aus der Sicht von Deborah

Das Verfassen dieses Beitrages fällt mir ehrlich gesagt ziemlich schwer. Denn wo soll man anfangen, wenn man versucht, Los Angeles zu beschreiben? Einerseits umrandet von der Sierra Nevada, liegt die Stadt doch am Meer und jegliches Großstadtgefühl wird durch den südländischen Flair genommen.
Ähnlich wie zu Beginn unserer Reise ist die Stadt multikulturell und man fühlt sich, wie in Miami, direkt willkommen. Wann immer man Los Angeles hört, so kommt einem zwangsläufig auch das Wort „Hollywood“ in den Sinn. Hier haben wir ein kleines Hostel, zu einem für die Westküste „günstigen“ Preis, gefunden. Die Schlafgelegenheiten bestehen aus einer Art Holzkapsel mit Matratze darin und kleiner Jalousi davor – ein wenig ungewohnt, aber im Grunde genommen alles was man braucht!

Heute führt uns der Weg den Hügel hinauf, zu jenem berühmten Wahrzeichen der Stadt: Dem Hollywoodschriftzug. Serpentinen führen an luxuriösen Villen und wunderschönen Gartenanlagen vorbei, bis zu einem Aussichtspunkt, von dem sich uns die perfekte Sicht auf die knapp 13,5 Meter hohen Buchstaben bietet. Sie dienten ursprünglich einer Werbekampagne, die mit dem Schriftzug „Hollywoodland“ Baufläche in diesem Gebiet anprieß. Als der Konzern die Anzeige nicht mehr benötigte und abreißen wollte, entschied die Stadt, sie zu dem Wort „Hollywood“ zu kürzen und als Wahrzeichen zu erhalten. Die Instandhaltung wurde jedoch eher halbherzig betrieben, sodass das Gebilde in einem mehr als desolaten Zustand endete. 1978 startete eine Restaurationskampagne, bei der namenhafte Persönlichkeiten horrende Summen zum Wiederaufbau spendeten. So steuerten beispielsweise Hugh Hefner, Alice Cooper oder auch die Warner Brother Studios ihren Teil zu der Gesamtsumme von 250.000$ bei. Von nun an stehen die weißen Buchstaben unter strenger Bewachung und sind das Erkennungsmerkmal der Filmstadt.

Um aber nun noch etwas mehr von Hollywood zu sehen, als nur das offensichtliche Schild auf dem Hügel, nehmen wir an einer „Hollywood behind the scenes“ Tour teil. Witzigerweise sind wir die einzigen Teilnehmer an diesem Morgen und haben somit unseren persönlichen Privatguide. Bei unserem Weg über den Walk of Fame erfahren wir, dass insgesamt fünf Kategorien unterschieden werden von Film, Musik, Theater, Fernsehen bis hin zu Radio. Ein Platz auf dem wahrscheinlich begehrtesten Bürgersteig der Welt ist nicht nur eine besondere Ehre, sondern bedeutet auch eine nicht unwesentliche Beteiligung von 40.000$ und trotzdem befinden sich auf dem gesamten Walk of Fame über 2600 Stars. Der Countrysänger Gene Autry ist bislang der einzige Künstler, der einen Stern in allen fünf Kategorien verliehen bekam. Vor dem TCL Chinese Theater werden Stars ausgewählt, die sich, bei den dargebotenen Filmpremieren, auf eine andere Art und Weise verewigen dürfen. Die Betonplatten, die den Eingangsbereich des Theaters bilden, sind mit der Signatur der einzelnen Künstler sowie mit deren Fuß – und Handabdrücken versehen. Bei genauerer Betrachtung fallen ganz besondere Steine auf, wie etwa der von John Barrymorey, der aufgrund seiner markanten Nase sein Profil verewigte, der Comedian Mel Brooks, an dessen Handabdruck sich sechs Finger befinden oder der des Kinderstars Shirley Temple, die noch Hilfe brauchte um ihren Namen zu schreiben. Sogar Darth Vader und die beiden weltbekannten Druiden R2D2 und C3PO haben einen der begehrten Plätze. Ebenfalls von Sid Grauman erschaffen, führt der Weg weiter zum Egypt Theater. Die prunkvolle Aufmachung erinnert wirklich an jene Königspaläste der Sonnengötter und genau das sollten sie auch. Wie das Chinese Theater wollte Grauman nicht „nur“ ein Theater erbauen, sondern den Zuschauern ein exklusives Filmerlebnis liefern. Ganz nach dem Motto: „Du kannst sein wer immer du willst, wo immer du willst“ sollten die Zuschauer sich durch die spektakuläre Umgebung wie in eine andere Welt versetzt fühlen. So etablierte er auch jenes Bild von den Stars, wie wir es heute noch kennen. Er machte das „ganz normale“ Individuum zu etwas einmaligem,
unerreichbaren, genau wie die Sterne (Stars) für uns unerreichbar sind.

