Im Licht der Dämmerung liegt die Skyline von Atlanta, wie mit einem goldenen Tuch überzogen, vor uns. Lediglich die Spitzen der Wolkenkratzer ragen so hoch in den Himmel, dass die letzten Sonnenstrahlen sie erreichen können. Der Anblick ist wirklich atemberaubend und Max und ich tun uns schwer, da noch auf den doch sehr dichten Verkehr und die Navigation zu achten.
Dennoch meistern wir den Weg und gelangen nach anfänglichen Problemen mit der Hausnummersuche (denn scheinbar folgt die Nummerierung hier keinem erkennbaren Schema) an unserem Ziel an. Unser Couchsurfing-Host Rick wartet bereits in der Einfahrt auf uns. Nachdem er uns herzlich begrüßt, führt er uns durch das Haus und stellt uns Theresa vor, seine Freundin aus China. Bereits beim gemeinsamen Abendessen, zu dem wir eingeladen sind, wird das Eis gebrochen und es gibt viel zu erzählen. Schnell wird klar, dass man mit seinem Gegenüber auf einer Wellenlänge ist. An diesem Abend sitzen wir noch lange zusammen und erfahren mehr über die beiden, zum Beispiel, dass Teresa als Professorin an einer Uni in China tätig ist und Rick ein leidenschaftlicher Hobbypilot, der zusammen mit einem Freund im stolzen Besitz einer Cessna 182 ist.

Am nächsten Morgen, als Max die Nachrichten auf seinem Handy checkt, erhält er einen kleinen Atlanta Sightseeing-Guide, den Rick selbst erstellt hat und das auf liebevolle Weise. So hat er extra Aktivitäten aufgelistet, die von sehr günstig  bis hin zu kostenlos sind. Jeder der 24 Tipps ist mit einer eigenen kleinen Bewertung, wie „Rick’s Pick “ oder „Rick dind’t try it yet“ versehen. Das macht die Planung für den heutigen Tag natürlich ein gutes Stück einfacher und so soll unser erster Weg zum Martin Luther King JR. Center führen.
Sowohl Max als auch ich sind durch den Englischunterricht mit diesem Thema vertraut und Schlagwörter wie „I have a dream“ und „Apartheid“ gehen einem durch den Kopf. Doch die Ausstellung zum wahrscheinlich bekanntesten Menschenrechtsaktivisten nach Mahatma-Gandhi  (der übrigens ein großes Vorbild für ihn war) liefert wesentlich mehr Hintergrundinformationen. Wände auf denen seine Worte verewigt sind wechseln sich mit Bildern, Zeitungsberichten und Multimediageräten ab, die Ausschnitte seiner Reden und Zeitzeugenberichte schildern. Es überläuft mich ein kalter Schauer, als ein Afroamerikaner vor einem der Bildschirme sitzt und voller Kraft die letzten Sätze seiner Rede mitspricht. So hallen seine weltbekannten Worte  „I have a dream“ scheinbar durch jeden einzelnen der Ausstellungsräume und seine Frau Coretta King hatte Recht als sie an seiner Beerdigung voller Zuversicht sagte, dass trotz seines Todes der Geist und sein Wirken in allen Zeiten fortbestehen werde. Und so sind es für mich persönlich die „stillen Wände“ mit seinen allzeit optimitischen Parolen, die mich Inne halten lassen und zum Nachdenken anregen. Ich denke, dass er nicht nur für sein Volk, sondern für Menschen aller Rassen und Länder ein Vorbild und zugleich Mitstreiter war, um seine Idee vom gewaltlosen Widerstand und der Erhaltung der Menschenewürde voran zu bringen. Beim Verlassen des Museums stoßen wir auf die „Auburn Street“, jene Straße in der sich das Geburtshaus und die Kirche in der King oft Zuflucht suchte befinden. Ich bin erstaunt darüber, wie gut die Gebäude erhalten sind, doch als Max mich daran erinnert, dass seit seiner Ermordung gerade einmal 50 Jahre vergangen sind, realisiere ich erst welche Reichweite dieses Thema hat. Der Gedanke, den Martin Luther King JR. ganz allgemein verfolgte, dass alle Menschen die gleichen Rechte haben sollen und die Freiheit und Würde jedes Einzelnen an erster Stelle stehen ist brandaktuell. Bisher machte ich mir noch nie wirklich Gedanken darüber, wie es sein muss, in der Gesellschaft nicht akzeptiert zu werden oder Angst haben zu müssen seine Meinung zu äußern. Das Wahlrecht scheint für uns Deutsche als demokratischer Staat selbstverständlich zu sein, ebenso wie der Zugang zu Bildung. Doch unsere Reise wies uns ganz andere Ansichten auf. So erfuhren wir,  dass zum Beispiel sämtliche uns bekannten sozialen Netzwerke in China nicht erlaubt sind – Ist dies nicht eine Art moderner Freiheitsentzug?
Um an dieser Stelle nicht zu weit abzuschweifen habe ich für mich gelernt, dass man die Privilegien, die wir heute weitestgehend weltweit genießen, keinesfalls als selbstverständlich nehmen sollten, sondern stets zu schätzen wissen und bemüht sein sie zu erhalte und dafür zu „kämpfen“.

