aus der Sicht von Deborah

Rotorua gilt mit seinen Hotpools, Geysiren und Geothermalparks als die Vulkanstadt schlecht hin. Das kündigt auch schon der doch sehr starke und eindringliche Schwefelgeruch an, der uns seit einiger Zeit umgibt. Unser erstes Ziel am heutigen Tag ist der Kuiraukupark. Auf den ersten Blick wirkt er wie ein gewöhnlicher Stadtpark. Doch bereits als wir vom Parkplatz auf den ersten kleinen Pfad abbiegen, sieht man den ersten aufsteigenden Dampf. Der Weg schlängelt sich an einem kleinen Bachlauf entlang, dessen klares Wasser kühl und erfrischend wirkt, es jedoch keinesfalls ist. Der See, aus dem er gespeißt wird, hat fast kochende Temperaturen von 98°C. Natürlich würde jeder Geologe dieses Phänomen mit der vulkanischer Aktivität erklären, doch die Maori ziehen eine etwas poetischere Erläuterung vor. So gab es eine wunderschöne junge Frau die in diesem See badete und ihr Mann versprach, dass dieser See immer ihr gehören würde, obwohl ein Monster in seinen Tiefen wohnt. Eines Tages kam die besagte Kreatur und zog die Schönheit mit sich in die Tiefe. Aus lauter Zorn darüber brachte der besagte Ehemann das Wasser zum Kochen, um das Ungeheuer zu töten.
Immer wieder kommen wir an kleineren Seen vorbei sowie brodelnden Schlammlöchern und Erdspalten, deren gelbe Verfärbung durch den Schwefel klar sichtbar sind. Am Ende des Parks lädt ein kleines Becken mit dem warmen Wasser der Thermalquellen zu einem Fußbad ein. Das Schwefelbad gilt wegen seiner schmerzstillenden und entzündungshemmenden Wirkung schon seit der Antike als Wohltat für Körper und Geist.

Einer der bekanntesten Parks in dieser Gegend hat etwas ganz besonderes zu bieten, allerdings nur morgens um viertel nach Zehn. Daher machen wir uns schon früher in Richtung des Campingplatzes auf. Vor Ort lernen wir zwei Schwedinnen kennen, mit denen wir ins Gespräch kommen und abends noch einige Zeit verbringen. Während wir so beisammen sitzen werden wir Zeugen des wohl spektakulärsten Sonnenuntergangs den es je gab. Der Himmel wird in ein intesives, leuchtendes Rot gefärbt und so wirkt es als würden die Stromleitungen unmittelbar vor uns lichterloh in Flammen stehen.

Am nächsten Morgen stehen wir pünktlich um 10:15 Uhr bereit. Der Geysir Lady Knox ist von natürlicher Art und so bricht er nur in  unregelmäßigen Abständen aus. Um das Spektakel dennoch für jeden Besucher anzubieten, wird der Ausbruch durch die Mitarbeiter des Parks etwas beschleunigt und punktgenau herbeigeführt. Dazu wird lediglich ein Bestandteil handelsüblicher Seife zugeführt und wenige Minuten später beginnt der Geysir zu brodeln. Durch Zufall stellte sich heraus, dass dieser Stoff in Verbindung mit Schwefel heftig reagiert. Im Jahr 1906 wurden in dem Gebiet, auf dem sich heute der Thermalpark Wai-O-Tapu befindet, Arbeitslager zur Unterbringung und Beschäftigung von Gefangenen errichtet. Wie bereits die Maori nutzen auch diese die Hotpools zum Baden. Als einem der Sträflinge aus Versehen ein Stück Seife entglitt und im Schlot des Geysires landete, gab es kurz darauf eine Eruption. Nach diesem Ereignis wusste man von der  chemischen Reaktion und nutzt sie bis heute um Besuchern aus aller Welt die Kräfte der Erde vorzustellen.

