aus der Sicht von Max

Der nachfolgende Beitrag fällt auf die Bitte einiger Facebook Nutzer etwas länger aus, als ihr es sonst von meinen Beiträgen kennt. Es geht dieses Mal nicht nur um das Erlebte, sondern viel mehr um einige Tipps und Wegbeschreibungen, die dem ein oder anderen Reisenden von Nutzen sein könnten.

Nach Machu Picchu gibt es Grundsätzlich drei Wege: mit dem Zug von Cusco, mit dem Colectivo nach Hidroelectrica oder einer geführten Tour, wie beispielweise dem berühmten „Inca-Trail“. Ansonsten gibt es keine Möglichkeit – Falsch! Wohl weniger bekannt als Letzteres, dafür nicht weniger anstrengend, ist der Weg über Ollataytambo. Ollatay – was? Zugegebenermaßen ein sehr schwieriger Name und ein ziemlicher Zungenbrecher, doch mit etwas Übung und einigen Scherzen kann man es sich dann doch merken.
Die Colectivos nach Ollataytambo fahren, sobald genügend Mitfahrer da sind, im Herzen Cuscos ab. Sie sind in der Straße „Pavitos“ zu finden und in der kostenlosen Navigationsapp „Maps.me“ markiert. (Wir können die App wirklich sehr empfehlen, sofern ihr wie wir ohne mobile Daten reist oder mal in ein Funkloch geratet.)

Alternativ einfach bei den Einheimischen nach den oben genannten Colectivos fragen, sie werden euch sicherlich weiter helfen können. Der Preis beträgt 10 Soles pro Person, was für die Strecke von über 70km ein doch sehr faires Angebot ist. Unter Umständen werden die Fahrer versuchen 15 Soles zu verlangen, lasst euch da nicht unterkriegen 😉
Die Fahrtzeit beträgt knappe 90 Minuten bis in das kleine Dorf Ollataytambo. Solltet ihr wirklich früh an sein, könnt ihr euch direkt weiter auf den Weg nach Machu Picchu (8-9h) machen, wovon wir jedoch ausdrücklich abraten. Eine zusätzliche Übernachtung kostet etwa 5€ pro Person (Doppelzimmer), die im Preis für die Anreise nicht berücksichtigt wurde.
Der Ort versprüht einen sehr schönen Charme und ist durchweg liebevoll und verspielt gestaltet, sodass ein Nachmittag / Abend hier sehr gut investiert sind. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, die Inka-Ruinen zu besichtigen, wozu ich jedoch Nichts sagen kann, da wir erst am frühen Abend ankamen. (Wohl etwas schlecht informiert – ich gelobe Besserung). Macht nicht den selben Fehler und seht Ollataytambo lediglich als Transitstation an. Außerdem kann man hier sehr gut Pizza essen ;).

Die Colectivos nach Piscacucho starten morgens ab 6 Uhr, wie immer sobald sie voll sind, und kosten lediglich 3 Soles pro Person für die 17 Kilometer lange Strecke.

