Unser weiterer Weg Richtung Asheville führt uns am Congaree Nationalpark vorbei. Die Parkfläche besteht weitestgehend aus tropenähnlichen Sumpfgebieten, wie die umliegenden Areale. Bereits beim Betretem des Parks wird klar, wir sind hier nicht alleine. Riesige Spinnennetze, mit ebenso großen Bewohnern erstrecken sich zwischen den Bäumen. Nach erstem Erschaudern erkennt man bei näherer Betrachtung die ausgeprägte und farbenfrohe Musterung der Krabbeltiere. Dennoch möchte man diesen Kameraden nicht im Dunkeln begegnen. In wiederkehrenden Abständen säumen ihre scheinbar zerbrechlichen Netze unseren weiteren Weg. Dieser führt über einen hölzernen Steg durch einen dicht besiedelten Wald, dessen sattes Grün der Blätter schon fast irreal wirkt. Immer wieder blenden die Sonnenstrahlen, die das dichte Blätterdach durchdringen. Wegen des überfluteten Weges können wir den geplanten Trail nicht forsetzen und bleiben daher auf dem weniger anspruchsvollen Holzsteg. Beim bloßen Versuch kurz Inne zu halten stürzen sich die Moskitos auf uns. Doch nicht nur Insekten jeder Art fühlen sich hier heimisch, sondern auch Eidechsen, Frösche und Schildkröten nennen die Gegend ihr zu Hause. Erstere weisen eine spektakuläre Farbgebung auf, die sich am Kopf rot beginnend bis zur Schwanzspitze in ein tiefes Blau wandelt. Auch wenn wir leider keinen der Frösche sehen können, sind sie kaum zu überhören. Musikalisch wird unser weiterer Weg durch ihr lautstarkes Quaken untermalt. Auf halber Strecke erreichen wir einen nicht all zu großen See, der angeblichen einen Aligator beheimaten soll. Von ihm fehlt jedoch jegliche Spur. Stattdessen entdecken wir einige Schildkröten, die im trüben Wasser ihre Kreise ziehen. Der zweite Teil des Trails führt uns tiefer in den Sumpf hinein. Die Pfähle des Steges versinken zunehmend im Morast. Plötzlich wirkt es, als würden die dünnen Holzbretter lediglich auf dem Wasser schwimmen. Beim Betreten biegen sich diese, sodass das Wasser sich zwischen den Planken durchdrückt und über den Weg schwappt. Wir sind froh als wir endlich festen Boden unter den Füßen haben.
Vor dem Parkeingang befinden sich überdachte Piknikgelegenheiten die wir gerne nutzen. Wieder einmal ist das Glück auf unserer Seite, als sich genau in diesem Moment ein Regenwaldähnlicher Platztregen über das gesamte Areal ergießt. Dieser ist eine willkommene Dusche, die seit Tagen ausgeblieben ist. Zu diesem Zeitpunkt wissen wir noch nicht dass sich ganz spontan eine Couchsurfing Gelegenheit ergeben sollte.

 

