aus der Sicht von Deborah

Immer höher und höher klettert die Temperaturanzeige: 45°C, so begrüßt uns Nevada in Mitten der Wüste. Hinter der nächsten Straßenkuppe tauchen wie aus dem Nichts die Häuser und Straßen der Stadt vor uns auf. Doch nicht die irgendeiner Metropole, nein wir befinden uns in DER Sin City – Las Vegas. Doch auf den ersten Blick können wir nichts außergewöhnliches entdecken, außer ein paar schillernden Häuserfassaden und einer Art Pyramide, von der wir zu diesem Zeitpunkt nicht wissen, was es damit auf sich hat.
Auch wenn diese Stadt genau so fremd für uns ist, wie die bisher gesehenen, so verbinden wir doch etwas bekanntes, heimisches mit ihr. Denn zum zweiten Mal seit Antritt unserer Reise ergreifen wir die Möglichkeit, gemeinsame Zeit mit Freunden zu verbringen.
Etwas außerhalb vom Zentrum leben Ed und Deb, die wir durch Max beziehungsweise seinen Bruder kennen. Im vergangenen Jahr hatten sie Deutschland besucht und als wir ihnen von unseren Pläne erzählten, bestanden sie darauf, dass wir bei ihnen unterkommen wenn wir in der Gegend sind. In der Tat fühlt es sich ein bisschen wie „daheim“ an, als uns die beiden freudestrahlend die Tür öffnen. Auch Grace und Krypto, die beiden Hunde der Familie, heißen uns willkommen. Max und ich fühlen uns wie in einem Hotel als wir „unser“ Zimmer mit riesen Boxspringbett und eigenem Bad betreten. An diesem Abend sitzen wir noch lange auf der Terrasse mit Pool zusammen, was bei den mittlerweile angenehmen Temperaturen wie eine laue Sommernacht wirkt.

Auch durch die noch geschlossenen Jalousien erkenne ich, dass die Sonne bereits scheint – wie fast jeden Tag hier. Ed hat bereits das Frühstück für uns zubereitet – Bacon, Spiegelei und Toast – wie könnte der Tag besser starten? Am heutigen Tag geht es als erstes zum „Mob Museum“. Al Capone und “ Lucky“ Luciano sind hier zu Hause. Die Mafia, das organisierte Verbrechen, damals wie heute, wird auf spannende und schockierende Art dargestellt. Alkoholschmuggel, Drogenhandel und nicht zuletzt, wie der Mob Las Vegas eroberte und die meisten Casinos der Stadt auf blutige Weise in seiner Gewalt hatte, können die Besucher hier herausfinden. Bis heute werden Menschen, die wahrscheinlich diesen Kreisen zum Opfer fielen, vermisst und die Mafia hat sich weltweit neue Ziele gesucht, wie etwa der Handel mit Fälschungen, Elfenbein sowie Rosenholz und anderen „Trophäen“ der Wilderei.
Nach dieser spannenden Geschichtsstunde der dunkelsten Kapitel der Stadt sind wir alle hungrig und entscheiden uns dem leeren Magen mit einem Burger entgegen zu wirken. Normalerweise nichts ungewöhnliches für Amerika, doch beim „Heart Attack Grill“ handelt es sich nicht um einen gewöhnlichen Burgerladen. Krankenschwestern als Bedienungen, die Pflicht einen Patientenkittel zu Tragen, Burger mit bis zu 1,6 kg Patties, Besucher die über 180kg wiegen essen für umsonst und wer es nicht schafft seinen Burger komplett zu essen, der wird „bestraft“. Das sind die hier geltenden Regeln.