Vorsicht: bei den Mototaxis bzw. Taxis wurden uns Preise von 60-80 Soles angeboten!
Bekannter als der Name des Dorfes ist die Bezeichnung „Kilometro 82“, nach der ihr fragen könnt. Es ist die letzte Station, der 110 Kilometer langen Bahnstrecke von Cusco nach Aguas Calientes.
Kann man ansich nichts falsch machen oder? An einer einzigen Passage gilt es nun aufzupassen. In Piscacucho angekommen teilt sich die Straße, links den Hügel hinab zur Bahnstation, rechts bergauf aus dem Dorf hinaus. Geht hier RECHTS! Wie wir aus anderen Berichten erfahren haben, befindet sich am Bahnhof ein Mitarbeiter der Bahn, der sicherstellt, dass niemand über die Gleise läuft. Solltet ihr es dort versuchen, wird er euch darauf hinweisen, dass ihr es nicht dürft und ihr könnt zurück laufen und dann im zweiten Anlaufe den rechten Weg einschlagen. Wer sich also Zeit und Nerven sparen möchte, der geht direkt den rechten Weg.
Unter Umständen werdet ihr unterwegs hören, dass es illegal sei, an den Gleisen entlang zu laufen, doch die Warnschilder* (drei an der Zahl auf der gesamten Strecke) sagen lediglich, dass man nicht in der Nähe der Gleise gehen soll. Meiner Meinung nach ein dehnbarer Begriff. Außerdem wird die Strecke regelmäßig von Einheimischen benutzt und generell besteht wenig bis kein Interesse euch zu stoppen. Unterwegs trafen wir Streckenarbeiter an, die uns freundlich grüßten, winkende Zugführer und uns ermutigende Einheimische. Letztere reagierten auf unseren Plan entlang der Bahnstrecke zu wandern mit: „Muy bien“. 

*die gleichen Schilder, die auch auf dem Weg von Hidroelektrika nach Aguas Calientes stehen und wirklich NIEMANDEN interessieren.

Zurück zum Thema:
Ihr folgt der Straße für knappe 15-20 Minuten, bevor sie sich in einem Fußweg verliert. Dieser endet mit einer kleinen Improvisationspassage im offiziellen Weg entlang der Gleise. Lasst euch nicht verunsichern, sofern der Pfad stellenweise steil bergauf geht, obwohl ihr eigentlich absteigen wollt. Das häufige Auf und Ab ist nur am Anfang der Strecke.
Der Weg verläuft meist ober- bzw. unterhalb der Gleise, sodass man die Natur in „vollen Zügen“ genießen kann. (Was ein Wortwitz!) Nein im Ernst, die schneebedeckten Gipfel und grünen Hänge bieten einen atemberaubenden Anblick. Immer wieder kommt man an alten Ruinen vorbei und Teile des Inka-Trails verlaufen parallel auf der anderen Seite des Flusses, sodass man ähnliche Ausblicke genießen kann.
Der Weg ist meist sehr gut in Maps.me zu erkennen, sodass die Navigation keine Probleme darstellen sollte. Einige Abschnitte der 30 Kilometer (Was? 30 Kilometer, das ist nichts für mich! – Ganz ruhig, die Strecke ist überwiegend flach bzw. bergab 😉 ) langen Strecke verlaufen unmittelbar an den Gleisen entlang, jedoch mit ausreichendem Sicherheitsabstand. Die Züge bewegen sich meist nicht sonderlich schnell (30-40km/h) und kündigen sich mit laut starkem Signalhorn an, sodass man sie eigentlich nicht überhören kann.

Dennoch sollte man mit allen Sinnen bei der Sache sein und keinesfalls mit Musik und Kopfhörern wandern. Sollte sich aber denke ich von selbst verstehen.
Einzig „heikle“ Passagen stellen die wenigen Tunnel dar. Diese sind mit Längen von bis zu 60 Metern überschaubar, schnell zu passieren und immer ist „das Licht am Ende des Tunnels“ zu sehen. Notfalls sollte genügend Platz zwischen Wand und Zug sein – aber ob man sich das wirklich antun möchte? Eine Erfahrung auf die man getrost vertzichten kann!
Besser ist es, sich im Voraus über die Fahrtzeiten zu informieren (alle 30min?) und im Tunnel selbst nicht übermäßig zu trödeln.
Ansonsten heißt es: den Gleisen folgen, bis zur Ankunft in Aguas Calientes, die Natur und die Stille genießen und von den atemberaubenden Anblicken verzaubern lassen.

Wir benötigten für die 30 Kilometer knapp 8 1/2 Stunden (2 Pausen à Minimum 30 Minuten  + ausgiebig Zeit zum Fotografieren. 2,5 Liter Wasser sollten pro Person eingeplant werden.

