aus der Sicht von Max

Das lästige Klickern des Radlagers, das uns nun schon seit geraumer Zeit begleitet wird zunehmend unangenehmer. Wohl oder übel müssen wir es reparieren lassen. Aufgrund der hohen Preise des Ersatzteiles bei den örtlichen Verkäufern entschließe ich mich das nötige Teil zu einem wesentlich günstigeren Preis online zu bestellen. Eine schnelle Lieferung „Shipping the same day“ gestaltet das Angebot zunehmend attraktiv. Doch wo hin senden lassen?
Über unsere Freundin Deb, in Las Vegas, erhalten wir eine Adresse in Dayton. Keith und Von, die Trauzeugin von Deb leben dort und somit steht das nächste Ziel auf unserem Weg nach Westen fest.
Das Haus befindet sich sehr ruhig gelegen in einem Vorort der Stadt. Nach einem ersten Klingeln öffnet ein Mann die Tür und schaut uns ein wenig misstrauisch an.
„Is this the house of family Allen?“, falle ich mit der Tür ins Haus. Er bejaht und mustert uns zunehmend skeptisch. Sein Blick verrät, dass er nicht die leiseste Ahnung besitzt, wer wir sind bzw. was wir von ihm wollen.
 „Soll Deb ihnen überhaupt von unserem Vorhaben erzählt haben?“, denke ich mir. Als wir ihm von unseren Plänen und dem Grund für unser Erscheinen erzählen verweist er uns an seine Frau Von, die im Wohnzimmer sitzt und uns herzlich empfängt. Sie scheint unseren Besuch erwartet zu haben und wir berichten ihr über die Erlebnisse der vergangenen Wochen sowie dem Problem bezüglich des Autos. Sie lädt uns ein, als ihre Gäste zu bleiben, bis das Ersatzteil ankommt.
Nachdem wir unsere Rucksäcke aus dem Auto genommen haben, erwarten uns Von, Keith & Thor, ein Schäferhund-Husky Mischling, der mit seiner stämmigen Statur auf den Hinterläufen stehend auf gleicher Augenhöhe mit mir wäre. Er scheint ein typischer Wachhund zu sein, der von unserer Gegenwart wenig begeistert ist. Gefletschte Zähne und ein warnendes Bellen lassen uns zurückschrecken. Ich habe grundsätzlich keine Angst vor Hunden, doch dieser verschafft sich in seinem Auftreten gehörigen Respekt. Deborah, die sehr wohl Angst vor Hunden hat, schaut mich hilfesuchend an.
Doch Keith hält ihn an der Leine und Thor, gut erzogen wie er ist, gehorcht ihm aufs Wort, und gibt schließlich klein bei. Dennoch behält er uns skeptisch im Blick.
Am weiteren Abend begleiten wir die beiden in den Gottesdienst und zum anschließenden gemeinsamen Essen. Die kleine Gemeinde scheint sich gut zu kennen und so fallen wir als „Fremde“ schnell auf. Jedoch nicht negativ – Einer nach dem Anderen kommt zu uns, stellt sich freundlich vor und will wissen was uns in ihr Gotteshaus verschlagen hat. Der Tag endet bei gemütlichem BBQ.
Als ich die Sendungsverfolgung am selben Abend aufrufe, sackt mir der Magen zwischen die Knie. „Voraussichtliche Lieferung: Montag in einer Woche“. „Shipping same day“ bedeutet nur, dass das Paket am selben Tag den Verkäufer verlässt, was der Zusteller dann damit macht ist eine ganz andere Geschichte.
Ich gebe die Hoffnung jedoch noch nicht auf, dass die Verfolgung aufgrund des heutigen Sonntages nicht aktuell ist.
Um die Zeit in Dayton möglichst gut nutzen zu können, besuchen wir das „National Airforce Museum“ nahe der hier befindlichen Airbase. Die Geschichte der Stadt ist unverkennbar stark von Flugzeugen geprägt, denn von hier stammen die Wright Brothers, die Pioniere der Luftfahrt.
Das Museum erstreckt sich über vier gigantische Hanger und liefert genug Informationen für zwei komplette Tage. Die Ausstellung umfasst historische Modelle von den ersten Flugversuchen, über die Kriege und den Kaltenkrieg, Kampfjets und Raketen, experimentelle Prototypen bis hin zu einigen Präsidentenflugzeugen. Es ist schon ein seltsames Gefühl durch letztere hindurch zu kraxeln. Wobei kraxeln hier das richtige Wort ist, denn durch die installierten Schutzwände bleibt gerade mal ein schulterbreiter Durchgang. Welche denkwürdigen und weltbewegenden Entscheidungen hier wohl getroffen wurden?! Im ehemaligen Flugzeug von John F. Kennedy ist noch die Stelle zu erkennen, wo sein Sarg einst stand. Teile des Innenraumes wurden mit einer Säge entfernt, um Platz für den Transport zu schaffen.