Gabi, eine Auswanderin aus Stuttgart bestätigt unsere kurzfristige Anfrage, sodass wir einen ungeplanten Stopp in Columbia einlegen, was jedoch genau auf dem Weg nach Asheville liegt. Beim gemeinsamen Abendessen, das sie aus dem Wenigen, das sie da hat, für uns  zaubert, erfahren wir mehr über sie und das Leben in den USA. So fällt beispielsweise hier  der Jahresurlaub mit 14 Tagen verhältnismäßig kurz aus.
Heute ist ihre Premiere, wir sind ihre ersten Gäste. Es ist schön mal wieder bekannte Klänge zu hören und die Unterhaltung wird durch Gabis deutsch-englisch Mix noch erfrischender und amüsanter. Sie bestärkt uns darin Asheville einen Besuch abzustatten und mit ein paar letzten Empfehlungen neigt sich der Abend dem Ende zu. Als sie am nächsten Morgen zur Arbeit startet, setzten wir unseren ursprünglichen Plan fort und fahren nach Asheville – eine Stadt in North Carolina, die von den südlichen Ausläufern der Appalachen umgeben ist. Der Hippikult soll hier zu Hause sein, was wir gleich bei der Ankuft feststellen. Zwei langhaarige Männer spielen im schattigen Park unbeirrt ihre Gitarren, Straßenmusiker und Künstler an jeder Ecke und ein Bongoworkshop erklingen durch die Gassen. Die Metropole wirkt mit ihren vielen Parks und Grünflächen sowie den unzähligen Gassen wie ein Dorf. Entlang kleiner
Hinweistafeln, die in den Gehweg eingelassen sind kann man an den Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt vorbei flanieren und so spielerisch die Stadt erkunden.
Am Ende unseres Weges beschließen wir uns mit einem kühlen Bier zu belohnen, denn schließlich weist Asheville die höchste Brauereidichte, in den gesamten Vereinigten Staaten auf. Die auserwählte Bar „Wicked Weeds“ verfügt über einen gemütlichen Außenbereich mit einer Feuerstelle an der wir uns niederlassen. Wieder einmal ist unser Plüschgorilla der Eisbrecher um mit den Amerikanern ins Gespräch zu kommen – Eine gemischte Gruppe aus allen Teilen der USA, die uns nach einer längeren Unterhaltung das Bier spendiert.

Gerade als wir aufbrechen wollen werden wir erneut auf den Gorilla angesprochen. Als wir ihnen von unserem Vorhaben erzählen laden sie uns an ihren Tisch ein. Bei der Gruppe handelt es sich um ein Familientreffen von zwei Geschwistern, deren Cousine und der Schwägerin, die geschätzt so Anfang 20 bis Mitte 30 sind.
Wie es der Zufall will sind sie suf dem Weg zu einem Rockkonzert und haben noch zwei Karten über, die sie uns anbieten. Als wäre dies nicht schon genug laden sie uns zusätzlich noch auf ein Bier ein. Den Abend lassen wir rockig mit „Franz Ferdinad“ und bei guter Stimmung ausklingen.
Es ist schon erstaunlich, was das Leben einem bietet, wenn man es einfach auf sich zu kommem lässt. Wie so oft auf unserer Reise führt eine Verkettung glücklicher Zufälle dazu, dass wir wieder einen unvergesslichen Abend mit wundervollen Menschen erleben. Unzählige Faktoren und Handlungen die unvorhersehbare Reaktionen nach sich ziehen . Was wäre gewesen wenn, wir eine andere Bar aufgesucht hätten? Wenn wir auf die Aufnahmen mit dem Plüschgorilla verzichtet hätten? Wenn wir eine Minute früher gegangen wären?
Wenn wir statt der verrückten Idee einer Weltreise den „ganz normalen“ Karriereweg eingeschlagen hätten?

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Kategorien: Amerika

4 Kommentare

Frank W. · August 3, 2018 um 8:43 pm

Klingt super!!! Immer weiter so!!! 🙂

    ChillerGorilla · August 7, 2018 um 6:40 pm

    Danke Frank,
    schön so ein Lob von dir als Weltenbummler zu hören 🙂 Die für dich interessanten Tauchspots stehen ja erst noch bevor;)
    Liebe Grüße in die schönste Stadt der Welt & auch an Silke!
    Max & Deborah

Judy · August 5, 2018 um 12:10 pm

Es ist wunderbar zu lesen, wie viel Gastfreundschaft und Offenheit euch zuteil wird und dass es euch gut geht ☺

    ChillerGorilla · August 7, 2018 um 6:41 pm

    Das stimmt! Schön zu wissen, dass es diese Werte noch gibt:)
    Liebste Grüße Schwesterherz
    Max & Deborah

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