Max hat sich – natürlich selbstlos und „freiwillig – bereit erklärt, für die nicht aufgegessenen Burger der Gruppe, mit einem Holzbrett „gepaddelt“ zu werden. Auch wenn die Gaststätte im allgemeinen stark umstritten ist, wegen ihres Konzeptes, so war es definitiv ein Erlebnis. Zudem befinden wir uns automatisch auf der Fremont Street, der „Altstadt“ von Las Vegas. Das hier befindliche Binions gehört zu den ersten Casinos der Stadt und versprüht mit den umliegenden Gamblinghallen und Bars eine gemütliche und ausgelassene Stimmung. Der Glamour, von dem uns berichtet wurde, ist noch nicht so stark erkenntlich – im Moment wirkt die Straße eher wie eine gut besuchte Fußgängerzone mit ausgelassenen Passanten. Doch kaum sind die letzten Sonnenstrahlen vergangen, erwacht die Partymeile zum leben. Feierwütige Besucher lassen sich von den Bässen der „Dancing DJ s“, und den aufklimmenden Lichtern der Casinos mitreißen. Über eine Zipline kann der Trubel aus luftigen Höhen bestaunt werden, so auch die Straßenkünstler wie Showgirls und Sprayer mit ihren Kunstwerken.
Zu jeder vollen Stunde erscheint an der Überdachung eine spektakuläre Lichtershow mit passender Musik und hin und wieder kommt einem der ein oder andere Junggesellenabschiedteilnehmer bunt dekoriert entgegen. Am Ende der berühmten Freemont Street befindet sich der “ Containerpark“ eine kleine Stadt aus bunten Schiffscontainern aller Größen, in denen sich Restaurants, Cafés und Kleidergeschäfte sowie Zauber zubehörfachgeschäfte befinden. Hierher scheinen sich eher weniger Touristen zu verlaufen, was aber nicht heißt, dass die gute mitreißende Stimmung nachlässt.

Nach diesem Abend dachten wir DAS Las Vegas kennen gelernt zu haben. Doch als wir am „Mirage“ Hotel Casino den Strip am kommenden Tag betreten, eröffnet sich uns die wohl bizzarste Scheinwelt, die wir je gesehen haben. Ein Casino versucht das nächste in seiner Größe und Exklusivität zu übertreffen. So kann man sich aussuchen, ob man lieber im prunkvollen dreiteiligen Gebäudekomplex des Cesar Palace residieren möchte oder doch lieber im „Luxor“, einer Pyramide, die innen hohl ist und deren Fenster der Hotelzimmer ins Innere gerichtet sind. Das “ Excalibur“ wiederum versprüht mit seinen Türmen und Schlosscharakter märchenhaftes Flair, neben der Freiheitsstatue des New York New York Casinos, das ganz nebenbei von einer Achterbahn umrahmt wird. Die Romantiker kommen entweder am Eiffelturm oder auf der Rialtobrücke auf ihre Kosten.
Dass Geld hier keine Rolle spielt und Preise nur Zahlen auf einem Stück Papier sind, haben wir bereits gemerkt, doch bei der Fontänenshow des Bellagios werden wirklich keine Kosten und Mühen gescheut. Für erschwingliche 5000$ kann man der Glückliche sein, der das atemberaubende Wasserspektakel per Knopfdruck starten darf.

Las Vegas ist eben die Stadt, in der alles möglich ist – so auch die „Minus 5“ Icebar. Richtig gehört – in dem wohl gefühlt heißesten Bundesstaat der USA, kann man bei eisigen Temperaturen seine Cocktails aus einem Eisbecher, auf Sitzgelegenheiten aus Eis an eisigen Tischen genießen. Um dem Körper keinem kompletten Temperaturschock auszusetzen, gibt es am Eingang kuschlige Fellmäntel.
Zurück in der Hitze der Straßen angekommen, ist die Polizei gerade dabei den Strip zu sperren. Von weitem hört man das Aufschreien von Sportmotoren. Die „NASCAR“ Fahrer rollen mit ihren Ralleyautos, wie die Gladiatoren, ein und beweisen auf den Kreuzungen des Strips durch Burnouts ihre Entschlossenheit für das Rennen, das am Wochenende auf dem „Las Vegas Speed Way“ stattfindet.

Am Himmel gehen im Fünf Minuten Takt Flugzeuge in den Landeanflug, die die Glücksritter für ein Wochenende in die sündhafteste Stadt aller Städte bringen, mit der Hoffnung an den Automaten und Pokertischen der Casinos das große Geld zu finden.

Kategorien: Amerika

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