 

Ein weiterer Tipp auf Ricks Liste ist der „Oakland Cemetery“. Auch wenn es ein etwas komisches Gefühl ist, einen Friedhof als Tourist zu besuchen, wollen wir ihn nicht auf unsere Tour auslassen, denn er soll der Schönste und Älteste der Stadt sein, auf dem auch einge Berühmtheiten ihre letzte Ruhe fanden. Umringt von einer verhältnismäßig riesigen Mauer dauert es eine Weile bis wir den Eingang finden. Durch ein großes Eisentor betreten wir die gepflasterten Wege und eine Grünanlage mit unzähligen Gräbern aller Größen, Formen und Gesteinsarten zeigt sich uns. Prunkvolle Mausoleen ähneln eher kleinen Kapellen und sind für eine letzte Ruhestätte sehr aufwändig errichtet. Die Wolkenkratzer in der Ferne wirken neben ihnen nur wie weitere unspektakuläre Grabsteine. 

Die nächste Empfehlungen aus Rick’s Reiseführer stellt der Olympic Park in unmittelbarer Nähe des Coca Cola Museums dar. Dieser wurde zum feierlichen Anlass der olympischen Sommerspiele 1996 errichtet. Eine kleine Oase der Erholung in mitten der asphaltierten Stadt. Wasserparks, Parkbänke und Grünflächen laden ein, für einen Moment die Seele baumeln zu lassen und mit Blick auf die Steinsäulen, die an die olympische Fackel erinnern, zu verweilen. Als wir unseren treuen Begleiter den kleinen Plüschgorilla, Namensgeber unseres Blogs, gerade platzieren wollen um einen Schnappschuss zu machen hören wir ein Lachen von der Bank nebenan. Und so kommen wir ins Gespräch mit einer Hawaianerin, die uns einiges über ihre Erfahrungen mit Atlanta schildert.

Ein letzter Spot für diesen Tag soll die Jackson Street Bridge sein. Nun ja, was soll ich sagen – Es handelt sich keinesfalls um eine Brücke mit herausragender Konstruktion oder Schönheit. Nein diese Brücke ist nur eine von hunderten hier in Atlanta … könnte man auf den ersten Blick meinen. Doch die Menschen die dort posieren und teilweise eine ganze Straßenspur blockieren sind aus einem ganz bestimmten Grund hier. Dies ist der wahrscheinlich beste Ort in Atlanta, um die Skyline der Stadt in allen Stimmungen und Winkeln einzufangen. Dieser Geheimtipp von Teresa ist definitiv einen Besuch wert.

Wie es der Zufall will, erfahren wir, dass heute Abend ein Couchsurfer-Treffen stattfindet. Eine optimale Chance neue Kontakte zu knüpfen, die wir uns nicht entgehen lassen wollen. Der Treffpunkt ist eine Brauerei mit Außenbereich.
Die Stimmung scheint ausgelassen, die Locals spielen Cornhole, ein scheinbar ortstypisches Spiel, bei dem es darum geht, einen faustgroßen Sandsack in eine dafür vorgesehene Spielfläche zu werfen. Das Restaurant ist gut besucht, wie also die besagten anderen Couchsurfer finden? Wir fragen uns durch und nach dem dies keinen Erfolg zeigt, ziehen wir einen der Kellner zu Rate. Doch auch er kann uns nicht wirklich weiterhelfen. Wir schauen uns also die Profile der Personen an die dem Event bei Couchsurifng zugesagt haben und können schließlich auch zwei von ihnen an einem Tisch finden. Wir gesellen uns zu ihnen und erfahren später, dass der Treffpunkt sich kurzfristig änderte. Nichts desto trotz beschließen wir wegen der angenehmen Atmosphäre und dem Ausblick über die Stadt hier zu bleiben. So genießen wir einen schönen Abend mit John und Trish. Beide wohnen in Atlanta und erzählen anfangs von ihren Couchsurfing-Erfahrungen, bis der Gesprächsstoff schließlich von deutschen Ingenieuren bis hin zu recyclebaren Flaschen reicht. 

Gegen späteren Abend löst sich die Runde auf, weil Trish aufgrund ihrer Arbeit morgens früh raus muss und Jack auf die Fahrzeiten der öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen ist.
Dies kommt uns gerade entgegen, da wir morgen zeitig nach Charleston aufbrechen wollen. Als wir „zu Hause“ bei Rick ankommen, sollte unser Vorhaben jedoch eine außerplanmäßig Wendung nehmen …

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Kategorien: Amerika

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