Nach dieser Präsentation geht es in den eigentlichen Park, Wai-O-Tapu. Auf einer Fläche von 18 Quadratkilometern befinden sich Krater, kalte und kochende Schlammbecken und Felder vulkanischer Aktivität, deren Entstehung circa 160.000 Jahre zurückliegt. Der Park wirbt mit dem Slogan: „Einer der surrealsten Orte der Welt“ – und das können wir in der Tat bestätigen. Die Farben des Wassers und der schwefelverfärbten Gesteine, sowie die bedrohlich brodelnden Erdlöchern versetzten uns mehr als einmal ins Staunen. Unter 23 Atraktionen die es im Park zu erkunden gilt, stechen besonders der Champagnerpool und die Artist´s Palette heraus. Bei ersterem handelt es sich mit einem Durchmesser von 65 Metern um die größte Thermalquelle Neuseelands. Die Blasen, die durch Kohlendioxid verursacht werden sowie die schillernden, gold-silbernen Mineralien, die im Wasser gelöst sind geben dem Becken seinen Namen. Genau diese Mineralien lassen auch die atemberaubende Schönheit der Artist´s Palette entstehen. Sie werden aus dem Champagnerpool auf die weite Ebene geschwemmt und das Wasser verdunstet schließlich, sodass aus den zurück bleibenden Mineralien eine Palette von Farben sichtbar wird. Variierndes Sonnenlicht sowie unterschiedlicher Wasserstand und Windrichtung verändern deren Gestalt, sodass dieser Platz nie gleich aussieht.

Natürlich hat die allgegenwärtige Herr der Ringe Triologie auch hier ihren Platz und so wurden die grollenden und donnernden Geräusche des Rua Pumahu Kraters für die Soundeffekte im finsteren Mordor verwendet. Der Park entführt einen wirklich in eine unglaubliche und spektakuläre Welt – und das Beste – 100% Natur! Unmittelbar vor dem Park fließen ein Kaltwasserstrom und einer, der den heißen Quellen entspringt zusammen, was dazu einlädt ein Bad im perfekt temperierten Wasser zu nehmen.

Der nächste Stopp an diesem Tag sind die Okere Falls. Von mehreren Plattformen aus kann man den wilden Flussverlauf beobachten, der so manchen Adrenalinjunki zum Wildwasserrafting oder Kayakfahren einlädt. Doch auch zu früheren Zeiten stellte der Fluss mit seinen Stromschnellen eine Besonderheit dar. Denn hier wurde eines der ersten Wasserkraftwerke der Region errichtet. Die Turbine, welche einst durch die Wassermassen angetrieben wurde, findet man noch heute am Wegrand. Damals wie heute zieht dieser Ort Touristen an, sei es wegen der technischen Innovation, dem Sport- und Spaßfaktor oder einfach nur wegen seiner schönen Natur. Auf dem Campingplatz angekommen beenden wir den Tag mit etwas leckerem, selbst Gekochtem!

Der nächste Tag beginnt schon früh und hat heute etwas ganz besonderes für uns im Gepäck. Vielleicht nicht das erste was einem in den Sinn kommt wenn man an Neuseeland denkt aber dennoch 100% Kiwi: der Manuka-Honig. Er gilt als einer der Besten der Welt und davon wollen wir uns heute selbst überzeugen. Fünf Minuten entfernt von unserem Campingplatz liegt der Honey Hive. Diese kleine Farm informiert über die Honiggewinnung, zeigt einen Bienenstock und Imkermaterialien und bietet Produkte aller Art und deren Verkostung an. Vom Gesichtsbalsam über Ingwerhonig bis hin zu verschiedensten Metsorten ist alles dabei. Man darf nach Herzenslust von Allem kosten und schließlich entschließen wir uns eine Flasche vom traditionellen Met mitzunehmen, da wir das Glück haben uns ein zweites Mal mit Peter und Lisa treffen zu können.