Die beiden Colectivos belaufen sich in Summe auf 13 Soles, was zum derzeitigen Wechselkurs etwa 3,38€ entspricht. In unserer Version, mit Übernachtung in Ollataytambo, belaufen sich die Kosten für den Weg nach Machu Picchu auf 8,38€. Wenn ihr mich fragt – ein unschlagbarer Preis!

Abschließend möchten wir euch noch folgende Tipps mit auf den Weg geben:

1) Nicht alleine
Unsere Empfehlung ist, den Trek nicht alleine in Angriff zu nehmen, da er sehr lange ist und euch nur wenig bis garkeine Mitmenschen begegnen werden. Es bestehen durchaus Verletzungsgefahren, siehe Tipp 2 und 3, weswegen immer ein Erste-Hilf Set mit den nötigsten Utensilien mitgeführt werden sollte. Versteht sich denke ich von selbst.

2) Festes Schuhwerk
Etwa 60% der Strecke verlaufen auf sehr gut ausgebauten Wegen, die sich gut mit Turnschuhen bewältigen lassen. Die restlichen 40% sind jedoch in unmittelbarer Nähe zu den Gleisen und zwangsläufig über den groben und stellenweise sehr scharfkantigen Schotter. Solltet ihr also nicht super dehnbare Bänder haben oder auf unnötiges Leiden stehen, so empfiehlt es sich, geeignete Wanderstiefel zu tragen. (Es ist mit Turnschuhen zu machen, ich hätte mich jedoch über ein „richtiges“ Paar Schuhe gefreut.)

3) Angst vor Hunden?
Solltet ihr Angst vor streunenden, bellenden Hunden haben: tut euch den Gefallen und wählt einen anderen Weg nach Machu Picchu! Ihr werdet zwangsläufig einigen aggressiv wirkenden Hunden begegnen, die bellend und Zähne fletschend auf euch zu laufen, eventuell auch unangenehm nahe kommen. Unsere Erfahrung ist es, den Tieren so gut es geht aus dem Weg zu gehen und bei Bedarf mit einem langen Stock auf ausreichend Distanz zu halten. Häufig lassen sie einen dann nach wenigen Meter in Frieden. Nicht laufen! Langsam aber bestimmt weiter gehen.
Wie wir hörten, hielten sich andere Reisende die Hunde mit Steinen vom Hals, wovon ich jedoch wenig halte, da man direkt angreift und unter Umständen Aggressionen provoziert.

4) Kondition
Die etwa 30 Kilometer lange Strecke lässt sich mit einer durchschnittlichen Kondition sehr gut bewältigen. Es erfordert keine Spitzenleistungen, da die Strecke größtenteils flach oder leicht bergab verläuft. Womit wir auch schon beim nächsten Tipp wären.

5) One-way
Sofern ihr nicht auf der Suche nach einer echten körperlichen Herausforderung seid, solltet ihr diesen Weg nur nach Machu Picchu einschlagen, nicht zurück. (Wer geht schon gerne 30km bergauf?) Für den Rückweg empfiehlt sich daher der bekanntere Weg über die Schienen nach Hidroelektrica.

6) Studententarif
Solltet ihr, wie wir planen, das günstigere Studententicket für Machu Picchu zu ergattern, so müsst ihr folgendes im Kopf behalten: der internationale Studentenausweis von ISIC wird nur in Kombination eines gültigen nationalen Studentenausweises akzeptiert (warum auch immer). Außerdem darf dieser nicht länger als zwei Jahre gültig sein und das Ablaufsdatum muss darauf vermerkt sein. Mehr Infos dazu erhaltet ihr auf der offiziellen Seite.

Sollte euch der Beitrag gefallen oder geholfen haben, noch Fragen ausstehen oder ihr einfach euren Senf dazu geben möchten, lasst gerne einen Kommentar da!

Kategorien: Südamerika

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