aus der Sicht von Deborah

Mit der Fahrt nach Cusco haben wir unseren bisherigen Busfahrten einen Rekord gesetzt. Siebzehn Stunden lang geht es über Schlaglöcher, gepflasterte Straßen, eine Kurve nach der anderen mit einem vermeintlichen Rennfahrer am Steuer. Sagen wir mal so: Ich will wirklich nicht jammern aber die Ankunft war ein Segen;). Noch keinen Meter vom Bus entfernt schlägt sie wieder einmal zu – die Höhenluft. Die Stadt Cusco liegt auf 3400 Metern und das macht sich direkt bemerkbar, mit vollem Gepäck sind wir schnell außer Atem und auch die von Huaraz bekannten Kopfschmerzen stellen sich bald wieder ein. Doch wir haben dazu gelernt und dieses Mal extra ein paar Tage mehr eingeplant, um uns aklimatisieren zu können.
Somit können wir, ziemlich geschlaucht aber mit gutem Gewissen den Rest des Tages gemütlich angehen. Der Ausblick über die Stadt von der Dachterrasse unseres Hostels bietet sich dafür perfekt an.

Am nächsten Tag fühlen wir uns schon etwas besser, auch wenn die Höhe den Körper immer noch etwas herausfordert. Cusco dient zum einen als Ausgangspunkt und Basislager für unseren mehrtägigen Ausflug zu der weltbekannten Tempelanlage „Machu Picchu“, zum anderen wollen wir auch die Stadt an sich kennenlernen, da wir noch genügend Zeit haben. So schlendern wir gemütlich in Richtung des zentralen Plaza de Armas, der wie immer das Herzstück der Stadt darstellt. In dessen Mitte befindet sich ein Springbrunnen mit einer aufwändig gearbeiteten, goldenen Inkastatue, dem Inkakönig Pachacuti, der mit gestrecktem Arm in Richtung der Berge zeigt. Auf zwei Seiten wird der Platz von jeweils einer großen Kathedrale eingerahmt, welche unter anderem den katholischen Einfluss der Konquistadoren widerspiegeln.

 Wie entschlossen die Spanier in ihrem Vorhaben der Missionierung waren, zeigt sich in einem weiteren Kirchengebäude, das sich jedoch von den anderen in einem kleinen Detail unterscheidet.  „Corincancha“ oder auch der Sonnenentempel, wie er manchmal genannt wird, war die wichtigste Tempelanlage des Inkaimperiums. Sie galt als besonders beeindruckend, wegen ihrer exakt gearbeiteten Bauweise. Die Steine wurden so genau behauen und gemauert, dass fast keine Fugen zu erkennen sind. Außerdem soll, nach der Schilderungen der Spanier, die gesamte heilige Stätte mit Blattgold überzogen gewesen sein, was ihr den Beiname der „Goldkammer“ verschaffte.
Heute sind die Reste der mächtigen Mauern nur noch an einer Seite des Geländes zu erkennen. Denn mit der Eroberung Perus 1532, durch die Spanier, ging auch das Königreich der Inka zur Neige. Sie zerstörten den Tempel und nutzten seine Überreste als Fundament, um darauf ihre neue Kirche und das Kloster „Santa Domingo“ zu erbauen. Bis heute bestehen das Kloster und die Kirche fort. Das umliegende Areal sowie einige Ausstellungsräume erklären und erzählen über das Reich der Inkahochkultur, ihr Leben und Weltverständnis sowie ihren Untergang durch die Europäer.

Am nächsten Tag trauen wir uns konditionsmäßig schon etwas mehr zu und wollen auf die Anhöhe, auf der die riesige Statue „Cristo Blanco“ drohnt und von wo aus man über die ganze Stadt sehen kann. Es geht durch kleine Kopfsteinpflastergassen und überall werden Handwerksprodukte und allem voran, sämtliche Kleidungsstücke aus Alpacawolle angepriesen. Über kleine verwinkelte Treppen geht es steil hinauf und direkt wird der Kreislauf wieder beansprucht. Doch mit Sicherheit sind die unebenen, steilen Stufen eine gute Vorbereitung für unsere bevorstehende Wanderung nach Machu Picchu. So schlängelt sich der Weg zwischen den Häusern hindurch und immer wieder entdecken wir die landestypischen „Toritos“ auf den Giebeln der Dächer. Die zwei kleinen Tonstiere und das Kreuz sind eine Art Haussegen und soll der Familie Glück und Gesundheit schenken. Ziemlich außer Atem kommen wir oben an und etdecken, dass auch ein Bus den Berg hinauf gefahren wäre, aber wir sind ja gut zu Fuß und etwas Bewegung schadet schließlich nicht.
Die acht Meter hohe Jesus Statue blickt mit ausgebreiteten Armen über die Stadt.Sie war einst ein Geschenk von Palästinensern, die nach dem zweiten Weltkrieg in Cusco Zuflucht fanden. Er erinnert an eine kleine Version der weltbekannten Jesus Statue in Rio de Janeiro. Die uns bietende Aussicht ist sehr weitläufig und wird von den bebauten Bergen umrandet. Die einstige Inkahochburg liegt uns zu Füßen.

Kategorien: Südamerika

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