aus der Sicht von Max

Auf der Suche nach dem nächsten Must-see auf unserer Route stoßen wir auf das kleine Dorf Noojee. Circa eineinhalb Stunden östlich von Melbourne gelegen, hat es ein Stück Geschichte aus vergangenen Zeiten zu bieten. Die „old Trestle Bridge“. Eine 102 Meter lange und 21 Meter Hohe Eisenbahnbrücke, die einst den nahe gelegenen Ort Noojee mit Warragul verband. Sie wurde 1919 erbaut und wurde in einem Feuer 1939 so stark beschädigt, dass sie nicht weiter befahren werden konnte.
Bei einer genaueren Überprüfung stellte sich jedoch heraus, dass die Grundstruktur der Brücke gerettet werden kann, worauf die Restaurierung begann.

Ein weiterer stiller Zeuge vergangener Zeiten ist die alte Goldmiene in Walhalla. Einst hieß der kleine Ort Stringers, wurde jedoch 1863 nach der früheren Miene „Walhalla“ umbenannt. Im Goldrausch folgten die Glücksritter dem Stringers Creek stromaufwärts, bis sie zu der Erkenntniss kamen, dass das Gold im Fels von Walhalla ruhen muss. Die ersten Mienenarbeiter trieben daraufhin zwei Jahre lang einen hunderte Meter tiefen Tunnel in das Gestein – ohne Erfolg. Das Gold und der Reichtum blieben aus. Zumindest vorerst. Kurz darauf wurde die Arbeit von einer zweiten Gruppe aufgenommen, die auf eine vielversprechende Quarzader stieß und kurz darauf das ersehnte Gold in Händen hielt. Rasch wuchs die Miene zu einer der wichtigsten in ganz Australien an und förderte bis zu ihrer Schließung 1914 fast 13,7 Tonnen Gold ans Tageslicht. Zu Hochzeiten wurde in der Miene sechs Tage die Woche gearbeitet und die Bevölkerung in Walhalla stieg auf über 4000 an. 1884 war der Ort sogar der Erste der Welt, der über zwei elektrische Straßenlaternen verfügte.  Als der Boom jedoch abebbte und als die Arbeiter, die Firma und mit ihr die für den Abbau erforderlichen Stromgeneratoren verschwanden, die übrigens auch das Dorf mit Elektrizität versorgten, lag Walhalla brach – im Dunkeln. Erst 1998 erhielt die kleine Gemeinde wieder eine Stromversorgung.

Heute leben nur noch wenige Menschen hier. Das Dorf ist größten Teils zu einer Art Freilichtmuseum umfunktioniert und Teile der Miene können noch besichtigt werden. Ein beklemmendes Gefühl, zu sehen wie hier einst gearbeitet wurde. Die Schächte waren eng, die Luft stickig und es ging nur schleppend voran. Stellt euch vor ihr müsstet hier acht Stunden am Tag arbeiten in einer der unbeliebteren Positionen. Ihr seid für den Bohrmeißel verantwortlich. Mit ihm werden Löcher, die anschließend mit Dynamit gefüllt werden, in den Fels getrieben. Es gab jedoch noch keine technische Unterstützung. Ihr steht also eng gepresst, seitlich mit der Schulter an der Wand, Haltet den etwa unterarmlangen Bohrer mit beiden Händen an den Fels und hofft die Schicht unbeschadet zu überstehen. Denn schräg hinter euch und unmittelbar vor euch steht jeweils ein Kumpel, die mit einem zehn Kilo schweren Vorschlaghammer auf das Ende des Meißels schlagen und ihn so voran treiben. Deine Aufgabe ist es, den Bohrer nach jedem Schlag 90° um die eigene Achse zu drehen. Hoffentlich bleiben die andern beiden konzentriert während der Schicht. Die Hammer schlagen immer wieder im Wechsel auf den Bohrer ein – Metall auf Metall. *Kling*, *kling*, Stunde für Stunde, Tag für Tag. Eine beklemmende Vorstellung.

Die in der Nähe gelegenen Wanderung zu den Mushroom Rocks stellt da eine willkommene Abwechslung zur Enge des Schachtes dar. Wie der Name schon sagt, handelt es sich bei dem Naturschauspiel um riesige Gesteinsformationen, die unter dem Einfluss jahrhunderte langer Erosion die Form von überdimensionalen Pilzen annahmen.

Auf dem Weg stoßen wir bereits immer wieder auf gigantische Findlinge, die hier wie bestellt und nicht abgeholt herum liegen. Ein surrealer Anblick. Als wir die von Bildern bekannten „Pilze“ erreichen setzt Ernüchterung ein. Die Natur nimmt sich alles irgendwann zurück und so versperrt dichtes Gewächs den Blick auf den Fuß der Steine – schade. Die Wanderung ansich und die unzähligen bunten Singvögel, die sich uns zeigten waren es jedoch definitiv wert.

Am Nachmittag machen wir uns auf den langen Weg nach Green Patch, wo wir spät nachts ankommen. Der hier gelegene Nationalpark lockt mit einem botanischen Garten, einigen Aussichtspunkten über die Küstenlinie und der ein oder anderen versteckten Paradiesbucht, die zum Baden einlädt. Ein dreistündiger Rundweg führt uns über die Südzunge der Halbinsel. Hier in Australien hat man scheinbar eine andere Definition von Nationalpark als in Neuseeland. Es befinden sich ein Marinestützpunkt, ein Flugfeld und mehrere Siedlungen in dem Areal. Die Wanderwege sind keine wirklichen Trails, sondern viel mehr breite, unbefestigte Straßen und der angesteuerte Aussichtspunkt fällt auch bescheidener aus. Ein wenig enttäuschend, doch der Whiting Beach in einer der kleinen Buchten macht den Rest wieder vergessen. Türkis-blaues und ganz klares Wasser an einem heißen Tag, was will man mehr?

Der Rundweg durch den botanischen Garten macht einen eher ungepflegten Eindruck. Die Wiesen und Beete werden gut in Schuss gehalten, doch diesem Pfad wird wohl nur wenig Beachtung geschenkt. Es liegen Bäume auf dem Weg, Aussichtsplattformen sind geschlossen oder zugewuchert und insgesamt scheinen wir die einzigen zu sein, die diesen Trail einschlagen. Kurz vor Ende des Rundweges wird das Geschrei und Geraschel in den Baumkronen über uns immer lauter. Als ich nach oben sehe, traue ich meinen Augen nicht. Über uns hängen hunderte, vielleicht sogar tausende Flughunde in den Ästen. Riesige Fledermäuse, die kopfüber auf uns hinab starren. Beeindruckend und irgendwie beängstigend zugleich.


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