aus der Sicht von Max

Das Hiking Mekka in Malaysien? Die Frage wird ganz klar von der Mehrheit der Backpacker mit den „Cameron Highlands“ beantwortet. Einem kleinen Gebirgsdorf nördlich von Kuala Lumpur und somit genau auf unserer Route in Richtung Norden. Wir sind nach Patagonien und Neuseeland doch ein wenig verwöhnt was Hikes betrifft, doch wieso dem Dörfchen nicht eine Chance geben? Also ab in den Bus und nichts wie hin.

Vor Ort angekommen wird schnell klar: die Zeiten eines kleinen verschlafenen Bergdörfchen gehören der Vergangenheit an. Mittlerweile reihen sich riesige, hässliche Beton-Hotelkomplexe aneinander, die die umliegende Natur verschandeln. Wer asiatischen Flair sucht, für den ist das hier der falsche Ort. Es erinnert eher an ein Bergdorf im Alpenvorland – doch wir sind in erster Linie wegen den angepriesenen Wanderwegen hier.

Nach kurzer Lagebesprechung und Analyse der Karte steht fest: zwei Tage sollten hier ausreichen, um die Top Wanderungen der Region zu begehen. Viele der Wege lohnen sich mit zwischen fünf und sieben Kilometer fast nicht in die Stiefel zu steigen, sodass wir eine Kombination von drei Routen auswählen, um zumindest ein Vormittagsprogramm aufstellen zu können. Oft wird dazu geraten, einen Guide zu buchen, da die Navigation „extrem schwierig“ sein soll und die Wege nur schlecht gekennzeichnet. Da bin ich mal gespannt! Ein deutsches Pärchen, das wir beim Frühstück kennen lernen wird uns am nächsten Morgen begleiten.

Beginnend mit einem leichten Spaziergang geht es zu den „Parit Falls“. Der Weg ist nahezu rollstuhlgerecht, doch er zählt auch zu einem der leichteren. Am Highlight des Treks angelangt finden wir einen kleinen aber feinen Wasserfall vor, dessen Becken jedoch leider bis zum Rand mit Müll gefüllt ist.

Der zweite Teil unserer Kombinationsroute ist da schon eher nach meinem Geschmack. Tatsächlich ist der Einstieg in den Hike ein wenig schwierig zu finden. Ohne Vorwarnung geht es vom Hauptweg steil ins dichte Geäst hinein. Ohne GPS den Weg finden? Keine Chance, doch wer sich hier mit GPS verläuft, der sollte vielleicht besser zuhause bleiben. Einmal auf dem richtigen Pfad ist es nahezu unmöglich, diesen aus den Augen zu verlieren. Warum die Wege nicht ausgezeichnet sind? Die Guides entfernen die Schilder von den Pfaden, um die Touristen mehr oder weniger dazu zu zwingen einen Führer buchen zu müsse. Nicht mit uns! Es geht über Stock und Stein, unter umgefallenen Bäumen hindurch oder darüber und immer wieder steil den Hang hinauf. Doch die Freude an der etwas anspruchsvolleren Wanderung hält nicht lange an. Nach knappen 30 Minuten erreichen wir bereits den höchsten Punkt des Tages. Schade, aber der grüne, moosbewachsene Wald war dennoch schön anzusehen.

Am Gipfel angelangt treffen wir einen doch etwas seltsamen Kautz an, der mit einem überdimensionalen Köcher auf der Jagd nach seltenen Schmetterlingen ist. Wir kommen schnell mit ihm ins Gespräch und es stellt sich heraus, dass er häufig hier her kommt, um sein Glück zu versuchen und sich ein kleines Zubrot zu verdienen. Wann immer die Sonne hinter den Wolken verschwindet ist es nahezu unmöglich die Schmetterlinge zu fangen, da sie sich dann im Unterholz verstecken, erklärt er uns. Diese Wartezeiten überbrückt er gewöhnlicherweise mit seiner Gitarre. Die Frage, was er auf seiner Gitarre spiele, beantwortet er mit einem hervorragenden Live-Konzert. LED-Zeppelin, Deep Purple, The Clash oder die Rolling Stones auf einem einsamen Gipfel in Malaysien – bizarr aber geil!

