagen wir! Und auch von hier unten ist der Anblick des Taranakis episch. Gut nachvollziehbar dass er für die Maori nahezu heilig ist und sie daran glauben, dass ihre toten Seelen über den Vulkan ihre Reise bis zum Cape Reinga antreten, um zu einer anderen Welt überzutreten.

So schmieden wir neue Pläne und verlassen Stratfort, die Geburtsstadt von keinem Geringerem als William Shakespeare, an den heute noch das Glockenspiel erinnert.
In New Plymouth heißt Zeit haben mit den Gezeiten gehen. Eine besondere Steinformationen liegt hier unmittelbar vor der schroffen Küste. Doch ihre wahre Pracht zeigt sich erst bei Ebbe. So richten wir unseren Besuch nach dem Gezeitenplan und waten schließlich durch den warmen, schwarz glitzernden Sand. Dort, wo normalerweise meterhohes Wasser den Fels umspült ragen jetzt die Pinacles der sogenannten „Three sisters“ empor. Ebenso der Fels der als Elephant Rock betitelt wurde zeigt sich seinen Besuchern, doch leider verlor der animalische Stein in einem Erdbeben den Teil, der den Rüssel darstellte und ist daher nur schwer als Elefant zu identifizieren. Das Wasser, welches teilweise noch in den kleinen Pfützen zwischen den Steinen steht ist angenehm warm und so waten wir im Storchengang an den Klippen entlang. Auch einige Seevögel nutzen die Abwesenheit des Wassers und suchen im Sandschlamm nach Essbarem. Ebenso die kleinen Krebse, welche am Fuße der Felsen leben kommen nach und nach aus ihren Verstecken. Auch wenn das Wasser noch in weiter Ferne ist, merken wir spürbar, dass es allmählich zurück kommt und steigt und so entscheiden wir uns zeitig den Rückweg anzutreten, bevor es heißt zurück schwimmen.

Am nächsten Morgen führt uns der Weg ins Tawhiti. Hier hat Nigel Ogle sein handwerkliches Können unter Beweis gestellt und die Geschichten der ersten Händler und Walfänger in der Region durch seine Figuren lebendig werden lassen. Im Inneren des Ausstellungsraumes steigt man in ein kleines Floß auf Schienen ein, dass einen mit auf die Reise durch die liebevoll und detailreiche Landschaft nimmt. Leider ist das Fotografieren aus urheberrechtlichen Gründen nicht gestattet. Dennoch haben wir euch ein Bild vom Außenbereich gemacht, die die Stimmung und die Gestaltung der gesamten Museumsanlage gut verdeutlichen.

Bereits auf dem Weg hier her sind uns vermehrt Amerikaflaggen und geschmückte Straßen im Stars and Stripes Look aufgefallen. Nach einiger Recherche fanden wir heraus, dass die Americarna momentan im Gebiet Taranaki zu Gast ist. Bei dem Event durchfahren die historischen US-Karosserien die einzelnen Städte und werden von der ganzen Gemeinde erwartet und am Straßenrand gefeiert. Von alten Krankenwägen und Autos mit Bullenhörner auf der Motorhaube bis hin zu Mustangs und dem schwarzen KITT aus der Kultserie Knightrider ist alles dabei. Es wird gehupt, Fahnen geschwungen und demonstriert was der Motor hergibt. Den krönenden Abschluss bildet ein Trackrace, bei dem die Geschwindigkeit auf einer 50 Meter langen Strecke gemessen wird. Zunächst treten die stolzen Besitzer der Kultfahrzeuge an und später auch drei professionelle Trackracer mit entsprechenden überdimensionalen Motoren. Eine lautes knatterndes Geräusch, folgend von einer spürbaren Druckwelle und alles was man noch sieht sind die schemenhaften Umrisse des Autos in dicke Rauchschwaden gehüllt. Ein echtes Spektakel das nicht nur uns als Touristen sondern auch die Einheimischen aller Altersklassen begeistert.


0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.