Ähnlich mulmig ist das Gefühl beim Beschreiten der riesigen Bombenschächte der ausgestellten Militärflugzeuge. Der Bombenschacht ist im Gegensatz zum vorderen und hinterern Teil des Flugzeuges dem niedrigen Luftdruck ausgesetzt, sodass die Bewegung zwischen diesen nur über eine beengende Röhre erfolgen kann. In dieser hangelt man sich auf dem Rücken liegend entlang eines gespannten Führungsseiles. Hin und wieder erlaubten sich die Piloten einen Scherz und riefen die unerfahrenen Crewmitglieder zu sich nach vorne. Als diese sich gerade mittig im Tunnel befanden zog der Pilot die Nase des Flugzeuges steil nach oben, sodass lange Arme vorprogrammiert waren.
Unter den Ausstellungsstücken befindet sich unter anderem die „Bockscar“, die die totbringende Atombombe auf Nagasaki abwarf. Eine weit weniger dramatische aber mindestens genauso beeindruckende Geschichte weist die ausgestellte „F-106A Delta Dart“ auf. In einem Flugmanöver geriet diese ungeplant ins trudeln. Der Pilot verlor jegliche Kontrolle, sodass ein Notausstieg scheinbar unvermeidlich wurde. Kaum nachdem er das Flugzeug verlassen hatte stabilisierte sich dieses jedoch erneut und flog scheinbar wie von Geisterhand davon. Einige Zeit später kontaktierte ein Polizist die Airforce, ob sie eines ihrer Flugzeuge vermissen würden und wie man dessen Triebwerke ausschalten könne. Das Flugzeug legte einige Meilen zurück und landete schließlich im flach auslaufenden Acker in Montana. Bis heute kann sich niemand erklären, wie es zu diesem Vorfall kam. Bei dem Ausstellungsstück handelt es sich um das nach wie vor gut erhaltene Original.

Zwei Mannschaften, ein Ball – nein es geht nicht um Fußball,sondern den Nationalsport Baseball. Unsere Gastfamilie lädt uns auf ein Spiel der Lokalmatadoren Dayton Dragons gegen die  Bowling Green Hot Rods ein. Wir lassen uns vom angekündigten Regen, den nicht vorhandenen Kenntnissen über die Spielregeln nicht abschrecken und begleiten die beiden gerne. Das Spiel gleicht mehr einem Event als einer Sportveranstaltung. Musik, Animation und Unterhaltung sowie die aus dem Fernsehn bekannten T- Shirt Kanonen werden geboten. Wir genießen die Zeit und nach einer knappen Stunde scheinen die Regeln auch nicht mehr so kompliziert.

Die Zeit bei Von und Keith vergeht wie im Flug und so neigt sich unsere Zeit in Dayton dem Ende, als das sehnsüchtig erwartete Ersatzteil Mitte der Woche eintrifft. Der ungeplant lange Aufenthalt wirft uns im Gesamtzeitplan etwas zurück, dennoch möchte ich das Erlebte und die neu entstandenen Freundschaften nicht missen müssen.

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Kategorien: Amerika

2 Kommentare

Petra Kutsch · August 28, 2018 um 4:59 pm

Ich wünsche viele wunderbare Erlebnisse auf der weiteren Reise
Liebe Grüße
Petra Kutsch

    ChillerGorilla · September 4, 2018 um 6:22 pm

    Hallo Frau Kutsch,
    schön von Ihnen zu hören! Vielen Dank für die guten Wünsche, die werden wir mit Sicherheit haben und Sie natürlich über den Blog auf dem Laufenden halten. Viel Spaß beim Lesen!
    Viele Grüße
    Deborah & Max

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