Doch bevor die beiden gegen frühen Abend am Campingplatz ankommen geht es für uns erst einmal weiter im Programm. Wasserfälle gibt es in diesem Land ja wirklich so einige. Doch der Aratiatia stellt eine Besonderheit dar und ist eigentlich auch kein „echter Wasserfall“. Zur Stromgewinnung wird hier das Wasser aufgestaut und circa alle zwei Stunden ablaufen gelassen. Wer zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist kann Zeuge des Spektakels werden und miterleben, wie die poolähnlichen Becken des natürlichen Flussverlaufes nach und nach geflutet werden. Ganz nebenbei für die Herr der Ringe Fans unter uns: Hier befindet sich (wie so oft auf unserer Neuseelandreise) ein weiterer Drehort einer Szene aus der Hobbit Triologie. Als die Zwerge in schwimmenden Fässern aus der Gefangenschaft der Elben flüchten, dies wurde zumindest teilweise in genau diesem Fluss gedreht.

Der klare wunderschöne Fluss, der an unserem Campingplatz vorbeifließt endet nach gewisser Zeit in den sogenannten Huka Falls, die für heute als letzter Punkt auf unserer Liste stehen. Mich persönlich erinnern die Wassermassen eher an Stromschnellen als an einen Wassefall, aber dennoch ist es zum einen beeindruckend wie klar und tieftürkis das Wasser ist und zum anderen mit welcher Wucht es durch das halbrunde, tunnelartige Flussbett schießt.

Nachdem wir die letzte Nacht wieder lange in unserer Viererrunde zusammen saßen, gehen wir unseren heutigen, endgültig letzten gemeinsamen Tag gemütlich an. Von Anderen hatten wir gehört, dass es ganz angenehm sein soll sich von etwas weiter flussaufwärts bis zum Campingplatz treiben zu lassen. Also nichts wie los, Badehosen und Bikins an und auf zum Einstieg. Beim Hineinwarten merken wir, dass das Wasser schnell tiefer wird und dementsprechend auch die Strömung einsetzt. So muss man eigentlich nicht viel machen – nur einmal kurz die Füße angehoben und los geht die wilde Fahrt. Das uns umgebende Wasser ist angenehm erfrischend und durch die absolute Klarheit kann man problemlos bis auf den Grund des Flusses sehen. Ohne große Anstrengungen gelangen wir immer näher an den Campingplatz wo wir schließlich ganz schön rudern müssen um wieder ans trockene Ufer zu gelangen. Nach dieser eher gemütlichen Aktivität muss natürlich auch noch etwas Action her. Peter uns Lisa kennen einen etwas versteckten Swing, der sich dafür perfekt anbietet. An einer tieferen Stelle im Fluss wurden in einem Baum verschiedene Seile zum Schaukeln befestigt. In unterschiedlichen Höhen und Richtungen kann man sich so ins kühle Nass stürzen und ausgediente Fahrradlenker erleichtern das Festhalten. Wir haben jede Menge Spaß und auch wenn man nachdem man es einmal ausprobiert hat weiß, dass es gar nicht so schlimm ist wie es aussieht, schlägt das Herz bei jedem Sprung. Fast den ganzen Nachmittag verbringen wir hier, bis es schließlich Zeit ist auf wiedersehen zu sagen.

Für Lisa und Peter geht ihre Zeit hier in Neuseeland bald zu Ende und der Weg führt die beiden wieder zurück. Dort wartet der normale Alltag, der uns auch irgendwann wieder einholt- aber noch nicht jetzt. Wir haben die Zeit mit den beiden sehr genossen und obwohl wir uns hier in Neuseeland zum ersten Mal gesehen haben, fühlte es sich an, als würde man sich schon ewig kennen. Wir sind dankbar für eure zahlreichen Tipps und lieben Neuseeland jetzt schon so wie ihr;) Nach einem letzten gemeinsamen Fish and Chips Essen und einer herzlichen Umarmung trennen sich unsere Wege wieder. Die beiden düsen los mit ihrem Camper und wir statten noch schnell dem „coolsten Mc Donalds der Welt“ einen Besuch ab, indem man seinen Burger ganz genüsslich in einem Flugzeug verputzen kann…das gibt es auch nur hier!


1 Kommentar

FWeh · Februar 27, 2019 um 3:36 am

WOW! Wieder mal: Super Klasse! 🙂
Wir sind in gut 3 Wochen auch on Tour …. Philippinen. Aber nur 2 Wochen… 😉
Besser als nix. Euch weiterhin viel Spaß!! Freue ich auf neue Berichte!

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