aus der Sicht von Deborah

Erneut schlagen wir unser Nachtlager an einem Parkplatz nahe des Nationalparkes auf. Doch dieses Mal nicht um uns an die Höhenluft zu gewöhnen, sondern viel mehr, um bei Zeiten aufbrechen zu können und so der drohenden Mittagshitze zu entgehen. Sämtliche Parkplätze hier in Parknähe sind mit dem Schild : „No camping“ und einem durchgestrichenen Zelt versehen. Nun ja, Camping ist ein dehnbarer Begriff. Es ist eine laue Sommernacht und der klare Sternenhimmel verleitet gerade dazu, die Nacht draußen zu verbringen, doch das wäre dann wohl Camping, weshalb wir uns dagegen entscheiden. Mit den ersten Sonnenstrahlen brechen wir auf und wir sind nicht die Einzigen. Bereits vor Öffnung des Visitor Centers werden schon die ersten Bilder geschossen, die Parkplätze füllen sich stetig und die Backpacker sitzen vor ihren Campern und frühstücken. Punkt acht Uhr – wir schnappen uns eine Karte und los gehts. „Island in the sky“, „The maze“ und „The needels“ bilden die unterschiedlichen Bereiche des „Cannyonlands National Park“ im Südosten von Utah. Auf der linken Seite durch den Green River begrenzt und rechts durch den Colorado River bildet die „Island of the sky“ ein dreieckiges Areal, das wir uns heute etwas genauer anschaunen, beginnend mit dem wohl bekanntesten Motiv, dem „Mesa Arch“.

Der Weg dort hin ist ein leichter Spaziergang über präparierte Steinstufen, im Wechsel mit weichem, feinen Sand. Ein Blick durch den steinernen Bogen präsentiert den unter uns liegenden Canyon. Den zweiten Halt legen wir beim „Upheavel Dome“ ein. Wobei das Wort „Dome“ hier eigentlich eher unpassend ist, denn die weiß – grünliche Steinformationen ragt nicht in den Himmel, sondern liegt viel mehr wie in einem Kessel vor uns. Wie genau dieses Naturphänomen enstand, ist bis heute umstritten. Allgemein geht man jedoch davon aus, dass ein Meteoriteneinschlag dafür verantwortlich sein könnte und das knapp zwei Meilen große Loch in die Oberfläche gerissen hat. Wir verweilen einen Moment auf dem flachen eben Felsen bevor wir den letzten Hike in diesem Park in Angriff nehmen.

Der „Aztec Butte“ ragt ähnlich wie ein Tafelberg aus dem Nichts heraus und liegt in der prallen Hitze. Es ist erst elf Uhr und trotzdem scheint die Luft zu stehen, daher wollen wir noch ein letztes Mal hoch hinaus, bevor die Sonne ihre volle Kraft entfaltet. Eine glatte, vom Sand bearbeitete Felswand macht uns den Aufstieg nicht leicht. Auf Händen und Füßen kraxeln wir den hellen Stein hinauf, immer wieder auf der Suche nach dem nächsten, mehr oder weniger festen, Tritt. Nach Schatten sucht man hier vergeblich. Doch die Anstrengungen werden mit einem Blick über das weite, zerklüftete Land entlohnt. Der eigentliche Grund unseres Aufstieges liegt jedoch unterhalb der  oberen Felsvorsprünge. Hier haben die „Ancestral Puebloanos“, die native Bevölerkung, Bauwerke errichtet. Dabei handelt es sich um ein ausgeklügeltes System der Vorratsaufbewahrung. Die Menschen erkannten, dass unfruchtbarer Boden und Wetterbedingungen die Lebensmittelbeschaffung zunehmend schwierig gestalten. So begannen sie verschiede Kürbisarten und Hülsenfrüchte zu kultivieren und um den Canyon herum anzubauen. Diese gewonnenen Nahrungsmittel haben sie zusammen mit den mitgebrachten in kleinen Kammern, die an den Fels gemauert wurden gelagert. Um die unnatürlich aufgetesselten Gebilde dem Fels anzupassen und so vor Dieben zu schützen, wurden Sie mit Lehm bedeckt, mit einer Steinplatte versiegelt und haltbar für einige Zeit aufbewahrt. Wann immer ein Stammesmitglied in diesen Gefilden unterwegs war, konnte es sich des Vorrates sicher sein und so den beschwerlichen Weg durch das unbarmherzige Gelände überstehen. Letzte Überreste der Kammern können wir heute noch im Schutz des Felsens entdecken, da sie trotz ihrer Zerbrechlickeit, schon Jahrhunderte überdauern. Der große Ausichtspunkt am Ende der Parkstraße lässt einen Blick zu den beiden anderen Arealen zu. Links ragen spitze turmartige Gebilde in die Höhe und geben damit „The Needels“ seinen Namen.“ The Maze“ befindet sich rechts davon und in der Tat ähnelt es einem Irrgarten.

 

Was der Mensch seit Anbeginn der Zeit studiert und immer weiterentwickelt, scheint in unserem nächsten Park nur eine Laune der Natur zu sein. Ohne genaue Berechnungen, ein Fundament oder Gewichtsumlagesysteme bleibt hier alles an seinem Platz – zu mindest für einige Zeit. Im „Arches Nationalpark“ sind unzählige Steinbogen in allen Größen und Formen vorzufinden, deren Statik jährlich über eine Millionen Besucher ins Staunen versetzt. Der „Landscape Arch“ erstreckt sich über 93 Meter und ist in der Mitte gerade einmal 3,3m stark. Als dieser 1991 von Touristen besichtigt wurde, brach von dem Gebilde ein riesiger Steinbrocken ab. Verletzt wurde dabei niemand, doch es zeigt wie unberechenbar und zerrbrechlich die Steinriesen sein können. Hier arbeitet die Landschaft nach ihren eigenen Gesetzen, doch das auf wunderschöne und beeindruckende Weise. Ein weitere Beweis dafür ist der „Double Arch“. Ähnliche wie das Gewölbe einer Domkuppel bilden zwei nebeneinander entstandene Bögen eine Art Freilichtpavillion. Dabei ist eine Seite dem Park zugewandt und bildet eine Art Fenster. Hier zu sitzen erfüllt uns mit einem unbeschreiblichen Gefühl wohliger Wärme und grenzenloser Freiheit. Der gesamte Stein wird mit einem warmen abendlichen Licht angestrahlt und bildet somit den Auftakt für einen unvergesslichen Sonnenuntergang über „den Bögen der Wüste“.

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Kategorien: Amerika

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