„Imperfection is beauty, madness is genius and it´s better to be absolutely ridiculous, than absolutely boring.“

~Marilyn Monroe~

Doch im nächsten Moment sehen wir, wie bodenständig die Filmindustrie trotzdem sein kann. Wir gehen an der „normalen“ Kirche vorüber, in der „Sister Act“ mit Whoopie Goldberg gedreht wurde, wie auch Szenen in dem „Schulgebäude“ aus dem Klassiker „Zurück in die Zukunft“. Ebenfalls die Feuerleiter an der Julia Roberts „Pretty Woman“ spielte, fällt neben den anderen in dieser Straße wenig auf.
Auch das Dolby Theater versteht etwas von der Kunst der Illusion. Einmal jährlich wird dessen Bühne sowie der Treppenaufgang zum Theater in den Schauplatz der Oscarverleihung verwandelt. Für zehn Tage wird die gesamte Straße sowie die darunter liegende U-Bahnstation gesperrt, um die Vorbereitungen für diese glorreiche Nacht durchzuführen. Die Fronten der Geschäfte werden abgehangen, der rote Teppich ausgerollt und selbst die Länge und Höhe der Treppenstufen wurden hier darauf ausgelegt, den Anwärtern dieser Auszeichnung, selbst in Highheels und engen Gewändern, einen sicheren und doch majestätischen Gang zu ermöglichen. Die 35 Zentimeter hohe, goldene Statue die von der „Academy of motion picture arts and sciences“ für exzellente Leistungen verliehen wird, ist eigentlich mit dem Namen „Academy Awards“ betitelt. Den Spitzname „Oscar“ erhielt die Trophäe durch den ersten zeichnerischen Entwurf, bei dem ein Mitarbeiter anmerkte, dass die Skizze seinem Onkel „Oscar“ gleiche. Doch wie man ihn auch nennen will, diesen Preis in den Händen zu halten, muss ein ganz besonderes Gefühl sein. Das merken wir, als wir im Inneren des Theaters auf der glamourösen Bühne stehen und in den Zuschauerraum schauen, der nicht nur von den nominierten Stars, sondern auch von extra engagierten „Lückenfüllern“ besetzt wird. Ob man es glaubt oder nicht diese Besucher werden extra engagiert um, aus Gründen der Ästhetik, keine freien Plätze bei der Besetzung der Reihen zu lassen. Star hin oder her, die Sicherheitsvorkehrungen bei diesem Event sind extrem hoch und so müssen auch die Celebreties ihre Ausweise vorzeigen und die Sicherheitsbeauftragten schrecken gegebenenfalls nicht davor zurück, einen George Cloney oder Johnny Depp zurück ins Hotel zu schicken, sofern sie sich nicht ausweisen können. Im Gegensatz zu der ersten Oscarverleihung, die 1929 im kleinen Kreis, in dem noch heute bestehenden Hollywood Roosevelt Hotel stattfand, ist die jetzige Gala schon von einem bemerkenswerten Ausmaß.

Auch das Hollywood Museum im Gebäude des Make up Gottes „Max Factor“ schildert mehr über die frühen Anfänge Hollywoods oder vielmehr die der Make-up Industrie. Ich denke wir sind uns einig, dass jeder Film neben Musik und Kameraführung erst durch authentisches Auftreten der Schauspieler realistisch wird. Dazu gehört natürlich auch das richtige Make-up, dem hier keine Grenzen gesetzt sind. So hat er zum Beispiel das erste, lang anhaltende Bühnenmakeup entwickelt und Star Ikonen wie Marylin Monroe mit seinen Haarfärbeprodukten zu einem einzigartigen Image verholfen, denn auch wenn sie jeder nur als platinblonde Schönheit kennt, war die mit bürgerlichem Namen Norma Jeane Mortenson eigentlich brünett. So hatte der Make-up Schöpfer für jede Kategorie von Haarfarben eigene Schminkräume entwickelt, die durch die Gestaltung mit Komplementärfarben eine optimale Make-up Auswahl ermöglichen sollten.
Da es wieder einmal auf Halloween zu geht und dieser Tag in den Staaten definitiv mehr zelebriert wird wie in Deutschland, gibt es auch eine Sonderausstellung zum Thema Special Effects. „Amalgamated Dynamics Inc“ (ADI) ist eine kalifornische Firma, die sich auf „Animatronics“ und Special Effect Prothesen spezialiert hat. Die Ausstellung zeigt, wie bei einem automatisch gesteuerten Roboter, durch anbringen von Formen, Farben und Materialien eine fertige Figur entsteht. Besonders für die Produktion von Horror- und Fantasyfilmen ist die Verwendung von künstlichen Gesichtsteilen, Augen, Gebissen und anderen unnatürlichen Körperteilen unabdingbar. Durch die große Auswahl von Materialien wie zum Beispiel Kunststoffen, Latex, Kunstfasern und den immer besseren Techniken gelingt es den Maskenbildnern, in einem langen und aufwändigen Prozess, wahre Kunstwerke zu erschaffen. In dieser Stadt zählt nun mal nicht wer du bist, sondern was du sein möchtest.

Kategorien: Amerika

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