Der dritte Teil der Wanderung stellt das Highlight der Region dar. Er ist ein wenig anspruchsvoller dafür bietet er jedoch Aussichten, die wir sonst noch nicht hatte. An einem improvisierten Seil oder viel mehr einem Gartenschlauch steigen wir steile, rutschige Passagen hinab ins Tal – was ein Spaß. Nach und nach schlängelt sich der Weg durch die schier endlosen Teeplantagen, für die die Region weltbekannt ist. Mitten im üppigen Grün der Teesträucher finden sich immer wieder kleine versteckte Dörfchen, die wohl den einstigen Charm der Region noch immer ausstrahlen.  Das Wetter könnte nicht besser sein und so knallt die Sonne am Himmel bei angenehmen 20°C auf uns nieder. Der letzte Teil des Hikes erinnert mich viel mehr an eine Vatertagswanderung, die in der Heimat jährlich auf dem Plan steht. Am Ende angelangt gibt es einen regionalen Tee, bevor wir uns auf den Rückweg begeben. Auf den fast zweistündigen Marsch entlang der stellenweise engen, unübersichtlichen Hauptstraße an der es (welche Überraschung) auch keinerlei Fußweg gibt kann ich gerne verzichten, sodass wir beschließen erneut unser Glück beim Trampen zu versuchen. Einigen Erfahrungsberichten konnte ich zuvor entnehmen, dass es gerade hier in den Cameron Highlands sehr einfach sein soll, da die Einheimischen bereits an die Touristen gewöhnt sind und es ohnehin auch nur eine Straße gibt, die sich durch alle Orte schlängelt – optimale Voraussetzungen. Und in der Tat dauert es keine 20 Sekunden, bis ein Pickup stoppt und uns quasi bis zur Haustür des Hostels mitnimmt. Dass es so einfach werden würde hätte ich wirklich nicht gedacht.

Alles in allem ist es eine nette Wanderung für einen Vormittag oder halben Tag, doch ohne die Teeplantagen wäre es definitiv keine Besonderheit gewesen. Deswegen beschließen wir die für den zweiten Tag geplante Wanderung zu streichen und stattdessen mit einem Roller die Umgebung zu erkunden. Auf dem Plan stehen ein kleines Museum über Malaysien und die Region Cameron Highlands und eine Erdbeerfarm auf der man selbst die Früchte pflücken kann.

An der Erdbeerfarm angekommen ist die Ernüchterung groß. Ein wahrer Touristenhotspot, asiatische Reisegruppen soweit das Auge reicht, Minibusse und Reisebusse und das Schlimmste: hier gibt es kein richtiges Erdbeerfeld. Lediglich Gewächshäuser in denen die Früchte auf Holzkonstruktionen auf Hüfthöhe wachsen. Das ist nichts für mich! Und so beschließen wir nach einem kurzen Snack aufzubrechen und auf das überteuerte Erdbeerpflücken zu verzichten, auf das sich Deborah so gefreut hatte.

Das Museum hingegen stellt sich als positive Überraschung heraus. Im „Time Tunnel“ können wir viel über die Geschichte des Landes lernen, über Konflikte von denen man zuvor nie gehört hatte und auch die Entwicklung der Region Cameron Highlands. Archivaufnahmen zeigen den ursprünglichen Zustand und die Transformation zum touristischen Resort.

Wegen der Teeplantagen sind die Cameron Highlands jedoch definitiv einen Besuch wert. Die Wanderungen und Hikes sind alerdings ziemlich gehypt und überbewertet. Vielleicht sind wir zu verwöhnt aber sie haben mich wirklich nicht vom Hocker gerissen.

Umso mehr freue ich mich über den nächsten Stopp der tatsächlich noch mehr oder weniger ein Geheimtipp ist. Die Stadt Ipoh liegt zwar für die meisten Reisenden genau auf der Route, jedoch stoppen nur die wenigsten hier. Dabei bietet die kleine Stadt durchaus ein schönes Programm für einen Tag und verkürzt die Reisezeit von den Cameron Highlands auf die Halbinsel Penang. Und so schlendern wir durch die gemütliche Altstadt, probieren den für Malaysia bekannten White Coffe, bei dem es sich nicht um einen normalen Kaffee mit Milch handelt, sondern um eine eigene Bohnensorte. Der Geschmack erinnert an einen starken Kaffee mit einer leicht süßlichen Note. Bei gefühlten 40°C und erhöhter Luftfeuchtigkeit ist der Eiskaffee eine willkommene Abkühlung. Der Schweiß läuft nur so in Strömen.

Im Herzen der Altstadt befindet sich auf zwei Etagen ein kleines Museum über Ho Kai Cheong, der in den 1940er Jahren begann, selbst gemischten Tee zu verkaufen. Klingt im ersten Moment nicht sonderlich spannend, doch der Lebensweg und die Karriere des Mannes sind durchaus beeindruckend. Nach einem langjährigen Medizinstudium, dem Wille der Menschheit zu helfen und lediglich 4$ in der Tasche startete er sein Geschäft und begann auf den Straßen Tee für umgerechnet fünf Cent zu verkaufen. Getreu dem Motto „vom Tellerwäscher zum Millionär“ verwandelte er das Unternehmen in den darauf folgenden Jahren zu einem weltweiten Exporteur und noch heute ist der Name „Ho Yan Hor Herbal Tea“ unter Teekennern und Alternativmedizinern bekannt. Was mich jedoch am Meisten beeindruckt: im hohen Alter übergab er das Unternehmen an seinen Sohn, um sich den Dingen widmen zu können, die ihn interessieren und so  zog er zum Studieren nach Hong Kong und erhielt mit 87 Jahren seinen Doktortitel. Hut ab!


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